Die paraverbale Komponente in der Praxis des Rhetoriktranings

Abstract: Dieser Beitrag ist der paraverbalen Komponente des Sprechens gewidmet, wozu alle nicht-inhaltlichen, hörbaren Bestandteile zählen (Sprachmelodie, Lautstärke usw.). Ausgehend von den physikalischen Grundlagen werden zuerst der Vorgang des Sprechens und die dabei beteiligten Grunddimensionen beschrieben. Im Anschluss daran geht es um so genannte paraverbale rhetorische Profile, die der Verbesserung des Trainings und der Analyse von rhetorischer Kompetenz dienen sollen.


Günther Kreuzbauer und Barbara Madella-Mella

Die paraverbale Komponente in der Praxis des Rhetoriktrainings

 

1. Vorbemerkungen

Wer möchte nicht gut und ohne Angst reden können? Gerade Rhetorik ist somit eine Kompetenz, die sich größter Beliebtheit erfreut. Rhetorik ist populär, Rhetorik wird erwartet, Rhetorik öffnet die Tür zur Karriere. Nur, wie machen?

Diese Frage stellt sich nicht nur dem angehenden Orator 1 , sie stellt sich vor allem allen Rhetoriktrainerinnen und -trainern in der täglichen Praxis. Zwischen diesem praktischen Training und den einschlägigen Wissenschaften besteht allerdings eine große Kluft (vgl. BERGMANN 2002, S. 228, mit weiteren Verweisen): Viele Wissenschaftler bezeichnen die notwendigerweise vereinfachten Modelle der Praktiker schlicht als „Schwundstufen“, nicht wenige Praktiker halten die Modelle der Wissenschaft für „zu theoretisch“. Wie beide aber voneinander profitieren können, möchten wir mit diesem Beitrag zeigen. Genau an der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Praxis angesiedelt, soll er wissenschaftlich fundiert sein, aber auf die Probleme des praktischen Trainings eingehen. Wenn wir im Folgenden wissenschaftlich argumentieren, versuchen wir den relevanten Normen der Wissenschaftlichkeit Genüge zu tun. Wenn wir bloße Vermutungen (Hypothesen) aufstellen, sind diese als solche gekennzeichnet, ebenso wenn wir uns auf die praktischen Erfahrungen aus dem Rhetoriktraining an der Universität Salzburg berufen. Gerade bei diesen Trainings haben wir uns in den letzten Semestern eingehend mit der paraverbalen Komponente beschäftigt und dabei festgestellt, dass dieses Thema in der Literatur bisher nur ungenügend aufbereitet wurde. Was fehlt, ist eine kompakte Darstellung, wie Sprechen funktioniert, welche Grunddimensionen dabei wichtig sind, und wie man damit die Frage klären kann, die in der tagtäglichen Praxis des Rhetoriktrainings tatsächlich interessiert, nämlich wie sich Phänomene wie Nervosität, Intensität, rednerische Präsenz usw. im Sprechen manifestieren. In diesem Beitrag geht es also um eine umfassende aber trotzdem kompakte Darstellung der paraverbalen Komponente des Sprechens.

Beim mündlichen Kommunizieren, insbesondere auch beim „public speaking“ (vgl. LUCAS 2001), spielen drei Komponenten eine Rolle: die verbale, die paraverbale und die nonverbale. Die verbale Komponente umfasst das Inhaltliche des Sprechens einschließlich struktureller und stilistischer Fragen. Grob gesprochen gehört dazu alles, was sich ohne Substanzverlust auch schriftlich ausdrücken lässt. Die paraverbale Komponente 2 enthält die nicht-inhaltlichen, hörbaren Bestandteile des Sprechens. Das sind sowohl die individuellen Sprechereigenschaften (Stimmlage, Resonanzraum usw.) als auch das Sprechverhalten, wozu z. B. Artikulation, Lautstärke, Sprechtempo und Sprachmelodie zählen. Zu diesem Themenkomplex gibt es zwar viele – teils ausgezeichnete – praktische Lehrbücher 3 , eine befriedigende Systematik fehlt allerdings. Zur nonverbalen Komponente gehören die visuell wahrnehmbaren körpersprachlichen Teile einer Rede 4 . Als Grundregel zur Abgrenzung zwischen der paraverbalen und der nonverbalen Komponente kann also gelten, dass man Paraverbales hört und Nonverbales sieht.

2. Sprechen physikalisch betrachtet

Immer, wenn wir jemanden sprechen hören, nehmen wir ein Phänomen wahr, das zum Bereich der Physik, genauer gesagt, zur Akustik (vgl.: BREUER 1990, S. 94-101; TIPLER 1995, S. 459-496) zählt, nämlich Sprachschall. Dieser beruht auf raschen Schwankungen des Luftdrucks, also auf Luftschwingungen, die vom Ohr wahrgenommen werden 5 und sich aus regelmäßig wiederkehrenden oder unregelmäßigen Elementen zusammensetzen können. Bei Regelmäßigkeit spricht man von periodischen Schwingungen, die als Ton bzw. Klang gehört werden. Unregelmäßige Schwingungen sind entweder aperiodisch oder ein Impuls. Wir hören dann ein Geräusch oder einen Knall. Die „Lautstärke“ einer Schallschwingung bestimmt sich nach der Heftigkeit der einzelnen Ausschläge, das heißt, der Amplitude.

Periodische Schwingungen haben eine Frequenz. 6 Ein Ton hat genau eine davon, die wir als Tonhöhe wahrnehmen. 7 Töne klingen künstlich stumpf und kommen in der Natur praktisch nicht vor, sondern nur Klänge, die sich aus mehreren – nach einem ganz bestimmten Muster angeordneten -Tönen zusammensetzen. Klänge haben folglich mehrere Frequenzen: der Teilton mit der tiefsten Frequenz, das heißt, der erste Ton einer so genannten Obertonreihe, legt auch die Grundfrequenz des gesamten Klanges fest. Ihn nennt man Grundton und nur er alleine ist für die wahrgenommene Höhe des gesamten Klanges verantwortlich. Über einem Grundton sind mehrere, meist schwächere Obertöne 8 aufgebaut, deren Frequenzen ganzzahlige(!) Vielfache der Grundtonfrequenz sind. Zusammen ergeben sie die charakteristische Farbe des Klanges. Das ist bei Musikinstrumenten nicht anders wie beim Singen und Sprechen. 9 Im Umkehrschluss lässt sich jeder Klang in seine unterschiedlichen Töne, das heißt seine Frequenzen zerlegen, wozu man in der Physik die so genannte Fourier-Analyse verwendet. Das funktioniert prinzipiell auch bei aperiodischen Schwingungen (Geräuschen) und Impulsen. Auch diese können in unterschiedliche periodische Schwingungen zerlegt werden, allerdings mit einem völlig anderem Ergebnis: hier sind die Obertöne nicht bloß ganzzahlige Vielfache, sondern es kommt zu einem kontinuierlichen Frequenzspektrum.

