Humor in der Rhetorik

Alexander Baur, Nikola Wiegeler

Humor in der Rhetorik

I.

Witze sind nicht einfach. Neben erkenntnisreich auch witzig in der Wissenschaft über den Witz zu schreiben, ist ebenfalls nicht einfach. Das sah auch schon Cicero so, der Caesar seine Überlegungen zum Lachen und zur Bedeutung des Lachens in der und für die Rhetorik mit folgenden Worten einleiten ließ: Ich bin „der Meinung, daß ein Mann mit einigem Humor jedwedes Thema witziger behandeln kann als ausgerechnet das des Witzes. […] ich fand zwar viele Proben des Witzes und Humors der Griechen […], doch die, die eine Theorie und ein System davon zu geben suchten, zeigten sich so fade, daß man bei ihnen nur gerade über ihre Abgeschmacktheit lachen kann. Deshalb bin ich für mein Teil jedenfalls der Meinung, daß man in dieser Frage keine solche theoretische Anweisung geben kann“. [1]

Humor und Lachen, aber auch der Witz als eine klassische Textform humoresker Kommunikation beschäftigen Rhetorik, Philosophie, Literatur, Linguistik, Soziologie, Psychologie, ja sogar die Medizin und die Rechtswissenschaft seit jeher. „Griesgram“ Platon empfand das Lachen als „schändlich“, schlecht, unverständig und mit einer ernsten Lebensführung nicht vereinbar,[2] und Nietzsche pointierte mehrere Jahrhunderte später die im Kern Aristotelische Gegenposition: „Das leidendste Tier auf Erden erfand sich – das Lachen.“[3] Quintilian, der erste Rhetorikprofessor, warnt den seriösen Redner eindringlich davor, „Possenreißer- und Komödiantenwitzelei“ zu betreiben[4] – wonach einige der heutigen z.T. sehr erfolgreichen Comedians, von Oliver Pocher bis Stefan Raab, aus der rhetorischen Betrachtung fallen müssten. Burghart Wachinger betrachtet den Witz als „literarische Kleinstform“ (wobei er freilich vom aufgeschriebenen Witz ausgeht).[5] Der Lebensphilosoph Henri Bergson betont in seinem Essay De rire / Das Lachen von 1900 die soziale Dimension von Humor, vor allem in seiner Spielart des abwertenden Aus- und Verlachens; „Wir würden“, so heißt es bei ihm, „Komik nicht genießen, wenn wir uns allein fühlten.“[6] Sigmund Freud räumt seiner psychoanalytischen Theorie des Witzes immerhin knapp 300 Seiten ein.[7] Und im Jahr 2010 erhält man in der Humorstadt Tübingen[8] noch die Doktorwürde mit einer 57-seitigen medizinischen Abhandlung zum Thema: Wahrnehmung von witzigen Stimuli und Veränderungen des Humors bei psychischen Erkrankungen am Beispiel der Depression.[9] Um das Ubiquitäre des Humors nun endgültig zu belegen, kommen wir an dieser Stelle nicht umhin, über Biologie und Bildzeitung zu sprechen; letztere titelte unlängst: „Frauen lachen wie die Affen, Männer lügen sogar beim Lächeln.“ Und: „Wissenschaft kann so lustig sein!“ Weiter heißt es, Verhaltensbiologen hätten herausgefunden, dass „[d]as Lächeln einer Frau […] tatsächlich viele Ähnlichkeiten mit dem Lächeln von Primaten“ hat. „Wenn Affen einem Gegner gegenüber unterwürfig sind, zeigen sie die Zähne. Frauen tun dies auch.“[10] Auf die Bildzeitung werden wir wohl noch zurückkommen müssen. Sie zeigt aber, dass auch Gender-Aspekte durchaus eine Rolle spielen, wenn es um Humor und Lachen geht: Männer und Frauen lachen nicht über dasselbe; bestimmte Witze finden Männer witziger als Frauen. Bezeichnenderweise gilt dies für die humoreske ‚Schmuddelecke‘, insbesondere für „ethnic jokes“ (wie z.B. Türkenwitze) und „sexual humor“, wie auch die Untersuchung von Hassett und Houlihan aus dem Jahre 1979 feststellt („Men thought our jokes were funnier than women did.“).[11] Die Empirie belegt damit, dass es mit dem vir bonus, Quintilians ethisch verantwortungsvollen und politisch korrekten Redner, im ‚everyday life‘ augenscheinlich nicht ganz so gut bestellt ist.

Mit ihrer Spannbreite von Platon über Psychiatrie bis Pocher haben Humor, Witz und Lachen also seit jeher ihren intellektuellen, finanziellen und politisch inkorrekten Reiz ausgeübt und ihre Bedingungen und Resultate den unterschiedlichsten Disziplinen überantwortet.

II.

