Sammelrezensionen zum Thema “Small Talk”

Beim Gedanken an klassische Rhetorik stellt man sich unwillkürlich monologische Reden vor einem größeren Publikum vor. Die Techniken einer guten Rednerin bei Festrede, Trauerrede oder persuasiver Rede wirken umso stärker, je größer das anwesende Publikum ist. Ich möchte einen Vergleich aus der Musik heranziehen: die große Rede wäre wie ein Orchesterkonzert in einem Saal. Small talk hingegen wäre dann eine kammermusikalische Aufführung: es geht um die leisen Töne, musiziert wird gleichsam von Angesicht zu Angesicht. Smalltalk-Technik wirkt nur im Gespräch mit ganz wenigen, und da sind Monologe zu vermeiden. In einem weiteren Sinn gibt es natürlich doch ein Publikum, etwa wenn ein gelungenes Zwiegespräch bei einer Party vor aller Augen zeigt, dass sich die beiden gut unterhalten haben. Was man dabei richtig oder falsch machen konnte, war in früherer Zeit Teil einer Etikette, die weitgehend mündlich weitergegeben wurde und wohl etliche schichtspezifische Regeln enthielt. Erfreulicherweise ist hier eine Demokratisierung eingetreten – jeder kann nun hingehen und sich Ratgeber zum Thema besorgen. Genau das hat die RhetOn-Redaktion gemacht. Sechs aktuelle Titel haben unsere RezensentInnen für Sie gelesen bzw. gehört – was ihnen dabei bemerkenswert erschien, haben sie notiert.
Dorothea Gmeiner-Jahn

Wolf W. Lasko, Small Talk. Erfolgreich Kontakte knüpfen

Wilhelm Goldmann Verlag, München 2004.

Wer steht schon gerne abseits, während die nächste Umgebung in angeregte Gespräche vertieft ist? Wolf Lasko setzt sich zum Ziel, dem geneigten Leser diese Leiden zu ersparen und nützliche Tipps für eine Erfolg versprechende Unterhaltung zu vermitteln. Seiner Meinung nach ist Small Talk ein fundamentales Ereignis im zwischenmenschlichen Kommunikationsakt und entscheidet über Wohl und Wehe auch der beruflichen Laufbahn, wie er anhand seiner eigener Erfahrungen deutlich macht.

Der Aufbau des Buches folgt konsequenterweise den Phasen eines solchen Gespräches. In Kapitel 1 (“Ins Gespräch kommen”) werden vor allem Kniffe genannt, um der oben geschilderten Situation zu entkommen. In Kapitel 2 (“Das Gespräch beleben”) erfährt der Leser, wie das auf die erfolgreiche Anwendung von Kapitel 1 hin entstandene Gespräch nicht zu einem Monolog verkommt. Schließlich zeigt Lasko in Kapitel 3, wie unter Wahrung der Etikette ein richtiger Ausstieg aus einem Gespräch vor sich gehen könnte.

Die letzten Seiten des Buches nimmt das Kapitel “Small Talk für Fortgeschrittene” ein, in welchem die hohe Kunst der Gesprächsführung in Form des “Polar Talk” dargelegt wird. Dieser findet auf der Metaebene statt.

In den einzelnen Kapiteln gibt der Autor in insgesamt 141 Beiträgen nicht nur unmittelbar anwendbare Anweisungen, “Direkt Talk” genannt, die mittels einer abschließenden Übung verinnerlicht werden sollen, sondern bringt auch generelle Überlegungen zur Kommunikation, “Mental Talk” genannt, zur Sprache. Dabei werden einige psychologische “Tricks” und Rituale angeführt, die den Leser in wichtigen Situationen Nervosität oder Unsicherheit nehmen sollen, sich aber wohltuend von den üblichen Ansätzen à la “Hausfrauen Psychologie” abheben. Dies nicht zuletzt durch eine gehörige Portion Selbstironie des Autors, die auch in den jeweils mit Vorsicht zu genießenden “Power Talk”-Anweisungen ihren Ausdruck findet, welche die “alles oder nichts” Methode des Small Talk repräsentieren. Als gelungenstes Beispiel wäre hier die “gezielte Ohnmacht” anzuführen. Sie dient dazu, zunächst die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, um nach der schnellen “Genesung” doch noch ins Gespräch zu kommen. Wolf Lasko betont aber, dass, falls auch diese Methode nicht zum Erfolg führt, die Veranstaltung besser verlassen werden sollte.

In diesem Buch wird Small Talk nicht nur als mechanisches Anwenden einiger “Tricks” abgehandelt. Vielmehr versucht der Autor auf spielerische Weise dem Leser die Essenz des “kleinen Gespräches” nahe zu bringen den Esprit sich zu unterhalten. Dabei wird auch immer wieder betont, dass eine der jeweiligen Person entsprechende Vorgehensweise notwendig ist, um nicht aufgesetzt zu wirken.

