Trikolon

(griechisch: tríkolon; lateinisch: tricolum, teriugum; deutsch: Drillingsformel)

Wie der Name schon sagt (tri = drei), besteht das Trikolon aus drei Satzgliedern oder Sätzen. Es besteht aus einer Aufeinanderfolge zweier oder mehrerer Glieder (kolon = Glied). Im HWRh ist zu lesen, dass diese einzelnen Glieder aus mindestens zwei Wörtern bestehen müssen, da es sich sonst nur um eine „Häufung“ von Worten handeln würde. Andere Autoren bestätigen dieses „Gesetz“ allerdings nicht. Das Trikolon tritt meist in Verbindung mit anderen Wortfiguren der klanglichen Ähnlichkeit wie Alliteration (Wörter mit gleichem Anfangsbuchstaben) und Homoioteleuton (Wiederholung derselben Endsilbe) oder mit Wiederholungsfiguren wie Anapher (Wiederholung gleicher Wörter am Anfang eines Satzes), Klimax (Steigerung) und Polyptoton (Wiederholung eines Wortes bzw. Wortstammes mit Abwandlung) auf (vgl. HWRh, ersch. 2009).

Das Trikolon ist laut HWRh antiker Herkunft und lässt sich den Wortfiguren zurechnen. Seine Einführung wird Gorgias zugeschrieben, weshalb es auch als „Gorgianische Figur“ bezeichnet wird. Dabei lässt sich das Trikolon in grammatische Figuren (betreffen Abweichungen von der grammatischen Sprachnorm) und rhetorische Figuren (betreffen Wortstellung) einteilen. Eine zentrale Bedeutung bekommt die Figur in der Tradition des griechischen und lateinischen Prosastils. Auch die Rhetorica ad Herennium führt Beispiele für das Trikolon an. Sie verweist auf die abgerundete Wirkung der Figur. Auch Quintilian spricht in Bezug auf das Trikolon von Wortfiguren (vgl. Quint. IX, 3).

Das Trikolon wird vor allem verwendet, um einer Rede Dynamik zu verleihen. Das Trikolon überzeugt durch Kürze und Prägnanz und wirkt energisch und eindringlich. Es wird Betonung und Spannung angestrebt und erweckt den Eindruck von Vollständigkeit und Abgeschlossenheit („Verliebt, verlobt, verheiratet“). Das Trikolon besitzt oft steigende Wirkung und war auchin der Barockliteratur sehr beliebt. Auch heute kommt es noch relativ häufig vor, vor allem im Bereich der Werbung („Quadratisch, praktisch, gut“).

Beispiele:

„Es ist so bequem, unmündig zu sein. Habe ich ein Buch, das für mich Verstand hat, einen Seelsorger, der für mich Gewissen hat, einen Arzt, der für mich die Diät beurteilt usw., so brauche ich mich ja nicht selbst zu bemühen.“

Von Kant stammt dieses Trikolon in seinem Werk „Was ist Aufklärung?“. Er führt drei Beispiele an, welche sehr anschaulich dargestellt sind und abgerundet wirken. Drillingsformeln wirken vollständig und haben außerdem ästhetischen Wert.

„Er weint, er ist bezwungen, er ist unser.“

Dieser Satz stammt von Schiller. Er bewirkt Steigung und macht den Text interessanter und spannender. In der Literatur treten Drillingsformeln wegen dieser Eigenschaften häufig auf. Dieses Trikolon ist außerdem eine ? Klimax.

„Gut, besser, Gösser“

Dies ist ein Werbeslogan für eine Biermarke. Durch die Umwandlung des Superlativs „das Beste“ zu „Gösser“ suggeriert dies im Adressaten hohe Qualität, hohen Standart und besten Geschmack.

„Modern denken, entschlossen handeln, besser leben.“

So lautet 1969 ein Werbespruch der CSU. Er wirkt sehr abgerundet und bleibt durch die Kürze besser im Kopf des Adressaten. Nicht umsonst ist das Trikolon eine sehr beliebte Form, Werbesprüche zu entwerfen.

Barbara Schnitzer

Literatur:

Winter/Froemel: Trikolon. In: G. Ueding. Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Tübingen (ersch. 2009).