14 Gedanken zu „“Mythos Salzburg”

  1. Essay über den Glauben, der katholischen Kirche im Museum Salzburg!

    von Ingo Wachtler

    Auf ins Museum! Die Geschichte Salzburgs wartet. Im Besprechungsraum bekommen wir die Anweisungen, wie wir die Ausstellung betrachten sollten. Immer wieder tönen aus den Lautsprechern Stimmen. Wie schafft es eine japanische Reisegruppe dem Museumsführer zu folgen, wenn fünf verschiedene Stimmen zu hören sind? In diesem Fall kein Problem. An der Wand hängen Gemälde. Sicher wichtige Persönlichkeiten, keinen kenne ich. Bin halt kein Salzburger denk ich mir. Aber einer fällt mir sofort auf. Neben all dem Who-is-Who des Mittelalters ein Bild eines Mannes mit einem Bierkrug. Zwar wahrlich ein feierlicher Akt, aber es fehlt das Etepetete. Wer der Mann war, weiss ich aber trotzdem nicht. Umrahmt werden all diese Gemälde von einer Tapete aus Zeitungsartikeln. Dekorativ sehr schön! Sollte diese aber ernsthaft zur Vertiefung der Ausstellung beitragen, finde ich sie wenig sinnvoll. So viele, die liest ja sowieso keiner! Weiter geht’s in einem Saal voll mit Erzbischöfen. Bereits am Eingang wird man mit einem Bild von Erzbischof Collerado empfangen. Eine glanzvolle Erscheinung, zumindest verkörpert er den Reichtum der Kirche im Mittelalter ganz gut damit. Auch die überlebensgroßen Gemälde im Bischofsaal zeugen von jener prunkvollen Zeit. Wenige schauen gutmütig, die meisten verlogen, streng oder wie Franzosen her. Auch wenn Max Gandolf nicht sehr französisch klingt – doch erst der Blick auf die Namen bringt Klarheit. Die Austelllung erzählt wie die geistlichen Fürsten mit eiserner Hand regiert haben. Viele Tote, wahrscheinlich tausende. Doch das Salzburg von heute hat sein Stadtbild vor allem der Kirche zu verdanken. Zum Glück? Wahrscheinlich ja! Eigentlich hatte ich mir vorgenommen die Atmosphäre der Ausstellung zu schildern, aber dieser Teil der Ausstellung wirft in mir Fragen auf. Warum hat die Kirche die Menschen derart ausgenützt und ausgebeutet? Kommt so ein Geistlicher überhaupt in den Himmel? Man soll nicht alle in einen Topf werfen; mache ich auch nicht! Kein begeisterter Kirchengänger, aber religiös bin ich. Umso mehr frage ich mich, warum die Kirche, die an Gott glaubt, an einen Gott der gut ist, Sünden verzeiht, Respekt im Umgang mit Mitmenschen einfordert, solch eine Politik wählt. Schwarze Schafe gibt es immer und überall. Schon klar! Ich bin froh, dass sich das heute geändert hat. Ich teile weiß Gott nicht alle Ansichten der Kirche. Eigentlich oder wahrscheinlich nur die wenigsten. Ich befasse mich nicht mit vatikanischen Grundsätzen. Dennoch empfinde ich mich als sehr gläubig. Klingt vielleicht für einen jungen Menschen komisch. Ich glaube aber fest daran, dass Gott sowie verstorbene Freunde und Verwandte einem durchs Leben begleiten und so manches Wunder vollbringen können. Gott sei Dank braucht es dafür keine Ablassbriefe oder Inquisition mehr! Jedem seine Überzeugung, ich habe schließlich auch meine!

    1. “Authentizität” – unter diesen Begriff fasse ich (für mich) diesen Essay zusammen.
      Dieser Essay schildert die Ausstellung und die daraus gewonnenen Eindrücke sehr gut, woran mit eigenen Gedanken zu einem größeren Bezugsrahmen angeknüpft wird. Die Überleitung via verschiedene “Kirchenbilder” zum eigenen Glaubenszugang finde ich sehr gelungen und macht den Essay mit dem abschließenden eigenen Standpunkt zu einer ‘runden Sache’.
      Eventuell könnte man daran noch anfügen, dass es heutzutage jedem Einzelnen möglich ist, seine eigene Glaubensvorstellungen zu leben, was vor Jahrhunderten nicht so war, um die Entwicklung zwischen Kirche und Gesellschaft abschließend aus einer breiteren Perspektive zu betrachten.
      Eingeleitet mit dem Authentizitätsbegriff, möchte ich mit selbigem auch schließen, denn dieser ist für mich der Schlüssel für gute Essays, welcher hier auch zur Anwendung kam.

