Ein Eindruck zu Satür 2011 – Manieren

Bei diesem Schlagwort denken Sie vermutlich, wie viele, an das Standardwerk von Adolf Freiherr von Knigge. Dieses Werk über adäquate Verhaltensweisen in der Gesellschaft aus dem 18.Jahrhundert mag als veraltetes Gut erscheinen. Auf den ersten Blick haben Manieren heutzutage keine herausragende Bedeutung mehr. Auf den ersten Blick, wie gesagt.

Asfa- Wossen Asserate, ein Prinz aus dem äthiopischen Kaiserhaus, zeigt in seinen Büchern jedoch ein anderes Bild auf. In der Geschäftswelt gibt es eine Fülle an Manieren und Gepflogenheiten. Wenn diese jedoch ausschließlich mit dem Hintergedanken der Profitmaximierung Anwendung finden, verfehlen sie ihre eigentliche Absicht – sie haben nämlich keine Absicht: „Manieren wurden ein schönes Spiel, eine Fortsetzung des Tanzes gleichsam, das seinen Zweck in sich selbst fand und die Menschen, die sich ihm mitspielend unterwarfen, durch eine Steigerung ihres Lebensgefühls belohnte – darüber hinaus aber nicht nur nichts einbrachte, sondern gelegentlich sogar viel kostete.“

Doch auch im alltäglichen Umgang ist die Orientierung an gewissen Manieren eine Form von Höflichkeit, Höflichkeit gegen anderen und auch Höflichkeit gegen sich selbst. Asserate schreibt den Manieren zu, dass sie Form verleihen, eine gewisse Grundorientierung bieten. Trotz dieser Bedeutung findet sich keine allgemein gültige Definition oder Katalogisierung von diesen. Aber auch wenn Manieren nicht eindeutig fassbar sind, ist eine Auseinandersetzung mit diesen durchaus empfehlenswert, da ihr Fehlen, im Gegensatz zu ihrer Anwendung, immer ins Auge sticht.