Physikalisch betrachtet lässt sich Sprechen mit lediglich drei Dimensionen vollständig beschreiben:

  • Schallspektrum
  • Schallstärke
  • Schallspektren- und Schallstärkenabfolge

Beim Schallspektrum geht es darum, welche Frequenzen gleichzeitig produziert werden, was nicht nur bei der Erzeugung von Vokalen und Konsonanten eine Rolle spielt, sondern auch bei Stimmlage und Stimmklang. Zweitens ist die Schallstärke zu nennen, worunter die Höhe der Amplitude der beteiligten Schwingung verstanden wird. Die Schallstärke hängt mit der subjektiv empfundenen Lautstärke zusammen und wird beim Sprechen vor allem durch den Atemdruck und die Resonanzen im Vokaltrakt 10 beeinflusst. Unter der Schallspektren- und Schallstärkenabfolge wollen wir hier die zeitliche Abfolge von Veränderungen der Schallspektren und Schwingungsamplituden verstehen, die beim Sprechen genauso wie in der Musik wesentlich von Bedeutung ist. Dabei geht es auch um die Geschwindigkeit, mit der solche Veränderungen stattfinden und die insbesondere für Sprechtempo und Sprechrhythmus verantwortlich ist.

3. Sprechen phonetisch betrachtet

Phonetik ist „die Wissenschaft, die sich mit der Produktion, der physikalischen Beschaffenheit und der Rezeption von Sprachschall“ befasst (WILLI 2001, S. 405; vgl. auch BUSSMANN 2002, S. 512). Da wir uns nun damit beschäftigen werden, wie Sprechen funktioniert und was dabei eine Rolle spielt, ist sie die zuständige Wissenschaft. Für alle relevanten Parameter werden wir den Begriff der Dimension verwenden.

3.1 Wie funktioniert Sprechen?

Sprechen ist nach HERRMANN und GRABOWSKI (1994, S. 29) das Erzeugen einer Lautfolge, aus der der Partner eine Phonemfolge 11 erschließen kann. Wir werden uns hier auf die Darstellung der Prozesse beschränken, bei denen die einzelnen Sprechlaute, also Vokale und Konsonanten, erzeugt werden und auf größere Zusammenhänge (Suprasegementalia) nur im Rahmen der Systematisierung der Dimensionen eingehen. Beim Erzeugen der Sprechlaute unterscheiden wir drei ineinander übergreifende Schritte: Stimmbildung (Phonation), Stimmformung und Artikulation. 12

3.1.1 Stimmbildung (Phonation)

Vor der Stimmbildung muss zunächst mit Hilfe des Zwerchfells oder der Brustmuskeln in der Lunge ein Luftstrom erzeugt werden. Erst dann kann die Stimmbildung mit Hilfe der Stimmlippen und der Stimmritze 13 im Kehlkopf erfolgen. Dazu muss sich zunächst unterhalb der geschlossenen Stimmritze ein Luftdruck aufbauen, der schließlich so groß wird, dass er die Stimmlippen aufbricht. Nach Abfallen des Drucks schließen sich diese wieder und durch dieses regelmäßige Öffnen und Schließen wird eine Abfolge von Luftdruckschwankungen und damit die notwendige Schwingung des Luftstroms erzeugt (vgl. WILLI 2001, S. 413). Das Ergebnis ist eine schwingende Luftsäule und somit Klänge, die in ihren Frequenzen und ihrer Schallstärke variieren. Für Sprache sind sie aber noch viel zu undifferenziert und zu leise.

3.1.2 Stimmformung

Im nächsten Schritt werden sie deshalb durch die Resonanzräume im Vokaltrakt verstärkt und verändert, wobei dies auch schon in die Erzeugung von Vokalen und Konsonanten übergreift.

3.1.3 Artikulation von Vokalen und Konsonanten

Die zum Sprechen notwendige Differenzierung erfolgt durch die Artikulation, bei der die schwingende Luftsäule durch die Artikulationsorgane in bestimmter Weise behindert und damit geformt wird. Erst dadurch entstehen die Vokale und Konsonanten einer Sprache. Zur Ausführung verfügen wir über aktive und passive Artikulationsorgane (Artikulatoren): aktive Artikulatoren sind die Lippen (labies), die Zunge, die Zungenspitze (apex), der Zungenkranz (corona), der Zungenrücken (dorsum), die Zungenwurzel (radix), der weiche Gaumen (velum) mit dem Zäpfchen (uvula), der Rachen (pharynx) und das Unterkiefer (mandibulum). Unbeweglich sind dagegen die Zähne (dentes), der Zahndamm (alveolae) und der harte Gaumen (palatal). Dabei kann gesagt werden, dass Lippen und Zunge die wichtigsten Artikulatoren sind.

Wir haben bereits festgestellt, dass periodische Schwingungen als Ton oder Klang und aperiodische Schwingungen als Geräusch oder Knall wahrgenommen werden. Diese Unterscheidung ist auch entscheidend dafür, wie Vokale und Konsonanten erzeugt und gehört werden. Grundsätzlich gilt dabei:Vokale basieren auf Ton und Klang, Konsonanten auf Geräusch oder Knall.

Die Produktion von Vokalen ist von verschiedenen Faktoren abhängig, zu denen die Höhe des Grundtons jedoch nicht gehört, da wir unterschiedliche Vokale ja mit unterschiedlicher Höhe sprechen bzw. singen können. Maßgeblich sind hingegen die so genannten Formanten, ein Begriff, den wir kurz erklären möchten: Wir haben bereits angesprochen, dass auch beim Sprechen jeder Klang aus Grundton und Obertönen besteht. Weiters haben wir auch schon die inneren Resonanzräume im Vokaltrakt erwähnt. Diese Räume besitzen bestimmte Eigenfrequenzen, welche man Formanten nennt (WILLI 2001, S. 415) und die teilweise angeboren, teilweise (mit Hilfe der Zunge) bewusst veränderbar sind. Werden diese Resonanzräume zum Schwingen angeregt, so verstärken sie ähnlich wie die Resonanzkörper von Musikinstrumenten ihre eigenen Frequenzen und schwächen andere ab. Das heißt, dass bestimmte Obertonfrequenzen lauter werden, andere leiser, was folgende Auswirkungen hat: Zunächst erzeugen die tiefsten Formanten – die wir durch die Zungenstellung bewusst steuern können – die Vokale (also etwa [a], [e], [i], [o], [u]). Die nicht beeinflussbaren oberen Formanten wiederum sind für die klanglichen Eigenschaften der Individualstimme verantwortlich.

Welche Vokale der Mensch wie produziert, kann man leicht selbst beobachten, indem man nacheinander die Vokale [a], [e], [i], [o], [u] spricht. Hierbei erkennt man nämlich, dass die Zungenstellung jeweils unterschiedlich ist. Diese Unterschiede werden durch das so genannte Vokaltrapez beschrieben, wobei [a] vorne unten, [e] vorne in der Mitte, [i] vorne oben, [o] hinten unten und [u] hinten oben gesprochen werden. Andere, weniger ausschlaggebende Faktoren sind neben der Zungenposition auch die Lippenrundung und die Nasalierung. 14

Wie erzeugen wir nun aber die Konsonanten? Wie erwähnt, sind diese im Gegensatz zu Vokalen akustisch gesehen Geräusche und basieren deshalb auf aperiodischem Schall oder Impuls. Ersteres ist etwa beim (leichten) Rauschen eines [f] der Fall, letzteres zum Beispiel beim Explosionsgeräusch eines [t]. Konsonanten sind nach drei artikulatorischen Kriterien differenzierbar: erstens nach stimmhaft (schwingende Stimmlippen) und stimmlos (nicht schwingende Stimmlippen), zweitens nach dem Artikulationsort (wo also die Behinderung des Luftstroms stattfindet) und drittens nach der Artikulationsart (wie der Konsonant produziert wird).