Für die Rhetorik ist – im Unterschied zu den vorher genannten Disziplinen – immer die Sicht desjenigen verbindlich, der strategisch-kommunikativ handelt und seinen Adressaten so zu einer (von ihm zuvor kalkulierten) Überzeugung verhilft.[12] Gelingt Letzteres, so spricht man von rhetorischem Erfolg, über welchen schlussendlich die Adressaten entscheiden. Denn so sorgfältig die Kommunikation auch zuvor geplant und mögliche Risikofaktoren analysiert wurden – Wer sind meine Adressaten? Was ist der Anlass meines rhetorischen Handelns? Um was geht es überhaupt und welche Tücken hat mein Redegegenstand? Auf welche Widerstände stoße ich bei meinen Adressaten? Sind sie leicht zu überzeugen oder geradezu feindlich gestimmt? Muss ich mein Handeln formalisieren (wie etwa vor Gericht) oder bin ich frei? Habe ich Gegner im Meinungskampf, die ich widerlegen muss? Bin ich eher ein emotionaler Redner oder ein Verfasser sachlicher Schriften? – wie die Adressaten reagieren und entscheiden, bleibt bis zum finalen Produktionsstadium, der actio oder Performanz des Kommunikats, ungewiss. Die Beantwortung der Fragen hilft aber zumindest, die Instrumente bzw. Textgestaltungselemente auszuwählen, die dank ihrer spezifischen Wirkfunktionen Aussicht auf Erfolg haben. [13]

Eines dieser rhetorischen Instrumente, das in bestimmten sozialen Handlungskontexten, für bestimmte Ziele sinnvoll sowie für bestimmte Orator-Typen wirkungsmächtig sein kann, ist der Humor. Auch für ihn gilt: Die Passung zwischen den Anforderungen einer rhetorischen Situation und der rhetorisch handelnden Person ist entscheidend. Vor diesem sine qua non-Postulat kann der Humor im Folgenden eingehender betrachtet werden.

Bevor es aber zu dieser Betrachtung kommen kann, soll festgehalten werden, dass noch niemand eine alleingültige Definition dessen entwickelt hat, was Humor eigentlich ist, auch die Rhetorik nicht. Die Frage ‚Was finden wir wann warum lustig?‘ muss also weiterhin als ungeklärt gelten. Lediglich eine Minimalantwort kann hier versucht werden: Humoreske Wirkung ist häufig die Folge einer Erwartungsverletzung, was sich z.B. ganz praktisch am Witz mit seiner Pointe verdeutlichen lässt. Sigmund Freud, der das spontane Lachen als Ersatzreaktion sieht, erklärt sie bekanntlich wie folgt: Psychische Energie, die benötigt worden wäre, wenn die Erwartungen erfüllt worden wären, wird überschüssig, weil es aufgrund der Erwartungsverletzung anders kommt. Und abgebaut wird die so entstandene überschüssige Energie dann durch das Lachen, die quasi-Ersatzreaktion. [14] Auch in der antiken Rhetoriktheorie ist die Freud’sche Betrachtungsweise schon angelegt: Verletzungen des aptums (der Angemessenheit) zeitigen unter bestimmten textuellen und/oder kontextuellen Bedingungen humoreske Wirkungen.

Ein Bruch mit den Angemessenheitserwartungen des Publikums ist an sich freilich ein Problem, weil er in der Rhetorik generell als Fehler (Vitium) gilt; Cicero spricht in De Oratore jedoch z.B. explizit von der „Häßlichkeit und Mißgestalt“ des Humors als dessen Grundprinzip.[15] Ein Bruch mit den Angemessenheitserwartungen ist auf technischer Ebene aus rhetorischer Sicht also genau dann ein lizenzierbares Devianzphänomen (oder mit anderen Worten: ein Fehler, der gerechtfertigt ist), wenn er auf eine humoreske Wirkung zielt und diese Wirkung durch den Bruch auch erzielt wird. Dass dies gelingt, ist aber nicht selbstverständlich, denn Humor ist ein riskantes Unterfangen, das besonders gut kalkuliert sein will: Tritt Lachen als Reaktion – aus welchem Grund auch immer – nicht ein, so bleibt ein nur schwer zu rechtfertigender rhetorischer Fehler zurück, der die gesamte rhetorische Zielsetzung gefährden kann.

Wenn Humor nun etwas mit dem Bruch von Erwartungen zu tun hat, dann ist damit auch gegeben, dass er nur funktionieren kann, wenn er sich in solchen Bereichen vollzieht, über die bei den Adressaten schon eine gewisse Grundeinigkeit besteht und nicht erst noch gesondert hergestellt werden muss: Humor funktioniert also immer dann, wenn er mit dem common sense hantiert, oder anders: Humor spielt und bricht mit den sog. endoxalen Erwartungen. Humor argumentiert nicht, Humor ist selbst Argument – und zwar ein solches, das seinerseits keine Beweislast oder Begründung einfordert. Humor ist apodiktisch: Wer die beabsichtigte humoreske Wirkung nachträglich begründen muss, der hat etwas falsch gemacht.[16]

Wenn Humor also mit dem common sense hantiert, dann versteht sich auch, dass die Fundorte für humoreske Aktionen mit den Fundorten (topoi / loci) für den common sense im Allgemeinen übereinstimmen. Folgerichtig postulierten schon sowohl Cicero als auch Quintilian, dass die Humor-Topik der Topik entspricht, die auch für ‚ernsthafte Reden‘ Gültigkeit besitzt. Den sog. loci a re (den Fundorten für Sachargumente) entspricht dabei der Sachwitz, den loci a persona (den Fundorten für Argumente, die sich auf Personen und Persönlichkeitsmerkmale beziehen) der – wie noch gezeigt wird – in vielerlei Hinsicht interessante und ungleich problematischere Personen- bzw. Charakterwitz.[17]

