Studieren in Salzburg

von Anna Kräutner, Michael Morf und Ingo Wachtler

Was schreiben Studentinnen und Studenten über ihr Studium in Salzburg?

Es gibt die unterschiedlichsten Themen über die sich Studierende in Salzburg Gedanken machen. Über den Studienstandort (Wohnen, Kultur und Stadtbild), Universitätsinstitution und Freizeit.

Auch wir sind Studenten der Paris-Lodron-Universität und möchten in dieser Rubrik unsere eigenen Essays im Kontext zum Studium vorstellen.

Print Friendly, PDF & Email

12 Gedanken zu „Studieren in Salzburg

  1. Studieren in Salzburg – Essen an der Uni

    von Anna Maria Kräutner

    Beim Lesen von unzähliger Pflichtliteratur fängt mein Magen zum Knurren an. Ich werde nervös und kann mich nun schon fast gar nicht mehr konzentrieren. Ich werde nach und nach müde und schlapp. Die Motivation ist futsch und so langsam macht mir das Lernen keinen Spaß mehr…
    Soweit muss es meiner Meinung nach gar nicht erst kommen. Ich esse drei Mal am Tag – Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Ohne diese fixen Bestandteile meiner „Essenstradition“ könnte ich mir den Uni-Alltag nicht vorstellen. Essen hat für mich einen hohen Stellenwert, immerhin hilft es mir beim Lernen und dabei meinen Körper fit zu halten.
    Ungefähr ein Mal in der Woche esse ich in Salzburg. Wenn ich in die Mensa essen gehe, dann schaut das folgendermaßen aus: Ich stelle mich an der Schlange bei der Kassa an, nach ca. fünf Minuten komme ich dran, dann zeige ich meinen Studentenausweis und wähle zwischen vegetarischem und Fleisch-Menü aus, außerdem muss ich mich noch zwischen Suppe und Nachspeise entscheiden. Mit der Mensacard zahle ich dann nur 3,90 €. „Das ist ein fairer Preis“, denke ich, als ich mein Tablett mit Suppe, Hauptspeise und Salat zum Tisch trage. Dann setze ich mich hin und fange an die Suppe auszulöffeln. „Die Suppe schmeckt irgendwie auch immer gleich ¬¬– salzig und ansonsten fad.“, ist mein nächster Gedanke. So, dann geht’s schon zur Hauptspeise. „Was gibt es heute? Ahja, Gemüsereis… schaut ja net besonders appetitlich angerichtet aus….und es schmeckt auch so, aber mit Salat geht’s dann doch irgendwie…“ Ich esse so vor mich hin und plötzlich werde ich auf meinen Salat aufmerksam. Ich sehe ein großes Stück durchsichtiges Plastik darin! Wie eklig! Das raubt mir nun den letzten Appetit und ich höre auf zum Essen. Ich bin zwar so ziemlich satt mittlerweile, aber es bleibt ein undefinierbares, komisches Gefühl. Ich muss dauernd daran denken, wie wohl der Salat zubereitet worden ist…
    Die Wok-Gerichte aus der Mensa sind im Vergleich dazu sehr lecker, denn sie werden frisch vor deinen Augen zubereitet und es ist auch eine ordentliche Portion. Es schmeckt wie im Restaurant, finde ich aber der Preis ist auch dementsprechend!
    Die Preise für gutes Essen & Getränke an Unis sind leider viel zu teuer. Als Studentin könnte ich mir nicht vorstellen, jeden Tag an der Uni zu essen. Letztens habe ich in der LIBRO-Zeitschrift eine MENSA-Werbung gesehen. Ich finde es interessant, dass die MENSA Werbung macht. Es wird sogar Catering angeboten. In den letzten Monaten, seitdem das neue Unigebäude in Betrieb ist, sind mir zahlreiche MENSA-Gäste von den umliegenden Schulen aufgefallen. Anscheinend hat man gute Werbung gemacht…
    Ich finde beim MENSA-Essen sollte vor allem der Fokus auf die StudentInnen gelegt werden und nicht auf externe Personen. Was ich allerdings gut finde, ist das öffentliche MENSA-Café im Unipark. Das ist eine gute Möglichkeit für die Uni Kohle zu machen und die Aussicht vom Sonnendeck ist unvergleichlich. Vor allem wenns warm ist, kann man oben voll gut chillen und die Sonne genießen – aber dann doch am liebsten mit einem selbstgemachten Sandwich von zu Hause. Zwei Scheiben Brot mit Kräuteraufstrich, eine Scheibe geräucherte Putenbrust, eine Scheibe Käse, dünne Scheiben Gurkerl und fertig ist das perfekte Sandwich. Danach lasse ich mir noch saftige Marillen schmecken und so kann ich dann super abschalten und mich entspannen – wenigstens bis zur nächsten Lehrveranstaltung. 🙂

