Thurnher Ingrid: So reden Sie sich zum Erfolg

ecowin Verlag der TopAkademie GmbH, Salzburg 2003.

 

Ingrid Thurnher, den österreichischen Lesern als Moderatorin der Nachrichtensendung “ZIB 2” bekannt, möchte in ihrem Buch konkrete und sinnvolle Tipps zum schnellen Redeerfolg geben. Als selbst ernannter Rhetorikprofi mit Autoritätsanspruch, – erkennbar an dem sich durch ihre gesamten Ausführungen ziehenden “Ich” – macht sie es sich zum Ziel, keinen “Versandhaus-Katalog der Rhetorik” zu liefern (Seite 12). Vielmehr ist es ihre Intention, eine praktische “Anleitung zum Erforschen, Erfahren und Erweitern von bereits vorhandenem Potential” zu geben (Seite 13).Die Leser sollen animiert werden, ihr Leistungsvermögen zu erweitern, um sich dann “einen Stoff für besseres Reden weben zu können” (Seite 13). Die Idee, ihrem Buch durch das erste und letzte Kapitel, die sich mit den Regeln für eine wirklich misslungene und eine wirklich gelungene Rede auseinandersetzen, einen festen Rahmen zu geben, ist durchaus zielführend. Allerdings gelingt es der Autorin weder, die einzelnen Punkte korrekt antithetisch gegenüberzustellen (vgl. Punkte 4, 5 und 6), noch sie dem Leser im Mittelteil Schritt für Schritt näher zu bringen. Stattdessen finden sich Kapitel wie “Die Medienstars der Antike”, – ein zu kurz geratener Versuch einer Zusammenfassung der Geschichte der altertümlichen Rhetorik, oder “Cato hätte an Berlusconi keine Freude gehabt”, – ohne direkten Zusammenhang mit einem Seitenhieb auf die deutschen Nachbarn. Wenn die Autorin schon eine genaue Analyse der Zielgruppe fordert (vgl. Seite 44ff.), hätte sie sich selbst strikt an ihr Gebot halten müssen. An keiner Stelle wird deutlich, an wen genau es sich richtet. Betreffend der Zielgruppe bleibt anzumerken, dass es die vielen hoch-, fach- und fremdsprachlichen Ausdrücke (überwiegend Anglizismen) und die hohe Anzahl von nicht immer geglückten Metaphern (“… einen Stoff für besseres Reden weben”, Seite 12, “Wahrnehmungs-Hochschaubahn”, Seite 74 oder “Machen Sie Ihr Außenseitertum quasi zum Nugget des Geschehens”, Seite 80), es einem Neueinsteiger bestimmt nicht leichter machen, in diesem Buch eine konkrete Anleitung zum schnellen und sicheren Redeerfolg zu erhalten. Das widerspricht noch dazu Frau Thurnhers energischem Plädoyer für die Abschaffung des schwer verständlichen Amtsdeutsch (vgl. Seite 24f.). Nicht nur aufgrund der inhaltlichen und stilistischen Defizite, sondern auch wegen der orthographischen Mängel, – ein dickes Lob dies- und sonstbezüglich an das Lektorat (!) – und des hohen Einsatzes von Phrasen, eignet sich das Buch bestenfalls als Neben- oder Begleitlektüre. Wer sich allerdings wirklich zum Erfolg reden möchte, sollte ein einschlägiges Fachbuch zur Hand nehmen, das nicht, – gegen die eigentliche Intention des Buches – dazu bereit ist, alles Wesentliche “auf dem Altar der Kürze und Glaubwürdigkeit zu opfern” (vgl. Seite 12).

Michaela Reiterer

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