Denkt man das Verhältnis von Humor und common sense noch weiter, so offenbart sich das Enthymem, ein um seinen Obersatz verkürzter Syllogismus, als Strukturmerkmal des Humors. Die Erwartung, mit der die humoreske Wirkungsintention bricht und die der Obersatz im Syllogismus wäre, wird nie thematisiert, sondern wird apodiktisch als selbstverständlich und endox vorausgesetzt. Allein der fehlende Obersatz, der common sense ist die Basis, auf der die humoreske Wirkung eintreten kann: Denn nicht nur der, der in die Verlegenheit kommt, seine humoreske Aktion begründen zu müssen, hat aus rhetorischer Sicht ein Problem, sondern auch derjenige, der sie erklären muss.

Wenngleich sie regelmäßig gemeinsam auftreten, ist für die verschiedenen Humor-Techniken doch sinnvoll, neben der Unterscheidung von Sach- und Personenwitz auf einer zweiten Ebene auch Inhaltshumor, der narrativ operiert, und Sprachhumor, der mit elokutionellen (sprachlichen) Mitteln arbeitet, analytisch voneinander zu trennen. Elokutionell prädestiniert sind insbesondere die Tropen, allgemein das sog. ‚uneigentliche Sprechen‘, zu dem u.a. Metapher, Allegorie und vor allem Ironie beitragen. Freilich bieten auch andere Stilmittel Humorpotential; Zeugma, Paradoxon und Oxymoron sind bspw. zu nennen, aber auch die unverdächtige Alliteration – Platon, Psychiatrie, Pocher – bietet Möglichkeiten. Gekonnt verwendete phonetische,[18] semantische oder, wie im Fall des Bildkodes, optische Ähnlichkeiten[19] können ebenfalls humoreske Wirkungen entfalten. Kontextuelle Faktoren spielen immer dann eine Rolle, wenn es darum geht, dass sich eine Ambiguität in gewünscht humoresker Weise in der Pointe auflöst bzw. Humor als mögliche Verstehensdimension zumindest erhalten bleibt. Ähnliches gilt auch für die deutliche Überzeichnung (amplificatio) und das amplifizierende Kontrastieren und Vergleichen, die ebenfalls signalisieren können, dass das Gesagte oder Abgebildete nicht in Gänze ernst zu nehmen ist. In Anlehnung an die aus der Rhetorik und Linguistik durchaus bekannten Ironiesignale, die zum Entschlüsseln uneigentlicher Aussagen notwendig sind, möchten wir hier von Humorsignalen sprechen.

III.

Wenn wir im Folgenden aus rhetorischer Perspektive erwägen wollen, wann es sinnvoll ist, Humor als rhetorisches Instrument strategisch einzusetzen, so müssen wir nicht nur diskutieren, wie Humor ‚technisch‘ funktioniert, sondern auch, welche Wirkungen Humor hat. Wir schlagen daher sechs Humorwirkungen vor, die die antiken drei Humorwirkungen um weitere drei ergänzen. Aus der Antike bekannt sind: 1. Humor unterhält; 2. Humor löst negative Affekte auf; 3. Humor lenkt ab (ist eine ‚Finte‘). Zu ergänzen sind: 4. Humor bezweckt Gruppenkohäsion; 5. Humor tadelt und kritisiert; 6. Humor bildet das Image und inszeniert das eigene Ethos (den Charakter).

1. Humor unterhält

Humor als Unterhaltungselement darf nicht mit unterhaltendem Selbstzweck gleichgesetzt werden. Selbstzweck ist Humor für die Rhetorik nie. Denn dies müsste man, wie es bereits Quintilian getan hat, als Possenreißerei kategorisieren oder bestenfalls im Bereich der reinen Kunst verorten. Der Rhetorik geht es hingegen um instrumentellen und zweckfunktionalen Humor, der im Dienste anderer Kommunikationsziele und ernsthafter Anliegen steht. Wenn nun Humor zur Unterhaltung eingesetzt wird, dann geht es nicht um Müßiggang, sondern, wie schon bei Quintilian zu lesen ist, um das „Salz“, nicht für die Erde, sondern für die Rede.[20] Tatsächlich zeigen auch psychologische Untersuchungen, dass mit Humor zwar nicht unbedingt Aufmerksamkeit zu erregen ist, man aber gut dafür sorgen kann, dass Aufmerksamkeit erhalten bleibt: Humor als Ermüdungsschutz. Und dieser basiert ganz maßgeblich darauf, dass Humor uns unterhält: Humor ist delectare. Und weil Humor als delectare nur sekundär, eben instrumentell und zweckfunktional ist, muss er harmlos sein. Andernfalls würde er vom eigentlichen rhetorischen Ziel ablenken oder mit diesem interferieren. Der ideale Humor ist für die antiken Rhetoriktheoretiker durch urbanitas gekennzeichnet – das Scherzen im sacht gesalzenen Stile der Hauptstadt,[21] der feine Witz des vir bonus. Quintilian empfiehlt insbesondere den sachbezogenen Sprachwitz, der nicht persönlich wird, der aber dafür sorgt, dass man dem Redner auch gerne länger zuhört: Ein mildes Scherzen, das nicht aggressiv ist und niemandem zu nahe tritt, ausgedrückt durch eine harmlose Sprache, die ethisch legitimierte Grundsätze und geistige Regheit durchscheinen lässt. (Ob dieses urbane Scherzen auf die Dauer dann nicht doch langweilig ist, sei an dieser Stelle dahingestellt.)

