Sic et Non – Zynismus oder eine didaktisch verwertbare Methode?

Abstract: Ausgehend von einem der wichtigsten Werke europäischer Geistesgeschichte, Petrus Abaelards “Sic et non”, behandelt der Beitrag folgende Themen:
  1. Abaelards Prinzip und seine antiken Wurzeln
  2. die Methode der “dissoì Lógoi”, der gegensätzlichen Aussagen
  3. die Anwendbarkeit dieses Prinzips im heutigen Rhetorik-Unterricht, also der Lehre vom Verfertigen von Texten sowie
  4. die Darstellung an einem praktischen Beispiel aus der germanistischen Mediävistik.

 

 


 

Ulrich Müller

SIC ET NON

Zynismus oder eine didaktisch verwertbare Methode?

SIC ET NON: “SO – UND AUCH NICHT” bzw. “SO – UND DAS GEGENTEIL”: 1 Diese drei lateinischen Wörter in meiner Ankündigung sollen zum einen, gemäß den Anweisungen der antiken Rhetorik zur Topik des Exordiums, also des Anfangs einer Rede, Sie – das Publikum – “dociles et attentos” bzw. “attentas” stimmen (bitte beachten Sie die Political Correctness der lateinischen Adjektiv-Endungen!). Die drei lateinischen Wörter sollen also Ihre Aufmerksamkeit erwecken. Zum anderen sind sie aber auch der Titel eines in Umfang, Gelehrsamkeit und Aussage wichtigen Werkes der europäischen Geistesgeschichte: in den Jahren 1122/1123 von Petrus Abaelard geschrieben, von jenem französischen Professor und akademischen Lehrer, den der Historiker Jacques Le Goff den “ersten Intellektuellen” Europas (des nach-antiken Europa) genannt hat.2

 

Eine andere Regel der antiken Rhetorik beachtch die der “brevitas”, d.h. der Kürze, möchte ich im Folgenden eingehen auf:

  1. Abaelards Prinzip und seine antiken Wurzeln
  2. die Methode der “dissoì Lógoi”, der gegensätzlichen Aussagen
  3. die Anwendbarkeit dieses Prinzips im heutigen Rhetorik-Unterricht, also der Lehre vom Verfertigen von Texten; sowie
  4. ein praktisches Beispiel aus meinem eigenen Fachgebiet bieten, nämlich der germanistischen Mediävistik.

 

1. Abaelards Prinzip und seine antiken Wurzeln

 

Sic et non des Petrus Abaelard, 1122/1123 geschrieben, ist ein staunenswertes Werk: Die umfangreiche Abhandlung 3 ist nach einem leicht erkennbaren Konzept aufgebaut: Zu 158 Glaubensfragen (sog. “quaestiones”) sind etwa 2000 Zitate (“sententiae”) von kirchlichen Autoritäten (Bibel, Apostel, Kirchenväter, Päpste, Theologen) zusammengestellt, und zwar so, dass unterschiedliche, gegensätzliche Antworten einander gegenübergestellt werden, nämlich erst “pro” und dann “contra”, also ‘Ja’ (“sic”) und ‘Nein’ (“non”). In der Titelformulierung (“Incipit”) in einigen mittelalterlichen Handschriften dieses Werkes wird dies wie folgt beschrieben:

Hier beginnen die ‘Sätze’ (“sententiae”) aus den Heiligen Schriften, welche sich zu widersprechen scheinen. Wegen des jeweiligen Widerspruchs wird diese Sammlung von Sätzen ‘Sic et non’ genannt.

