Jochum, Manfred: Bis uns Hören und Sehen vergehen

Stolpersteine auf dem Weg zu einer neuen Medienwirklichkeit.

Mit einem Vorwort von Konrad Paul Liessmann, Wien – München – Zürich: Buchverlage Kremayr & Scheriau/Orac 2003, 190 Seiten, ISBN 3-218-00719-4, Euro 17.

 

Manfred Jochum legt mit diesem Buch eine Sammlung von Texten zu den Themenbereichen Wissenschaft, Medien und Öffentlichkeit vor, die in den letzten fünf Jahren bereits in Sammelbänden und Zeitschriften abgedruckt wurden. Für die vorliegende Ausgabe wurden die Texte überarbeitet, gestrafft oder erweitert und mit Anmerkungen versehen.

Wissenschaftler und Wissenschaftsjournalist

Der Autor publiziert damit einen umfangreichen Bericht über seine Beschäftigung mit dem oft schwierigen Verhältnis zwischen Medien und Wissenschaft und schreibt über ein Thema, für das kaum jemand kompetenter ist als Manfred Jochum. Der promovierte Geisteswissenschaftler arbeitete u. a. als Volksschullehrer und Universitätsassistent, bevor er 1976 zum ORF wechselte. Dort war er von 1992 bis 1998 als Wissenschaftsredakteur und Leiter der Radiohauptabteilung für “Gesellschaft, Bildung, Wissenschaft” für mehrere hundert Radio-Dokumentationen verantwortlich. 1997 bis 2002 fungierte er als Wissenschaftssprecher des ORF, 1998 bis 2002 war er Hörfunkintendant. Derzeit übt Jochum zahlreiche Funktionen in Leitungsgremien von Vereinen und Institutionen aus, unter anderem ist er Vorsitzender des Klubs der Bildungs- und Wissenschaftsjournalisten Österreichs, Präsident (Medien) der Österreichischen Wissenschaftsgesellschaft und Universitätsrat der Universität Klagenfurt. Neben zahlreichen anderen Preisen wurde er 1982 mit dem Staatspreis für Wissenschaftspublizistik und 2000 mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.

Medien, Aufklärung und Weltdeutung

In insgesamt zehn Kapiteln widmet sich Manfred Jochum dem kaleidoskopartigen Erscheinungsbild der modernen Medienwirklichkeit. Dem beruflichen Werdegang des erfahrenen Hörfunkjournalisten entsprechend, nimmt das Radio als zentrales Bildungsmedium einen wichtigen Stellenwert ein. Ausflüge in die “Frühzeit des Radios in Österreich” sind im vorliegenden Buch ebenso ein Thema wie der Stellenwert der Bildung im Informationszeitalter (“von Mickey-Mouse zu Microsoft”). Immer wieder verweist der Autor auf die aufklärerische Funktion der Medien, die auch dazu beitragen müssen, Kritik zu formulieren und zu transportieren, damit die totale Medien- und Kommunikationsgesellschaft nicht zu einer totalitären Gesellschaft mutiert. Manfred Jochum betont auch, dass Bildung sich nicht in bloßem Infotainment erschöpfen darf. Bildung sei immer auch Anstrengung, und trotzdem sieht der Autor die Zukunft der Medien nicht in leicht konsumierbaren Unterhaltungsformaten, denn: “Die Welt wird immer komplizierter, und die Menschen wollen sie verständlich erklärt bekommen.” Eine Allianz zwischen Wissenschaftsjournalisten und Fachwissenschaftlern kann zu dieser Erklärung beitragen, wenn gegenseitige Animositäten und Vorurteile hintangestellt werden: “Wissenschafter müssen erkennen, dass die Information der Öffentlichkeit über ihre Arbeit auch eine ihrer moralischen und öffentlichen Verpflichtungen darstellt. Journalisten müssen erkennen, dass dieser ‘Bringschuld’ der Wissenschaft ihre ‘Holschuld’ gegenübersteht.”

(eh)

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