Archiv für den Tag: 13. Mai 2013

2013 Satuer Rhetorik der Affekte-01

(in alphabetischer Reihenfolge)

Blase Bernd

Das Pathos und die Klangwelt der Stimme

Die physischen Grundlagen der Stimme, die Atemtechnik, das Volumen und die Reichweite der Stimme dienen dem emotionalem Apell und sind fester Bestandteil, um die Hörer emotional zu erreichen. Auch die  Dynamik, Glaubwürdigkeit  und Lebendigkeit  des Stimmausdruckes  können  zu einem  wichtigen  pathosähnlichem  Zustand führen. Nicht zu unterschätzen  sind  die Wegbereiter  dieser  rednerischen Qualität. Körpersprache und Körperhaltung, Präsenz und Kontakt zum Publikum.

Die Stimme ist dabei der Energiefahrstuhl zum Pathos-Stockwerk, die dann dem rezeptiertem  rhetorischen  Strategem  dienen  können  und hin zum Gesprächs- und Meinungsziel des Redners führt. Die Stimme modelliert das Pathos. 2013 Satuer Rhetorik der Affekte-01 weiterlesen

Ein Hund geht auf Reisen

In diesem Winter nahmen mich meine Hundeeltern auf eine Wochenendreise nach Prag mit. Mein Name ist Merlin Holberg, ich bin ein Golden Retriever und etwas mehr als zwei Jahre alt. Ich bin schon recht viel herumgekommen: Nach Deutschland, Italien und Frankreich, in Prag aber war ich noch nie zuvor gewesen.

Die Anreise war recht unkompliziert. Ich musste nicht all zu lange in meinem Reiseabteil im Kofferraum verbringen, dazwischen gab es eine sehr angenehme Pause an einem Rastplatz, der direkt an ein Feld voller Wohlgerüche angrenzte. Ich war sehr damit beschäftigt, die Duftspuren zu verfolgen.

Im Hotel wurden wir sehr freundlich aufgenommen, und die Rezeptionistin war ganz begeistert von mir. Ich bekam viele Streicheleinheiten und Komplimente. Die Einrichtung war sehr geschmackvoll und passte in ihrer Farbzusammenstellung mit ihren Braun- und Orangetönen ausgezeichnet zu meinem Fell.

Bald nach unserer Ankunft durfte ich einen kleinen Erleichterungsspaziergang zu einer Burg in der Nähe machen. „Hradschin“ heißt sie wohl. Da gab es endlich genug grüne Flächen für mich, und ich konnte mich ordentlich austoben. Dann wurde ich aber wieder angeleint und musste brav bei Fuß durch die Stadt spazieren. Es gefiel mir aber gut, was ich zu sehen bekam, und die vielen ungewohnten Gerüche beschäftigten mich sehr. Als äußerst angenehm empfand ich auch die Temperatur, mir war gar nicht heiß in meinem Pelz, und so bedauerte ich es eigentlich, dass wir schon bald in ein Cafe´ einkehrten. Dort musste ich wieder unter dem Tisch liegen mit dem Geruch von Prager Schinken in der Nase, ohne auch nur ein Stückchen abzubekommen.

An einem großen Fluss entlang gingen wir später zurück. Schnee liebe ich, ich kann mich wälzen und abkühlen und säubern und fühle mich pudelwohl – soweit das für einen Golden Retriever möglich ist! Es dauerte nicht lange, bis ich einen anderen Hund entdeckte, den ich gern begrüßen wollte. Obwohl er am anderen Ende des Parks umherschnupperte, konnte ich nicht anders, als sofort zu ihm hinzurennen. Wie zu erwarten ließ ich meine Hundeeltern mit lautem Geschrei zurück, schließlich wollten sie ja, dass ich sofort zu ihnen zurückkehren sollte. – Aber war ich heute nicht schon brav genug gewesen? Jetzt stand mir wirklich eine Runde Spielen zu! „Kennst Du die Parks oberhalb der Stadt?“ Ich mußte verneinen, da waren wir noch nicht gewesen. Viel zu schnell wurde ich wieder eingefangen, aber immerhin hatte ich kurz das Vergnügen gehabt. Ich glaube meine Eltern wären gerne in dieses Museum am Kampapark gegangen, aber da ich nicht willkommen war (dieses Schild kenne ich inzwischen selbst), sind sie draußen bei mir geblieben. Wir spazierten ins Hotel zurück, ich bekam meinen Napf Futter und eine kleine Verdauungspause. Anscheinend hatten aber auch meine Hundeeltern Hunger, und wir brachen bald wieder auf.