    1. Dein Essay gefällt mir gut. Ich würde vielleicht noch härter mit der Mensa ins Gericht gehen. Diese Situation beim Lernen, die du beschrieben hast, kenne ich allzu gut. Um dies zu vermeiden hast du ganz richtig beschrieben, dass man sich sein eigenes Essen von zu Hause mitnehmen muss. Die Frage lautet: Sieht die Uni nicht den Bedarf ihren Studierenden und Bediensteten eine Mensa anzubieten, die den Ansprüchen einer Uni gerecht wird?
      Am Unipark im Erdgeschoss werden Wokgerichte angeboten, die ca. 6,50 Euro kosten. Das ist viel zu viel! Welcher Student kann sich den bitte so etwas leisten!? Und du bringst es auf den Punkt, du gehst nämlich nur ein mal die Woche in die Mensa zum essen. Und warum? Entweder es liegt an den hohen Preisen der Wokgerichte oder an der geringen Qualität des restlichen Mensaangebots, man bedenke die Plastikteile im Salat.
      Ich gehe nur noch in die Mensa, um mir ein ÖH-Weckerl zu kaufen, das wird mit 50 Cent von der ÖH subventioniert. Falls ich aber vorhabe während der Mittagszeit in der Uni zu bleiben, ob in der GesWi oder dem Unipark, kaufe ich immer zuvor meine Brotzeit im Billa, denn dort findet man diese preiswert.
      Andere Universitätsstädte haben es geschafft ihren Studenten eine Mensa anzubieten, in die man gerne essen geht. Warum schafft die Uni Salzburg es nicht? Warum gibt es keine zentrale Mensa im Zentrum Salzburgs? Warum zeigt nicht auch die Politik Interesse für dieses Thema?

      Das in der Kaigasse gelegene Café Posthof wurde geschlossen und es kam die Idee auf, dass man an diesem Standort, welches zwischen der Geswi und dem Unipark gelegen ist, eine Mensa aufbaut. Ideal, wenn man bedenkt, dass es auch über einen Gastgarten verfügt, in dem man an heißen Sommertagen sitzen könnte. Daraus wird aber nichts!
      Das Land Salzburg ist Besitzer dieser Immobilie und vermietet die Immobilie nur unter der Bedingung, dass der Mieter diese direkt pachtet. Die Universität selber aber wollte den Posthof nicht selber pachten, sondern ihn genau wie bei den anderen Mensabetrieben auch, den Auftrag weitergeben.
      Deshalb wird aus dieser tollen Idee nichts. Das Problem bleibt ungelöst und es kann wieder eine Weile dauern bis sich eine weitere Gelegenheit ergibt eine gute Mensa in Salzburgs Altstadt aufzubauen. Bis dahin können Studenten sich weiterhin als Köche ausprobieren oder ihre Brotzeit to-go beim Billa einkaufen, dort erhält man nämlich mit der Billa-Mitgliedskarte einen ähnlichen Rabatt wie man ihn als Student in der Mensa bekommt.