Der witzige, gut zu lesende Stil von Lasko und die ernsthafte, aber nicht verkrampfte Herangehensweise an das Thema Small Talk finden Gefallen und machen das Buch zu einer guten Wahl, um sich in dieser Disziplin der intersubjektiven Kommunikation zu perfektionieren, auch wenn dem ambitionierten Small Talker bereits einige der genannten Beispiele in Fleisch und Blut übergegangen sein mögen.

Andreas Ranetbauer

Gudrun Fey, Sag’s positiv! PowerTalking. Der neue Weg zum Erfolg

Audio CD (31 min.), study & train.

“Wie Sie sich und andere Menschen positiv beeinflussen können.” Unter diesem Motto wird versucht in 31 Minuten einen Leitfaden für das sogenannte “Power Talking” zu geben. Zunächst wird der Begriff Power Talking näher definiert. Power Talking ist demnach: “kraftvoll statt kraftlos, zielgerichtet statt wischiwaschi, konkret statt verallgemeinernd”, also der krasse Gegensatz zum “Powerless Talking”. Im Anschluss werden nun Ratschläge angeführt, mit welchen Mitteln Frau oder Mann ihr oder sein Sprechen verbessern kann. Dies geht von “Sagen sie klar was sie wollen” über “Mut machen statt Hoffnung nehmen” bis hin zu “Nein sagen ohne schlechtes Gewissen”. Zum Abschluss sind noch zwei Übungen angehängt. Die erste widmet sich der Körpersprache, während die zweite auf den Tonfall näher eingeht.

Alles in allem wird hier Kochbuchwissen vermittelt. Die Rezepte sind jedoch sehr allgemein gehalten. Was im übrigen aufgrund der kurzen Spielzeit gar nicht anders möglich ist. Leute, die einen allgemeinen Ratgeber suchen, sind hier richtig, wobei selbst die Unerfahrensten unter ihnen viele der genannten Techniken schon kennen dürften. Und so stellt sich die Frage, ob die 14,5 Euro nicht anderwärtig besser investiert wären?

Christian Schwendinger

Gudrun Fey, Souverän umgehen mit Fragen, Vorwürfen und Angriffen

Audio CD (37 min.), study & train.

“Oft sind wir sprachlos, wenn wir unfair angegriffen werden, oder reagieren aggressiv und ärgern uns später darüber Das muss nicht sein.” So zu lesen auf der Innenseite des Booklets der CD. Nach einführenden Worten wird zunächst das Hauptproblem bei der ganzen Sache erörtert. Wenn Menschen mit einem Satz wie “Sie sind doch vollkommen inkompetent!” konfrontiert werden, neigen sie entweder zu emotionalen Reaktionen oder aber sie stehen wie gelähmt da und bringen kein Wort heraus. In solchen Fällen soll diese CD helfen die Haltung zu bewahren bzw. die richtigen Worte zu finden.

Unter den Punkten “Gewinnen sie Zeit” und “Puffertechniken um Abstand gewinnen” wird zunächst erklärt, wie es möglich ist durchzuatmen, um des ersten Emotionsschubes Herr zu werden. Anschließend folgen Techniken, welche den weiteren Verlauf des Gesprächs so lenken, dass Fragen, Vorwürfe und Angriffe umgangen oder gekontert werden können. Am Ende der CD gibt es Tipps aus der Praxis wie die “Kärtchenmethode” oder “Der heiße Stuhl”, mit Hilfe derer die gehörten Techniken verinnerlicht werden sollen.

Auch hier ergibt sich das Problem, dass 37 Minuten für das vorgenommene Unterfangen sehr wenig sind. Die Ratschläge muten teilweise etwas seltsam an. So wird zum Beispiel unter “Track 21: Humor entwaffnet” folgender Ratschlag erteilt. Man wird angesprochen: “Sie müssen doch nicht gleich rot werden!” Die vorgeschlagene Antwort: “Meine Vorfahren waren Indianer!”

Nun, ob diese Antwort bei einer Vorstandsitzung gut ankommt, sei dahingestellt. Mehr als allgemeine Floskeln gibt es auch hier leider nicht.

Christian Schwendinger

Barbara Schäfer-Ernst, Vom Smalltalk zum Netzwerken. Kleine Gespräche mit großer Wirkung

Doppel-CD (2 Stunden), study & train.

In diesem Livemitschnitt eines Vortrages von Barbara Schäfer-Ernst dreht sich alles ums Thema Smalltalk und wie dieser zum Netzwerken genutzt werden kann. Zunächst sei angemerkt, dass der Ton von sehr laut bis hin zu unverständlich leise variiert, sodass zum Beispiel Zuschauerkommentare meist akustisch unverständlich sind.