  2. Mythos Salzburg – Eine Stadt der Gegensätze

    von Susanne Bieregger

    Ich sitze auf meinem kleinen Balkon und trinke nun schon meine zweite Tasse Kaffee. Mich beschäftigt die Frage nach dem Mythos Salzburg – Mag ich diese Stadt oder mag ich sie nicht? Ich dachte nicht, dass es so schwer werden würde, mir über diese zunächst simpel klingende Frage eine Meinung zu bilden.
    Wenn ich zuhause, in einem kleinen Dorf in Oberösterreich, erzähle, dass ich in Salzburg studiere, ist die Reaktion meist: Oh ja, Salzburg – die Festspiele, Jedermann, oder auch Mozart. Auch das Aussehen der Altstadt wird oft geschätzt, ebenso wie die „Getreidegasse“ fast jedem ein Begriff ist.
    Während meines längeren Aufenthaltes hier als Studentin ist mir jedoch auch die ein oder andere negative Seite aufgefallen. Die Mieten sind erschreckend hoch, wohl mit ein Grund warum die Aussicht von meinem Balkon nicht gerade atemberaubend ist. Neben einer kleinen Grünfläche, die nicht betreten werden darf, wachsen ein paar Bäume und dahinter befinden sich eine Straße und weitere Häuser.
    Zur Straße sei noch anzumerken, dass die Verkehrsplanung in Salzburg durchaus spannend ist – es gibt immer mehr Busspuren, wodurch die Spuren für die Autos z.T. einfach gestrichen werden. Jeder von euch, der schon einmal den großen Kreisverkehr beim Justizgebäude passierte, weiß wovon ich rede. Dazu die vielen Einbahnstraßen und die Staus zu Stoßzeiten – Autofahren ist für mich in Salzburg immer eine Herausforderung – und das Busfahren ist eine teure Alternative. Was ginge noch? Radfahren? Bei den vielen Fahrraddiebstählen?
    Ich blicke von meinem Notebook auf und betrachte die Umgebung. Ich sehe Schüler der naheliegenden Schulen vorbeiziehen – auf ihrem Weg vom Bus zur Schule. Nachdenklich frage ich mich: Kann sich meine Meinung wirklich darauf beschränken, dass Salzburg einfach nur teuer ist? Das weiß doch eh jeder. Ich beschließe für mich, dass man auch die schönen Seiten nicht vernachlässigen sollte:
    Ich schätze es sehr, dass man in Salzburg viele Grünflächen hat bzw. man innerhalb weniger Minuten von der Stadt in grüne, fast ländliche Gegenden kommen kann. Ich mag die Auswahl, die man beim Einkauf von Lebensmitteln und auch Kleidung hat. Ich mag die Kulturangebote – in Oberösterreich müsste ich erst eine längere Strecke fahren um ins Kino, ins Theater oder ein Konzert gehen zu können. Hier in Salzburg habe ich eine Überfülle; dass hier im Bereich der Kultur, so wie überall gespart wird, ist dennoch für mich als angehende Kulturmanagerin und Kunsthistorikerin suboptimal.
    Ich schätze die Versuche den eher als mürrisch geltenden Salzburgern zeitgenössische Kunst schmackhaft zu machen – auch wenn diese so wie der Kunstigel letztes Jahr regelmäßig Proteste hervorrufen.
    Mit einem Mal erblicke ich meine Lieblingsomi mit ihrem Dackel. Sie ist nicht meine Oma, aber sie scheint hier in der Nähe zu wohnen, und ich freue mich jedes Mal wenn ich die alte Damen und ihren wahrscheinlich noch älteren molligen Dackel sehe. Die beiden sind ein tolles Duo.
    Würde ich mir zu viel anmaßen Salzburg mit den Beiden zu vergleichen? Salzburg ist eine alte, würdevoll wirkende Stadt, Veränderungen sind schwer umzusetzen und es braucht seine Zeit, um mit ihr warm zu werden.
    Salzburg ist wie meine Lieblingsomi und ihr in Schlangenlinien gehender Dackel – eigensinnig – aber durchaus liebenswert!
    Stolz auf mein Urteil verlasse ich den Balkon und mache mich auf den Weg zur Uni.