    2. Ich werde immer ein wenig nachdenklich, wenn es um “gutes” Essen geht. Frage ich Bekannte nach einem guten Restaurant/Wirtshaus, dann bekommt man oft die Antwort “xxx, die haben riesige Portionen und sind echt billig”. Ist DAS ein Qualitätsmerkmal? Natürlich sollte Essen leistbar sein – aber Dumpingpreise haben irgendwo auch ihren Preis. Inwieweit ist es gerechtfertigt, sich über billige Packerlsuppe zu beschweren, wenn ich dafür aber nicht mal an Euro zahlen will? Und wieviel Qualität kann ich für 3,90 verlangen? Wo soll denn der Preis soweit gedrückt werden? Bei den Mensa-Angestellten? Bei den Landwirten? Oder eben bei der Qualität?
      Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Studenten, die aufgrund ihrer sozialen Situation schon 3,90 täglich finanziell kaum stemmen können. Aber können deshalb alle Studenten per se diese Messlatte anlegen?

      Fragen über Fragen. Ich bin mir selbst nicht so sicher, was ich denken soll. Klar ist für mich allerdings, dass der Schrei nach möglichst billig, möglichst viel weder für die Produzenten noch für die Konsumenten auf den richtigen Weg führen kann.

    3. Ich bin genau mit dem ähnlichen Vorurteil, wie das bei fast allen anderen Studenten der Fall ist, das erste Mal in Mensa gegangen. Der Gedanke an Fast Food, Essen das unhygenisch zubereitet worden ist und ohne Liebe auf den Teller geklatscht wird, ist in vielen Köpfen der Studenten festgeankert.
      Jedoch muss ich sagen, dass sich das Vorurteil für mich nicht immer bewahrheitet hat. Natürlich ist es gesünder sich eine Jause von Zuhause mitzunehmen, aber ich finde, dass das Mensa-Essen grundsätzlich nicht so schlecht ist. Es gibt zwar ein paar Gerichte, die man generell vermeiden sollte, da man schon bei deren Anblick erkennt, dass es reine Fertigprodukte sind. Allerdings, werden auch Gericht frisch zubereitet und die Studenten haben immer Wahlmöglichkeiten mit zwischen verschiedenen Gerichten. Natürlich muss man aber auch akzeptieren, dass man für gutes Essen auch einen dementsprechenden Preis zahlen muss. Die Frage, die sich dabei stelllt, ist nur: Ist mir das mein Essen wert?

    4. Essen an der Uni von Anna Maria Kräutner

      Ich muss Dir beipflichten. Die Uni-Mensa in Salzburg wird dem Preis-Leistungsverhältnis nicht gerecht. Ich gehe schon lange nicht mehr in die Mensa und deshalb weiss ich gar nicht mehr den genauen Preis, aber so um die 4 Euro dürften es wohl sein, die man für ein “Mittagessen” bezahlt. Solche Dinge wie das Plastikstück sind mir zwar noch nicht unterlaufen, aber es stimmt wirklich.. ob Geflügel, Frittaten, oder asiatische Suppen, sie schmecken alle gleich, alle gleich salz(burger)ig. 4 Euro sind für ein anständiges Mittagessen nicht wirklich viel, für ein anständiges wohlgemerkt. Aber das Essen an der Mensa ist meistens nicht von Restaurantqualität. Dabei kann man der Mensa kein Vorwurf machen, Mensaessen ist meistens verkocht und Dinge wie Fisch sind allgemein bekannte Tabus, aber wenn man bedenkt, dass dort überwiegend Studenten bzw. Schüler essen und dass das Essen in anderen Uni-Mensen weitaus billiger ist, schneidet die Mensa in meinen Augen sehr schlecht ab. Offensichtlich reicht das Geld für Werbung aus. Ob es eine Uni-Mensa wirklich nötig haben muss, Werbung zu machen ist äußerst fraglich. Jedenfalls zeigt diese Tatsache, dass die Mensen in Salzburg nicht schlecht verdienen können. Warum reduziert man also nicht die Preise oder investiert in die Qualität anstatt in Druckertinte und Zeitungspapier?

  2. Unpersönliches Studium

    von Michael Morf

    Ist mein Studium unpersönlich? Ich sitze gerade in der Bibliothek und gegenüber von mir sitzt ein Kommilitone von mir, den ich noch nie gesehen habe. Ich habe ihn eben erst kennengelernt, nach drei Jahren, gemeinsam Studierens. Bei anderen Studiengängen kennt jeder jeden, bei mir ist das etwas anders, ich studiere Kommunikationswissenschaft.