Zunächst zu den Artikulationsorten (vgl.: RAMERS 1998, S. 20-23; WILLI 2001, S. 420 f.). Hier unterscheidet man zwischen:

  • labial: bilabial oder labiodental, das heißt mit beiden Lippen oder nur Unterlippe gegen obere Schneidezähne
  • dental/alveolar: dental bedeutet direkt hinter den oberen Schneidezähnen, alveolar bezeichnet die Region etwas weiter hinten
  • palato-alveolar: bei palatal werden die Laute am harten Gaumen realisiert, bei velar am weichen Gaumen
  • uvular: hier werden zwei unterschiedliche Typen von r-Lauten am Gaumenzäpfchen gebildet
  • glottal: an dieser Stelle wird der so genannte Glottislaut gebildet, den man etwa vor der Silbe ‚ei‘ im Wort ‚Spiegelei‘ im Gegensatz zu ‚[Eulen-]spiegelei‘ findet.

Wenn wir die Konsonanten nach ihrer Artikulationsart einteilen, kommen wir zu folgenden Kategorien (vgl.: RAMERS 1998, S. 23-29; WILLI 2001, S. 419 f.):

  • Plosive (z. B. [b], [p], [t]) sind Verschlusslaute, die produziert werden, indem im Mundraum (oder in der Glottis) ein Verschluss mit der Zunge oder den Lippen gebildet wird. Wenn der Verschluss abrupt geöffnet wird, ruft das eine Art Explosionsgeräusch hervor, woher auch der Name rührt. Im Deutschen kommen Plosive immer paarweise vor, in einer stimmhaften und in einer stimmlosen Variante. Zusätzlich können Plosive behaucht werden (z. B. [ph]).
  • Frikative (z. B. [f] und [v]) sind Reibelaute beziehungsweise Spiranten, die durch eine Verengung im Mund- oder Rachenraum (oder in der Glottis) gebildet werden. Die Luft, die durch diese enge Passage ausströmt, wird in Turbulenzen versetzt, was man als Reibegeräusch wahrnimmt.
  • Affrikate (z. B. [ts], [pf], [ks]) sind Lautkombinationen, die man erzeugt, indem man Laute, die an der gleichen Artikulationsstelle gebildet werden, zusammenzieht.

 

Plosive, Frikative und Affrikaten bilden zusammen die Klasse der Obstruenten. Diese sind alle durch die Behinderung des Luftstroms im supraglottalen Bereich gekennzeichnet (vgl. RAMERS 1998, S. 27). Weiter Kategorien sind:

  • Bei Nasalen (z. B. [n], [m], [?]) unterscheidet man zwischen Nasalkonsonanten und Nasalvokalen, die gemeinsam haben, dass der weiche Gaumen gesenkt wird und die Luft nur durch die Nase entweichen kann,
  • Laterale ([l]), die man auch Seitenlaute nennt, werden produziert, indem man in der Mitte des Mundraumes einen Verschluss bildet und die Luft nur an den Seiten beziehungsweise an einer Seite entweichen kann. Im Deutschen gibt es nur einen Lateral: das erwähnte [l].
  • Vibrante ([r], [R]) sind Zitterlaute, die entweder gerollt (Trills) oder geschlagen (Flaps oder Taps) artikuliert werden. Bei den Trills werden im Deutschen entweder die Zungenspitze oder das Gaumenzäpfchen in Schwingung versetzt und es entsteht das vordere, gerollt [r] oder das hintere, uvulare [R]. Bei der zweiten Variante, den Flaps, vollführt die Zungenspitze oder das Gaumenzäpfchen nur einen sehr kurzen Kontakt mit dem Zahndamm oder dem Zungenrücken.

 

3.2 Paraverbale Grunddimensionen

Haben wir somit geklärt, wie Sprechlaute erzeugt werden, stellt sich nunmehr die Frage, wozu dieses Wissen im Rhetoriktraining nützlich ist. Einen Nutzen sehen wir in zwei Richtungen, die beide mit dem Problem zu tun haben, dass beim Rhetoriktraining regelmäßig die paraverbale Komponente einer Rede beurteilen werden muss, egal ob das mündlich erfolgt oder mit Feedbackbögen, die mit sozialwissenschaftlichen Fragebögen (vgl. dazu KIRCHHOFF, KUHNT et al. 2001) vergleichbar sind. Unser erstes Ziel besteht nun in einer besseren Systematisierung dieses Bereichs, was nicht nur dem tieferen Verständnis, sondern auch der effizienteren Durchführung solcher Bewertungen dient. Eine solche Systematik kann dabei auch zur Entwicklung besserer Feedbackbögen dienen, die etwa in einer Kombination von Ordinalskalen (so wie etwa die Schulnotenskala, vgl. dazu ATTESLANDER 1995, S. 264-280) und qualitativen Beschreibungsfeldern (vgl. BORTZ und DÖRING 1995, S. 271-325) bestehen könnten. Zweitens stellt sich im Rhetoriktraining das Problem, dass zur Beschreibung rhetorischer Leistung in Ermangelung besserer Alternativen oft wenig differenzierte Alltagsbegriffe, wie etwa „nervös“, verwendet werden müssen. Es kann dabei die Frage auftauchen, an welchen paraverbalen Merkmalen man zu erkennen vermag, ob eine Person nervös ist oder nicht. Dies erfordert aber eine Rückführung solcher Begriffe auf paraverbalen Grunddimensionen, die auch dafür zuerst systematisiert und dann zu Profilen zusammengefasst werden müssen.

3.2.1 Systematik paraverbaler Dimensionen

In beiden Fällen ist eine Systematisierung der paraverbalen Komponente des Sprechens wichtig. Das ist aber eine komplexe Aufgabe, bei der zunächst zu klären ist, was überhaupt als relevante Dimension angesehen werden soll und was nicht. Außerdem beeinflussen und enthalten sich paraverbale Dimensionen gegenseitig (wie Stimmlage und Tonhöhenverlauf). Bei manchen Dimensionen geht es um ein „Besser“ oder „Schlechter“ (z. B. beim Sprechfluss), bei anderen um das Finden einer individuell unterschiedlichen „goldenen Mitte“ (z. B. beim Sprechtempo). Bei vielen Dimensionen gibt es gleichzeitig eine absolute und eine relative Größe (z. B. Sprechtempo und Sprachrhythmus), bei manchen gibt es eine neutrale Stellung (z. B. bei der Lautstärke). (Vgl. ECKERT und LAVER 1994, S. 57-64)