  3. „Mythos Salzburg“ – Gedanken über Macht

    von Michaela Köckeis

    Warum kann der Mensch so von Macht besessen sein? Was ist so faszinierend daran? Ich dachte eine Weile über die Begriffe ‚Macht‘ und ‚Mythos‘ nach, Minuten verstrichen und mir erschien sie wie eine Ewigkeit. „Mythos Salzburg“, klingt echt beeindruckend, wenn nicht sogar ein bisschen einschüchternd und ich glaube, dass auch das Ziel des Ganzen Spektakels um Salzburg. Mystische Märchen anzuhören hat doch was, oder nicht? Es erinnert mich irgendwie an früher und ich fühle mich in dem Moment wieder wie ein kleines Kind; Schlösser, Gärten, festliche Kleider und alles was da so dazugehört. Aber trotz all dem fühle ich mich einfach nicht sonderlich wohl mit diesen ausgemalten Fantasie in meinem Kopf, denn ich hatte ständig das Bild vor Augen, wie dumm, unbewusst und barbarisch Menschen eigentlich sind und immer schon waren, trotz ihres schönen Scheins nach außen. Kein anderes Lebewesen würde Dinge tun, welche Menschen ihren Artgenossen antun, und ich rede hier nicht von der biologischen Nahrungskette, Menschen besitzen eigentlich einen Verstand und sind so gesehen der Tierwelt überlegen, und doch vernichten sie ihre Artgenossen emotional, physisch und psychisch. Kann man das wirklich so verallgemeinern? Ehrlich gesagt weiß ich es nicht, die Eindrücke von „Mythos Salzburg“ haben in mir etwas ausgelöst, dass ich nur schwer in Worte fassen kann. Welches Tier würde sich mit Gott gleichstellen oder im Namen Gottes über das Schicksal anderer Menschen bestimmen? Ich kenne nur ein solches Geschöpf, das ist der Mensch. Die Ausstellung Mythos Salzburg hat mir Einblicke hinter die Kulissen unserer schönen romantischen Stadt Salzburg gewährt. Es sind Wort wörtlich die Hüllen gefallen und ich kann Salzburg nie mehr so sehen wie früher. Die meisten Menschen wissen eigentlich gar nicht was hinter dem ganzen monströsen prunkvollen Schlössern und Bauten für eine brutale und menschenverachtende Vergangenheit steckt. Salzburg ist zwar seit Jahrhunderten Ebenbild einer kleinen Märchenstadt, mit Kutschen, Paläste und zauberhaften Gärten. Das ist zwar auf der einen Seite schön und kitschig, lockt auch tausende von Menschen aus aller Welt an, doch andererseits klebt sehr viel unschuldiges Blut an den Gemäuern. Erzbischöfe und Päpste ließen im 16. Jahrhundert Salzburg in eine moderne barocke Residenzstadt umbauen und glaubten auch dadurch unsterblich zu werden. Heute erstrahlt Salzburg durch seine wunderschönen antiken Schätze und verblendet die dahinter verborgenen Machtverhältnisse der Kirche und ihre barbarischen und unmenschlichen Verhaltensweisen. Und wenn ich so darüber nachdenke, frage ich mich, wieso der Mensch so davon besessen ist sich auf den Thron zu setzen, sein Gesicht in Stein zu meißeln, Prophet zu sein oder über Menschenleben zu bestimmen? Ich weiß es nicht, aber ich denke vielleicht liegt das wirklich in unserer Natur, Moralphilosophen haben vor Jahrhunderten unzählige Thesen darüber aufgestellt und der Mythos Salzburg ist auch ein lebender Beweis dafür.
    Aber was mir einfach nicht aus dem Kopf gehen will, ist der Gedanke, dass dies zwar vor mehr als 350 Jahren geschah aber sich das Machtstreben auch nach so langer Zeit nicht wirklich verändert hat. Denn was ist heute im 21. Jahrhundert, im schönen Salzburger Stadtzentrum oder auch in der ganzen Welt, anders? Ich sage hier nur eins, Zwei-Klassen-Gesellschaft verkörpert durch die Salzburger Mietpreise. Es gibt immer und überall Reich und Arm, Macht und Machtlose; Menschen denken sie sind aufgrund ihrer Familienabstammung, Hautfarbe, Religion und ihres Reichtums verschieden, dabei, denke ich muss ihnen einfach bewusst sein, dass dies Bedingungen sind in die sie hineingeboren werden und diese auch ihr Verhalten und ihre Sichtweise prägen, aber deswegen sind sie noch lange nicht bessere oder schlechtere Menschen. Vielleicht müssen noch tausende von Jahren vergehen, damit der Menschheit endlich klar wird, dass wir alle gleich denken, fühlen und handeln.

  4. Gedanken zum „Mythos Salzburg“

    von Anna Kräutner

    Die Ausstellung „Mythos Salzburg“ im Salzburg Museum war für mich wie eine Zeitreise in die Vergangenheit Salzburgs. Dort präsentierte man die Stadt von ihrer besten Seite: Prunkvoll, kitschig, edel und klangvoll.
    Auch bei den Gemälden wurde mit Prunk nicht gespart.
    Ich habe es sehr genossen die fünf „Superhelden“ des ehemaligen Salzburgs, das viel größer war als es heute ist, genau unter die Lupe zu nehmen.
    Da waren König Max, Joseph von Bayern, Kurfürst Ferdinand von Salzburg, Erzbischof Hieronymus Graf Colloredo und natürlich nicht zu vergessen, Kaiser Franz I. von Österreich – Herzog von Salzburg.
    Im Hintergrund der Kunstwerke konnte man jeweils die Festung Hohensalzburg erkennen. Die Herrschaften waren in den edelsten, prunkvollsten und feierlichsten Outfits gekleidet. Sie strahlten Stolz und Selbstbewusstsein aus, außerdem konnte man auch ihre Macht anhand ihrer Körpersprache erahnen.
    Was mir jedoch bei jeder dieser fünf Personen auffiel und, wenn es Fotos gewesen wären, dann hätte ich behauptet, dass Photoshop im Spiel gewesen wäre, war, dass alle blaue Augen hatten. Die Augenfarbe hatten alle gemeinsam. Ich erkläre mir das so, dass schon damals blau als Elite unter den Augenfarben galt. Da hat man nicht wie heute blaue Kontaktlinsen getragen, sondern hat einfach bei den „Fotos“ geschummelt. Ihnen war klar, dass sie nicht ewig an der Macht bleiben werden, da niemand ewig leben kann. Deshalb ließen sie sich zeichnen und zwar perfekter als die Realität. Immerhin sollte das Gemälde bei den nachfolgenden Generationen großen Eindruck hinterlassen…
    Auch das Gemälde über die Salzburger Pferdeschwemme hat mich zum Nachdenken angeregt. Darauf sieht man wieso die Pferdeschwemme so heißt. Früher haben sich die Pferde dort erfrischen können, so eine Art „Tankstelle“ für Pferde.
    Rundherum konnte man Reiter auf ihren Pferden erkennen, die über den Platz galoppierten, außerdem einige Personen, aber auch Familien, die spazierten. Alle waren so schön angezogen. Es hat einfach perfekt ausgesehen und ich dachte mir wieder, das war sicher nicht in echt so. Ich denke, damit wurde versucht die Pferdeschwemme so toll wie möglich darzustellen.
    Diese „Manipulationen“ bestätigen mir, dass die Menschen von früher und heute Gemeinsamkeiten hinsichtlich „Werbung“ haben. In früheren Zeiten war Salzburg sehr begehrt und kam bei den Touristen gut an, denn das Marketing war gut durchdacht. Auch heute funktioniert diese Strategie noch – verstärkt durch die Relikte aus den früheren Zeiten.
    Je mehr Eindrücke ich in den letzten vier Jahren sammelte und auch durch die Eindrücke in die Vergangenheit Salzburgs, umso mehr kann ich mir unter „Mythos Salzburg“ etwas Greifbares vorstellen.

