Essay – Studieren in Salzburg

Mittlerweile sind sie schon einige Semester her (wie viele genau, werde ich euch aber nicht verraten): meine ersten Schritte in Richtung Universität Salzburg. Meine Erinnerung hieran ist so fest eingebrannt, als wäre es erst gestern gewesen.

Schon während der Oberstufe war für mich klar, dass ich einmal studieren würde. Doch nach der Matura wollte ich erst mal gar nichts mehr lernen. Ich genoss die Maturareise in vollen Zügen, denn schließlich wartete gleich anschließend das Bundesheer darauf, daß ich dem Vaterland dienen würde. Als ich meinen Präsenzdienst im Jänner endlich absolviert hatte, machte ich mich über die Inskriptionsmodalitäten der Uni schlau. “So kompliziert wird‘s ja wohl nicht sein, bis Ende Februar hab ich Zeit zum Inskribieren, und dann werd ich mich für ein paar Kurse anmelden, nicht allzu viele, weil ich ja auch nebenbei arbeite”, dachte ich mir.

 

Die Zeit vergeht, Jänner, Februar… „Ach, das geht sich schon aus.“ Ende Februar fand ich schließlich den Weg zum zuständigen Büro. Aber was war denn da los? Eine lange Schlange von Studienanfängern bis auf die Straße heraus. Meine Trödelei begann sich anscheinend zu rächen. Endlich, nach elendslanger Wartezeit für die Studienrichtung ‚Recht und Wirtschaft‘ inskribiert, startete ich zu Hause hoch motiviert und erwartungsvoll meinen Computer, um mich für meine Kurse anzumelden. Leichter gedacht als getan, erster Kurs voll, zweiter Kurs weit überfüllt… Ihr werdet wohl ahnen, wie es weiter ging. „Das kann doch nicht sein, hätte ich mich doch schon eher um diese Dinge gekümmert! Hilft ja alles nichts, ich probiere einfach die Übung mit den kürzesten Warteliste aus, und den Rest füll ich mit Wahlfächern auf, mehr Zeit hab ich ja eigentlich ohnehin nicht.“

Rasch stand mein erster Uni Tag vor der Tür. Mittlerweile war ich in der Warteliste bereits auf einen hoffnungsvollen Platz 4 vorgerückt; die Chance, gerade noch in die Übung aufgenommen zu werden, war erheblich gestiegen. Es war zwar erst März, aber das Wetter war an diesem ersten Studientag schon fast sommerlich. Die Sonne strahlte so vom blauen Himmel, daß man keine Jacke mehr brauchte. Ich schwang mich auf mein Rad Richtung Uni, reichlich nervös, kette mein Fahrrad neben den anderen an und begebe mich auf die Suche nach dem Hörsaal 230. Mit meinem schweren Gepäck bestehend aus einem Block und einem Kugelschreiber stieg ich die steinerne Treppe, offenbar ehrwürdigem Marmor, in das Untergeschoss hinab. Zwei Eingangstüren, das ließ auf einen größeren Vorlesungssaal schließen. Ich wählte also die linke Tür und blickte geradeaus in den Raum: „Ohje, da sind aber schon einige. Wie viele Studenten werden da wohl hinein passen?“ Ich betrachtete die Bänke aus Holz, die stufenförmig nach unten führten. Vorne zwei große grüne Tafeln, in der Mitte projizierte der Beamer schon den Titel der Lehrveranstaltung auf die Leinwand: “Übung Allgemeines Vertragsrecht I”. Was wir da wohl lernen würden? Eigentlich suchte ich einen unauffälligen hinteren Platz, aber da waren schon alle Reihen gefüllt, also setzte ich mich in die Mitte, wo ich gerade noch einen Platz entdeckte. Endlich trat der Professor ein, ein etwas älterer Herr mit Anzug. Als er sogleich die Anwesenheitsliste durchging, hatte ich Glück, da doch einige nicht erschienen waren. So rutschte ich in der Warteliste auf und ergatterte den ersehnten Fixplatz.

 

Dieses Mal hatte ich also noch Glück gehabt, aber wahrscheinlich war gerade diese Erfahrung des hoffenden Wartens gleich zu Studienbeginn eine prägende Lehre für mich, denn von diesem Zeitpunkt an sitze ich immer pünktlich zur ersten Minute der Anmeldefrist aufmerksam vor dem Computer.

Andreas Reisinger

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