Zwillingsformel

(auch: Paarformel, Wortpaar)

Kennzeichen der Zwillingsformel ist das gemeinsame Auftreten zweier oder mehrerer Worte, die meist durch „und“ verbunden sind („fix und fertig“). Dies muss aber nicht immer der Fall sein. Es gibt auch andere Formen, wie zum Beispiel „von Kopf bis Fuß“. Bindewörter, Präpositionen oder Vergleichsartikel können jedoch auch ganz entfallen, wie im Beispiel „jahrein, jahraus“. Zwillingsformeln können verstärkt werden, zum Beispiel mit einer Alliteration („klipp und klar“) oder durch einen Endreim („ohne Saft und Kraft“). Die Zwillingsformel steht somit häufig in Beziehung zu anderen Figuren wie der Antithese (Gegenüberstellung), der Klimax (Steigerung), der Repetitio (Wiederholung), der Alliteration (Wörter beginnen mit gleichen Buchstaben) und der Tautologie (Wiederholung eines sinnverwandten Wortes). Die Grenze zwischen den Zwillingsformeln und einfachen Phrasen ist etwas verschwommen. So müssen die Redewendungen „ein Fass ohne Boden“ oder „Auto um Auto“ nicht explizit als Zwillingsformel gelten, da sie den Anspruch von Gedankenfiguren nicht erfüllen. Sie wirken inhaltlich nicht abgerundet. Der Zwillingsformel ähnlich sind das Trikolon („verliebt, verlobt, verheiratet“) und die Vierlingsformel („frisch, fromm, fröhlich und frei“). Sie bestehen aus drei bzw. vier Elementen.

Die Herkunft der Zwillingsformeln ist bis heute nicht eindeutig zu bestimmen, sie kommen jedoch seit langer Zeit im Geschriebenen wie im Gesprochenen vor. Die Zwillingsformel wird in keiner Quelle explizit als Gedanken- oder Wortfigur bezeichnet. Genaue historische Quellen über die Herkunft der Zwillingsformel scheinen ebenso nicht auf, was den Verdacht nahe legt, es handle sich hierbei um eine Figur neuerer Herkunft. Es ist zu vermuten, dass die Zwillingsformel von der Dichtkunst mitgetragen und beeinflusst wurde. Der erste schriftliche Beleg findet sich im „Merseburger Zauberspruch“ (vor 750 n. Chr.) hinter dem Ausdruck „hera duoder“ („hierher und dorthin“), wie auch im „Wessobrunner Gebet“ (Anfang 9. Jh.) hinter der Formulierung „enteo ni uuenteo“ („weder an Enden noch an Wenden/Grenzen“).

Auch heute noch werden Zwillingsformeln häufig verwendet, da sie meist in Verbindung mit anderen Figuren stehen und floskelhaften, überzeugenden und veranschaulichenden Charakter haben. Sie finden sich in der Werbung („Geiz ist geil“), in der Rechtssprechung („Grund und Boden“) und mit Sprichwort-Charakter in der Alltagssprache („früher oder später“).

„Katz und Maus“

Diese Formel findet sich meistens in einem Kontext, zum Beispiel: „Ihr seid wie Katz und Maus“, wenn sich Kinder zanken, oder „Das ist ein Katz-und-Maus-Spiel“, wenn man ausdrücken will, sich in einer unfairen Situation zu befinden.

„Von der Wiege bis zur Bahre“

Sprichwort-Charakter zeichnet diese Zwillingsformel aus. Sie gab es wahrscheinlich schon sehr früh, da heute der Begriff „Bahre“ kaum noch verwendet wird. Sie bezeichnet ein ganzes Leben – von der Geburt bis zum Tode – und wird oft als Übertreibung verwendet. Eine weitere Formel ist in diesem Beispiel zu erkennen, nämlich die ? Antithese.

„Tag für Tag“

Diese Zwillingsformel steht dafür, dass etwas ständig wiederholt wird oder werden muss und vermittelt eine eher negative Stimmung. Durch die Wiederholung der Wortes „Tag“ bekommt diese Formel eine stärkere Wirkung und assoziiert Ermüdung oder Veranschaulichung der Situation. Die inhaltlich gleiche Aussage „jeden Tag“ wirkt im Vergleich wenig ansprechend und blass. Dieses Beispiel ist außerdem eine ? Alliteration und eine Repetitio, da das Wort „Tag“ wiederholt wird.

„Besser als barfuß“ / „Sicher ist sicher“

Diese beiden Zwillingsformeln stammen aus der Werbung. Der erste Slogan lobt Gesundheitsschuhe, der zweite wurde von Audi für die Präsentation des neuen Audi Quattro kreiert.

Insbesondere die Tautologie, die in diesen Slogans hörbar klingt, wirken sie auf suggestive Weise überzeugend.

Barbara Schnitzer

Literatur:

G. Dichler: Paarformeln in der Rechtssprache des frühen Mittelalters. (Diss 1960). Frankfurt am Main 1961.

W. Hofmeister: Zwillingsformel. In: G. Ueding: Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Bd. 9 Tübingen (ersch. 2010).

W. Hofmeister: Zwillingsformeln der deutschen Gegenwartssprache, Universität Graz, abgerufen von der Internet-Homepage:

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