Wir wollen dazu eine dreiteilige Systematik vorschlagen, die im Wesentlichen den einzelnen Prozessen des Sprechens folgt: Die erste Kategorie betrifft die Ebene der Erzeugung der kleinsten Segmente (also die stimmliche Erzeugung von Vokalen und Konsonanten). Die zweite betrifft die Ebene der einfachen suprasegmentalen Phänomene und die dritte die Ebene von Kombinationen derselben. Somit kommen wir zu folgender Einteilung:

  1. Artikulatorische Dimensionen
    1. Stimmbildung
    2. Stimmformung
    3. Artikulation
  2. Einfache suprasegmentale Dimensionen
    1. Tonhöhenverlauf
    2. Dynamik
    3. Tempik
  3. Zusammengesetzte suprasegmentale Dimensionen
    1. Sprachmelodie
    2. Sprechfluss
    3. Dialekt- und Sprachniveau
    4. Paraverbale Verständlichkeit
    5. Paraverbale Hervorhebungen
3.2.2 Artikulatorische Dimensionen

Zu den artikulatorischen Dimensionen zählen wir alle Prozessstufen, die zur Erzeugung von Vokalen und Konsonanten notwendig sind. Dies vor allem deswegen, weil diese Prozesse in einander übergreifen und deshalb nicht voneinander zu trennen sind. Analog zum letzten Kapitel sind das folgende Dimensionen: Stimmbildung, Stimmformung und Artikulation. Bei der Stimmbildung (Phonation) entstehen die stimmlichen Signale im Kehlkopf, bei der Stimmformung erfolgt deren Verstärkung und Veränderung im Vokaltrakt und bei der Artikulation werden die einzelnen Vokale und Konsonanten erzeugt.

Die Stimmbildung ist für eine Reihe von Stimmeigenschaften verantwortlich (vgl. ECKERT und LAVER 1994, S. 57-89):

  • Die neutrale Stimmgebung, bei der sich die Schwingungen über die gesamte Länge der Stimmritze erstrecken.
  • Die knarrende Stimme, bei der die Stellknorpel 15 so fest zusammengezogen werden, dass die Stimmlippen nur im vorderen Bereich frei schwingen können.
  • Die „behauchte“ Stimme, worunter man die Mischung von Hauchen und Stimmgebung versteht. Dabei werden die Stimmlippen nur ein wenig einander angenähert, die Stimmritze wird aber nie völlig geschlossen.
  • Die Flüsterstimme, bei der wie bei der behauchten Stimme Luft entweicht, die nicht durch Schließen und Öffnen der Stimmritze in Schallwellen umgewandelt wird. Allerdings bleiben hier die Stimmlippen geschlossen und die Luft kann nur durch das so genannte Flüsterdreieck entweichen. Der Schall wird durch Verwirbelung der an den Knorpelrändern des Flüsterdreiecks vorbei streichenden Luft erzeugt.)
  • Die „Murmelstimme“ (vgl. BUSSMANN 2002, S. 454) ist mit der behauchten Stimme eng verwandt. Sie wird beispielsweise verwendet, wenn Kinder ein Gespenst imitieren und dazu „Uhh“ rufen oder wenn wir beim Vorlesen eines Briefes unwichtige Teile überfliegen und dabei sprechen. Die Stimmlippen sind hier wesentlich lockerer als bei der neutralen Stimmgebung. Zusätzlich kommt es zu lokalen Verwirbelungen, ähnlich wie bei der Flüsterstimme. Beide Effekte ergeben zusammen den typischen Klang dieser Stimmeigenschaft.
  • Das Falsett spielt beim Schauspielen und Singen eine Rolle. Insbesondere, wenn Männer Frauenstimmen imitieren, lässt sich damit eine komische Wirkung erzielen. Beim Falsett werden die Stimmlippen stark passiv gespannt und sind deshalb deutlich schmaler als üblich. Die Stimmlippen schwingen damit hörbar anders und geben in der Regel ein höheres Signal ab.
  • Die „raue“ Stimme entsteht, wenn die Stimmbänder extrem stark gegeneinander gezogen werden, weil es dann zu unregelmäßigen Schwingungen kommen kann, die als Rauheit wahrgenommen werden. Da die Stimmritze verschlossen ist, muss zum Sprechen ein großer Atemdruck aufgebracht werden.

Für andere Stimmeigenschaften ist weniger das Geschehen im Kehlkopfbereich als vielmehr die Stimmformung im Vokaltrakt maßgeblich. Hier lässt sich besonders gut das Phänomen beobachten, dass Hörer eine Stimmeigenschaft in der Regel umso negativer beurteilen, je weiter sie sich von der Neutralstellung – die einem entspannten aber nicht schlaffen Vokaltrakt und dem korrekten Einbeziehen der Nase entspricht – entfernt (ECKERT und LAVER 1994, S. 95). Aus der Abweichung davon ergeben sich folgende Stimmeigenschaften:

  1. Die gepresste Stimmeigenschaft entsteht durch Verkrampfungen im Vokaltrakt, wobei typischerweise auch der Kehlkopf hochgezogen wird. Das dabei entstehende gepresste bzw. „knödelige“ Sprechen spielt im Rhetoriktraining eine große Rolle, weil diese Sprechweise ein relativ häufig anzutreffendes Symptom von Sprechangst (vgl. dazu KRIEBEL 1992) ist. Problematisch ist das vor allem deshalb, weil diese Stimmeigenschaft von vielen Personen deutlich negativ bewertet wird. (ECKERT und LAVER 1994, S. 95-101)
  2. Die „Grabesstimme“ ist das Gegenteil zur gepressten Stimmeigenschaft, nämlich der Extremfall eines erschlafften Vokaltrakts. Auch sie wird in der Regel eher negativ beurteilt, kommt allerdings nicht so oft vor. (ECKERT und LAVER 1994, S. 101)
  3. Näseln (Rhinophonie) ist eine Störung des Stimmklanges, die durch eine zu große nasale Komponente hervorgerufen wird. (ECKERT und LAVER 1994, S. 111-117; vgl. auch: WIRTH 1994, S. 418-451; FRANKE 2001, S. 184)

Als nächste Dimension ist die Artikulation zu nennen, also die Bildung von Vokalen und Konsonanten. Dafür sind die bereits genannten aktiven Artikulatoren, also Lippen, Zunge, Gaumen, Zäpfchen, Rachen und Unterkiefer, zuständig. Die Neutralstellung entspricht einer deutlichen aber nicht übertriebenen Artikulation. Von den unzähligen Abweichungen sollen nur diejenigen erwähnt werden, die im Rhetoriktraining mit gesunden Sprechern eine Rolle spielen 16 :

