Ueding Gert (Hg.): Historisches Wörterbuch der Rhetorik.

Tübingen, Max Niemeyer.

 

1. Projektübersicht

  • Mitarbeiter:

    Begründer und Herausgeber des Lexikons: Prof. Dr. Gert Ueding

    Mitbegründer: Prof. Dr. Drs. h.c. Walter Jens

    Geschäftsführer: Dr. Gregor Kalivoda

    Redaktion: Dr. Franz-Hubert Robling, Dr. Thomas Zinsmaier, Sandra Fröhlich M.A.

    Redaktionsassistenten: Christina Hartmann, Jutta Krautter, Peter Moos

  • Zeitplanung:

    1985-87: Vorlaufphase: Auswahl und Klassifizierung der ca. 1500 Stichwörter in einem offenen Verzeichnis

    1987-92: Hauptphase I: Aufbau der Redaktion, Autorenauswahl, Stichwortvergabe und Produktion des 1. Bandes (Buchstabe A – Bib)

    1992-95: Hauptphase II: Fertigstellen des 2. Bandes (Buchstabe Bie-Eul)

    1996-dato: Hauptphase III: Publikation des 3. Bandes (Buchstabe Eup-Hör) und 4. Bandes (Buchstabe Hum-K). Die folgenden Bände 5 – 10 wurden und werden in einem Zweijahres-Rhythmus publiziert. Zur Zeit wird die Herausgabe des 7. Bandes vorbereitet.

  • Finanzierung:

    Deutsche Forschungsgemeinschaft

2. Projektbeschreibung

Das Projekt RHETORIK-LEXIKON wurde 1985 am Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen eingerichtet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft förderte zunächst eine zweijährige Vorlaufphase, in der die Lexikonherausgabe inhaltlich und organisatorisch realisierungsreif vorzubereiten war. Zu den Hauptaufgaben dieser Phase zählte die Erarbeitung einer Bibliographie zur Rhetorikforschung, die Erfassung und Auswertung von Originalquellen, die Sammlung, Auswahl und Systematisierung der aufzunehmenden Lemmata und die Abfassung von Musterartikeln. Seit 1987 arbeitet das Projekt in seiner Hauptphase. Der erste Band (A-Bib) ist 1992 erschienen. Er wurde am 26.5. 1992 im Rahmen einer universitären Präsentationsfeier der Öffentlichkeit vorgestellt. Der 2. Band wurde 1994 und der 3. Band 1996 publiziert. Die folgenden Bände 4 – 10 erscheinen in einem Zweijahres-Rhythmus. Zur Zeit erfolgt die Vergabe der Artikel für den 8. und 9. Band (Buchstabe R –Z).

Mit den Prädikaten historisch-systematisch, interdisziplinär, forschungsorientiert und verwendungsbezogen sind die Prinzipien angesprochen, die für die Lemmata-Auswahl, die Artikelplanung und die Redaktion gelten. Zur Sammlung und Auswahl der Stichwörter wurde eine Suchtopik entwickelt, mit der zugleich eine kategorielle Über- und Unterordnung der Begriffe vorgenommen sowie ihr systematischer Zusammenhang abgebildet werden konnte. Unterschieden wurden beispielsweise Stamm- oder Grundbegriffe der Rhetorik wie Natura/Ars, Schulen und Lehrrichtungen wie Stoa oder Scholastik, Hauptbegriffe des Redeaufbaus wie Narratio oder Argumentatio.