    1. Wenn ich durch die Stadt spaziere komme ich mir oft Jahrzehnte zurückversetzt vor. Die Gebäude, die Architektur, die lateinischen Sprüche auf den Häusern… Es fasziniert mich, wenn ich mir vorstelle, dass Menschen vor langer langer Zeit mühsam diese Gebäude errichtet haben und darin gewohnt haben.
      Auch wenn ich die Hellbrunner – Allee entlang gehe und ich die alten Bäume betrachte, wünsche ich mir oft, dass sie reden könnten. Mir erzählen könnten, was früher so alles passiert ist…das wird zwar immer ein Wunsch bleiben, aber Salzburg ist eine Stadt, die zum Träumen einlädt…

  5. Mythos Salzburg

    von Michael Morf

    Ich bin im „Salzburg – Alpines Arkadien“-Saal. Er ist grün gestrichen und am ganzen Raum entlang sind Gemälde von Künstlern des 19. Jahrhunderts aus der Romantik aufgehängt. Wir sind mit der Lehrveranstaltung „Vom Essay zur Internetkolumne“ im Salzburgmuseum. Das gute daran: Wäre ich nicht mit dem Kurs hier, wäre ich nicht so schnell in dieses Museum gegangen, ich kannte es schließlich auch nicht. Das schlechte daran: wir haben leider nur 90 Minuten Zeit uns im Museum umzuschauen, dann ist unsere Besichtigung leider schon zu Ende. Dieser erste Raum fasziniert mich dermaßen, dass ich mich unauffällig von der Gruppe getrennt habe, um die Bilder betrachten zu können. Es ist schon erstaunlich, wie anders damals die Altstadt Salzburgs aussah als jetzt, wenn man diesen Bildern Glauben schenken soll. Damit meine ich nicht die Gebäude, sondern den Fluss. Die Salzach wurde im 20. Jahrhundert gedrosselt, damit es weniger Überschwemmungen Salzburg gäbe. Dadurch entstanden die Wiesen an den Kais. Ohne diese Maßnahme, gäbe es wohl all diese schönen irischen Bars und Segabars nicht am Rudolfskai und auch nicht die Geswi, wo sie heute steht. Früher ernährte sich die Salzburger Bevölkerung zu einem großen Teil von Fisch, den sie aus der Salzach fischte. So etwas scheint heutzutage unvorstellbar. Ich selber habe noch nie einen Fisch in der Salzach gesehen. Dies ist damit begründet, dass durch die Drosselung die Strömung des Flusses stärker wurde, so stark, dass Algen dort nicht mehr überleben konnten. Und deshalb gibt es auch keine Fische mehr in der Salzach. Schade, wie gern ich doch mal am Markartsteg geangelt hätte.
    Ich schaue mich weiter in dieser Halle um, es ist wirklich faszinierend, was für schöne Bilder hier ausgestellt sind. Ansonsten sieht die Altstadt aus wie heute! Vielleicht erkenne ich ja ein paar Gebäude aus den Gemälden! Am Nachmittag will ich den Geißberg hochwandern und hier in diesem Raum kann ich mir schon mal einen Eindruck machen, wie schön die Salzburger Umgebung ist. Natürlich kenne ich die Schönheit Salzburgs, doch dieser Mythos Salzburg fällt mir erst jetzt hier auf. Es ist wirklich toll hier zu leben. Ich liebe es, wenn ich Besuch habe, durch die Altstadt zu laufen und kurze Geschichten über die einzelnen Geschäfte, Plätze und Gebäude zu erzählen.
    Das Museum gefällt mir sehr gut, meiner Meinung nach ist es toll ausgestattet, die Innendekoration ist sehr interessant. Der einzige Verbesserungsvorschlag meinerseits wäre es eine Bank in jedem Raum reinzustellen, damit die Besucher die Bilder etwas länger auf sich einwirken lassen können. Richtig entspannen im Sitzen vor diesen Gemälden aus der Romantik, das sollte man können.
    Die anderen Bilder im Raum zeigen die Stadt und das Umland aus anderen Perspektiven. Das Bild vor mir vom Künstler Anton Reiffenstuhl zeigt einen Wasserfall hier im Salzburger Land. Es ist eine Gebirgslandschaft, wo man auch die Bevölkerung aus der damaligen Zeit findet. Die Farben sind sehr lebhaft, ich bin sehr begeistert von diesem Ölbild. Um diese und andere Landschaften besichtigen zu könnenm brauche ich entweder ein Auto oder ich mache eine Fahrradtour, das würde auch gehen. Mein Interesse für die Salzburger Umgebung wurde durch diesen Raum eindeutig geweckt.

