2004 Satuer 1. Salzburger Rhetorikgespraeche-05

Podiumsdiskussion: Universität – Rhetorik – Öffentlichkeit

Tagung vom 16. – 17. 4. 2004

Veranstalter: Paris-Lodron-Universität Salzburg

 

Tag 1, Abend:

Podiumsdiskussion:"Universität – Rhetorik – Öffentlichkeit"

Zum Abschluss des ersten Tages der Salzburger Rhetorikgespräche 2004 fand eine Podiumsdiskussion zum Thema "Universität – Rhetorik – Öffentlichkeit" statt. Unter der, wie ich meine, sehr guten Leitung von Dr. Michael Mair (ORF) diskutierten Rudolf Ebneth (Pressesprecher BMW Regensburg), Dr. Viktor Hermann (Salzburger Nachrichten, Salzburg), Dr. Thilo von Trotha (Vorsitzender des Verbands der Redenschreiber deutscher Sprache) und Dr. Lothar Kolmer (Leiter Rhetorik an der Paris Lodron Universität). Auch das Publikum, welches sich sowohl aus fachkundigen Tagungsteilnehmern als auch aus anderen Rhetorikinteressierten zusammensetzte, wurde zur Beteiligung aufgerufen.

Nach den Eingangsstatements der eingeladenen Diskutanten kristallisierten sich folgende Schwerpunktthemen zur weiteren Diskussion heraus.

Universität vs. Öffentlichkeit?

Ein weiteres Problem stellt die Abkoppelung der Universitäten durch deren Sprache dar. Eine eigene Fachsprache, hierbei war man sich wohl einig, braucht jede Disziplin eine eigene Fachsprache damit einfache Kommunikation zwischen den Wissenschaftlern möglich ist. Leider fällt vielen der Umstieg auf eine allgemein verständliche Sprache oft schwer oder ist gar verpönt. Es scheint als sei eine einfacher, für ein breiteres Publikum verständlichere Sprache bei manchen unerwünscht. Dabei wäre es doch sicherlich möglich auch wissenschaftlich fundierte Texte in einer Art und Weise zu verfassen, die nicht ausschließlich für ein fachkundiges Publikum bestimmt ist. Hier gilt es anzusetzen, um auch die breite Öffentlichkeit am Wissen der Universitäten teilhaben zu lassen.

Ab wann ist eine solche Ausbildung sinnvoll?

Rhetorik schon an Schulen? Der internationale Vergleich zeigt, wie schon oben erwähnt, dass der deutschsprachige Raum hierbei rückständig ist. In England zum Beispiel sind Debattierclubs fest im schulischen System verankert. Dr. Thilo von Throta bemüht sich in Deutschland Ähnliches zu erreichen. Schon früh erworbenes rhetorisches Wissen bräuchte dann an den Universitäten nur noch verfeinert werden. Rhetorik also als Pflicht? Thilo von Throta meint: Nein, es solle den Menschen offen bleiben sich für eine solche Ausbildung zu entscheiden. Ob rhetorische Schulung nun schon in der Schule oder erst später an den Universitäten, in einem war man sich einig: Es besteht in vielen Bereichen großes Interesse an rhetorischer Bildung.

Zu wenig Ressourcen?

Dieses Interesse kann leider von den Universitäten nicht befriedigt werden, da zu wenig Ressourcen vorhanden sind. Salzburg stellt hier, in Österreich, mit einer eigenen Rhetorikabteilung eine Ausnahme dar. Auch ist es durch die Initiative von Prof. Dr. Kolmer und Prof. Dr. Kreuzbauer immerhin schon zur Gründung eines universitären Debattierclubs gekommen. Doch auch hier kann nur ein geringer Prozentsatz der Studenten ausgebildet werden, da die Nachfrage das Angebot bei weitem übersteigt. Die angebotenen Kurse sind restlos überbelegt und es können im Interesse aller Beteiligten nur eine gewisse Anzahl von Teilnehmern angenommen werden, da sonst kein effektiver Lehrbetrieb mehr möglich ist. Semesterlange Wartezeiten und Frustration unter den Studenten sind die Folgen.

Somit der Appell für die Zukunft: Mehr Mittel für rhetorische Ausbildung würden der Gesellschaft durchaus zuträglich sein.

cs

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