2. Humor löst negative Affekte auf

Für die zweite Wirkfunktion hat Quintilian den rhetorischen Auftritt vor Gericht, den forensischen Agon vor Augen; konkret ein von der Gegenpartei erzeugtes und für die eigenen Interessen nachteiliges Pathos. Auch darauf müsse man reagieren können, denn es sei nicht nur Aufgabe des Redners, „Mitgefühl zu erwecken, sondern es auch abzutöten“.[22] Dass man mittels Humor einen emotionalen ‚Nullzustand‘ wiederherstellen kann, bemerkte übrigens auch schon Cicero in De oratore,[23] wobei freilich nur bestimmte kontextuelle Bedingungen zum Erfolg führen sowie nicht gänzlich pathetisierte Adressaten: Auch wenn es z.B. viel Trauerpathos aufzufangen gälte – flott-humoreske Sprüche würde man einem Grabredner eher weniger anraten. Was aber nichts daran ändert, dass Humor bzw. Lachen generell als mögliche „Gegenkraft“ [24] zu pathetischen Gemütslagen eingesetzt werden kann. [25]

3. Humor lenkt ab

So, wie Quintilian das Lachen in bestimmten Fällen als das wirksamste Mittel empfiehlt, das dem Redner im Umgang mit Affekten zur Verfügung steht, so sieht er eine dritte vorteilhafte Wirkung darin begründet, dass das Lachen die Aufmerksamkeit des Adressaten vom eigentlich Sachlichen ablenken kann: Humor wird zur Finte. Sind sachorientierte Strategien nicht erfolgversprechend, gibt es nach Quintilian zwei Möglichkeiten: Zum einen kann der Redner nach affektiven Strategien verfahren. Und zum anderen derart, dass eine humorvolle Reaktion die die Aufmerksamkeit der Adressaten geschickt vom Sachlichen ablenkt. Dass Letzteres durchaus wirkungsvoll sein kann, kennt man vermutlich auch aus eigener Erfahrung: Kaum etwas ist anstrengender, als – bildlich gesprochen – mit Sachargumenten gegen eine Humorwand anzurennen und nicht ernst genommen zu werden. Diesen Effekt strebt bedeutend subtiler auch die Werbepsychologie an, wenn es darum geht, sog. Counterarguings[26] zu vermeiden: Humor als Strategie, um die Argumentbildung gegen das umworbene Produkt zu erschweren.

4. Humor bezweckt Gruppenkohäsion

Mit der vierten Wirkfunktion verlassen wir nun die antike Theorie und geben zunächst eine kurze Einführung in gruppen- und sozialkohäsive Phänomene. Sozialpsychologisch belastbar belegt ist der Effekt, dass wir dazu neigen, die Gefühle Dritter aufzunehmen und uns ihnen emotional anzugleichen (sie also im besten Sinne ‚nachzufühlen‘). Diese emotionale Ansteckung (emotional contagion[27]) betrifft auch das Lachen – Lachen steckt, wie man bekanntlich sagt, an. Henri Bergson kann sich folgerichtig Lachen ohne ‚Mitlacher‘, ohne eine ‚Lachgemeinschaft‘ überhaupt nicht vorstellen.[28] Lachen hat also per se immer auch eine soziale Dimension, die aber – anders als etwa hohes Pathos – nicht dazu neigt, irrationale Massenreaktionen zu begünstigen: Lachen bedient die mittleren Affekte und operiert partiell stets rational und damit nachhaltiger als instabiles Pathos und flüchtiger Affekt.

Somit kann das, worüber man als rhetorisch Handelnder seine Lachgemeinschaft lachen lässt, die gruppen- und sozialkohäsive Zielsetzung optimal instrumentell stützen. Nicht unbekannt sind z.B. aus dem Bereich der Schimpfwörter und Beleidigungen solche mit – linguistisch gesprochen – „Gruppenregistern“,[29] anhand derer sich auch Witze kategorisieren lassen: Polenwitze, Türkenwitze, Ostfriesen- oder Österreicherwitze, die auf Nationalität oder Herkunft basieren; Frauen- oder Blondinenwitze, die mit dem Geschlecht oder einem Charakteristikum arbeiten; Beamten- oder Politikerwitze, deren Bezugspunkt die soziale Stellung ist. Hier lacht die Lachgemeinschaft als sog. Ingroup über eine Outgroup, gegen die es sich abzugrenzen gilt.