    Als ich hier in Salzburg angefangen habe, waren wir 530 Studenten, nach einem Monat und zwei Knockoutprüfungen schrumpfte diese Zahl auf 330. Die Lehrveranstaltungen waren dementsprechend voll, sodass sie in mehreren Räumen übertragen werden mussten.
    Man ging in die Vorlesung, erhielt Frontalunterricht und im Anschluss daran verließ man die Uni wieder ganz anonym, ohne jeglichen Kontakt zu Kommilitonen und Lehrbeauftragten.

    Und wenn man mal wen kennenlernte war die Wahrscheinlichkeit gering, dass man sich in der nächsten Lehrveranstaltung wieder über den Weg lief. Und zu allem Überfluß hatten wir im zweiten Semester eine Vorlesung, die dieses anonyme Studium durch Onlinevorlesungen förderte. Jeder zweite Vorlesungstermin fiel aus und stattdessen wurden uns aufgenommene Vorträge unserer Professorin zum Download angeboten, damit wir sie uns zu Hause anschauen sollten. Zum gegenseitigen Austausch wurde die Online-Plattform Blackboard herangezogen, in der sich die Studenten mit den Tutoren bei aufkommenden Fragen austauschen konnten. Aber wer tut sich so etwas freiwillig an? Es findet eine dramatische Verschiebung der persönlichen Kommunikation in Richtung Onlinekommunikation statt, die nicht förderlich ist. Was zeichnet die Lehre an unserer Uni aus? Die Art der Vorträge und das Betreuungsverhältnis? Die Uni versucht die Kosten für die Lehre so gering wie möglich zu halten, deswegen werden bei Prüfungen mit vielen Studenten kaum offenen Fragen gestellt, sondern zum Großteil Multiple-Choice Fragen. Und weil selbst Tutoren teure Arbeitskräfte sind, werden für die Korrektur Computer eingesetzt. Diesem Trend folgend wird also in Zukunft jeder Professor einmal bei seinem Vortrag gefilmt und dies online gestellt. Was unterscheidet unsere Uni dann von einer Fernuniversität? Das Betreuungsverhältnis und der persönliche Charakter auf jeden Fall nicht mehr.

    Mittlerweile bin ich im sechsten Semester und habe wenige Vorlesungen und vermehrt Übungen und Proseminare. In diesen Kursen sind wir zwischen 20 und 30 Studenten, man lernt sich und seine Dozenten und Professoren persönlich kennen, was meiner Meinung nach sehr wichtig ist. Es gehört zum Studium dazu seine Kommilitonen kennenzulernen, da man damit Kontakte für das zukünftige Berufsleben knüpft. Außerdem teilen diese oft aufgrund des Studienfachs die gleichen Interessen. Es liegt auch im Interesse der Dozenten und Professoren ihre Studenten zu kennen, weil sie evtl. wissenschaftliche Mitarbeiter suchen oder auch um ein Feedback ihrer Lehre zu erhalten. Außerdem kann man in persönlichen Lehrveranstaltungen interagieren, direkt Fragen stellen und es entstehen Diskussionen.

    Deshalb sitze ich hier in der Bibliothek und werde jetzt mit gemeinsam mit meinen Studienkollegen einen Kaffe trinken gehen.

    1. Ich denke Salzburg ist noch eine verhältnismäßig kleine Studentenstadt im Vergleich zu Wien oder Graz und doch spiegelt sich hier ebenso die Anonymität der Studenten. Hier kommt mir der Gedanke “Quanität statt Qualität” in den Sinn; was bringt ein überfluteter Arbeitsmarkt außer harte Konkurrenzkämpfe und Lohndumping?
      Dein Bericht errinnert mich ein wenig an Massentierhaltung, denn der einzelne Student hat wohl kaum die Möglichkeit sein Können und seine Persönlichkeit unter Beweis zu stellen, man ist einer von vielen.
      Der Trend der Masse verbreitet sich in allen Lebensbereichen, egal ob Bildung ober Konsum, so nach dem Motto “mehr ist mehr”, dies scheint eine ungesunde Entwicklung zu sein. Haben wir das Gefühl für ein gesundes Maß und Ziel verloren? Ist das der angegebene Ton moderner Gesellschaften?

