Archiv für den Monat: Juli 2013

Wenn es nicht mehr aufhört zu tropfen…

Unzählige kleine Seen in den Wiesen, der noch sehr hohe Wasserpegel der Alz in Neuötting, doch sonst nichts zu sehen. Nicht einmal in Freilassing, welches vom Hochwasser eingeschlossen wurde. Als ich nach ein paar Tagen wieder mit dem Auto nach Salzburg fuhr, war die Katastrophe schon vorüber und nur kleine Hinweise ließen es erahnen.

Am Donnerstag um die Mittagszeit, als es schon zu beginnen drohte, war ich mit dem Auto auf dem Weg von Salzburg nach Hause in Bayern gewesen. Dabei begriff ich erst, dass das kommende Wochenende möglicherweise einige Unannehmlichkeiten mit sich bringen könnte, als ich die Salzach bei der Karolinenbrücke nicht überqueren konnte. Die Nacht von Freitag auf Samstag bereitete meiner Familie und mir dann schon erste Schwierigkeiten im Kampf gegen das Wasser.

Der zunehmende Regen verursachte einen sehr hohen Grundwasserspiegel, weswegen durch einen Abfluss im Kellergeschoss unseres Hauses sehr viel Wasser hochgedrückt wurde. Mein Vater und später auch meine Mutter versuchten das hochkommende Wasser mit einem Schwamm aufzusaugen, um diesen anschließend in einem kleinen Eimer auszuwringen. Wie sich später herausstellte, war diese Mühe vergebens! Um elf Uhr abends wunderte ich mich, was meinen Vater wachhielt und ging zu ihm in den Keller. Da wir beide zuerst keine Lösung für das vorliegende Problem wussten, rief er den Feuerwehrchef unserer Stadt an und bat ihn um Rat. Dieser empfahl uns, dass wir eine Burg mit Hilfe von Sandsäcken um den Abfluss bauen sollten. Also holte mein Vater die von der Feuerwehr bereitgestellten Sandsäcke ab, und um Mitternacht schleppten wir zehn kleine, aber dennoch erstaunlich schwere und äußerst schmutzige Sandsäcke vom Kofferraum des Autos in den strömenden Regen und hinunter in den schon teils gefluteten Kellerraum. Die Säcke richteten wir nun in einer viereckigen Anordnung um den Abfluss an. Eine Burg sah zwar anders aus, aber fürs Erste, dachten wir, müsste das reichen. Doch wir täuschten uns. Die Sandsäcke waren schon nach ein paar Stunden komplett durchnässt. Es half also alles nichts! Glücklicherweise konnte uns ein Freund meines Bruders eine Wasserpumpe leihen, und somit konnte das Wasser in einen naheliegenden Kanaldeckel abfließen. Wir hatten erst einmal Ruhe. Gottseidank!

Doch der Regen hörte nicht auf. Erst am Dienstag besserte sich die Situation. Obwohl wir nun im Trockenen saßen, erging es vielen bayerischen Landsleuten und den österreichischen Nachbarn miserabel. Versunkenes Passau, überflutetes Deggendorf, weit über die Ufer getretener Chiemsee, unpassierbares Freilassing sowie von Hochwasser gefährdetes Salzburg – die intensive Berichterstattung schockierte uns. Das Leid der vielen Menschen, ihre ausweglose Situation stimmte uns zutiefst traurig. Viele von den Betroffenen hatten alles verloren. Was für eine Tragödie!

Die zunehmend brenzlige Situation ließ Zweifel in mir aufkeimen, ob überhaupt möglich wäre, am Sonntag gegen Abend nach Salzburg zu gelangen. Da ich durch zahlreiche Rundfunkberichte von der katastrophalen Lage in Freilassing wusste, suchte ich im Internet nach einem sogenannten Liveticker, um aktuelle Verkehrsmeldungen sowie etwaige Hochwassermeldungen zu erhalten, in der Hoffnung, doch noch abreisen zu können. Die Verkehrsupdates der Seite des bayerischen Rundfunks halfen mir dabei, zu begreifen, daß meine Chancen, Salzburg bald zu erreichen, dahinschwanden. Auch die zweite Option, die bayerisch-österreichische Grenze über Laufen zu passieren und von dort aus weiter nach Oberndorf und Salzburg zu gelangen, blieb mir verwehrt. Die Salzach war auch an dieser Stelle zu hoch, als dass der Verkehr über die historische Brücke gestattet werden könnte. Nach mehrmaligen Updates auf der Seite und dem gleichbleibenden Stand der Unpassierbarkeit, gab ich den Versuch auf, einen Weg nach Salzburg zu finden.