  6. Salzburg – Ein Abgleich von Selbstdarstellung und Fremdwahrnehmung
    nach einer Analyse der Ausstellung ‘Mythos Salzburg’ im Salzburg Museum

    von Cornelia Schreiegg

    Betritt man die Ausstellung, so nimmt der Charme Salzburgs den Besucher gefangen.
    Aber was ist dieser, was macht diesen denn überhaupt aus, frage ich mich als ich die
    Räumlichkeiten betrete.
    Nun, beispielhaft dazu ist der Bischofsaal zu nennen, der die Verbindung der Salzburger Immanenz zur Transzendenz meines Erachtens relativ gut darstellt. Das Gefühl von einer Vielzahl bischöflicher Augenpaare beäugt zu werden sobald man in den Raum gelangt, wirkt nahezu bedrückend, überwachend. Der Scagliola-Tisch als monumentales Zentrum auf dem Boden und das darüber schwebend anmutende Pendant in Form eines mit Putten umgegebenen Wappens als riesige Holzschnitzerei lässt mich klein und ohnmächtig fühlen.
    Hinzu kommt, dass der Raum abgedunkelt ist, was die Macht des Geistlichen über den armen Tropf in der Verlorenheit der Immanenz steigert – ja, ich komme mir schon sehr einsam vor. Das Einzige, was mir in dieser Situation, in der Grausamkeit der Verlassenheit Hoffnung gibt, ist die von der Decke scheinende Lichtquelle, als Quell der Erlösung durch das Göttliche.
    Zusammengefasst, präsentiert sich Salzburgs geistliche Führung über Jahrhunderte als jene Vormacht, welche im Zentrum des Geschehens zu verorten ist. Sie allein kann die Bewohner, die Menschen auf Erden aus ihrer Verlorenheit befreien und zur Erleuchtung führen.

    Ein weiteres Ausstellungsstück gibt ebenfalls Aufschluss:
    Betritt man das letzte Zimmer der Ausstellung, so kann man einige Gemälde betrachten, unter anderem eines, welches die Stadt Salzburg aus der Ferne portraitiert (ca. Um 1700).
    Wie wird es hier dargestellt?
    Am Horizont dunkle Berge, ein wolkenverhangener Himmel, die Stadt als einzig klare Erscheinung im Bild. Doch halt! Nicht die Stadt, sondern die Festung zu Salzburg. Auf diese wird die Stadt reduziert, welche sich als einziger Fleck des Sonnenlichtes erfreut. Auch hier wird der Eindruck vermittelt, das einzig Wahre sei der Hort des Geistlichen, der erhaben thront.

    Der durch die Ausstellung vermittelte Eindruck der Festung und ihrer Bewohner als Bindeglied zwischen der Verlorenheit auf Erden und der Vollkommenheit des Göttlich Erhabenen ist geklärt. Aber hat diese Annahme denn heute überhaupt noch Gültigkeit, wie gestaltet sich die Selbstdarstellung der Stadt Salzburg heutzutage? Vorwegzunhemen ist, dass die Stadt heutzutage nicht mehr ausschließlich auf die Festung reduziert wird. Dennoch ist die Frage berechtigt, ob das Selbstbild der Stadt die Realität abbildet, denn sie tut es nicht – “Mozartstadt”, “Stadt der Festspiele” oder auch “The Sound of Music-City”, die Aufzählung ließe sich mit weitern Touristenattraktionen fortführen.
    Es ist Tradition in Salzburg immer nur einen Teil der Realität als diese zu verkaufen und zwar nur diesen Teil. Es ist praktisch und nützt der Stadt, jedoch ist die Frage inwieweit es der Stadt und ihren Bewohnern wirklich nützt. Steigende Wohnungspreise, zunehmende Touristenmassen, Durchtunnelungspläne für den Kapuzinerberg, etc…
    Ich stelle mir die Frage wo dies alles hinführt und was die Bewohner der Stadt davon haben, die diese immer am Leben gehalten haben, diese pflegen und von denen man mit Recht behaupten darf, dass ohne sie die Stadt Salzburg heute nicht das wäre, was sie heute ist.