  • Artikulatorisches „Knödeln“ hört sich an, als hätte man eine heiße Kartoffel im Mund, weshalb der Kiefer weit geöffnet wird und die Zunge nach hinten rutscht. Außerdem sind die Lippen in ihrer Bewegung eingeschränkt. Insgesamt ergibt sich eine sehr undeutliche Artikulation. (Vgl. ECKERT und LAVER 1994, S. 127 f.)
  • Stammeln (Dyslalie) ist eine Artikulationsstörung, bei der einzelne Laute oder Lautverbindungen fehlen, durch andere ersetzt oder verzerrt werden. (WIRTH 1994, S. 314; FRANKE 2001, S. 65)
  • Unter „Lispeln“ (Sigmatismus) versteht man das Stammeln des S-Lautes bzw. der Reihe der S-Laute. (WIRTH 1994, S. 352) Es wird vor allem durch eine fehlerhafte Zungenstellung verursacht.
  • Nuscheln ist eine spezielle Art von undeutlichem Sprechen, das meist durch zu geringe Kieferöffnung und nicht exakte Zungenbewegungen hervorgerufen wird. (FRANKE 2001, S. 153)
3.2.3 Einfache suprasegmentale Dimensionen

Die Phonetik interessiert sich aber nicht nur für die Ebene der einzelnen Segmente, sondern auch für lautliche Erscheinungen, die an größere Äußerungseinheiten gebunden sind und die sich über mehr als ein Segment erstrecken (Silben, Wörter, Sätze usw.). Dafür wird der Begriff der „Suprasegmentalia“ verwendet und man zählt dazu solche Phänomene wie das Sprechtempo, den Sprechrhythmus, den Tonhöhenverlauf, die Lautstärke usw.

Einige Suprasegmentalia (wie der Akzent und der Tonhöhenverlauf) können inhaltliche (verbale) Funktionen wahrnehmen, indem sie z. B. durch unterschiedliche Betonung einen semantischen Unterschied ausdrücken: „úmfahren“ im Gegensatz zu „umfáhren“. Weiteres können Suprasegmentalia Informationen über bestimmte Aspekte der Kommunikation tragen. Das heißt, dass ein Sprecher zum Beispiel durch Flüstern Vertraulichkeit signalisieren kann. Schließlich können solche Phänomene auch indexikalische Funktionen ausdrücken, da sie ein Individuum näher bestimmen können, etwa in Bezug auf sein Geschlecht, sein Alter usw. (vgl. WILLI 2001, S. 422-424). Wir unterscheiden zwischen folgenden drei Dimensionen:

  1. Tonhöhenverlauf
  2. Dynamik
  3. Tempik 17

Der Tonhöhenverlauf ist das phonetische Pendant zum physikalischen Schallspektrum. Die Tonhöhe hängt beim Sprechen nicht nur von der natürlichen Stimmlage ab, sondern kann in einem bestimmten Bereich frei gewählt werden. Die meisten Menschen bewerten zu große Abweichungen von der natürlichen Stimmlage, das heißt, zu hohes oder zu tiefes Sprechen, aber als negativ. Bei Männern werden natürlich klingende tiefere Stimmen in der Regel positiv beurteilt. (Vgl. ECKERT und LAVER 1994, 162-166)

Daneben sind die Tonhöhenvariationen, auch Intonation (ECKERT und LAVER 1994, S. 34) genannt, von Bedeutung, die, wie erwähnt, auch verbale Funktion haben können. Mangelnde Tonhöhenvariationen (Monotonie) werden von den meisten Zuhörern als einschläfernd empfunden. (ECKERT und LAVER 1994, S. 164)

Die Dynamik ist die subjektive Seite der physikalischen Kategorie der Schallstärke. Das menschliche Ohr funktioniert nämlich nicht so objektiv wie ein Messgerät, sondern hört bestimmte Schallstärken lauter oder leiser als sie eigentlich sind. Dieses Phänomen wird im Begriff der Lautstärke berücksichtigt, worunter die vom Menschen empfundene Schallstärke verstanden wird. Variationen in der Lautstärke ergeben die Dynamik. Auch hier ist also zwischen einem objektiven Anteil (Lautstärke) und einem relativen Anteil (dynamischer Verlauf) zu unterscheiden. Eine Sonderstellung nimmt dabei der dynamische Akzent als plötzlicher Lautstärkeanstieg ein, der etwa zur Betonung bestimmter Stellen oder bei für eine akzentuierten Sprechweise benutzt wird.

Zur Kennzeichnung der zeitlichen Dimension des Sprechens, die auf der Aufeinanderfolge von Änderungen des Frequenzspektrums oder der Schallstärke beruht, schlagen wir den Begriff der Tempik vor, der Tempo und Rhythmus beinhaltet. Das Tempo ist dabei die zeitliche Grundeinheit. Zeitliche Variationen betreffen den Rhythmus (vgl.: FRANKE 2001, S. 185; WILLI 2001, S. 424), worunter man die Art versteht, wie die Segmente im Redestrom verteilt sind. Manche Sprachen tendieren dazu, zwischen einzelnen Silben mehr oder weniger regelmäßige Abstände einzuhalten und die dazwischen liegenden Silben abzuschwächen. Dabei kann man zwischen akzentzählendem (z. B. Deutsch, Englisch) und silbenzählendem Rhythmus (z. B. Französisch, Spanisch) unterscheiden. Zur Differenzierung von Bedeutungen wird in vielen Sprachen die unterschiedliche Dauer von Segmenten benutzt. Dieses Phänomen wird auch als Quantität bezeichnet. Das heißt, dass ein Segment nur im Vergleich zum lautlichen Kontext als kurz oder lang interpretiert werden kann und es somit nur relative Dauerwerte gibt.

3.2.4 Zusammengesetze suprasegmentale Dimensionen

Neben den eben geschilderten einfachen suprasegmentalen Dimensionen haben wir fünf zusammengesetzte gefunden. Diese sind nach einem so spezifischen Muster aus den einfachen Dimensionen gebildet, dass sie nicht auf diese reduziert werden können, sondern als eigenständige behandelt werden müssen. Dazu zählen:

  1. Sprachmelodie
  2. Sprechfluss
  3. Dialekt- und Sprachniveau
  4. Paraverbale Verständlichkeit
  5. Paraverbale Hervorhebungen

Sprachmelodie ist ein Begriff der Alltagssprache, der oft mit dem Tonhöhenverlauf gleichgesetzt wird. In der Tat spielt die Variation der Tonhöhe eine große Rolle, allerdings nur in Kombination mit Dynamik und Tempik. Auch in der Musik, von welcher der Begriff ja entlehnt ist, macht die Tonhöhe alleine keine Melodie aus. Als Sprachmelodie wollen wir deshalb die Summe aller Variationen in Tonhöhe, Dynamik und Tempik. Zur Sprachmelodie zählen wir auch den Akzent (vgl.: WIRTH 1994, S. 166-168; WILLI 2001, S. 423), bei dem eine Silbe innerhalb eines Wortes hervorgehoben wird. Dafür gibt es mehrere Möglichkeiten: Die akzentuierte Silbe hat eine höhere (oder auch tiefere) Grundfrequenz bzw. eine andere Klangfarbe (melodischer Akzent), größere Lautstärkenintensität (dynamischer Akzent) oder eine andere Dauer (temporaler bzw. rhythmischer Akzent).