    2. Diesen Blogbeitrag empfinde ich als fruchtbar, da er einerseits einen persönlichen Einblick in den Studienalltag gewährt und andererseits diese Entwicklungen reflektiert.
      Die Behauptung wird durch eigene Erfahrungen untermauert und danach werden die Vorteile eines persönlichen Studiums logisch geschildert, wobei dies nicht auf eine überhebliche Art und Weise geschieht, sondern aus dem spezifischen Blickwinkel des Verfassers.
      Abgesehen vom gelungenen Aufbau unter Beachtung rhetorischer Aspekte, kann ich dem Verfasser inhaltlich beipflichten, da ich zwar nicht dieselben Erfahrungen mit Ihm teilen kann, aber den persönlichen Kontakt im Studium als essentielle Ressource betrachte, sowohl zur Wissensvermittlung, wie auch zur persönlichen Entwicklung.

    3. Leider ist dies ein Trend der nicht nur auf die Universitäten beschränkt ist. Auch darüber hinaus zeigen sich Menschen im öffentlichen Raum wenig kommunikativ. Als in New York die U-Bahn eröffnet wurde, ging man davon aus, dass durch die Konzentration vieler Menschen auf engem Raum eine gänzlich neue Art des Gesprächs entstehen würde. Die Praxis nach der Eröffnung zeigte jedoch genau das Gegenteil. Menschen vermieden jeglichen Blickkontakt, und ein Gespräch zu beginnen erst recht. Dies lässt sich auch wunderbar in unserem öffentlichen Raum im hier und jetzt beobachten. Traurigerweise sieht es nicht mal viel besser aus wenn Menschen sich dazu überwunden haben ein Gespräch zu führen. In den meisten Fällen wird auch dieses sehr unpersönlich und unverbindlich geführt, und es kommt mir so vor, dass viele Probleme damit haben überhaupt auf einem Menschen richtig einzugehen. Meistens wird in solchen Situationen einfach aneinander vorbeigeredet oder es wird nur in gängigen Phasen miteinander kommuniziert. Es wäre sehr schön, wenn man zumindest an der Universität eine vernünftige Gesprächskultur entwicklen würde. Wenn die Leute wieder richtig aufeinander eingehen, dann wäre ein erster Schritt getan um wieder persönlicher zu werden.

  3. Ein so unpersönliches Studium ist für mich kaum vorstellbar. Ich bin damals genau DESWEGEN nach Salzburg gekommen. Weil ich die Atmosphäre und die Chancen eines relativ kleinen Geographie-Instituts den unpersönlichen Massenveranstaltungen der größeren Geographie-Institute vorzog.
    Ich denke, es ist Geschmackssache. Ich kenne viele Bekannten, die sich an der großen anonymen Massenuni wohl fühlen und es sich gar nicht vorstellen wollen, von den Professoren wiedererkannt zu werden.
    Bei uns ist das alltäglich. Schon nach dem ersten Semester kannten einen die meisten Professoren per Namen, ab dem zweiten Semester kannte man die Dissertanten des Insituts persönlich und ab dem dritten Semester war man in die Forschungsarbeit der Arbeitsgruppen eingebunden. Auch Erfahrungen als Studienassistent oder Tutor zu sammeln, war an der Tagesordnung. Die verpflichtenden Exkursionen leisten dann meist das Übrige für die Kommunikation der Studenten untereinander. Eine Woche gemeinsam die Alpen zu überqueren, das schweißt schon zusammen. 20 Kilo Kabeltrommeln zur Geländearbeit ins Hochgebirge schleppen nicht minder.
    Natürlich trifft all das nicht auf Jeden zu. Auch bei uns gibt es die Studenten, die man irgendwie gerade mal in den Vorlesungne auftauchen sieht. Oder diejenigen, die man nach einer Exkursion nie wieder trifft. Außerdem ist man ja auch nicht in jeder der Arbeitsgruppen eingebunden, und so vergessen auch einzelne Professoren irgendwann mal wieder die Studenten mit denen sie nichts zu tun haben.
    Aber der Wert liegt für mich darin, dass man die MÖGLICHKEIT hat, aktiv bei Forschungsprojekten mitzuwirken und auch Verantwortung zu übernehmen. Zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses sicherlich unerlässlich. Und auch sonst, ganz unabhängig von einer beruflichen Laufbahn… es ist schön an einem Institut zu studieren, an dem man sich zu Hause fühlen kann.

