Periphrase

(periphrasis, gr. periphrasis, dt. Umschreibung, engl. periphrasis, fzr. periphrase, ital. perifrasi)

Der Begriff Periphrase wird aus zwei griechischen Wörtern zusammengesetzt: perî = ringsum, um…herum und phrazo = deutlich machen, zeigen. Eine lateinische Bezeichnung für die Periphrase ist circumscriptio. Zudem gibt es einige Sonderformen, wie die Antonomasie, die Metonymie, das Adynation und die Circumlocutio.

Die Periphrase ist eine Ausdrucksweise, die einen Begriff oder Sachverhalt durch einen anderen Ausdruck oder durch einen Satz oder mehrere Sätze umschreibt und so charakterisiert oder bewertet. Sie ersetzt die ursprüngliche Bezeichnung durch eine umschreibende, was in der Regel zu einer textlichen Amplifikation führt.

Die Periphrase ist eine seit der Antikegebräuchliche Figur und wird meist zu den Tropen gezählt. Lausberg klassifiziert sie zu den Grenzverschiebungstropen. Daneben wird sie als sprachliches Mittel angesehen, welches in anderen Stilfiguren mehr oder weniger typisch sein kann. Wie im HWRh erwähnt, wird die Periphrase oftmals nur aus Rücksicht vor der Tradition zu den Tropen gezählt, obwohl sie keine tropuskonstituierenden Merkmale aufweist. (vgl. HWRh. Sp.765)

Die Periphrase ermöglicht ein Umgehen von unangenehmen Begriffen, welche meist Tabuwörter und Themen aus den Bereichen Sexualität, Tod und Sterben implizieren. Hierin überschneidet sie sich mit dem Euphemismus. (sterben= in das Licht gehen; Sex= Geschlechtsverkehr).

Es kann aber ebenso versucht werden, auf abgegriffene, alltägliche Ausdrücke zu verzichten. Als Gegenteil der Periphrase kann die Denotation angesehen werden. Beispiel: „Arzt“ ist die Denotation der Periphrase „Götter in Weiß“.

Form und Funktion einer Periphrase sind je nach Zweck unterschiedlich. Sie kann wichtig sein für die sprachliche Variation, die Beschönigung, die Hervorhebung, die Erklärung oder die Konkretisierung, zum Spott, zur Verrätselung. Eine charakteristische Anwendung findet diese rhetorische Figur in Rätseln und Definitionen.

Beispiel „Der Herr hat unseren lieben Hannes abberufen.“ Ein Artikel der „Zeit“ (08.05.08) befasst sich dem Wort „abberufen“. Früher wurde die Bezeichnung als Umschreibung für das Sterben eines Menschen verstanden, heutzutage versteht man dagegen darunter das Abrufen einer Leistung. In diesem Zusammenhang kommt der Autor zu einer interessanten Periphrase des modernen Menschen als Leistungsträger:

„Wir selbst sind nur ein kleiner Bildschirm. Unser Wesentliches, unser Charakter, unsere Seele, verbleibt in der Macht des großen Speichers, unantastbar und unabhängig von uns. Wir rufen das alles nur ab, solange man uns den Zugang nicht verwehrt. Irgendwann werden wir sterben, abberufen werden, aber der große Speicher wird noch dastehen, überquellend von Leistung, summend von Podolski-, Klose-, Ballack-, und Gomez Potenzial, das dann keiner mehr abrufen kann. Ganz allein wird er am Ende vor sich hin summen, jener höhere Rechner, den wir verehren.“

Marco Sturm

Literatur:
D. Harjung: Lexikon der Sprachkunst. Die rhetorischen Stilformen. Mit über 1000 Beispielen. München 2000.
L. Kolmer, C. Rob-Santer: Studienbuch Rhetorik. Paderborn 2002.

A. Detken: Periphrase, in: HWRh Bd. 6. Tübingen 2003. Sp. 765-771.