Abaelard hat diese Form der Dialektik keineswegs erfunden, aber er hat sie wirkungsvoll propagiert, und er ist mit solchen Methoden zu einem der wichtigen Vertreter der frühen Scholastik geworden. 4 Für seine Vorgehensweise einige Beispiele:

Quaestio 1 behandelt die Frage, “ob der Glaube nicht mit menschlichen Vernunftargumenten gestärkt werden müsse – und das Gegenteil” (“quod fides humanis rationibus non sit adstruenda et contra”). Unter den angeführten dreißig Antworten von christlichen Autoritäten nehmen Augustinus und Papst Gregor der Große einen wichtigen Platz ein. Dabei kommt Gregor etwa mit den folgenden gegenteiligen Äußerungen zu Wort: Nämlich zuerst mit der Aussage, dass derjenige Glaube, der eines menschlichen Vernunftargumentes bedürfe, keinen Wert habe (I,1); anschließend dann aber mit der dazu kontroversen Aufforderung, dass er wünsche, dass die katholischen Geistlichen mit starken Vernunftargumenten die Häretiker zum Schweigen brächten (I, 16).

Andere Sätze handeln beispielsweise von den Fragen, “ob die Sünden der Väter auf die Söhne wirken – und das Gegenteil” (CXVI), “ob nicht der Beischlaf der Menschen eine Sünde sei – und das Gegenteil” (CXXX), “ob die Ehe etwas Gutes sei – und das Gegenteil” (CXXXV).

Da Abaelard Zitat an Zitat reiht und explizit keinerlei Urteile hinsichtlich der gegensätzlichen Meinungen abgibt, sondern diese ausdrücklich dem Leser und der Leserin überläßt, könnte heute beim Lesen fast der Eindruck entstehen, er mache sich über die sich widersprechenden Autoritäten lustig und wolle ihre Äußerungen ad absurdum führen.

Im kurzen Prolog 5 führt Abaelard aus, dass der Sinn eines solchen Vorgehens darin läge, dass wir – so seine Formulierung – “durch zweifelndes Fragen die Wahrheit finden würden”, dass die fragende Untersuchung (“quaestio”) und der Zweifel der ‘Schlüssel zur Erkenntnis’ (“clavis sapientiae”) wären (Z. 338f.). Obwohl Abaelard auf diese Weise seinem Werk eine dem Glauben und Dogma der Kirche entsprechende Tendenz gab, war sein dialektisches Verfahren in den Augen konservativer und orthodoxer Kirchenleute gefährlich: Denn wie man es auch dreht und wendet, Abaelard leugnete damit die Tatsache einer dogmatischen Wahrheit und setzte stattdessen den individuellen menschlichen Intellekt zum Richter über die jeweilige Kontroverse ein – oder er konnte zumindest so verstanden (oder doch nur missverstanden?) werden. Auch aus diesem Grund ist es nachvollziehbar, dass die genannten konservativen Gruppierungen Abaelard gegen dessen Lebensende mit einem gefährlichen Ketzerprozess zu verfolgen suchten.

Letztlich geht diese frühscholastische Methode der Dialektik auf die ‘Streitkunst’ (“Eristik”) der griechischen Sophisten zurück, so wie sie erstmals für Protagoras von Abdera (5. Jhd. v. Chr.) überliefert ist. 6 Von ihm wird tadelnd berichtet, er habe gelehrt, es gäbe von jeder Sache zwei Standpunkte (Diogenes Laertius IX 31: Diels 74 A 1, Capelle Nr.4), er habe seine Schüler gelehrt, dass und wie man die schwächere Sache zur besseren machen könne (Stephanos von Byzanz: Diels 74 A 21, Capelle 3; so formuliert von Aristoteles, Rhetorik II 24. 1402 a 23ff., = Diels 78 A 21, Capelle 2). Oder der Römer Seneca: “Protagoras ait de omni re in utramque partem disputari posse ex aequo” (‘Protagoras behauptete, dass man über jede Sache mit gleichem Recht in entgegengesetztem Sinn disputieren könne’: Ep. 88,43; Diels 74 A 20, Capelle 6). Der griechische Ausdruck für eine solche Methode war: “dissoì lógoi” – ‘doppelte, d.h. gegensätzliche Aussagen zur selben Sache’.