Und da Humor mit endoxalen Erwartungswerten, dem common sense bricht, lässt sich die Funktionsweise von sozialen Abgrenzungswitzen, wie wir sie nennen möchten, ganz gut aufzeigen. Zwei endoxale Verhaltenserwartungen spielen dafür eine Rolle: Einerseits Stereotype und Klischees über die Outgroup, die gerade nicht gebrochen, sondern bestätigt werden; bei allen sozialen Abgrenzungswitzen verhält sich die Outgroup so, wie es Stereotyp und Klischee diktieren. Gebrochen wird hingegen mit den meist moralisch aufgeladenen Verhaltenserwartungen in Form von anerkannten Eigenschaften, Fähigkeiten und Werten der Ingroup, deren Verbindlichkeit und Selbstverständlichkeit im Witz zugleich demonstriert und bekräftigt wird: „Treffen sich zwei Beamte auf dem Flur, fragt der eine den anderen: ‚Kannst Du auch nicht schlafen?‘“ Das Klischee über die Outgroup, hier die Beamten, ist klar: Beamte sind faul. Für die Lachgemeinschaft ist hingegen Fleiß und Arbeitseinsatz selbstverständlich und ein Wert, der hoch geschätzt wird. Die Beamten im Witz verhalten sich nun genau so, wie es von ihnen erwartet wird, was aber ein Verstoß gegen die Verhaltenserwartung derer ist, die diesen Witz machen. Dass Fleiß gut und normal ist, ist der Lachgemeinschaft so klar wie die ‚Tatsache‘, dass Beamte faul sind. Strukturell begegnet uns hier somit das Enthymem, der um seinen Obersatz verkürzte Syllogismus, wieder.

Wir haben vorhin bereits bemerkt, dass der Personen- oder Charakterwitz prekärer als der Sachwitz ist; an dieser Stelle wird nun nachvollziehbar, warum das zutrifft: Humor kann beim Personen- bzw. Charakterwitz die für die urbanitas hochgeschätzte Harmlosigkeit schnell verlieren und trotz aller Pauschalisierung und Überzeichnung zum verbalaggressiven Aburteilungsinstrument ganzer sozialer Gruppen werden. Generell ist die vierte Wirkfunktion abschließend festzuhalten: Machen wir Witze über andere, dann impliziert das oft ein soziales, intellektuelles oder moralisches Urteil, mit dem wir uns als Lachgemeinschaft über die (angenommen endoxalen) Unwerte, Unfähigkeiten und Unzulänglichkeiten der Verlachten erheben.

5. Humor tadelt und kritisiert

Kritik ist eines der Felder, für das sich die Rhetorik seit jeher verantwortlich zeichnet; die Tadelrede als eine der klassischen rhetorischen Formen des Kritisierens harrt freilich immer noch ihrer tiefergehenden theoretischen Ausarbeitung. Gerade aber weil Humor mit sozialen, intellektuellen oder moralischen Urteilen steht und fällt, eignet er sich auf sozialer Ebene nicht nur als Kohäsions- und Abgrenzungsinstrument, sondern auch als Mittel für die persönliche Kritik. Und zwar als bemerkenswert trickreiches, denn Wirkfunktion 1 zufolge unterhält Humor ja auch und kann urban-harmlos sein. Herbe und vielleicht sogar gefährliche Kritik – etwa am Mächtigen – lässt sich mithilfe eben dieses Intentions-Anscheins von Harmlosigkeit, Nichternsthaftigkeit und des rein Ästhetischen unverdächtig tarnen. Der Hofnarr ist z.B. die funktionale Institutionalisierung dieser Idee; er kann unter dem Schutz seiner Position Dinge benennen, offen und befreit tadeln und kritisieren, die sonst kein anderer bei seinem Leben legitimiert ist, laut auszusprechen. Kinder und Narren sagen bekanntlich immer die Wahrheit und dürfen dies auch – Kindern sieht man manches nach, weil sie eben Kinder sind, und Narren können sich unter ihrer Narrenkappe verstecken. Das Prinzip des humoresken Tadels bzw. der scherzhaften Kritik trifft man auch heute noch an: „Jetzt mach’ nicht so ein Theater, das war doch alles nur ein kleiner Scherz / Haben Sie denn keinen Humor, verstehen Sie etwa keinen Spaß?“ Und wer würde als Antwort auf diese rhetorischen Fragen schon offen zugeben, keinen Spaß zu verstehen?