  7. Gedankenzwist zum “Mythos Salzburg”

    von Thorsten Schimpl

    Mythos Salzburg: hier hat das Salzburg Museum einen wahrhaft epischen Begriff für die Ausstellung über die eigene Stadt gefunden. Mythos Salzburg: das klingt irgendwie nach einer Ode an Salzburg oder ganz banal formuliert als wäre Salzburg eine jener Städte, die man zu Lebzeiten gesehen haben muss. Richtig definiert wird der Mythosbegriff dabei jedoch nie, und so ist es durchaus legitim den Begriff nach Gefühl und nicht nach einen einem der verschiedenen Typen von Mythen zu bewerten. Mein Gefühl, nach dem ich den Begriff auf mich wirken ließ und auch der Ausstellung beiwohnte, sagt mir, dass dem Mythos Salzburg eine Dualität von Begriffen inne wohnt wie: Vergangenheit und Zukunft, Biosphäre und Kunstobjekt oder Tradition und Kommerz. Da ich oft nach Salzburg an- sowie abreise und die Stadt stets zu Fuß durchstreife, hatte ich in letzter Zeit etliche Gelegenheiten mir beim Flanieren durch die Straßen Salzburgs Gedanken zu diesem Mythos zu machen. Gedanken, die meine Idee von der Dualität des Mythos bestätigen. Es gibt Tage, an denen ein Gang durch die Stadt etwas Kraftgebendes an sich hat, an denen es einem so vorkommt als hätten sich die alten Gebäude nahezu perfekt in das moderne Salzburg integriert. An anderen Tagen ergibt sich ein gänzlich anderes Bild: Das alte Salzburg wirkt wie ein langsam verfallender Kadaver, und die Ströme von Menschen wie Ameisen die den Verfall noch dazu beschleunigen. Hasse oder liebe ich Salzburg nun? Ich bin mir noch nicht sicher, und lasse meine Gedanken weiterspinnen. Salzburg: eigentlich ein riesiges Kunstwerk, aber wie können Menschen hier nur wohnen? Für eine Stadt gibt es hier doch viel zu wenig Freizeitmöglichkeiten und für ein Dorf ist es doch viel zu stressig; Gucken ja, anfassen nein. Oder lebt es sich doch ganz gut hier, weil es für eine Stadt nicht zu stressig ist oder es für ein Dorf viele Freizeitmöglichkeiten bietet? Ich werde unsicherer, und beginne an mir zu zweifeln. Bin ich nicht mehr fähig ein Urteil zu bilden? Imaginärer Rauch steigt über mir auf, aber die Rädchen in meinem Kopf rattern munter weiter. Salzburg, das ist doch die Stadt, die den eigenen Traditionsverein Austria Salzburg links liegen lässt und sich mit Red Bull Salzburg gänzlich an den Kommerz prostituiert hat. Da kann ich diese diese Stadt doch nicht lieben, und der Mythos ist dann auch eher zweifelhafter Natur. Aber hat die Entstehungsgeschichte um Red Bull Salzburg dem totgesagten Salzburger Fußball nicht überhaupt erst wieder Leben eingehaucht, und würde das Feuer der Austria Salzburg ohne Red Bull als Antipoden überhaupt so hell lodern? Toll, nun bin ich mir wieder nicht sicher oder bin ich mir sicher darin nicht sicher zu sein? Salzburg polarisiert, und dabei ist es wohl auch vollkommen gleich ob man es mag oder auch nicht mag, denn ein Mythos ist vieles, aber er ist einem nie einfach egal. Somit muss ich trotz anfänglicher Skepsis Salzburg seinen Mythos zugestehen, und bin gespannt, ob ich die Stadt beim nächsten Besuch lieben oder hassen werde.

    1. Ich fand es interessant, wie du die Masse an Menschen in der Altstadt mit einer Herde Ameisen verglichen hast. Die Altstadt würde ich aber nicht als einen verfallenden Kadaver bezeichnen, da ich dafür keinen Anlass. Sowohl die Strassen, als auch die Gebäude in der Altstadt sind sehr gut erhalten.
      Die Dualität des Begriffs “Mythos Salzburg” führst du sehr gut aus, deine Gegenüberstellung von Kommerz und Tradition regt mich auch zum denken an. Der Sprachstil den du verwendet hast gefällt mir sehr gut, da er deine Gedankengänge widerspiegelt, wie es der Essay vorsieht.

      1. Die Alstadt ein verfallender Kadaver? Als eine der wenig verbliebenen AltstadtbewohnerInnen muss ich dem leider zustimmen. Ein verdammt gut herausgeputzter Kadaver jedoch, das muss ich Salzburg auch zugestehen. Angesichts des Ladenangebots, das zwar dem Wunsch der Touristen nach Schokolade, Dirndln, Nachtmusik und Schnaps nachkommt, bei den Bedürfnissen des Alltags jedoch an denEuropark verweist, frage ich mich aber doch, ob da nicht eine Leiche herausgeputzt wurde.
        Wer von den Salzburgern verirrt sich denn noch in die Altstadt – abgesehen von der einen oder anderen Fast-Alkoholleiche vom Rudolfskai des nachts am Wochenende?
        Die politische 1.Mai-Kundgebung wurde von der Statdtverwaltung in abgelegende Wohngebiete verbannt, die Burschenschafter ziehen durch die Altstadt in die Residenz. Aber die sehen natürlich auch viel fescher aus. Janker und Blasmusik, das hat der Tourist gerne, da stört sich Salzburg dann auch an Scherpe und Kapperl nicht. Image ist eben alles. Da stört dann auch eine zu lebendige Stadt – Leichen halten besser still….

  8. Mozartisierung – Mythos Salzburg?

    von einer Studentin aus dem Kurs “Vom Essay zur Internetkolumne”

    Ich befinde mich gerade in der Ausstellung des Salzburger Heimatmuseums zum Thema „Mythos Salzburg“. Mythos Salzburg? Gibt es sowas überhaupt? Ich gehe durch die Ausstellung und immer wieder werde ich auf eine Person aufmerksam, die Salzburg geprägt hat. Portraits, Musik und Filme, überall kommt der Name vor. Man kann sich schon fast denken, wen ich meine. Es ist Mozart. Doch ist Mozart wirklich der Mythos Salzburg? Oder steckt hinter dieser Mozartfigur noch mehr?