  4. Eine Fast-Laudatio an die Uni-Salzburg

    von Ingo Wachtler

    Seit nun fast zwei Semestern studiere ich hier in Salzburg und mache meinen Master in Politikwissenschaften. Vorher habe ich an einer anderen österreichischen Universität mein Bachelor-Studium absolviert und war dementsprechend nervös als ich nach Salzburg kam. Es ist immer schwierig aus einem vertrauten, heimat-nahen Umfeld heraus, den Schritt in die große weite Welt zu wagen.
    Ich kann mich noch gut erinnern, dass ich mich im Studium anfangs gar nicht zu Recht gefunden habe. Die Situation war etwa vergleichbar mit dem Uni-Einstieg nach der Matura. Im Grunde hat man eigentlich keine Lust mehr und spielt mit dem Gedanken, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben. Aber seien wir ehrlich, was ist heutzutage schon ein Bachelor-Abschluss wert und dann auch noch in Politik!? Der einzige Trost war, dass außerhalb der Uni alles neu und dementsprechend aufregend, spannend und interessant gewesen ist. Über die Uni selbst wurde mir viel erzählt.. ich müsste diese und jene Kurse machen, es gibt diese und solche Studienergänzungsmöglichkeiten. Jetzt, wo ich mit dem System weitestgehend vertraut bin, finde ich richtig gefallen an der Paris-Lodron-Universität. Und hier hilft mir der Vergleich zu meinem vorherigen Studienstandort.
    Dort war das Uni-Leben relativ streng geregelt: 30 Seminarplätze und keinen einzigen mehr und dass obwohl PoWi eines der meist frequentierten Studienrichtungen war, mit ich glaube über 300 Erstsemestrigen pro Jahr! Und es kommt noch besser. Gewisse Kurse waren innerhalb von 2 Minuten nach Freischaltung der Anmeldung bereits belegt und man konnte nur darauf hoffen, dass es sich einer der 30 Fixplatz-Inhaber nochmal überlegt oder dass mehrere am Vorabend dermaßen auf besoffen waren, dass sie ihren Wecker nicht gehört haben, folglich nicht zur ersten Sitzung kamen und so Plätze frei wurden. Außerdem kam den Verantwortlichen die Erleuchtung, und das während meines laufenden Studiums, den Semesterplan so umzustellen, dass man von nun an von der Grundstufe über die Einführung bis hin zur Vertiefung erst die jeweiligen Kurse der einzelnen Stufen komplett absolvieren musste um weiter machen zu können. Und das bei dieser großen Anzahl an Studierenden, was für eine desaströse „Schnaps-Idee“. Was das, nicht nur für meinen Studienverlauf, für Auswirkungen hatte, ist nicht schwer zu erraten. Außerdem waren die Kurse vorgegeben und so was wie Wahlfächer waren wie die grünen Marsmännchen, die es ja bekanntlich nicht gibt, es sei denn man entdeckt sie vielleicht irgendwann einmal. Allerdings sei dazu gesagt, dass die verschiedenen Kurstitel der einzelnen großen Themenblöcke sehr interessant klangen und auch abwechslungsreich waren. Außerdem war das Wienerschnitzel in der Mensa legendär und dazu auch noch billig, richtig Studenten-Like eben. Und, nicht zu vergessen, das Nachtleben, Hammer!