Humoresk-harmlos ist die Rhetorik in Wahrheit freilich nie, auch wenn sie bisweilen in die Freiheiten eines humoresken Schutzraumes flieht (z.B. in das Hofnarrentum oder den Karneval). Schon Cicero wusste, dass es für die Rhetorik keine Art von Humor gibt, hinter der sich nicht auch ein ernster Gedanke verbergen kann.[30] Aber sie kann immerhin so tun, als ginge es um bloße Unterhaltung, sie kann so tun, als sei ihre primäre Absicht „delectare“ und sinnfreie Erheiterung des Publikums und als ginge es tatsächlich nur ums Possenreißen. Im Modus des Als-Ob kann sie Kritik und Tadel transportieren, und wird der Kritikbogen überspannt, so bleibt doch immer noch der Rückzug ins humoresk-Harmlose. Hofnarrentum, politisches Kabarett bis zum politischen Karneval funktionierten lange nach diesem Prinzip: Gesagt wird, was auch ernsthaft gedacht wird – aber in amplifizierter und ambiger Form, die es erlaubt, das Gesagte auch als humoresk-harmlose Kunstform, als Sonderkommunikation ohne direkte politische Relevanz zu begreifen.[31] Wer dabei Erfolg hat, der beherrscht die fragile Schwebe zwischen klarer, freier und offener Kritik und der sichernden Flucht ins delectare. Der weiß, wie weit er gehen kann, bevor die Schwelle kommt, jenseits derer aus Spaß lebensweltlicher Ernst wird – der sich z.B. nicht nur in der Verweigerung des Zugangs zu künftiger Kritik (künftigen humoresk-‚harmlosen‘ Äußerungen), sondern auch in handfester existentieller Bedrohung äußern kann. In den heutigen Zeiten der Meinungsfreiheit würden wir freilich sagen, dass Humor in erster Linie tatsächlich als „Salz“ dazu dient, dass wir uns etwa von kabarettistischer Kritik gerne unterhalten lassen. Wenn wir z.B. an die Fastenpredigt während des traditionsreichen Starkbieranstichs auf dem Nockherberg denken, wird schnell klar, dass sich die dort versammelte bayrische Politprominenz der manchmal durchaus herben und derben (und meist sehr wahren) Kritik ohne Humor als Weichspüler wohl nicht unterziehen würde. Und apropos Meinungsfreiheit: Dass auch heute noch aus Spaß Ernst werden kann, teilweise blutiger Ernst, zeigen uns die Reaktionen auf die Mohammedkarikaturen, zeigt uns aber im Kleinen auch das Schicksal des Kabarettisten Django Asül. 2007 war er der Fastenprediger auf dem Nockherberg; in seiner Predigt hatte er die Hofnarrenschwelle aber wohl überschritten, denn im Folgejahr wurde er nicht erneut um einen Beitrag gebeten – obwohl das Publikum während seiner Predigt herzhaft bis krampfhaft gelacht hatte.

Der Einsatz von Humor, so haben wir eben ausgeführt, ist ein begründungsloses Verfahren; ist er aber auch ein begründungsloses Kritisieren? Kritik und Tadel sind ja, anders als etwa Schmähkritik oder Beleidigung, begründende kommunikative Verfahren.[32] Der Tadel kennt bereits in der antiken Rhetoriktheorie stets zwei Adressaten: die Öffentlichkeit (wie auch immer diese aussehen mag) und den Getadelten selbst, dem aufgezeigt werden soll, was er verändern könnte, damit der Tadel hinfällig wird. Wie ist nun dieser Widerspruch zwischen begründungslosem Humor und begründeter Kritik bzw. argumentativ operierendem Tadel aufzulösen?

Zunächst wird man sagen müssen, dass Humor als eine Form der Devianzkommunikation ein Verfahren ist, das auf das Redner-Ethos oder -Image stets zurückwirkt: Wer ständig Witze macht, wird zum Possenreißer, und somit zu jemandem, der seine rhetorische Mächtigkeit einbüßt, da man bei ihm kein ernstes rhetorisches Anliegen mehr vermutet. Dieser Prozess wirkt sich auf den Einsatz von humoresk-rhetorischen Mitteln nachvollziehbar fatal aus, da sie eine argumentative Stützung genau in demjenigen finden, der sie anwendet. Daher kann auch nicht jedem Humor als rhetorische Strategie angeraten werden, denn Humor braucht Persönlichkeit und Charakter, Humor braucht Ethos – irgendwie vermutet das auch schon die Antike mit ihrer erst ansatzweise reflektierten These vom Zusammenhang mittlerer Gefühlswirkung und Rednerpersönlichkeit. Was für ein Typ muss derjenige also sein, der Humor erfolgreich gebrauchen kann? Als Erstes bedarf es einer gewissen rhetorisch-technischen Vollkommenheit: Betonung, Sprachrhythmus, Stimmführung – all das ist für Humor, bei dem es um Nuancen und um Timing geht, von herausragender Bedeutung. Ein Witz kann auf Papier noch so gut sein – betont man ihn beim Vortrag falsch oder macht eine sinnwidrige Pause, so ‚tötet‘ man ihn. Technische Versiertheit und Souveränität sind also Grundvoraussetzung für den, der Humor als eine seiner – dann sehr wirkungsmächtigen – rhetorischen Waffen einsetzen möchte.