    Mit dieser Frage im Hinterkopf, gehe ich die Judengasse entlang, als ich von einer Gruppe Japanern zum Stehen gezwungen werde. Wild entschlossen, halten sie mir eine Kamera entgegen. Ich solle sie vor dem Mozarts Geburtshaus fotografieren. „Mozart“, schon wieder taucht der Name in meinem Gedächtnis auf und damit auch die Frage, ob Mozart wirklich der Mythos Salzburg ist. Für Touristen muss dies wahrlich der Fall sein, denn wieso sonst würden sie, alles was mit Mozart zu tun hat, fotografieren? Gedankenverloren gehe ich weiter.

    Doch kaum habe ich mich von ihnen entfernt, werde ich von der nächsten Gruppe Touristen aufgehalten. Sie bewundern alle einen Mann, der sich als Mozart verkleidet hat und eine Geige in der Hand hält. Als wäre diese Aufmachung nicht schon merkwürdig genug, steht der Mann kerzengerade still und zwinkert nur hin und wieder einer Touristin zu. Nun beginnt mich dieser Mozartwahn schon etwas zu nerven. Kann Mozart die ganze Stadt in seiner Hand haben? Oder schlimmer noch, kann man je zu viel von Mozart bekommen? Bevor ich einen Selbstversuch starten kann, sehe ich ein Souvenirgeschäft.

    Ich brauche für meine Freundin Sarah, etwas typisch „Salzburgerisches“. Das Souvenirgeschäft müsste mir da doch weiterhelfen können. Ich will gerade hinein gehen, als ich schon wieder aufgehalten werde. Ein Fremder drückt mir eine ermäßigte Karte zu Mozarts Oper Papageno in die Hand. Kann Mozart, denn irgendwo noch präsenter sein als in Salzburg? Völlig genervt von diesem übermächtigen Mozart landet die Opernkarte im Papierkorb und ich endlich im Souvenirladen.

    Ich weiß, dass Sarah unsere Architektur, unser Essen und unsere Tracht liebt, aber all das finde ich dort nicht. Stattdessen gibt es dort Mozartstatuen aus Wachs, Mozart als Fingerpuppen und sogar Mozart als Badeente. Auf jeder Landkarte prangt irgendwo im Eck Mozart und auch die Kochbücher heißen nicht „Salzburger Kochbuch“, sondern „Mozartkochbuch“. Sogar ein an sich recht hübsches Dirndl, ist mit kleinen Mozartköpfen bedruckt. „Mozart, Mozart, Mozart“, in meinem Kopf dreht sich alles nur noch um diese Person. Ich fühle ein leichtes Schwindelgefühl. Anscheinend kann man doch zu viel von Mozart bekommen.

    Ich laufe aus dem Geschäft hinaus, doch vor lauter Mozartgedanken merke ich gar nicht wohin ich renne, bis ich vor einem Schaufenster zum Stehen komme. Dahinter sind schön dekoriert Fürst Mozartkugeln angeordnet. Ich spiele mit dem Gedanken, all diese Mozartkugeln auf einmal aufzuessen, damit wenigsten in diesem Schaufenster eine mozartfreie Zone entstehen kann. Im Hintergrund beginnt das Glockenspiel zu spielen. Da Mozart ja noch nicht genug in Salzburg repräsentiert wird, erklingt zu meinem Pech auch noch eine Melodie aus Mozarts Oper „Die Zauberflöte“.

    „Mozart und Mythos Salzburg“ – „Mozart und Mythos Salzburg“. Meine Gedanken drehen sich nur noch im Kreis. Verzweifelt suche ich in meiner Tasche nach Oropax, um diesen Mozart Fluch zu entschwinden, da klingelt mein Handy. Es ist Sarah. „Wo bist du denn, ich sitze im Cafe Mozart und warte auf dich“, flötet sie mir ins Ohr.

    Wieso ist Mozart in Salzburg omnipräsent? Wieso nur? Diese Frage stelle ich mir erneut bei einer Tasse Mozartkaffee. Ich muss wohl meine Gedanken laut ausgesprochen haben, denn Sara beantwortet meine Frage damit: „Keine andere Stadt wollte ihn haben und da Salzburg einem geschenkten Gaul nicht ins Maul schaut, blieb er hier wohl hängen.“

  9. Über den Salzburger Bahnhof

    von marie

    Der Salzburger Bahnhof als „prunkvolles Empfangszimmer“ für die österreichischen und bayerischen Könige?
    Diese Vorstellung fällt mir schwer.
    Stattdessen denke ICH an graue, dunkelbraune Stahlkonstruktionen, die den Blick auf den Himmel versperren, der Bahnsteig vor Kaugummiflecken kaum noch sichtbar, betrunkene Gestalten, die ziel- und blicklos vor sich hinschlurfen, dunkle, feuchte Tunnel, graue Bahnsteige die sich in der Ferne zwischen den noch viel graueren Gleisen verlieren.