Unter dem Sprechfluss (bzw. Redefluss) – einer weiteren zusammengesetzten Dimension – wollen wir die zeitliche Dimension beim Gebrauch der Artikulationsorgane verstehen. Das heißt, ob Vokale und Konsonanten bzw. größere Äußerungseinheiten zur richtigen Zeit gebildet werden oder nicht, womit diese Dimension auch ein Tempo-Element besitzt. Der Sprechfluss ist etwa dann problematisch, wenn zu viele Füllwörter („Ähs“) verwendet werden. Hinzuweisen ist aber auch auf zwei bekannte Störungen, nämlich Stottern und Poltern:

  • Stottern ist eine zeitweilige, willensunabhängige doch situationsabhängige Redeflussstörung, die sich vor allem in Wiederholungen zeigt. (WIRTH 1994, S. 475; FRANKE 2001, S. 215)
  • Poltern ist eine Redeflussstörung, die sich durch eine schnelle, überstürzte, undeutliche Sprechweise kennzeichnet. (MEIXNER 1992, S. 468-490; WIRTH 1994, S. 562-574; FRANKE 2001, S. 168 f.)

Das Thema „Dialekt- und Sprachniveau“ ist so umfassend, dass es ganzer Trainingseinheiten zur Diskussion und ganzer Bücher zu seiner Analyse bedürfte. Zusammengefasst geht es dabei einerseits um verbale Fragen (spezifische Wörter, spezifische Grammatik usw.) und andererseits um Fragen der Artikulation und der Sprachmelodie. In diesem Sinne ist es eine zusammengesetzte Kategorie, die immer mit einer Abweichung von der deutschen Standardaussprache (vgl. MANGOLD 2000) verbunden ist, und die im Rhetoriktraining insbesondere unter dem Aspekt der Anpassung an das Publikum eine Rolle spielt.

Bei der paraverbalen Verständlichkeit geht es im Gegensatz zur verbalen Verständlichkeit (vgl. LANGER, SCHULZ VON THUN et al. 1987) nicht um Fragen des Aufbaus, der Wortwahl usw., sondern um eine Kombination aus korrekter Artikulation, einem guten Sprechfluss und einem guten Dialekt- und Sprachniveau.

Als letzte Dimension sind die paraverbalen Hervorhebungen zu erwähnen. Hervorhebungen können beim Sprechen sowohl verbal, etwa durch „Signposts“ (vgl. LUCAS 2001, S. 206 ff.), durchgeführt werden, als auch paraverbal. Im Gegensatz zum Akzent ist der Zweck einer Hervorhebung immer verbal. Als Mittel können sowohl Tonhöhe, Dynamik oder Tempik verwendet werden, denn man kann etwas nicht nur dadurch betonen, dass man es lauter spricht, sondern auch indem man leiser wird oder überhaupt eine Pause macht. Wichtig ist lediglich, dass sich die Hervorhebung vom Umliegenden unterscheidet.

3.2.5 Zusammenfassung der paraverbalen Grunddimensionen

Zusammenfassend zeigen wir eine Tabelle mit den beschriebenen Dimensionen, aus der auch ein Bewertungsbogen in Form eines Fragebogens entwickelt werden könnte. Dabei müssten natürlich noch Vereinfachungen und Kürzungen vorgenommen werden, die hier aber nicht weiter diskutiert werden sollten. Ebenso wenig soll auf Fragen der Skalierung (vgl. BORTZ und DÖRING 1995, S. 202-210) näher eingegangen werden.

Dimension Bewertungsmöglichkeiten
Stimmbildung und -formung
Stimmlage zu tief – richtig – zu hoch
Stimmklang allgemein sehr unangenehm – sehr angenehm
Besonderheiten bei der Stimmbildung und -formung

  • Knarren
  • Behauchte Stimme
  • Flüstern
  • Nuscheln
  • Falsett
  • Raue Stimme
  • Gepresstes Sprechen
  • Grabesstimme
  • Näseln
jeweils: nicht vorhanden – deutlich wahrnehmbar
Artikulation
Artikulation allgemein zu wenig – richtig – zu viel
Besondere Artikulationseigenschaften·

  • Art. Knödeln
  • Stammeln
  • Lispeln
  • Nuscheln
jeweils: nicht vorhanden – deutlich wahrnehmbar
Tonhöhenverlauf
Tonhöhenvariationen zu wenig – richtig – zu viel
Besonderheiten beim Tonhöhenverlauf Beschreibungstext
Dynamik
Lautstärke zu tief – richtig – zu hoch
Dynamik zu wenig – richtig – zu viel
Besonderheiten der Dynamik Beschreibungstext
Tempik
Tempo zu tief – richtig – zu hoch
Sprachrhythmus zu wenig – richtig – zu viel
Besonderheiten des Sprachrhythmus Beschreibungstext
Sprachmelodie
Sprachmelodie zu wenig – richtig – zu viel
Besonderheiten der Sprachmelodie Beschreibungstext
Sprechfluss
Sprechfluss sehr schlecht – sehr gut
Besonderheiten beim Sprechfluss

  • Füllwörter
  • Poltern
  • Stottern
jeweils: nicht vorhanden – deutlich wahrnehmbar
Besonderheiten beim Sprechfluss Beschreibungstext
Sprachniveau
Sprachniveau zu tief – richtig – zu hoch
Besonderheiten beim Sprachniveau Beschreibungstext
Paraverbale Verständlichkeit
Verständlichkeit sehr schlecht – sehr gut
Besonderheiten bei der

paraverbalen Verständlichkeit

Beschreibungstext
Paraverbale Hervorhebungen
Sprachliche Hervorhebungen zu wenige – richtig – zu viele
Besonderheiten bei den

paraverbalen Hervorhebungen

Beschreibungstext

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3.3 Paraverbale Profile

Zunächst wollen wir am Beispiel der Nervosität klären, was wir unter paraverbalen Profilen verstehen: Nervosität ist dabei natürlich kein wissenschaftlicher Begriff, wir sind uns uns in unserem alltäglichen Erleben aber meistens darüber einig, ob jemand nervös ist oder nicht. Außerdem kann man in der alltäglichen Trainingspraxis kaum auf solche Begriffe verzichten, weil sie sehr gut dazu geeignet sind, relevante Sachverhalte in einer für Laien verständlichen Sprache zu beschreiben. Möchte man solche Begriffe also weiter verwenden, muss man sie systematisieren und auf den theoretischen Grundlagen der einschlägigen Wissenschaften abstützen. Wir werden uns hier ausschließlich auf die paraverbale Komponente beschränken.

Was wir unter einem paraverbalen Profil verstehen, möchten wir anhand einer typischen rhetorischen Trainingssituation erklären. Beispielsweise hört eine bestimmte Anzahl von Studierenden der Rede eines Kollegen zu. Am Schluss werden Fragebögen verteilt, in denen diese die paraverbale Komponente der Rede bewerten sollen, die zu diesem Zweck in Dynamik, Tempik, Artikulation usw. aufgeschlüsselt wird. Nehmen wir weiters an, dass sich bei der Auswertung bestimmte Häufungen ergeben, dass also viele Personen z. B. die Lautstärke als zu gering, das Tempo aber als zu hoch bewerten. Nun nehmen wir in einem weiteren Schritt an, dass noch eine andere Bewertung durchgeführt wurde, in der die Befragten angeben mussten, ob sie den Sprecher als nervös, präsent, dynamisch usw. empfunden haben und dass dieser dabei von vielen als nervös beschrieben wurde. Da gleichzeitig aber auch gesagt wurde, dass seine Lautstärke gering, sein Tempo aber sehr hoch sei, können wir einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Ausprägungen und der Nervosität des Sprechers herstellen. Bei einer ausreichenden Datenbasis könnten wir folgern, dass sich Nervosität in einer geringen Lautstärke und hohem Sprechtempo äußert. Wenn wir noch andere Dimensionen berücksichtigen, erhalten wir eine genaue Auflistung der „Symptome“ für Nervosität. Dies bezeichnen wir als Nervositätsprofil.