Doch mir ging es gut, ich hatte nichts verloren. Die Anstrengung beim Schleppen von ein paar Sandsäcken kam mir so lächerlich unbedeutend vor. Neben zahlreichen Fernsehreportagen, Zeitungsartikeln und Radiomeldungen zeichnete mir vor allem Facebook ein dramatisches Bild der Lage. Meine Freunde waren zwar glücklicherweise nicht davon betroffen, doch durch das Liken von Facebookseiten über aktuelle Hochwassermeldungen erhielt ich Auskunft über die Hochwasserpegel und deren Folgen. Ich war erstaunt über die Hilfsbereitschaft und Courage der Menschen vor Ort. Vor allem in Passau engagierten sich sehr viele Studenten in Form von Aufräumarbeiten, als der Wasserpegel schon wieder gesunken ist.

Heute spricht kaum noch jemand über das Hochwasser, obwohl es sich erst vor ein paar Wochen ereignete. Höchstens Meldungen über Schadensbezifferungen und Nachfolgeerscheinungen spielen eine Rolle in der Medienagenda. Das Thema war bewegend, doch nun sind die katastrophalen Ausmaße vorbei, die Zerstörung und deren finanzielle Sanierung sind nun die einzigen Themen, welche noch interessieren. Obwohl immer wieder einzelne Schicksale von Betroffenen in einem kleinen Zeitungsartikel erscheinen, sind die Medien nun mit dem Thema Hochwasser im Großen und Ganzen durch.

Dieser Ausnahmezustand hat uns nun gezeigt, was Solidarität bedeutet und welche Rolle auch hierbei die Medien spielen. Beispielsweise hat eine Spendenaktion der Passauer Neuen Presse drei Millionen Euro eingebracht. Unzählige Spendenaktionen von Medienunternehmen wie auch von anderen Organisationen rufen zur finanziellen Bereitschaft auf. Obwohl hier auch Vorsicht geboten ist, denn nicht alle Spendenorganisationen erweisen sich als seriöse Wohltäter, ist dies eine große Leistung unserer Gesellschaft. Eines sollte doch nachfolgend bewusst geworden sein – es gilt hierbei nachhaltig zu handeln, damit eine solche Umweltkatastrophe nicht derartige Ausmaße annehmen kann. Unserer Umwelt zuliebe sollten wir bewusster und ökologischer handeln, um im Gleichklang der Natur ein angenehmes Leben verbringen zu können.

Stefanie Spitzendobler

Essay – Hochwasser 2013

Samstag 8.Juni 2013, ca. eine Woche nach dem dramatischen Hochwasser fahre ich nach Hause, damit ich mir einmal selbst ein Bild von dieser Naturkatastrophe machen kann. Meine Familie hat es zum Glück nicht erwischt, weil unser Haus etwas höher auf einem typischen Mühlviertler Hügel gebaut ist, aber die Familie meines Onkels und meine Oma stehn ganz unter Wasser. Kaum vorstellbar, wie sich innerhalb relativ kurzer Zeit enorme Wassermassen plötzlich aus dem Nichts  annähern und schließlich riesige Flächen überfluten können! In solchen Momenten wird einem bewusst, wie hilflos man diesen Mächten der Natur gegenübersteht. Sie lässt sich nicht beherrschen und auf gar keinen Fall von den Menschen bezwingen.

Gleich am Vormittag fahren mein Nachbar und ich zu meiner Oma. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr und war einer der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Kurz vor dem Altstoffsammelzentrum sagt er zu mir „Gleich zeige ich dir die Anlegestelle der Motorboote, mit denen wir die Menschen und Tiere evakuiert haben.” Das sind Bilder, die könnte ich mir gar nicht ausmalen, hätte ich nicht Fotos davon gesehen. Solche Motorboote haben schließlich einen Tiefgang von ca. 70 bis 80 Zentimeter! Hier ist eine riesengroße, viele Hektar große, ebene Fläche mit zahlreichen Feldern, die unter anderem mit Mais, Raps, Weizen bewirtschaftet werden. So ein Hochwasser bringt jede Menge Schlamm, der an Häusern, Bäumen, Pflanzen und anderen Dingen haften bleibt. Auf den hohen Maispflanzen, die bestimmt schon über einen Meter hoch sind, erkenne ich die Höhe des Wasserstandes an der Höhe des anhaftenden Schlammes.