2. Die Methode der “dissoì lógoi”

Diese erstmals für Protagoras bezeugte Meinung und Fähigkeit wurde von Anfang an kritisiert, und man mag sie durchaus als zynisch bezeichnen. Dort wird aber nur formuliert, dass es bei allen Ermessens- und Interpretations-Fragen unterschiedliche Meinungen und Entscheidungen geben kann, ja muss: Ob etwas schwerer oder leichter als 100 kg, kürzer oder länger als 1 Meter, nass oder trocken ist, lässt sich normalerweise mit großer Sicherheit zweifelsfrei entscheiden, nicht aber, ob eine Sache schön oder nicht schön, angenehm oder lästig, ja richtig oder falsch ist. In der Terminologie von Kant handelt es sich im einen Fall, hinsichtlich ihrer Modalität, um assertorische Urteile, im anderen Fall um problematische Urteile (genannt auch: apodiktische Urteile).

Tagtäglich wird uns dieser Gegensatz vor Augen geführt: In der Politik funktionieren Regierung und Opposition nach diesem dialektischen Prinzip. Jedem demokratischen Wahlvorgang liegt es zugrunde, wenn man nämlich aus einem vorgegebenen Angebot die Entscheidung fällen muss: ‘Wer regiert uns, d.h. wer macht eine bestimmte Sache besser’. Qualitäts-Zeitungen lassen manchmal zum selben Problem Vertreter gegensätzlicher Meinungen zu Wort kommen – ein besonders anschauliches Beispiel fand sich etwa vor kurzem in der “Neuen Zürcher Zeitung” vom 7. April 2004: Der Botschafter Israels in der Schweiz und der Generaldelegierte Palästinas in der Schweiz konnten dort, mithilfe einer gleichen Textmenge zum derzeitigen Stand des Konfliktes Stellung nehmen – mit dem von jedem zu erwartenden Ergebnis, dass dieselben Ereignisse und Fakten, etwa der derzeitige Bau der neuen Mauer, von den beiden völlig konträr bewertet wurden.

Um nochmals Abaelard zu zitieren: In einer weiteren Zentralschrift, der mehrfach revidierten Theologia Summi boni (deren erste Fassung auf der Synode von Sens 1140 verurteilt wurde) vergleicht er im Kapitel “Lob der Dialektik” die Philosophie und speziell die Dialektik mit einem Schwert (“gladius”): Dieses könne je nach der Absicht der Benützer entweder größtmöglichen Nutzen oder größtmöglichen Schaden bewirken, “pro intentione utentium sicut plurimum prodesse, ita et plurimum nocere potest” .7 Und was Abaelard so meisterhaft in seiner ‘Sentenzen’-Sammlung von Sic et non verwendet hat, nämlich dieses ‘Schwert’ der Dialektik, das lässt sich heutzutage hervorragend im modernen Unterricht verwenden:

3. Anwendbarkeit im heutigen Rhetorik-Unterricht:

Seit vielen Jahren biete ich, im Rahmen des allgemeinen germanistischen Lehrprogramms, immer wieder Übungen zum Thema “Erstellen/ Schreiben von Texten” an. Eine bestimmte Textsorte hat sich hierbei als besonders geeignet erwiesen: Nämlich das Schreiben von Rezensionen, also das Formulieren von geradezu klassischen Ermessensurteilen. Ganz abgesehen davon, dass es dabei Übungen unter Live-Bedingungen gibt, nämlich Rezensionen für eine bestimmte Zeitung oder Zeitschrift (mit vorgegebenem Umfang und einem festen Terminrahmen), mit gemeinsamem Besuch einer Theater-Aufführung oder gemeinsamer Lektüre eines bestimmten Textes und Buches, immer wieder gefolgt von Diskussionen mit Betroffenen (z.B. Schauspielern) oder Beteiligten (z.B. einem Redakteur), also ganz abgesehen davon macht eine solche Vorgehensweise nach meiner Beobachtung die Studierenden “dociles et attentas/os”, eignet sich also hervorragend als Mittel zur Problematisierung von Ermessensurteilen und zu deren Formulierung, d.h. – wie man in der Antike gesagt hätte – für den Unterricht in Rhetorik und ihrer Spezialform, der Eristik.