Jenseits dieser technischen und vielleicht sogar antrainierbaren Fähigkeiten bedarf Humor vor allem aber einer Persönlichkeitseigenschaft, von der wir das erste Mal explizit bei Gottsched lesen: Argumentative Stützung und Begründung findet der Humor im „lebhaften Witz“ des Redners. [33] Das Deutsche fördert hier durch die Doppeldeutigkeit des Wortes >Witz< eine interessante Erkenntnis zu Tage: Es ist der Witz des Redners, seine Scharfsinnigkeit oder lateinisch: sein ingenium, das vom humorvoll vorgetragenen rhetorischen Anliegen überzeugt – oder eben nicht. Auch Freud bemerkte in diesem Sinne, dass Humor nicht jedem zur Verfügung steht, sondern „nur wenigen Personen, von denen man in auszeichnender Weise aussagt, sie haben ‚Witz‘“.[34] Ein humorvoller Redner muss somit als scharfsinnig wahrgenommen werden; ist er clever, so inszeniert er seinen Witz und Scharfsinn folgerichtig mittels humoresker Verfahren, denen man ernsthafte rhetorische Anliegen unterstellt, immer wieder aufs Neue. Von platten Witzen und Kalauern sollte er jedoch absehen (wie es auch Quintilian in Bezug auf seine urbanitas anmerkte). Cem Özdemir wurde für den Bundesparteitag der Grünen 2009 bspw. eindeutig falsch beraten; sein Witz konnte seinen Scharfsinn nicht im besten Licht erscheinen lassen: „Der FDP mit ihren dicken Backen entweicht die Luft aus dem Hintern!“ Zusätzlich sang er während seiner Rede, betonte sinnwidrig, setzte Pausen falsch und las seine Witze ab. Alles Performanzfehler, mit denen man nicht bestehen kann, auch in der Politik nicht. Humor muss eben spontan und agil wirken, aus dem Stegreif kommen und ein Zeichen für geistige Regheit, Souveränität und Überlegenheit sein. Rhetorischer Humor fordert das Publikum heraus, er ist eine intellektuelle Kampfansage, so etwas wie eine sportliche Wettkampferklärung an das Publikum: Der witzige Redner spielt mit seinem Publikum, lässt es nahe kommen und Spaß verstehen, um sodann wieder mit Leichtigkeit Distanz aufzubauen. Diese Strategie empfindet das Publikum dann als spielerisch, leichtfüßig und unterhaltsam. Der witzige Redner stellt so sein Publikum stets vor neue Herausforderungen – Doppeldeutigkeiten, Rätsellösen und Pointenverstehen werden zu einem intellektuell-spielerischen Wettkampf, bei dem der Redner stets souverän in Führung bleiben muss. Genau darin ist die Begründung für den begründungslosen Humor zu finden: in der souveränen intellektuellen Beherrschung von rhetorischer Technik und Redestoff und in der nie arroganten, sondern spielerischen Überlegenheit des Redners im Vergleich mit seinem Publikum (wobei, wie am Beispiel von Cem Özdemir ausgeführt, die spielerisch-souveräne Überlegenheit ohne technische Versiertheit Humor nicht umsetzen bzw. inszenieren kann).

IV.

Vor diesem Hintergrund wird auch klar, warum es in der Regel kein glückliches Signal ist, wenn man über guten Humor nicht lacht: Spaßverstehen ist durchaus eine intellektuelle Fähigkeit, die zu haben sozial erwünscht ist – zumindest heutzutage (Platon hätte das bekanntlich noch anders gesehen). Wer über anspruchsvollen Humor lacht, zeigt nach außen, dass er dem Witz des Redners standhalten und folgen kann, und beweist damit seinen eigenen Witz – auch wenn ihm vielleicht nicht zum Lachen zumute ist (wobei ein ‚nur‘ soziales bzw. kommunikatives Lachen es im Zweifel auch tut).

Unmerklich sind wir so bei der letzten Frage unserer Ausführungen angekommen: Wie reagiert man, wenn man selbst im Zentrum von Humor steht, wenn man selbst zur „Witzfigur“ zu werden droht? Mitlachen scheint hier die Reaktion der Wahl – nicht nur, weil das den eigenen Witz beweist (sogar dann, wenn es persönlich prekär wird), und nicht nur, weil man dann zur Lachgemeinschaft gehört, sondern weil man gleichzeitig nach außen zeigen kann: Ist doch alles nur ein kleiner Scherz – oder eben: ein großer Witz.


[1] Cic. De or. II,217.

[2] Ueding, G. (1992): „Rhetorik des Lachens“. In: Vogel, Th. (Hg.): Vom Lachen. Einem Phänomen auf der Spur. Tübingen, S. 24-44.

[3] Nietzsche, F.: Aus dem Nachlaß der Achtzigerjahre. München 51966, S. 467 (= ders.: Werke in drei Bänden. Hg. von K. Schlechta. Bd. 3).

[4] Quint. Inst. or. VI,3,29.

[5] Wachinger, B. (1994): „Kleinstformen der Literatur. Sprachgestalt – Gebrauch – Literaturgeschichte“. In: Haug, W. / B. Wachinger (Hgg.): Kleinstformen der Literatur. Tübingen, S. 1-37 (= Fortuna vitrea 14).

[6] Bergson, H. (1988): Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Aus dem Frz. von R. Plancherel-Walter. Darmstadt, S. 15 [frz. Originalausg.: Le rire. Paris 1900].

[7] Freud, S. (1905): „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“. In: ders.: Werkausgabe. Hrsg. von A. Freud u.a. Frankfurt/M. 1999 (11940), Bd. 6.

[8] 2009 fand in Tübingen zum ersten Mal die „Humorwoche“ statt; sie bietet sowohl interdisziplinären wissenschaftlichen Beiträgen als auch konkreten Praxisevents Raum.

[9] Konrad, J. (2010): Wahrnehmung von witzigen Stimuli und Veränderungen des Humors bei psychischen Erkrankungen am Beispiel der Depression. Diss. masch. Univ. Tübingen. Konrad kommt zu dem Ergebnis, dass Patienten, die an einer Depression leiden, im Unterschied zu Gesunden Witze als witziger bewerten.

[10] http://www.bild.de/ratgeber/ratgeber/forschung/frauen-laecheln-wie-primaten-13431650.bild.html [rev. 25.08.2011, 20.15 h MEZ].

[11] Hassett, J. / J. Houlihan (1979): „Different jokes for different folks“. In: Psychology Today, January 1979, S. 65-101.