Wir fahren ein Stück weiter und sehen Feuerwehrmänner in der brütenden Hitze den Verkehr regeln, denn der öffentliche Verkehr wird umgeleitet, bis sich auch die letzten Flüsse in ihr Flussbett zurückgezogen haben. Nur Anrainer dürfen diese Straßen passieren.

Ein Stück weiter sehe ich eine Bekannte, die gerade ihr Haus, Einfahrt und Auto mit Hilfe eines Hochdruckreinigers von dem braunen, klebrigen und sandigen Schlamm befreit. Sie erzählt mir, dass in ihrem Keller noch immer das Wasser stehe, es aber keinen Sinn hat es abzupumpen, weil der Grundwasserspiegel noch immer so hoch sei, dass das Wasser sofort wieder von unten herauf gedrückt werde. Schlichtweg sinnlos, es hilft nur abwarten …

Endlich bei meiner Oma angelangt, sehen wir die fatalen Auswirkungen der Naturkatastrophe. Den Wasserstand erkenne ich sehr gut an der Mauer, fast bis zum Obergeschoss, trotz Hochparterre! Unvorstellbar hoch, das war wirklich eine bedrohliche Wassermasse. Zum Glück konnten sie noch die Traktoren und einen Großteil der zahlreichen Maschinen in Sicherheit bringen und den Schaden zumindest etwas einschränken. Im Wohnbereich konnten ebenfalls die meisten Möbel gerettet werden, aber das schlammhaltige Wasser hat trotzdem markante Spuren hinterlassen. Gemeinsam reinigen wir mit dem Hochdruckreiniger und mit Bürsten die Wände und bilden im Garten einen großen Haufen mit Dingen, die nicht mehr zu gebrauchen sind. Den starken, beißenden Geruch des Wasser-Schlamm-Gemischs, unser treuer Begleiter während der gesamten Aufräumarbeiten, werden wir nicht los, der wird höchstwahrscheinlich erst nach einigen Tagen das Haus verlassen…

Dieses Hochwasser ist für mich ein sehr gutes Beispiel für die gewaltsame Macht der Natur und die überheblichen Gedanken der Menschen, die Natur beeinflussen oder beherrschen zu können.

Ein Student der Universität Salzburg

Hochwasser- Vom Glück und Unglück

Die schöne Weingegend, das schöne Graz und das vorzügliche Essen beim Heurigen. Sonne, Bienen, blühende Blumen und das Gefühl von Sommer.

In Gedanken war ich bei unserem Familienurlaub in der Steiermark, als wir noch im Auto auf der Heimreise waren. Während ich diesem tollen Urlaub nachsann, hörte man im Radio erste Unwetter- und Hochwassermeldungen.

Hochwasser? Meine Gedanken von den sonnigen Tagen waren wie weggeblasen. Während wir in der Steiermark Sonne pur genossen, hatte es zuhause, in Salzburg und Tirol und, wie das Radio uns mitteilte, auch in weiteren anderen Bundesländern, ständig geregnet, so dass einige Teile Österreichs der Überflutung nahe waren.

Hektisches Telefonieren und Straßenkartenlesen. Kommen wir auf dem geplanten Weg nach Salzburg? Kommen meine Mama und meine Schwester dann von Salzburg aus nach Hause? Zunächst waren einige Straßen noch befahrbar. Doch schon bald mussten wir unsere Route ändern. Dass wir nach Salzburg kommen, das war sicher, aber die Hoffnung, dass meine Mama in den Pinzgau und meine Schwester nach Tirol kommt, sank mit jeder neuen Radiomeldung. Zunächst dachten wir, dass sie es noch knapp schaffen könnten. Doch irgendwann war die Hoffnung geschwunden, denn laut Radio wurde der Pinzgau zum Katastrophengebiet erklärt und auch von Salzburg fort war nichts meher möglich.

Wir alle saßen nun in Salzburg fest.

Mein Freund erwartete eigentlich nur mich an diesem Sonntag in Salzburg zurück. Doch stattdessen kamen alle drei Großbötzl-Damen. Damit hätte er wohl nicht gerechnet, keiner von uns.