Die scheinbar zynische und oft angegriffene, ja denunzierte Methode des Sic et Non läßt sich also – nach meiner Beobachtung und Erfahrung – sehr gut als didaktisches, pädagogisches Prinzip verwenden. Abschließend möchte ich dazu ein Beispiel aus meinem eigenen Fachgebiet anführen (ich bin, wie schon erwähnt, germanistischer Mediävist, mit einem abgeschlossenen Studium von Latein und Archäologie, und meine erste wissenschaftliche Publikation, vor etwas mehr als 35 Jahren, war eine Untersuchung zu Quintilians Rhetorik, und zwar zu dessen Terminologie für die Typen und den Gebrauch der menschlichen Stimme 8 ). Dafür, dass ich dazu einen poetischen Text heranziehe, sei nochmals, zum letzten Mal, Protagoras zitiert:

“Ich glaube, dass es für einen Mann ein Hauptstück seiner Bildung (‚Paideia’) ist, sich an Werken der Poesie als tüchtig zu erweisen, d.h. dass er imstande ist, das, was die Dichter gesagt haben, zu beurteilen” (Platon, Protagoras 339A; Diel 74 A 25, Capelle 1).

4. Ein Beispiel: Das ‘Lindenlied’ Walthers von der Vogelweide:

Mein Demonstrations-Objekt ist eines der bekanntesten und nach heutiger Meinung auch besten Lieder des deutschsprachigen Mittelalters überhaupt: das sogenannte ‘Lindenlied’ Walthers von der Vogelweide (ca. 1200). 9 Einen Eindruck davon kann auch eine neuhochdeutsche Übersetzung vermitteln: 10

 

 

1. Unter der Linde,

auf der Wiese,

dort wo das Bett von uns zweien war,

da könnt ihr sehen,

liebevoll gebrochen,

Blumen und Gras.

Vor dem Wald in einem Tal,

tandaradei,

sang schön die Nachtigall.


2 Ich kam gegangen

zu der Wiese:

Mein Geliebter war schon vor mir da.

Und so begrüßte er mich

Heilige Jungfrau! –

dass ich darüber für immer glücklich bin.

Ob er mich küßte? Sicherlich tausendmal:

tandaradei,

seht, wie rot mein Mund ist.


3 Er hatte aus

Blumen ein herrliches

Bett (für uns) hergerichtet.

Darüber wird sich jeder von Herzen

freuen,

der dort vorübergeht.

An den Rosen kann er noch gut,

tandaradei,

erkennen, wo mein Kopf gelegen ist.


4 Dass er mit mir schlief,

wüsste das jemand

(nein, bei Gott!), dann schämte ich mich.

Was er mit mir tat,

niemand jemals soll das

wissen außer ihm und mir

und jenem kleinen Vogel:

tandaradei,

der wird sicherlich verschwiegen sein.

 

Wie der Text (La. 39,1) wohl geklungen hat, als er um 1200 vor dem damaligen Publikum von Walther oder anderen vorgetragen wurde, sei wenigstens an der ersten Strophe exemplifiziert. 11 Damit folge ich wieder einer Empfehlung antiker und mittelalterlicher Rhetoriker: Nämlich exempla zu geben, (mhd.) ein “bispel”.

In einer großen, 1990 erschienenen Literaturgeschichte, herausgegeben von Rolf Bräuer, hatte ich dazu – gemäß dem allgemeinen mediävistischen Konsens – geschrieben:

Eine Erzählerin berichtet von einem Rendezvous, das sie mit ihrem Geliebten auf der “heide” (d.h. am Waldesrand oder in einer Waldlichtung, weitab von möglichen Beobachtern) hatte. Nirgendwo in dem Lied wird ausgeführt, welchem Stand die beiden angehören – die Erzählerin kann sowohl eine höfische Dame wie auch ein einfaches Mädchen sein. Diese Tatsache, die in vielen Interpretationen übersehen worden ist, bedeutet, dass hier aus der Erinnerungs-Perspektive einer Frau eine gegenseitige Liebesbeziehung vorgeführt wird, in der Ständisches keine Rolle spielt. Insofern ist dieses auf den ersten Blick so leicht und einfach wirkende Lied Walthers in Wirklichkeit nicht nur eines seiner raffiniertesten, sondern, da es so weit von der Konvention abweicht, auch eines seiner kühnsten. 12