Nach mehreren Prüfverfahren besteht das Begriffsinventar nun aus ca. 1300 Stichwörtern, die aus anfänglich 5500 Begriffen herausgefiltert wurden. Es ist ein offenes Lemmata-Verzeichnis, das mit Hilfe der Datenverarbeitung, d.h. mit entsprechenden Aufnahmemasken, Datenkorrelationen und Indices konserviert, modifiziert und verwaltet werden kann. Die Notwendigkeit, Stichwörter neu aufzunehmen, zu ersetzen oder zu streichen, ergibt sich aus der redaktionellen Forschungsarbeit sowie aus der Zusammenarbeit mit Autoren und Fachberatern. Ein offenes Register ist also angezeigt und aus pragmatischen Gesichtspunkten notwendig. Geplant sind insgesamt 10 Bände mit je ca. 800 Seiten. Einzelbandregister und Gesamtregister sammeln die begrifflichen Verweise sowie diejenigen Begriffe, die nicht aufgenommen wurden bzw. deren deutscher Entsprechungsbegriff Stichwort ist (Allusion-Anspielung). Als Format ist Lexikon-Oktav und zweispaltiger Druck gewählt worden. Das Lexikon erscheint im Niemeyer-Verlag, Tübingen.

Um die Bandplanung zeitlich, formal und ökonomisch sicherzustellen, wurden exakte Redaktionsvorgaben für die Artikelbearbeitung entwickelt: Neben der Festlegung von Bearbeitungszeit, Artikelform und -umfang wurden strukturelle und typologische Vorgaben erarbeitet. Ausgangspunkt ist der jeweilige Artikeltyp: Umfangreiche Forschungsartikeldienen der problemorientierten, geschichtlichen und mit Sprachbelegen ausgewiesenen Darstellung wichtiger Stichwörter wie Angemessenheit, Barock und Dialog. In Sachartikeln werden definitorische und historische Grundlinien von Begriffen aufgezeigt wie bei Casus, Diatribe, Ellipse oder Epochenstil. Schließlich werden auch kurze Definitionsartikel aufgenommen, in denen eine knappe und mit Beispielen abgesicherte Begriffsbestimmung erfolgt. Hyperbel, Insultatio, Partitio oder Vetustas sind Lemmata, für die ein solcher Artikeltyp vorgesehen ist. Bei Artikelvergabe erhält jeder Autor Schreibkonventionen, Musterartikel, ein Strukturschema zum jeweiligen Artikeltyp sowie eine Inhaltsübersicht. Die Inhaltsübersicht sammelt Informationen zu definitorischen, historisch-systematischen und interdisziplinären Aspekten des Stichwortes. Darüber hinaus enthält sie alle diejenigen Stichwörter des Lexikons, die mit dem zu bearbeitenden in Zusammenhang stehen. Diese Vergabeform ist eine wichtige Vorarbeit zur inneren Abstimmung des Lexikons und für die spätere Redaktion. Sie wird von den Autoren einhellig begrüßt. In der Abfassung der Artikel werden folgende Gliederungsaspekte wirksam:

    1. Definitorische, historisch-epochale, systematische,
    2. interdisziplinäre und
    3. nationalsprachliche Zuordnungen des Stichwortes.

Die erstgenannten Aspekte sind obligatorisch, die Punkte 2 und 3 ergeben sich aus der Art des Stichwortes. So gilt für das Stichwort Barock sowohl der epochale Aspekt als auch die nationalsprachliche Zuordnung (deutscher, englischer, romanischer, skandinavischer und slavischer Sprachraum) und die interdisziplinäre Behandlungsweise (Barockrhetorik in Musik und Malerei).

Die jeweiligen Teilartikel werden an entsprechende Spezialisten vergeben. Dies leitet zur Frage der Autorenwerbung und -beratung über. Von der Redaktion wurden inzwischen 23 Fachberater und ca. 450 Autoren im In- und Ausland angeworben, womit auch dem Internationalitätsprinzip Rechnung getragen wird. Artikelvergabe, Korrespondenz und Beratung erfolgen sowohl über redaktionelle Standardtexte in deutscher, englischer, französischer und italienischer Sprache sowie über individuelle Beratungsgespräche und Briefe. Zur Intensivierung des Kontaktes zwischen Fachberatern, Autoren, Herausgebern und Redakteuren veranstaltet die Redaktion internationale Symposien zur interdisziplinären Rhetorikforschung und Lexikonherausgabe. Diese Tagungen sind auch Teil der fortlaufenden Erfahrungsauswertung und Projektevaluation. Ein erstes Symposion zum Thema “Rhetorik zwischen den Wissenschaften” fand im November 1989 statt. Die Redaktion der Artikel erfordert einen intensiven Austausch zwischen Redakteuren, Autoren, Fachberatern und Herausgebern, um sowohl dem Stand der Forschung gerecht zu werden als auch die formalen und verlagstechnischen Bedingungen einhalten zu können. Insgesamt verlangt die Lexikonherausgabe ein pragmatisches Vorgehen, da es keine starren Lösungsmöglichkeiten gibt. Dies gilt insbesondere für Probleme der Artikelanpassung, der Lemmataauswahl, der Registerplanung und der verlagstechnischen Planung. Im Rahmen der vorgegebenen Strukturen und Formprinzipien muß Platz sein für spezifische Einzellösungen. Ein wichtiges Kriterium ist dabei auch die Benutzerfreundlichkeit und Handhabbarkeit des Werkes.