    In Salzburg ist die Situation, sei‘s im positiven wie auch im negativen (Mensa) Sinne, anders. Bei der Platzvergabe ist man wesentlich flexibler. Ich hatte schon Kurse in denen statt der 25 Leute 35 teilnahmen, ohne dass auch nur irgendwer rausgeschmissen wurde. Das wirklich geniale an der Universität ist in meinen Augen aber, dass man die berühmten Wahlfächer besuchen kann und zwar mehr oder weniger nach Lust und Laune, d.h. alles bis auf Medizinkurse glaube ich, aber die würden mich sowieso nicht ernsthaft interessieren. So kann man seinen Wissensradius erweitern und auch an Kursen teilnehmen die einem interessieren und nicht auf den Lehrplan des PoWi-Masters stehen. Hat man genügend Kurse aus einer Studienrichtung, kann man sich diese auch als Ergänzung anrechnen lassen – klingt vielleicht banal, ist aber in meinen Augen schlichtweg genial! Dabei ist mir sofort die Fülle von Exkursions-Angeboten aufgefallen und ich habe fest vor an der einen und anderen teilzunehmen. In meinem Bachelor-Studium durfte ich auch an einer Exkursion teilnehmen und es war ein tolles Erlebnis. Leider hatte ich dieses Vergnügen bisher nicht mehr. Was ich absolut toll finde ist auch die Kooperation mit dem Rhetorik-Institut und der Uni-Salzburg. Ursprünglich wollt ich eigentlich Rhetorik studieren und so kann ich nun während meines Studiums auch in das Feld der Rhetorik hineinschnuppern. Deshalb ist es auch weniger schlimm, wenn auch im Masterstudium fixe Kurse vorgegeben sind, dann sag ich mal, ist es normal! Außerdem darf man in die Bibliothek etwas zur Gehirnspülung mitnehmen. Auf meiner vorherigen Universität durfte man bei Glasfassade und gefühlten 60 Grad nicht einmal eine Flasche Wasser bei sich haben. Wie fortschrittlich Salzburg doch ist.
    Natürlich gibt es auch einige Schattenseiten. Beispielsweise das unendlich scheinende Lesen! Für jeden Kurs muss man Woche für Woche buchstäblich ganze Bücher lesen. Allerdings weiß ich nicht, ob das jetzt gut oder schlecht ist, auf jeden Fall aber zu viel. Und in zwei Sachen muss ich meinen vorhergehenden Studienstandort auch ausdrücklich loben. Zum einen betrifft dies das Nachtleben, bei dem Salzburg nicht mithalten kann und zum anderen die Mensa, bei der Salzburg gelinde gesagt auch weitaus den Kürzeren zieht.
    Allem in allen ist die Universität Salzburg die richtige Wahl gewesen und ich bin froh, dass ich nun hier meinen Master machen kann. Es gebe noch viel zu erzählen, über die tollen Ausflugsziele die diese Stadt bietet, aber diese waren in der anderen Stadt auch gegeben. Es wird einige geben die mein positives Urteil nicht verstehen werden können. Denen sie gesagt, dass die Universität Salzburg längst nicht das Schlechteste ist. Hip-Hip-Hurra!

    1. Die Studienergänzungsmöglichkeiten finde ich ebenfalls einfach klasse. Gerade in Zeiten des Bologna Prozesses sehe ich es für Studenten als eine Entwicklungschance, wenn ihnen ein individueller Spielraum zur Studiengestaltung gewährt wird. Wie ich hier schon in Kommentaren zu anderen Themen gelesen habe, gilt es sich den “Massentrends” zu widersetzen, so zumindest meine eigene Meinung. Und genau deshalb muss es den Studenten in gewissem Maße möglich sein, ihr eigenes Studienprofil einzurichten. Wie vom Verfasser geschildert, gibt es Themenbereiche, die nicht durch das Studienfach abgedeckt werden, aber den Betreffenden selbst interessieren und zur eigenen Entwicklung beitragen. Daher sehe ich solche Studienergänzungen und -schwerpunkte für die Universität und die Studierenden eine Chance sich dem Einheitstrend entgegenzusetzen und die eigenen Stärken auszubauen.

Kommentare sind geschlossen.