 

Das Besondere und Einmalige, was gemeinhin als positiv an Walthers Lied gilt, läßt sich aber auch völlig umgekehrt bewerten – dazu wieder ein Eigenzitat (1995):

Das sog. “Linden-Lied” des Walther von der Vogelweide, heute allgemein als Nummer 1 in dessen “Hitparade” betrachtet (Formulierung: Bennewitz, in Mück: Walther von der Vogelweide. Stuttgart 1989, S.240) ist wohl ebensowenig ein Werk dieses Autors wie die gleichermaßen berühmte “Elegie” (dazu: Mundhenk, in DVjs 44, 1970, S.613-654):

– Das Wort “friedel” (39,22) sowie der Lall-Refrain “tandaradei” sind sonst bei Walther nicht belegt [d.h. sie sind Hapaxlegomena];

– Vers 39,24 ist hinsichtlich seiner grammatischen Konstruktion gänzlich unpräzis,

– und das Publikum wird hinsichtlich des Standes der beiden Personen völlig im unklaren gelassen.

– Berücksichtigt man/frau noch den verdeckten Macho-Ton des Liedes, so ergibt sich:

Das Lied passt in Stil und Tonlage nicht zu Walthers sonstigem Oeuvre, es ist – genau besehen – ‘Walthers unwürdig'” [letzteres ist eine in der Minnesang-Philologie immer wieder verwendete Formulierung; dasselbe gilt für die einzelnen Argumente].

Wie Abaelard überlasse ich die Entscheidung dem Publikum – also Ihnen:

SIC AUT NON? ‘So – oder andersherum’?

Ich schließe 13 mit einem erneuten Rückgriff in die Antike, nämlich auf einen Epilog-Topos der römischen Komödie:

 

Applaudiert [falls es gefallen hat] und lebt wohl!

Streckt die Glieder und steht auf aus den Sitzen!

“Plaudite et valete: lumbos porgite atque exsurgite!”

(Plautus: Epidicus, Schlussvers: V.733).

 

 

Gratias ago!

5. Allgemeine Literaturhinweise

(weitere siehe in den Anmerkungen):


Rolf Bräuer, Hg., Geschichte der deutschen Literatur. Mitte des 12. bis Mitte des 13.Jahrhunderts, Berlin 1990 (=Geschichte der deutschen Literatur 2); auch unter dem Titel erschienen: “Der Helden minne, triuwe und êre.” Literaturgeschichte der mittelhochdeutschen Blütezeit, Berlin 1990.

Wilhelm Capelle, Die Vorsokratiker. Die Fragmente und Quellenberichte. Übersetzt und eingeleitet, Leipzig 1935 (Nachdrucke) (= Kröners Taschenausgabe 119).

Hermann Diels, Die Fragmente der Vorsokratiker. Griechisch und deutsch, Berlin 1907.

Kurt Flasch, Das philosophische Denken im Mittelalter. Von Augustin zu Machiavelli. Stuttgart 1986 (= Reclams Universal-Bibliothek 8342).

Martin Grabmann, Die Geschichte der scholastischen Methode. Nach den gedruckten und ungedruckten Quellen bearbeitet, 2 Bände, Freiburg/Br. 1909/1911; photomechanischer Nachdruck Berlin 1988.

Albin Lesky, Geschichte der griechischen Literatur, 2. Aufl., Bern/München 1963, 376-383.

Ulrich Müller, “Herger”: Ein Sangspruch-Sänger aus “Minnesangs Frühling”, aus Minnesangs Winter’ oder aus Minnesangs zweitem Frühling’?, in: Rüdiger Krohn in Zusammenarbeit mit Wulf-Otto Dreeßen, Hg., “Dâ hoeret ouch geloube zuo”: Überlieferungs- und Echtheitsfragen zum Minnesang. Beiträge zum Festcolloquium für Günther Schweikle anlässlich seines 65. Geburtstags, Stuttgart/ Leipzig 1995, 139-154.