Der Weg war mir inzwischen schon bekannt, es ging den Berg hinunter zu dem gossen Fluss. Leider durfte ich nicht wie erhofft in den Park abbiegen. Stattdessen steuerten wir ein Restaurant an und bekamen einen Tisch in einem Riesenraum mit vielen Kerzen, in dem wir ganz alleine waren. Wahrscheinlich war  es mir zu verdanken, dass wir so exklusiv platziert wurden. Ich konnte mich vor den Schmeicheleien der Kellnerin, die auch nach Kollege roch, kaum retten, sie fand mich ganz großartig. Was da so aufgetragen wurde, roch köstlich, aber ich bekam nur die übliche Schlüssel Wasser, die mich ohne Einlage noch nie interessiert hat.

Am nächsten Tag ging es vom Hotel in eine ganz andere Richtung, bergauf bis zu der großen Burg. Allen außer mir schien kalt zu sein. Meine Hundeeltern benahmen sich merkwürdig: Immer wieder verschwand einer von ihnen in einem Gebäude, während der andere bei mir in der angenehmen Kälte stehenblieb. Warum durften wir nicht einfach zusammenbleiben? Für mich war das nicht so schlimm, weil genug Leute da waren, die mich bewundern, fotografieren und streicheln wollten. Ich verstand sie nicht immer, aber das war nicht so wichtig, denn sie waren alle recht freundlich. Nur hin und wieder kam eine kleine Gruppe von Männern in eigenartigem Schritt und komischer Kostümierung, die streng dreinschauten, sodass ich mich dann lieber in der Nähe meiner Hundeeltern versteckte. Viele Bekanntschaften habe ich nicht geschlossen, nur ein paar sehr kleine Artgenossen waren hin und wieder zu sehen. „Wir werden in den Taschen mit hineingenommen!“ Na ja, das kam für mich wohl nicht in Frage! Es ist Jahre her, dass ich im Korb durch Verona getragen wurde.

Nach geraumer Zeit hatten meine Hundeeltern wohl genug gesehen, und wir verließen den Burgberg. Es ging wieder durch kleine Gassen und Straßen, bis wir zu einem schummrig beleuchteten kleinen Restaurant gelangten, wo es allerdings nicht so ganz nach meinem Geschmack roch. Die Pause tat allerdings auch mir gut, und ich genoss die Ruhe und die angenehme Atmosphäre. Danach kreuzten wir den Fluss – die Brücke war aber weit oberhalb des  Wassers gelegen, sodass an Schwimmen nicht zu denken war. Auf der anderen Seite herrschte reges Treiben, viele Menschen, wenig Hunde, hell erleuchtete Geschäfte im Abendschein. Sehr oft entdeckte ich bunte Puppen an Fäden in den Fenstern, die wahrscheinlich auch für mich sehr nett zum Spielen gewesen wären. Es fiel mir auch auf, dass es besonders oft ganz viel Licht und Gefunkel in den Läden gab und die Leute da drinnen die Köpfe nach oben streckten. Nachdem man mich reichlich lange an der Leine hier- und dorthin gezerrt hatte, war ich ganz froh, als wir endlich in unser Hotel zurückkehrten, damit ich mich satt essen konnte.

Von den Diskussionen nach der Reise ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir bald wiederkommen werden. Anscheinend hat es den Hundeeltern dort gut gefallen. Auch ich habe nichts dagegen, die erwähnten Parks näher zu entdecken. Bevor wir die Stadt verließen, schnappte ich ein noch etwas auf: „Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen (Kafka).“

Christina Hofer-Dückelmann

Kurztrip New York

Ich blicke auf mein Handy, und jedes Mal werden wieder Gedanken und Emotionen geweckt. Auf dem Hintergrundbild strahlen die zahlreichen Reklametafeln und die riesigen Menschenmassen, die den Times Square, egal zu welcher Tageszeit, beleben. Wenn ich so zurückdenke, bin ich sehr froh, letztes Jahr die Amerikareise mit meinem Bruder und Vater noch um ein paar Tage verlängert zu haben, um ein bisschen am Big Apple der Ostküste Amerikas zu knabbern.

Leider hatte ich nur etwas mehr als drei Tage zur Verfügung, um das niemals schlafende New York zu erkunden. Ich musste also eine Auswahl treffen, was mir nicht leicht fiel. Als Unterkunft wählte ich ein eher kleines, günstiges Hotel an der Upper West Side, das Zimmer war winzig und das Bad am Gang, aber das machte ja nichts, schließlich wollte ich dort nur schlafen, worauf ich mich bei der Ankunft auch schon gewissermaßen freute.