Die Trainigserfahrungen der letzten Jahre gaben dazu Anlass, mehrere rhetorische Profile zu destillieren. Es ist jedoch zu erwähnen, dass diese ausschließlich auf diesen Erfahrungen beruhen. Empirische Untersuchungen wurden bis dato nicht durchgeführt. Alle Ausführungen sind deshalb lediglich als Vermutungen zu werten, die sich nur als Hypothesen über die von uns beobachteten Zusammenhänge verstehen. Abgesehen von der idealtypischen Neutralstellung unterscheiden wir folgende paraverbalen Profile:

  • Dynamik
  • Freundlichkeit
  • Intensität
  • Nervosität
  • Präsenz
3.3.1 Idealtypische Neutralstellung

Der Begriff der Neutralstellung soll hier nicht als empirisch feststellbarer Durchschnitt, sondern im Sinne eines idealtypischen Konstrukts verstanden werden. In unserem Rhetoriktraining gelangten wir nämlich zu der Idee, dass möglicherweise viele Menschen ihre Erfahrungen aus Kleingruppengesprächen auf den Bereich des öffentlichen Sprechens (public speaking) übertragen. Das würde die typischen Erwartungshaltungen eines durchschnittlichen Publikums zwanglos erklären, das sich beim öffentlichen Sprechen in der Regel eine ausgeprägte Sprachmelodie, Dynamik und Tempik erwartet und als „normal“ bewertet. Vor allem eine ungenügende Artikulation, monotone Sprachmelodie und zu schnelles Tempo beurteilen viele Menschen als von der Neutralstellung abweichend und negativ. Das in alltäglichen Kleingruppengesprächen übliche Sprachniveau wird in öffentlichen Sprechsituationen allerdings von vielen als zu informell empfunden.

Daraus ergibt sich allerdings das Hauptproblem öffentlichen Sprechens: Diese als neutral empfundenen Eigenschaften sind nämlich nur in den seltensten Fällen natürlich, weil gerade sie von der praktisch allgegenwärtigen Sprechangst negativ beeinflusst werden. Rhetorisches Training besteht deshalb zu einem Großteil im Bekämpfen von Sprechangst. Unseres Wissens nach ist das aber nur in einem längeren Prozess möglich, bei dem man zuerst versuchen muss, dem Sprecher größere faktische Sprechkompetenz zu vermitteln. Dadurch soll er mehr Vertrauen gewinnen, was die Sprechangst verringert. Das wiederum hat schließlich einen fördernden Effekt auf die Sprechkompetenz, was eine positive Rückkopplung erzeugt. Zusammengefasst kann man also sagen, dass eine der wichtigsten Aufgaben des Rhetoriktrainings in der Sicherung bzw. Erarbeitung der Neutralstellung besteht, was vor allem dadurch erreicht werden soll, dass man bei den Studierenden durch Erhöhung der faktischen Sprechkompetenz die Sprechangst reduziert.

3.3.2 Dynamik

Als weiteres rhetorisches Profil sehen wir die rhetorische Dynamik an. Darunter verstehen wir die Fähigkeit eines Sprechers die Aufmerksamkeit des Publikums durch Schwung und Lebhaftigkeit zu erreichen.

Folgende Kategorien sind daran beteiligt: der Stimmklang ist eher voll, die Artikulation normal, jedenfalls nicht zu wenig. Die Stimmlage zeigt sich mittel bis hoch, der Tonhöhenverlauf ausgeprägt. Lautstärke und Dynamik sind markant, aber nicht so hoch wie beim Intensitätsprofil (siehe weiter unten). Dieses Profil arbeitet vor allem mit Tempo und Sprachrhythmus, der allerdings etwas langsamer ist, als beim Intensitätsprofil. Die Sprachmelodie wird durch eine dominierende Rhythmuskomponente geprägt, das Sprachniveau befindet sich nahe am Alltagsniveau des Sprechers. Als Beispiel wäre die bekannte „Rip It Out“-Rede von Robin Williams als John Keating im Film „Death Poets Society“ aus dem Jahre 1989 (abgedruckt bei HUGHES und PHILLIPS 2000, S. 188-190) zu nennen.

3.3.3 Freundlichkeit

Freundlichkeit wird typischerweise weder durch verbale noch durch paraverbale Signale vermittelt, sondern durch das nonverbale Signal „Lächeln“. Paraverbal auffällig waren in den meisten Fällen ein voller Stimmklang mit hohem Resonanzanteil, schwache bis neutrale Artikulation und eine deutlich ausgeprägte Sprachmelodie, die vor allem vom Tonhöhenverlauf geprägt ist. Die Lautstärke ist neutral bis etwas lauter, das Sprachtempo niedrig bis normal. Das Sprachniveau entspricht praktisch dem Alltagssprachniveau.

3.3.4 Intensität

Mit Intensität meinen wir, dass ein Sprecher eine durchdringende, suggestive Wirkung erzeugt, sodass sich sein Publikum seinen Worten kaum entziehen kann. Dieses Profil kennzeichnet sich durch einen eher gepressten Stimmklang, sehr deutliche Artikulation, neutrale bis hohe Stimmlage und besonders durch große paraverbale Dynamik bei eher höherem Tempo und ausgeprägtem Sprachrhythmus. Die Sprachmelodie ist wenig ausgeprägt und mehr vom Dynamik- und Rhythmusanteil als vom Tonhöhenverlauf geprägt. Als allgemein bekannte Beispiele sei auf die diversen Hitler-Reden verwiesen.