Weitere Problemfelder ergeben sich aus dem laufenden Ausbau der Redaktion (Handbibliothek, Geräteausstattung, Sach- und Personalmittel), aus der notwendig werdenden Kompensation nicht eingehaltener Artikelzusagen, aus der Zeitplanung und der Kalkulation der Kosten. Insofern freut sich die Redaktion nicht nur über neue Autoren und Fachberater aus dem In- und Ausland, sondern auch über Ratschläge und Hilfestellungen bei der Lösung formaler, organisatorischer und inhaltlicher Probleme. Ein Beitrag zur Entfaltung des internationalen Rhetoriker-Diskurses ist darin in jedem Falle angelegt.

Deshalb wirkt die Lexikon-Redaktion über Projektdarstellungen laufend nach außen, um den interdisziplinären Austausch zu verstärken und neue Interessenten und Mitarbeiter zu gewinnen. Der wissenschaftlichen und redaktionellen Kommunikation dient auch das Gespräch mit anderen Lexikonunternehmungen, das zur formalen und inhaltlichen Planung des Rhetorik-Wörterbuches wichtige Erkenntnisse und Erfahrungen beiträgt.

In Zusammenarbeit mit dem Niemeyer-Verlag wurden die Formatplanung und Kostenkalkulation, der Druck der Schreibkonventionen und Musterartikel sowie die vertragliche Gestaltung der Mitarbeit entwickelt. Die Formen und Ergebnisse der Zusammenarbeit zwischen Herausgebern, Redakteuren, Autoren, Fachberatern und Verlag auf der einen Seite und die Erarbeitung von Artikeln in der Redaktion selbst bilden den Erfahrungshintergrund, vor dem die aktuellen Aufgaben bewältigt und die Probleme der Lexikonherausgabe gelöst werden können.

Zusammenfassend sei gesagt, daß sich das Rhetorik-Lexikon der Aufgabe stellt, sowohl ein fachinternes als auch ein interdisziplinäres Bedürfnis nach einem umfassenden rhetorischen Nachschlagewerk zu befriedigen. Hintergrund dieses Bedürfnisses, das von der Fachwelt durchgehend bestätigt wird, ist die seit Mitte der sechziger Jahre des 20. Jh. immer stärker anwachsende Rhetorikforschung. Die “Ubiquität der Rhetorik” in Wissenschaft und Praxis führte inzwischen zu einer kaum noch überschaubaren Fülle von Einzelforschungen zu Geschichte und Systematik der rhetorischen Theoriebildung und der praktischen Beredsamkeit seit der Antike, zur Bedeutung der Rhetorik für die europäische Bildungs- und Wissenschaftstradition und zu ihrem Einfluß auf Ästhetik, Poetik, Musik- und Kunstwissenschaft, Homiletik und Forensik sowie auf die Analyseverfahren der modernen Medien-, Kommunikations- und Textwissenschaften. Dieser Entwicklung soll lexikalisch Rechnung getragen werden mit dem HISTORISCHEN WÖRTERBUCH DER RHETORIK, das den systematischen Ort von Fachbegriffen bestimmt, ihre geschichtliche Entwicklung und Anwendung aufzeigt sowie ihre fachübergreifende Bedeutung dokumentiert.

Gregor Kalivoda
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