Alliteration

(englisch: alliteration, französisch allitération, italienisch: alliterazione)

Wichtigstes Indiz für die Alliteration ist der Gleichklang der Anlaute von mindestens zwei aufeinanderfolgenden Wörtern. Der Gleichklang kann auch am Ende des Wortes auftreten. In der Dichtung ist diese Figur besonders beliebt, hebt sie ja durch den Gleichklang die gesprochenen bzw. die geschriebenen Stellen merklich hervor und verleiht ihnen dadurch eine bessere Eingängigkeit und poetischen Schmuck, sprich, es geht hier um eine besondere Art der Akzentsetzung. Und dies geschieht auch ganz bewusst (Die Frage, ob Stilfehler – oder Stilmittel ist nicht gegeben).

Die Alliteration (von lat. ad littera) wird auch als Stabreim bezeichnet. Ferner liest man von Anreim oder Gleichklang. Die beiden letzteren Begriffe kommen jedoch sehr selten vor. Die Alliteration ist zu den Klang- und Wortfiguren zu zählen. Vielleicht noch mehr zu den Klang- als zu den Wortfiguren, fällt sie uns nämlich in der gesprochenen Sprache noch deutlicher auf.

Eine verwandte Figur ist die Assonanz. Hier ist der Gleichklang bei den Vokalen gegeben (die Konsonanten sind bzw. können unterschiedlich sein. Beispiel aus Goethes Erlkönig: „Du liebes Kind komm geh mit mir, gar schöne Spiele spiel ich mit dir.“ Die Assonanz wird deutlich an der Wiederholung von ‚i’ und ‚ie’.

Der Begriff Alliteration wird in der antiken Rhetorik nicht erwähnt, er kommt zum ersten Mal als „alliteratio“ im 14. Jahrhundert bei G. Pontano, einem italienischem Dichter, vor. Die Figur selbst wird jedoch schon in der Antike praktisch angewendet, wie im „Historischen Wörterbuch der Rhetorik“ (im Weiteren kurz: HWRh) vermerkt wird: „[…] Bemühungen um theoretische Konzeption oder um Systematisierung scheinen allerdings nur Buchstabenspiele oder Spielen mit Assonanzen […]“ (HWRh Bd. 1, Sp. 408). Aristoteles unterscheidet auch andere Klangspiele, „[…] wie zum Beispiel jene Experimente, die darin bestehen, die Buchstaben eines Wortes zu vertauschen, was im Deutschen ,Schüttelreim‘ heißt. “ (HWRh Bd. 1, Sp. 408) Bei einem Schüttelreim werden die Anfangskonsonanten der letzten beiden betonten Silben „geschüttelt“ – vertauscht. Beispiel: (im) Wein baden – Beinwaden.

Im Mittelalter entwickelt sich die Alliteration zu einem beliebten Stilmittel (zum Beispiel ist die Alliteration im Nibelungenlied oft zu finden). In der heutigen Zeit wird diese rhetorische Figur häufig verwendet. Gero von Wilpert erwähnt: „[…] in der geregelten Form des Stabreims [ist die Alliteration als das] älteste Formprinzip des german[ischen] Verses und älteste Art der Sprachbindung wohl vom Zauber- und Orakelspruch herzuleiten.“ (Sachwörterbuch der Literatur, S. 20)

Oft findet man Alliterationen bei „Zwillingsformeln“, bei Sprichwörtern, bei Zungenbrechern und in der Lautmalerei. Im Volksmund kommt es oft zu spontanen Wortschöpfungen, die alliterieren. Aktuelles Beispiel ist die Bezeichnung, mit dem Fußballfans den italienischen Torjäger Luca Toni verspotteten, weil ihm bei der Europameisterschaft 2008 kein einziges Tor gelang: „Toni Torlos“.

Wie viele andere rhetorische Figuren wird die Alliteration gerne in der Werbung eingesetzt. Durch den Gleichklang bestimmter Buchstaben kommt es zu einer verstärkten Rhythmisierung, die Aussage gelangt so leichter ins Gedächtnis der Zuschauer / Zuhörer und bleibt dort besser haften.

„Gut gepflegt. Gleichmäßig gebräunt.“ (Werbung für Hautpflegeprodukt)

Bei diesem Beispiel ist wiederum der Gleichklang durch den Buchstaben „G“ im Anlaut gegeben.

„Hierher, Hofhund! Horch, hurtig huscht Hassan zur Hütte!“

Dieser Zungenbrecher ist dadurch gekennzeichnet, dass jedes Wort (außer ‚zur’) mit dem Buchstaben „H“ beginnt. Die meisten Zungenbrecher alliterieren.

„Land und Leute“ oder auch „Kind und Kegel“: Diese Beispiel enthalten nicht nur eine Alliteration, sondern stellen die Zwillingsformel dar. (Alliterierende) Zwillingsformeln zählen überwiegend zum normalen Sprachgebrauch und werden kaum noch als rhetorische Figur wahrgenommen

„Wirrwarr, Tick-tack, wau-wau, summ-summ”: Es handelt sich um Beispiele aus der Lautmalerei oder auch Onomatopoetika genannt. Kleine Kinder verwenden sie oft (z.B.: wau-wau für Hund). Lautmalerische Begriffe alliterieren häufig.

„Du der du, sitzend im Buge des Bootes“ (Bertolt Brecht, Svendeborger Gedichte VI)

In diesem Beispiel aus der Literatur ist die Alliteration zweimal gegeben, zum einem mit dem Buchstaben D (du, der, du) und zum anderen mit dem Buchstaben B (Bug, Boot).

Monika Berghuber

Literatur:

Wilpert, G. von: Sachwörterbuch der Literatur. Kröner. Stuttgart 1989.
J.-C. Margolin: Allteration, in: HWRh Bd. 1. Tübingen 1992. Sp. 406-413.