Am ersten Tag startete ich gleich zeitig in der Früh in Richtung Haltestelle der berühmten silberfarbigen New Yorker Subway an der 103rd Street, Ecke Broadway. Besonders charakteristisch für New York sind die zahlreichen duftenden Snack Shops, welche sich wahrscheinlich an jeder zweiten Ecke befinden. Da konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir ein paar frisch gebackene Bagels gefüllt mit Ham and Eggs, sozusagen ein typisch amerikanisches Breakfast. Nach einer halbstündigen Fahrt befand ich mich ganz im Süden Manhattans, im Battery Park, um sogleich die Freiheitsstatue vom Ufer aus zu bestaunen. Wahnsinn, dachte ich, genau wie in den zahlreichen Filmen, die hier gedreht wurden, echt beeindruckend. Aus Zeitgründen aber beschloss ich, es bei einem Blick und Foto aus der Ferne zu belassen. Um möglichst viel zu sehen und die Atmosphäre wahrzunehmen, hatte ich mir vorgenommen, mich zu Fuß entlang des Broadways in Richtung Norden vorzuarbeiten. Die schachbrettartige Anordnung der New Yorker Straßen erleichtert die Orientierung immens. Man findet sich eigentlich sofort zurecht, gar nicht vergleichbar mit den Städten in Österreich. Beim Spazieren durch den Financial District bestaunte ich unter anderem die berühmte New York Stock Exchange, die Federal Hall und Büros zahlreicher Finanzunternehmen und Anwaltskanzleien. Alle wichtigen Gebäude werden hier von der Polizei bewacht. Es heißt ja, man glaubt es kaum, dass eigentlich fast jeder Schritt der Passanten auf den Straßen durch Videokameras überwacht wird. Aufgrund der vergangenen Vorfälle und der relativ hohen Terrorgefahr eigentlich verständlich, oder doch übertrieben – ich war unschlüssig.

Weiter lief ich mit kleinen Abstechern durch China Town und Little Italy. Faszinierend, dachte ich mir: wüsste ich nicht, dass ich in New York bin, glaubte ich mich tatsächlich in China oder Italien. Da ich auch noch ein paar Geschenke für die Freunde zu Hause besorgen wollte, machte ich mich auch gleich auf die Suche, aber ich fand eine solche Vielfalt an Geschäften, dass ich mich kaum für eines entscheiden konnte. Gegen Abend brannten meine Füße schon sehr, aber als ich die riesige Menschenmasse am leuchtenden Times Square erblickte, vergaß ich Schmerzen und Müdigkeit. Mir wurde klar, daß an Schlaf noch lange nicht zu denken war. Ungefähr in diesem Augenblick entstand auch das Foto, das ich später als Hintergrundbild für mein Handy auswählen sollte. Ich konnte meinen Augen kaum glauben, als ich plötzlich einen eigenen M&M Shop entdeckte: dort musste ich hineingehen. Drinnen angelangt entdeckte ich M&M Accessoires auf zwei Stockwerken, M&Ms nach Farben in meterhohen Säulen sortiert. Und, als wäre das noch nicht genug, setzte auch noch laute Musik ein, zu der die Mitarbeiter und Besucher wie wild zu tanzen begannen. Mit einem Mal befand ich mich in einer Disco, echt crazy.

Die Erinnerung an die frisch gebackenen Bagel des vorigen Tages führte mich wieder zum ersten Bagel-Geschäft zurück. Diesmal reichte die Schlange an der Kassa fast bis nach draußen. Als ich endlich die warmen Bagels ergattert hatte, machte ich mich auf den Weg in den Central Park, um dort mein Frühstück zu genießen. Hier kann man sich entspannen, den Leuten beim Joggen zusehen, und überall hüpfen kleine braune Eichkätzchen umher, die einem fast aus der Hand fressen.