    Wie dieser Ort wohl damals ausgesehen hat? Zu der Zeit als die Kaiserin-Elisabeth-Westbahn von Fürsten und Königen feierlich in Betrieb genommen wurde?
    Damals, als man aus dem riesigen, schloss-ähnlichen Bahnhof in der Mitte der Welt noch ins Grüne trat, auf Rasenflächen in deren Mitte Springbrunnen plätscherten? Damals als man aus dem Zugfenster noch den Wald hinter dem Bahnhofsgebäude erkennen konnte? Damals als eine Zugreise noch eine schicke Angelegenheit war, als der Schritt an den Fahrkartenschalter noch der erste Schritt auf einer atemberaubend schnellen Fahrt in ein Abenteuer in weiter Ferne war? Deshalb wohl auch der respekt-einflößende Charakter der Bahnhofshalle. Eine unerreichbar hohe Decke, mit Stuck und Gold verziert, unendlich erscheinende weiße Wände, die das Licht in alle Richtungen reflektierten, das durch die pompösen, in Gold gefassten Rundbogenfenster fällt. Unten die Reisenden, die ehrfürchtig an den Schalter treten um die abenteuerliche Reise in ferne Gegenden anzutreten. Oder die, die ankommen, im majestätischen Salzburg, erschöpft von der langen Reise, aber verwöhnt von den Bediensteten im Zug und in freudiger Erwartung einer aufregenden Zeit in interessanter Gesellschaft in einer Stadt, die vor Reichtum nur so strotzt. Den Rock zurechtgezupft, den weißen Sonnenschirm in der einen Hand, die andere am Arm des Ehegatten eingehängt. Ein kurzer Blick über die Schulter nach den Bediensteten, die mit den Koffern durch die Halle eilen…

    Von diesem Prunk ist nicht mehr viel übrig. Wie in jeder Stadt ist der Bahnhof eher zum Abstellgleis geworden für diejenigen, die keinen Grund, kein Ziel haben, für das es sich zu reisen lohnt. Hier werden sie sichtbar, die verlorenen Seelen einer Stadt.
    Doch der Anblick verlorener Seelen unter einem verrostenden Stahlgerüst ist nicht das Bild, das eine Stadt wie Salzburg seinen wohl umgarnten Gästen präsentieren will. Zu gewöhnlich, zu schäbig.

    Und heute? Ein Versuch den alten Glanz wiederzubeleben? Den alten Glanz des Bahnhofs? Oder vielmehr den alten Glanz einer Stadt, die einmal zu den wichtigsten zählte?

    Nur… welche Stadt kann sich heute schon Stuck und Goldverzierungen in einer Bahnhofshalle leisten? Stuck und Gold von damals sind heute klare, geschwungene Linien, helle Farben, offene Räume, Hauptsache modisch elegant, nur nicht ZU modern… so wie Salzburg heute eben … wirken will.

  10. Mythos Salzburg

    von Lisa-Marie Speißer

    Der Mythos Salzburg. Hätte man mich vor drei Wochen gefragt, was ich zum Mythos Salzburg zu sagen habe, so hätte ich folgendermaßen geantwortet: „Der Mythos geht mir tierisch auf den Geist, weil deswegen ein nicht abreißender Strom an Touristen durch die Stadt pilgert und man als ‚normaler Einwohner Salzburgs’ nicht fähig ist in seinem Tempo Erledigungen in der Stadt zu tätigen.“ Ständig muss man einer Kamera ausweichen, es sei denn man möchte in einem japanischen Familienalbum unter dem Titel „Europa in einer Woche – Zwischenstopp Salzburg“- weiß Gott was das auf Japanisch heißt – landen.
    Ständig gerät man in eine Gruppe wild gestikulierender Italiener, ständig wird man nach dem Weg gefragt, wenn man es gerade eilig hat. Man kommt nicht umhin sich zu fragen: „Hätten Mama und Papa Mozart diesen verzogenen Fratz nicht wo anders auf die Welt bringen können?“
    In ganz Salzburg werden einem „original“ Mozartkugeln angeboten und „die kleine Nachtmusik“ wird missbraucht wo es nur geht. Doch ein Besuch im „Salzburg Museum“ änderte meine Meinung. Hier widmet sich ein ganzes Stockwerk dem „Mythos Salzburg“. Ein Blick in die Vergangenheit erklärt den „Mozart Hype“. So soll Salzburg nach den Napoleonischen Kriegen unter wirtschaftlichen Engpässen gelitten haben. Um diese zu überwältigen, kam man rasch auf die Idee sich den Tourismus zu Nutze zu machen. Doch Sommerfrische und Skitourismus waren nicht genug. So zog man Mozart zu Rate, der angeblich in der Getreidegasse geboren wurde – und schon hatte man etwas einzigartiges, das Touristen anlocken sollte – der Plan ging auf. Doch glaubt man Gerüchten, so soll Mozart gar nicht in Salzburg, sondern in St. Gilgen am Wolfgangsee geboren worden sein; und gemocht habe er die Stadt angeblich auch nicht besonders. Mozart ist also „Opfer“ einer PR Kampagne für Salzburg geworden. Als Studentin der Kommunikationswissenschaft denke ich mir „nicht schlecht! Ein guter Plan, der aufging!“ als Bewohnerin Salzburgs denke ich mir, während ich mich durch dir Touristenmassen schiebe: „ high five, Wolferl, mir hamms scho beide nicht leicht!“

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