[12] Ziel des Orators (desjenigen, der strategisch kommuniziert) ist also immer die Persuasion seiner Adressaten; diese zeigt sich in einem „Wechsel bei Urteilen, Einschätzung und Haltungen“ (vgl. Knape, J. (2003): „Persuasion“. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik 6, Sp. 874-907, hier Sp. 875).

[13] Zur „Textrhetorik“ allgemein siehe das gleichnamige Kapitel in Knape, J. (2000): Was ist Rhetorik? Stuttgart, S. 107-135.

[14] Freud (Anm. 7), S. 131-155.

[15] Cic. De or. II,236; Hervorhebung die Autoren. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass weiter gesagt wird, dass das, was das Häßliche „bezeichnet und beschreibt“, selbst „nicht häßlich“ ist (ebd.).

[16] Humor ist z.B. auch hochgradig kulturabhängig: Über was gelacht wird, das ist interkulturell sehr variantenreich. In einem unvertrauten Kulturkreis, dessen endoxa man nicht sicher kennt, empfiehlt es sich daher eher nicht, unbedacht zu scherzen. Wie verfänglich schon allein Gesten sein können, stellen z.B. J. Grosse und J. Reker auch fotografisch dar (Grosse, J. / J. Reker (2010): Versteh mich nicht falsch! Gesten weltweit. Das Handbuch. München).

[17] Vgl. Quint. Inst. or. VI,3,65: „Alle Fundstellen für Beweise bieten ja auch für Witze Gelegenheit“; s.a. Ueding (Anm. 2), S. 28.

[18] Eindrücklich erscheint in diesem Zusammenhang auch ein Beispiel aus der Politik: Django Asül bemerkte in seiner Rede auf dem Nockherberg 2008 über den damaligen Generalsekretär der CSU Markus Söder: „Da sehen Sie die Nähe von Sekretär und Sekret“ [http://www.youtube.com/watch?v=RUpKNR3MODY&feature=related; rev. 30.08.2011, 17.37 h MEZ].

[19] Auf optische Ähnlichkeiten stützt sich z.B. bekanntlich die Karikatur.

[20] Quint. Inst. or. VI,3,19: „Unter ‚salsum‘ wird man also zu verstehen haben, was nicht ‚ungesalzen‘ (insulsum) ist, gleichsam eine Art einfacher Würze der Rede, die man, auch ohne daß dabei ein Geschmacksurteil bewußt wird, gleichsam mit dem Gaumen empfindet, eine Würze, die die Rede anregend macht und vor Ekel und Langeweile bewahrt“; s.a. VI,3,89.

[21] „Urban“ ist „nichts Mißtönendes, nichts Bäurisches, nichts Unordentliches, nichts Fremdklingendes“ (Quint. Inst. or. VI,3,104ff), es ist vielmehr der „scherzhafte Ton der feinen Gesellschaft“ (VI,3,30; s.a. VI,3,89).

[22] Quint. Inst. or. VI,1,46.

[23] Cic. De or. II,236.

[24] Hügli, A. (2001): „Lachen, das Lächerliche”. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik 5, Sp. 1-17, hier Sp. 5.

[25] Die Verwendung von Humor als Möglichkeit der rhetorischen Gefühlsneutralisation kennen wir auch bereits von Gorgias, von dem Aristoteles überliefert, dass man „den Ernst der Gegner durch Lachen und ihr Lachen durch Ernst zunichte machen“ müsse (Arist. Rhet. 1419b). Quintilian sieht das ein wenig anders: Auch der Humor lässt sich nicht nur mit Ernst, sondern genauso gut mit „Lächerlichem“, also mit ‚Gegen-Humor‘ entkräften (Quint. Inst. or. VI,3,79).

[26] Osterhouse, R.A. / C.T. Brock (1970): „Distraction increases yielding to propaganda by inhibiting counterarguing”. In: Journal of Personality and Social Psychology 15, S. 344-358.

[27] Graumann, C.F. (2003): „Eine historische Einführung in die Sozialpsychologie“. In: Stroebe, W. / K. Jonas / M. Hewstone (Hgg.): Sozialpsychologie. Berlin u.a., S. 3-22,hier S. 12.

[28] Bergson, H. (1988): Das Lachen. Ein Essay über die Bedeutung des Komischen. Aus dem Frz. von R. Plancherel-Walter. Darmstadt, S. 15 [frz. Originalausg.: Le rire. Paris 1900].

[29] Baur, A.: „Beleidigung“. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Ergänzungsband im Erscheinen; Sornig, K. (1975): „Beschimpfungen“. In: Grazer Linguistische Studien, Sprache & Gesellschaft Heft 1, S. 150-170, hier S. 154.

[30] Cic. De or. II,248.

[31] Zur Sonderkommunikation siehe z.B. Knape, J. (2008): „Rhetorik der Künste“. In: Fix, U. / A. Gardt / J. Knape (Hgg.): Rhetorik und Stilistik. Rhetoric and Stylistics. Ein internationales Handbuch historischer und systematischer Forschung. An International Handbook of Historical and Systematic Research. Berlin / New York, S. 894-927, bes. S. 898ff.

[32] Baur (Anm. 29).

[33] Celentano, M.S. / A. Ka. (1998): „Ingenium“. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik 4, Sp. 382-418, Sp. 413f.

[34] Freud (Anm. 7), S. 156.