Die Riesenmetropole aus der Vogelperspektive zu betrachten gehört zum Pflichtprogramm eines jeden New York-Reisenden. Am liebsten hätte ich ja einen Hubschrauberrundflug gemacht, aber das ließ mein Budget leider nicht zu, also suchte ich nach einer Alternative. Um auf das höchste Gebäude New Yorks, dem 381 Meter hohen Empire State Building zu gelangen, hätte ich mich einen halben Tag in die Schlange stellen müssen. Deshalb fiel meine wahl auf das etwas nördlicher liegende Rockefeller Center. In weniger als einer Minute gelangte ich nach einer aufregenden Liftfahrt mit Lichtspielen und Musik in 260 Meter Höhe, ungefähr auf Augenhöhe mit den anderen Hochhäusern in Midtown Manhatten. Auf drei verschiedenen Aussichtsplattformen konnte ich einen malerischen Ausblick über die einzelnen Boroughs genießen. In Richtung Süden, unmittelbar geradeaus, blickte ich auf das Empire State Building und das restliche Downtown New York. Dann drehte ich mich gegen den Uhrzeigersinn und konnte weitere beeindruckende Wolkenkratzer bestaunen, den Donald Trump Tower, das Chrysler Building, den Bank of Amerika Tower, das Woolworth Building. Im Norden befindet sich schließlich der Central Park als die grüne Lunge der Stadt, in der ich ja gerade zuvor meine frischgebackenen Bagels mit Ham and Eggs genossen hatte.

Mit diesem Rundblick ging mein Kurztrip leider auch schon wieder zu Ende. Den einzigartigen Flair dieser Stadt kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen. Ich kann nur soviel sagen, daß ich keine Minute bereue, die ich dort verbracht habe und daß ich das nächste Mal, wenn ich dorthin reise – und das werde ich sicher tun – viel mehr Zeit werde einplanen müssen.

Andreas Reisinger

Familienurlaub

Alle Jahre wieder, gegen Ende des Winters, geht sie los – die familiäre Urlaubsplanung. Ein Marathon an Suche, Planung und Organisation. Drei (nun ja, eher zweieinhalb) junge Menschen auf der Suche nach drei Wochen Erholung, Spaß und Aktion. Also ab an den Strand? Unter der Sonne Tunesiens brutzeln? Im Club in Marmaris abfeiern? Nicht mit uns – Gott sei Dank gehören wir unisono zur Kategorie der Aktiventspanner. Unbekannte Länder, sofern sie mit dem Auto erreichbar sind (ferne Flugreisen wurden auf später verschoben) und Möglichkeiten für Abenteuer versprechen – das ist unser Ziel.

Eigentlich beginnt der Urlaub ja schon im Februar, wenn sich der Inhalt der Keksdose langsam dem Ende zuneigt und auch unser kleinstes Mitglied nicht mehr jeden Tag im Schnee verbringen muss. Denn solch gemeinsame Planung des immer näher rückenden Sommerurlaubes kann das Herz im dunklen Kämmerlein erwärmen. Bei der letzten Tasse (Kinder-)Punsch wird der Globus hervorgekramt, und dann wird fieberhaft überlegt, wo a) unbekannte und b) familientaugliche, mit dem Auto erreichbare Destinationen entdeckt werden wollen. Aspekte wie Sicherheit, Wetterbedingungen im Hochsommer, Kulturunterschiede und Sehenswürdigkeiten werden dann noch bis ins kleinste Detail erforscht. Es folgen wunderbare stundenlange Bibliotheksaufenthalte – die Schönheit unserer Welt lässt sich in einem fünf kilo schweren Bildband einfach besser vermitteln als über Bilder auf facebook. Und dann der wohl unangenehmste Teil: Die Internetrecherche. Da werden Unterkünfte gegoogelt, auf tripadvisor auf ihre Bewertung hin geprüft und auf booking.com reserviert. Da werden Distanzen auf den Meter genau berechnet: Von Himmelreich nach Mailand, von Nizza zu den Pyrenäen, von Berlin nach Stockholm. Eine gewisse Affinität zur Kostenrechnung  ist bei der Erstellung des Finanzplanes immer wieder hilfreich. Auf der Suche nach Geheimtipps werden auch noch die zahlreichen Internetforen durchforstet, wo uns schließlich Mr. Geo oder Fräulein Spagnia ihre Eindrücke und Erlebnisse schildern. Omas Reiseführersammlung tut ihr übriges. Bis auf die Bildqualität hat sich ja ohnehin wenig verändert, und man ist immer wieder freudig überrascht, dass der schiefe Turm von Pisa heutzutage doch noch um einiges schiefer ist und die Cinque Terre auch um einiges farbintensiver von ihren Felsen leuchten als im Reiseführer anno 1965 abgebildet.

Auch wenn es bedeutend einfacher anmuten mag, sich im Juli ins Reisebüro zu setzen und sich den Familienurlaub in kurzer Zeit durchplanen zu lassen, so verkürzt die gemeinsame Vorfreude die riesige Spanne zwischen Null und 35 Grad doch bedeutend!

Magdalena Fazal-Ahmad