Ulrich Müller, Deutsche Gedichte des Mittelalters. Mittelhochdeutsch/ Neuhochdeutsch. Ausgewählt, übersetzt und erläutert in Zusammenarbeit mit Gerlinde Weiss, Stuttgart 1993 (= Reclams Universalbibliothek 8849)


Angaben zum Autor:

Ulrich Müller, geb. 1940, Dr. phil., o. Univ.-Prof. für Germanistik (Ältere deutsche Literatur) an der Universität Salzburg


Zitiervorschlag:

Müller Ulrich , Sic et Non, in: RhetOn. Online Zeitschrift für Rhetorik & Wissenstransfer 1/2005 (www-Datei:
http://www.rheton.sbg.ac.at/?page=articles&section=01.05&article=mueller_sic_et_non, [Datum des Abrufs]).

 


[ 1 ] Der Redecharakter des Textes wurde durchgehend beibehalten; ergänzt wurden die Anmerkungen.

[ 2 ] Zu Abaelard siehe zusammenfassend meinen Beitrag zum 4. Band der Reihe “Mittelalter-Mythen” (‘Künstler, Dichter, Gelehrte’), Universitätsverlag St.Gallen (im Druck); dort finden sich auch Hinweise auf die umfangreiche Literatur zu Abaelard

[ 3 ] Moderne Edition von Blanche B. Boyer und Richard McKeon (1976-1977): Sie umfaßt, mit allen Beigaben, 714 großformatige Seiten.

[ 4 ] Siehe dazu ausführlich Grabmann 1907/ 1911, Bd. 1, S.113, 215ff. (besonders S.234-246 und S.334-336) sowie Bd. 2, S.21-23, S.128-168, S.199-221; Grabmann vertritt allerdings die Meinung, daß Abaelards Schrift hinsichtlich der weiteren Entwicklung nur “als vorbereitender, anregender, indirekter, aber nicht als direkter und ausschlaggebender Faktor in Betracht” komme (Bd.2, S.231).

[ 5 ] Vom Prolog, nicht aber der folgenden großen Sammlung der Quaestiones, gibt es auch Übersetzungen ins Deutsche, und zwar von Werner Robl (Internet 2001) und Rizek-Pfister (Internet 2000; über die verschiedenen Suchmaschinen leicht zu finden [Stand Januar 2004].

[ 6 ] Die Zeugnisse und Fragmente sind gesammelt in Diels Ausgabe der Vorsokratiker (dort Nr.74); eine inhaltliche Anordnung bietet die Vorsokratiker-Übersetzung von Wilhelm Capelle (1935 u.ö.).

[ 7 ] Buch II; in der zweisprachigen Ausgabe von Ursula Niggli (Hrsg.): Peter Abaelard: Theologia Summi boni. Tractatus de unitate et trinitate divina/ Abhandlung über die göttliche Einheit und Dreieinigkeit. Lateinisch-deutsch. Übersetzt, mit Einleitung und Anmerkungen. Hamburg 1989 u.ö., S.68, Zeile 62-65.

[ 8 ] In zwei Teilen erschienen in: Archiv für Musikwissenschaft 26 (1969).