Doch nun zum Inhalt. Im Booklet finden sich sechs Punkte:

  1. Sechs Punkte rund um Smalltalk
  2. Die optimale Vorbereitung
  3. Verhalten Sie sich angemessen
  4. Und was kommt danach?
  5. Am Netz “werken”
  6. Gehen Sie es an

Der Themenbereich erstreckt sich vom eigentlichen Smalltalk, also dem Sprechen mit anderen Personen, über Ratschläge zur richtigen Etikette bei Empfängen und ähnlichen Anlässen, bis hin zur Verwertung der von den Gesprächspartnern erhalten Informationen. Der Vortrag ist gut durchstrukturiert und die einzelnen Punkte wie zum Beispiel “das Händeschütteln” werden mit Hilfe der Zuhörer erarbeitet. Diese CD bietet also einen Querschnitt von Rhetorik bis hin zur Etikette, wenn auch die gegeben Ratschläge eher Binsenweisheiten darstellen, auf die man durch etwas Selbstreflexion auch gekommen wäre.

Christian Schwendinger

Ursula Degen, Smalltalk… Damit die Pause nie peinlich wird

orell füssli Verlag AG, 2002.

Der erste Kontakt ist meist der schwierigste. Das Buch von Ursula Degen soll helfen, “ungezwungen mit Fremden ins Gespräch zu kommen, die Initiative zu ergreifen, den richtigen Satz im richtigen Ton für den richtigen Moment zu finden”. (Vorwort, S. 9)

In diesem Buch wird das Thema Smalltalk einmal ganz anders angegangen. Keine Ratschläge oder Verhaltensmuster, wie man sich in welcher Situation zu verhalten hat. Die Autorin rückt dem Problem der meisten Menschen, nämlich der Scheu oder Schüchternheit, von der Wurzel aus an den Pelz.

In sechs Schritten soll eine Veränderung der Verhaltensweisen herbeigeführt werden. Die psychologische Herangehensweise schließt die Verortung des Problems z.B.: Sprachlosigkeit beim Kontakt mit Fremden und dessen Begründung mit ein. Alternative Lösungsvorschläge helfen Lösungen zu finden. Hat man diese gefunden und verinnerlicht, werden die beklemmenden Verhaltensmuster vielleicht überwunden.

Diese kurze Zusammenfassung zeigt schon, dass hier von einem inneren Team ausgegangen wird. Nur wenn sich dieses im Gleichgewicht befindet, ist der angenehme unverspannte Smalltalk erst möglich. Eine interessante Sichtweise, welche ohne schematische Ratschläge auskommt.

Christian Schwendinger

Jutta Portner, 30 Minuten für den perfekten Small Talk,

Gabal Verlag Gmbh, Offenbach 2000.

Wie schon aus dem Titel hervorgeht, versucht dieses Buch, in dreißig Minuten aus dem Leser einen findigen, wortgewandten und mit rhetorischer Raffinesse bewaffneten Small Talker zu machen. Hierbei verhält sich dieses Werk ähnlich wie eine Ikea Möbelbauanleitung, indem es pedantisch genau dem Leser chronologisch die richtigen Schritte aufzeigt, um zum gewünschten Endergebnis zu kommen.

Im ersten Kapitel erhalten wir eine detaillierte Definition von Small Talk, oder auch, warum Gespräche erst gar nicht in Gang kommen. Von essenzieller Bedeutung sind hier die Inhaltsebene, also die Themenebene, und die Beziehungsebene zur persönlichen Interaktion. Zudem fordert das erste Kapitel zur Selbstreflexion im sprachlichen Umgang mit unseren Kommunikationspartnern auf, wobei kommunikative Ängste, Vorurteile und Stereotypen entkräftet und überwunden werden sollten.

Im zweiten Kapitel wird einerseits erläutert, welche Themen sich als Gesprächsstoff anbieten und warum, andererseits wird behandelt, welche Themen ungeeignet, also für den ersten Kontakt tabu sind.

Das dritte Kapitel ist den rhetorischen Stilmitteln, verschiedenen Fragetechniken und dem gezielten Einsatz der Stimme gewidmet. So erhält man ein Repertoire von Stilmitteln, welche als Rüstzeug in den sogenannten Wittgenstein’ schen Sprachspielen dienen sollen.

Im vierten Kapitel wird ersichtlich, welchen wichtigen Part die Körpersprache in der Kommunikation und auch beim Small Talk einnimmt. Hier soll gelernt werden, die nonverbalen Signale zu verstehen und zu deuten. Besonders wichtig ist auch hier die Reflexion über das Selbstbild.

Das fünfte und letzte Kapitel verspricht Hilfestellung bei verschiedenen Situationen, besonders bei schwierigen Small Talk Partnern.

Dieses kleinformatige, ca. 80seitige Buch gibt zwar viele Tipps und Tricks, hat aber nur Überblickscharakter und kratzt an der Oberfläche der Themen. Es bietet schnelle, leicht abrufbare Informationen, welche die kommunikative Interaktion mit unseren Mitmenschen erleichtert und verbessert. Es ist gut gegliedert, außerdem sind die wichtigsten Punkte am Ende jeden Kapitels blau gedruckt zusammengefasst. Summa summarum ein durchaus brauchbares Buch.

Christian Schwendinger

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