Zu Hause angekommen hörten wir noch weiter Radio und betrachteten die Berichterstattungen im Fernsehen: Überschwemmungen auf der Zug- und Autostrecke von Salzburg nach Innsbruck. Bilder von überfluteten Autobahnen. Ein Murenabgang in Taxenbach, der Pinzgau war vom Rest des Landes abgeschnitten. Kein Heraus- und kein Hineinkommen. Nichts. Nun saßen wir da, in unserer Wohnung …

Ehrlich gesagt, mir war es ganz recht, dass meine Familie nicht mehr heim konnte. Ich hatte den Urlaub so sehr mit ihnen genossen, und so war ich auf eine Weise auch erleichtert, dass sie noch nicht abreisen konnten. Zwar war der Grund ein trauriger, beängstigender, ein Hochwasser, doch trotzdem war ich froh, sie um mich zu haben.

Die zwei hingegen sahen dies nicht so gelassen. Hochwasser. Was ist daheim los, und vor allem wann kann ich wieder heim? Geht es allen gut? Diese und andere Gedanken geisterten wohl Mama und Schwester durch den Kopf.

Eine Nacht später dachten wir, dass sich die Lage sicher gebessert hätte. Doch nichts hatte sich getan. Viel Wasser und viel Schlamm, überall. An ein Heimfahren war auch am nächsten Tag nicht zu denken. Ein Tag mehr, an dem sie wieder nicht in die Arbeit konnten. Aber da waren sie wohl auch nicht die einzigen.

Den ganzen Tag über hatten wir die Hoffnung, dass sich die Lage vielleicht gegen Abend ändern würde: Wieder hörten wir Radiomeldungen und Berichterstattungen im Fernsehen. Immer das Hoffen, dass doch irgendwann die Straßen befahrbar werden, dass doch irgendwann Entwarnung kommt. Doch am Abend dann die Gewissheit: eine weitere Nacht in Salzburg.

Am nächsten Tag dann wurde die Hoffnung schon wieder etwas größer. Die Lage schien sich zu beruhigen. Meine Schwester hatte schließlich eine Mitfahrgelegenheit nach Innsbruck gefunden, mit einer Gruppe, die versuchten wollte, auf irgendeinem beliebigen Weg dorthin zu kommen, denn schließlich waren alle großen Straßen noch immer gesperrt. Schon nach zwei Stunden dann erreichte uns ihr Anruf, dass sie nun endlich in Innsbruck angekommen sei. Gott sei Dank. Wir waren alle froh.

Und auch am Abend konnte meine Mama die Heimreise antreten. Schade eigentlich. Aber sie war froh, endlich wieder zu Hause zu sein, was ich ihr nicht verübeln kann. Und auch mein Freund genoss es nun, endlich wieder mich für sich allein zu haben. Denn eine Großbötzl-Dame ist wohl auch genug.

Madita Großbötzl

Wasser

Es ist Abend und das Wasser der Brunnen plätschert im Garten, während ich diese Zeilen schreibe. Wasser kann so erfrischend und kühlend sein, jetzt, wo der Sommer endlich gekommen ist. Die Goldfische drehen ihre Kreise und die Frösche schwimmen mit energischen Tempi durch das Wasser. Die ersten Badeausflüge und Ruderpartien liegen hinter uns mit dem beglückenden Gefühl, ganz und gar in ein anderes Element einzutauchen.

Am Wochenende war ich auf einer Hütte. Das wilde Rauschen des Wildbaches war die ganze Nacht zu hören. Herrlich, nach einer langen Wanderung  ein Bad im kalten Bach zu nehmen. Aber auch vorstellbar, wie der Bach zur Schneeschmelze wild und bedrohlich wird. Die Verwüstungsspuren der Muren aus vorangegangenen Jahren sind noch deutlich zu sehen.

Auch die Schäden der letzten Hochwasserkatastrophe werden noch lange nicht behoben sein. In der momentanen trockenen Sommerhitze scheint der nicht enden wollende schwere Regen jener ersten Junitage, der die Flüsse zum Überlaufen brachte und das Land in einen Ausnahmezustand versetzte, weit weg. Und doch: Weggespülte Dämme, nicht mehr vorhandene Gehwege, Gebäude, die sichtbar unter Wasser standen, bleiben als Zeugen der Unwetter zurück.

Zu Beginn war der Regen nur lästig. Ein geplanter Ausflug war nicht möglich, der Kongress bei Dauerregen nicht ganz so angenehm für die Besucher aus Nah und Fern. Dann spitzte sich die Lage zu, der Regen und das permanente Prasseln wollten nicht aufhören. Warnungen wurden ausgegeben, Vorsichtsmaßnahmen getroffen, Strategien für den Notfall überlegt. Das Wasser stieg immer mehr an, der Pegel der Gewässer wurde bedrohlich. Die Situation wurde stündlich dramatischer.