3.3.5 Nervosität

Durch Lampenfieber verursachte Nervosität ist vermutlich das wichtigste Problem beim Sprechen und beim Rhetoriktraining. Dies nicht nur, weil sie vom Sprechenden selbst als unangenehm bis schrecklich empfunden wird, sondern weil sie auch alle Faktoren der rhetorischen Wirkung in zumindest drei Richtungen negativ beeinflusst: Zunächst zeigen sich die klassischen Nervositätssymptome, wie trockener Mund, zittrige Hände oder eine stockende Stimme, die jedoch in der Regel vom Publikum weit weniger bemerkt werden als vom Sprecher selbst. Problematischer ist der indirekte Effekt, der dadurch entsteht, dass sich die meisten Sprecher dieser Symptome durchaus bewusst sind und sie deshalb zu kompensieren versuchen. Dadurch entstehen aber andere Fehler, die vom Publikum nicht als Nervositätssymptome erkannt aber dennoch negativ bewertet werden. So kann ein Sprecher „arrogant“ wirken, obwohl diese Wirkung letztlich nur darauf zurückzuführen ist, dass er versucht, seine Nervositätsmerkmale auszugleichen. Ein anderer Sprecher kann desinteressiert wirken, weil er nervositätsbedingt zu schnell gesprochen hat. Drittens bewegt Nervosität das Sprechen von der Neutralstellung weg, was, wie erwähnt, fast immer zu negativeren Bewertungen führt. Nervosität zeigt sich damit üblicherweise in folgenden Symptomen: Die Stimme verliert an Resonanz, klingt also deutlich gepresster. Die Stimmlage wird höher, die Artikulation eher undeutlicher. Die Lautstärke verringert sich in den meisten Fällen. Das Tempo wiederum beschleunigt sich und Sprachmelodie sowie Sprachrhythmus werden monotoner. Bei allen genannten Dimensionen kann es auch zu ungewöhnlichen sprachlichen Stereotypen kommen. Das Sprachniveau verändert sich bei vielen Sprechern in der Hinsicht, dass sie mit steigender Nervosität mehr und mehr auf ihr normales Alltagsniveau verfallen, also in die Sprache, in der sie sich am sichersten fühlen.

3.3.6 Präsenz

Das letzte paraverbale Profil, dem im Rhetoriktraining ein besonders wichtiger Stellenwert zukommt, ist die Präsenz. Darunter verstehen wir, dass ein Sprecher den Eindruck der vollen Konzentration auf sein Publikum erzeugt und dadurch erreicht, dass sich auch dieses voll auf ihn konzentriert. Präsenz wird durch ein Bündel von verbalen, paraverbalen und nonverbalen Faktoren erzeugt. Als verbal ist insbesondere das Ansprechen des Publikums zu nennen, als nonverbal sind ein deutlicher Blickkontakt und eine neutrale Gestik wichtig. Paraverbal zeigt sich auch hier, dass die Kriterien des Kleingruppengesprächs übernommen werden. Dazu gehören eine neutrale Stimme, deutliche Artikulation und eine ausgeprägte Sprachmelodie bei normaler Dynamik und normaler Rhythmik. Schließlich sind auch ein guter Sprechfluss sowie ein situationsangepasstes Sprachniveau anzuführen. Als historische Beispiele sind etwa die Reden der ehemaligen US-amerikanischen Präsidenten Ronald Reagan und Bill Clinton zu nennen, bei letzterem insbesondere seine Rede „I Did Have a Relationship“ (abgedruckt bei: HUGHES und PHILLIPS 2000, S. 190-194) am Höhepunkt der Levinsky-Affäre.

4. Zusammenfassung

In diesem Beitrag wurde versucht, die paraverbale Komponente des Rhetoriktrainings aus der wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten. Es wurde zuerst die Funktionsweise des Sprechens beschrieben und daraus eine Systematik entwickelt, die die relevanten Dimensionen dieses vielschichtigen Phänomens in drei Kategorien einteilt: (1) die artikulatorischen Dimensionen, (2) die einfachen suprasegmentalen Dimensionen und (3) die zusammengesetzten suprasegmentalen Dimensionen. Die Systematik kann einerseits dazu verwendet werden, bessere Feedbackbögen zu erstellen, und andererseits, um daraus Hypothesen über paraverbale Profile abzuleiten, die in empirische Studien überprüft werden könnten.

Arbeitsgruppe Rhetorik, Institut für Geschichte

Universität Salzburg, Churfürststr. 1, 5020 Salzburg

guenther.kreuzbauer@sbg.ac.at, madella-mella.barbara@gmx.at

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[ 1 ]Wenn in diesem Text männliche Formen verwendet werden, ist dies nur im Sinne eines Zugeständnisses an bessere Lesbarkeit, nicht aber als eine wie auch immer geartete Wertung zu verstehen.

[ 2 ]In der Verwendung des Begriffs „paraverbal“ folgen wir dem Sprachgebrauch der führenden englischsprachigen Literatur. Wir verwenden ihn synonym zu den Begriffen „parasprachlich“ und „paralinguistisch“ (vgl. für viele ECKERT und LAVER 1994, S. 25 f.; NÖTH 2000, S. 365-368; HÜBLER 2001, S. 219-257; BUSSMANN 2002, S. 495)

[ 3 ]Vgl.: BALSER-EBERLE 1998; WACHTEL 1999; HEY 2000; WACHTEL 2000a; WACHTEL 2000b; AMON 2002; COBLENZER und MUHAR 2002; ROSSIÉ 2002; LACKNER, HOLLENSTEIN et al. 2003; WACHTEL 2003.

[ 4 ]Manche Autoren rechnen die paraverbale Komponente zur nonverbalen. Um die Systematik zu vereinfachen, sind wir dem nicht gefolgt.

[ 5 ]Würden unsere Augen wie unsere Ohren funktionieren, so sähen wir nur eine undifferenzierte Fläche in jeweils unterschiedlicher Helligkeit und Farbe, aber keine Gegenstände. Im Gegensatz zu unseren Augen, sind unsere Ohren nämlich eindimensionale Wahrnehmungsorgane, weil das Trommelfell nur mehr oder weniger starke Auslenkung kennt. Alle akustischen Differenzierungen werden deshalb lediglich durch die zeitliche Abfolge und die Stärke der Auslenkungen des Trommelfells verursacht.

[ 6 ]Entspricht der Anzahl der Schwingungen pro Zeiteinheit. Sie wird meist in der Einheit Hertz (Hz, nach dem deutschen Physiker Heinrich Hertz) gemessen. 1 Hz entspricht einer Schwingung pro Sekunde.

[ 7 ]Das menschliche Gehör kann dabei Schallfrequenzen von ca. 20 bis 20 000 Hz wahrnehmen.

[ 8 ]Die in der Forschung auch als Harmonische, Partial- oder Teiltöne bezeichnet werden.

[ 9 ]Ob ein Klang aus nur wenigen oder vielen Obertönen besteht, können wir hören: mit wenigen Obertönen klingt ein Klang stumpf, mit vielen klingt er schrill.

[ 10 ]Auch Ansatzrohr genannt; die Hohlräume im Nasen-, Mund- und Rachenbereich oberhalb des Kehlkopfs.

[11]Unter einem Phonem versteht man das „kleinste […] lautliche Segment mit potentiell bedeutungsunterscheidender Funktion“. (BUSSMANN 2002, S. 510)

[ 12 ]Daneben gibt es unterstützende Prozesse, bei denen auch bestimmte „Hilfsorgane“ eine Rolle spielen, die hier aber nicht näher zu erwähnen sind.

[ 13 ]Darunter versteht man die auch „Glottis“ genannte Spalte zwischen den Stimmlippen

[ 14 ]Darunter versteht man das Sprechen durch die Nase

[ 15 ]Die beiden Knorpel, an denen der hintere Teil der Stimmlippen befestigt ist.

[ 16 ]Ausführlichere Darstellungen findet sich etwa bei GROHNFELDT 1992, WIRTH 1994, ECKERT und LAVER 1994. 102 ff. und FRANKE 2001.

[ 17 ]Ein von uns neu geschaffener Begriff, den wir weiter unten noch genauer erläutern werden.