[ 9 ] Zu Walther siehe zusammenfassend Müller/ Weiss 1973 S.513ff.; daraus die folgenden Zitate (gekürzt): “Bereits im Mittelalter galt Walther von der Vogelweide als einer der herausragenden Sänger; nach wie vor wird er als Gipfelpunkt der mittelhochdeutschen Lyrik angesehen. Dazu paßt, daß sein umfangreiches Werk in sehr vielen Handschriften und mit nur geringen Zuschreibungsdivergenzen, bis weit ins späte Mittelalter hinein, überliefert ist. Den Meistersingern galt er als einer der “Alten Meister”, und sie haben auch einige Melodien Walthers verwendet und dadurch erhalten; Walther ist der erste deutsche Autor, wo erstmals auch eine Melodie direkt mit dem Text überliefert ist (zum sog. “Palästinalied”). Insgesamt sind heute etwa 12 Melodien zu Walther-Liedern bekannt oder mithilfe der Kontrafaktur-Forschung erschließbar, und zwar ausgehend von möglichen romanischen Vorlagen Walthers bzw. der Übernahme seiner Melodien durch die Meistersinger. Walthers umfangreiches Werk umfaßt Lieder zu den Themenbereichen “Liebe”, “Moral/Ethik”, “Politik” und “Religion”, und zwar mit vielfältigen Mischungen; auch die eigene Person und Existenz wird immer wieder thematisiert. – Weder Walthers Geburtsort noch sein Stand sind bekannt; die derzeit einleuchtendste These zur Herkunft stammt von Bernd Thum (1977), der auf das österreichische Waldviertel, nahe dem Kloster Zwettl, verweist. Urkundlich erwähnt ist Walther wenigstens aus einem einzigen Anlaß, nämlich in den Reiseabrechnungen des Passauer Bischofs Wolfger von Erla, der auf dem Weg nach Wien (zur Hochzeit Leopolds VI.) zum 12. November 1203 in Zeiselmauer vermerken ließ, daß dem “cantor” Walther von der Vogelweide zum Kauf eines Pelzmantels (“pro pellicio”) die Summe von 5 Soldi gegeben worden war. Da Walther in vielen seiner Lieder auf seine persönlichen Verhältnisse anspielt, sind mit vielen Vorbehalten wenigstens Umrisse einer Biographie skizzierbar: Aufgewachsen und erzogen im Herzogtum Österreich; bis zum Tod von Herzog Friedrich I. (1198) offenbar Dienstverhältnis am Wiener Herzogshof; anschließend Leben als fahrender, weit herumgekommener Berufssänger mit vielen wechselnden Dienstverhältnissen (unter anderem in der Nähe der damaligen Könige, vor allem aber bei verschiedenen Landesfürsten, insbesondere Landgraf Hermann I. von Thüringen); vergebliche Bemühungen um eine dauernde Rückkehr nach Österreich; schließlich Erhalt eines “Lehens” durch Kaiser Friedrich II.; Walthers letzte datierbaren Texte verweisen auf die Zeit um 1228. Der Überlieferung nach (erstmals bezeugt zu Beginn des 14. Jahrhunderts) liegt er im Kreuzgang des Würzburger Kollegiat-Stiftes Neumünster (heute: Lusamgärtlein) begraben. – Seit dem 19. Jahrhundert wurde Walther zum deutschen Nationaldichter des Mittelalters hochstilisiert und immer wieder für politisch-ideologische Zwecke verwendet. Den modernen ‘Liedermachern/innen’ gilt er als einer der Ahnherren ihres Berufsstandes und wird als solcher immer wieder zitiert.”

[ 10 ] Aus: Müller/ Weiss 1993, Nr.47 (Text nach der Ausgabe von Hermann Paul 1882). – Eine neue vollständige Übersetzung hat jetzt Franz Viktor Spechtler vorgelegt (Klagenfurt: Wieser Verlag 2003). Zu Walther insgesamt siehe unter anderem: Horst Brunner/ Gerhard Hahn/ Ulrich Müller/ Franz Viktor Spechtler, unter Mitwirkung von Sigrid Neureiter-Lackner: Walther von der Vogelweide. Epoche-Werk-Wirkung. München 1996; Thomas Bein: Walther von der Vogelweide. Stuttgart 1997 (=Reclams Universalbibliothek 17601); Manfred Günter Scholz: Wakther von der Vogelweide. Stuttgart/Weimar 1999 (=Sammlung Metzler 316).

[ 11 ] Einspielung: Ensemble Bärengäßlin (LP: Verlag Pläne, Dortmund: 1980; vergriffen; bisher leider nicht auf CD erschienen). – Text der ersten Strophe (nach der Edition von Hermann Paul 1882): Under der linden, an der heide, dâ unser zweier bette was, Dâ muget ir vinden schône beide gebrochen bluomen unde gras. Vor dem Walde in einem tal, tandaradei, schône sanc diu nahtegal.

[ 12 ] Bräuer 1990, S.582f.

[ 13 ] – wie schon mehrfach –

 


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