Am dritten Tag des großen Regens wollten wir eine Freundin von München abholen. Morgens wäre das noch problemlos möglich gewesen, allein sie versäumte den Flieger. So verbrachten wir das Wochenende damit zu warten und zuzuhören, wie die Lage immer prekärer wurde.

Am nächsten Tag zu Mittag hatte die Salzach den höchsten je gemessenen Pegelstand erreicht. Baumstämme tanzten wie Zahnstocher auf dem Fluss an den Augen des Betrachters vorbei, die Kaiwege waren von Strandgut übersät. Wenn die Stadt selbst auch vor größeren Katastrophen verschont blieb, so konnte man sich doch nur zu gut vorstellen, wie diese das Flussbett bis ganz oben hin ausfüllende und dahintobende Wassermenge in den umliegenden Gemeinden unglaublichen Schaden verursachen würde. Brücken wurden gesperrt, die Unterführungen abgeriegelt und vermeintlich selbstverständliche Verbindungen unterbrochen. Die Kanaldeckel verwandelten sich in Fontänen, die Straßen wurden zu Bächen, Keller und Tiefgaragen wurden überflutet.

Die auf 36 Stunden später vertagte Fahrt nach München war nicht mehr möglich. Mittlerweile war die Autobahn gesperrt und die Verkehrsstaus schier unendlich. Auf den gewohnten Wegen gab es kein Durchkommen mehr. Sinnlos, mitten in der Nacht jemanden abholen zu wollen, um gleich wieder die Rückreise durch das Chaos anzutreten. Also musste ein professioneller Transferservice gebucht werden, der über stete Funkverbindung die noch möglichen Schleichwege erfahren konnte. Was war das für ein Empfang am langen Ende der Reise! Ein durch Laternen beleuchteter Weg, da die Elektrizität durch das viele Wasser ausgefallen war.

Dabei war das alles eine recht harmlose Variante der großen Flut. Ein Bekannter berichtet aus Passau und Vilshofen. Die Städte waren nur mehr  Inseln in der Donau. Die Feuerwehr in Bayern hatte einen der größten Einsätze ihrer Geschichte. In 21 von 96 Landkreisen und Städten sei Katastrophenalarm ausgelöst worden. Die Feuerwehren seien mit 78 000 ehrenamtlichen Helfern über Tage, teils über Wochen an mehr als 25 000 Einsatzstellen im Einsatz gewesen und sicherten in mehr als 930 000 Einsatzstunden Dämme und retteten Menschen, füllten Hunderttausende von Sandsäcken und pumpten Tausende von Kellern und Tiefgaragen aus. In Salzburg forderte das Hochwasser drei Todesopfer, Muren rissen Menschen mit sich fort und richteten verheerende Verwüstungen an. Die Feuerwehr hatte 500 Einsätze in 14 Stunden zu bewältigen.

Ein anderer Freund wurde evakuiert. Von einem Moment auf den andren musste die Familie ihr Haus verlassen und sich bei Freunden einquartieren, da es zu riskant war, noch länger an der tosenden Saalach wohnen zu bleiben. Die Dämme hielten, und nach Tagen konnte man ins das Haus zurückkehren. Am Saalachspitz soll der Flusslauf jetzt verbreitert werden und der Saalach so im Falle eines Hochwassers Raum gegeben werden, um sich ausbreiten zu können.

Auch von unserem Ruderclub kamen erschreckende Bilder. Der Mondsee war völlig über die Ufer getreten. Der Mondseelauf wurde abgesagt, das Bootshaus in 50 m Entfernung vom Ufer stand unter Wasser. Die eleganten Boote mussten schnellstmöglich ins Trockene gebracht werden, wenn sie nicht in ihren Aufhängungen in Augenhöhe hingen. Die Veteranen des Clubs hatten niemals dergleichen erlebt. Keiner konnte sich erinnern, den Mondsee je so weit über die Ufer getreten gesehen zu haben. Das wöchentliche Training wurde abgesagt, See und Land waren ineinander übergegangen und keiner hätte gewusst, wo das Boot zu besteigen gewesen wäre.

„Panta rhei“ – „Alles fließt.“ Nichts bleibt gleich, alles verändert sich, das Gute wie das Schlechte. Die Situation hat sich beruhigt, das Ausmaß des Schadens ist für dieses Mal ermessbar. Die Hochwassermarkierungen sind gesetzt.

Aber wie wird es weitergehen? Wann kommt die nächste Katastrophe? Und wie soll man es durchsetzen, dass die Interessen der „Großen und Mächtigen“, wie des „Rhein-Main-Donaukanals“, der sich für eine noch weitergehende Begradigung der Flusssysteme einsetzt, nicht völlig mit den Bedürfnissen und dem Schutz des einzelnen Bürgers kollidiert, der sein Zuhause oder seine Lebensgrundlage durch solche Maßnahmen akut bedroht sieht? Wie viele werden die Mühsal des Wiederaufbaus auf sich nehmen, wie viele die Zelte abbrechen und in voraussichtlich sicherere Gefilde abziehen?

Denn letztendlich ist die Natur doch noch stärker als der Mensch.

Christina Hofer-Dückelmann, Juli 2013

Der Mensch und das Wasser

Eigentlich eine recht natürliche Kombination sollte man meinen. Der Mensch lebt mit dem Wasser im Gleichgewicht, welches in Sonderfällen kippt – wie bei einem Hochwasser – und erschreckende Konsequenzen mit sich zieht. Das Wasser sprudelt einem, im übertragenen Sinn, so heftig über den Kopf, dass man erst nach einer Weile durchatmen kann.

Das Hochwasser Anfang Juni ist so ein Beispiel, dessen Konsequenzen mich für eine kurze Weile weggespült hatten. Ich frage mich heute, in wie weit ich hilfsbereit sein sollte? Darf ich Hilfsbereitschaft bereuen? Und warum war ich überhaupt so hilfsbereit zu einem mir so fremden Menschen? Also eigentlich sollte dieser Essay besser heißen: „Dieser Mensch und dieses Wasser!“

Aber ich glaube, ich muss erst mal erzählen, wie es zu diesen Zweifeln überhaupt kam. An jenem Sonntagmorgen wachte ich von Straßenlärm au,f und weil es nach einer Stunde Weiterdösen nicht aufhören wollte, beschloss ich dann doch aufzustehen. Die Nachbarn und noch viele weitere Helfer füllten große Abfalleimer mit Wasser, das sie mit Eimern aus den Häusern trugen. Es lagen Feuerwehrschläuche auf der Straße, die mit Hochdruck Wasser von Kellern auf die Straße pumpten. Gerade hatte ich mich entschieden, mich anzuziehen und den Leuten im strömenden Regen zu helfen, da kam blitzartig die Angst in mir hoch, dass unser Keller im Haus auch betroffen sein könnte. Ich spurtete ins Treppenhaus und traute meinen Augen nicht. Wo ist unser Keller? Gestern Abend habe ich noch vorsorglich mein Fahrrad in den Keller geparkt, damit es nicht nass wird. Und heute versteckt sich der Keller ganz selbstverständlich im graubraunen Kanal-„Mischwasser“ als hätte es nie einen gegeben. Zweiter Schockmoment: Mir fällt auf, dass bei diesem hohen Wasserstand von über einem Meter doch eigentlich der Mieter der Kellerwohnung (ich hatte bislang nicht allzu viel mit ihm zu tun) sich schon längst hätte melden müssen. Zum Glück stellte sich später heraus, dass er über Nacht nicht zu Hause gewesen war. Das ganze Haus hat mit angepackt und Eimer getragen und die Nachbarn Schläuche und Pumpen verlegt. Erst zehn Stunden später war die Wohnung wieder begehbar… es bot sich uns ein katastrophaler Zustand. Daniel tat mir leid, es war alles wie erwartet kaputt, aufgeweicht oder verdreckt. Es roch stechend nach Kanalisation und feuchten Wänden. Alles Vertraute war plötzlich fremd, nichts wollte man mehr anfassen. Die Festplatte, alle Erinnerungen, Dokumente, Schuhe und Klamotten waren zerstört und wir halfen ihm es wegzuschmeißen.

So selbstverständlich, wie wir ihm halfen, war auch mein Angebot, er könne erstmal bei meinem Freund und mir übernachten und duschen – ich dachte da an ein oder zwei Nächte, wenn überhaupt. Plötzlich stand die Wohnung komplett voll mit seinem geretteten Hab und Gut. Das Wohnzimmer, ein Durchgangszimmer, war nun zu seinem geworden, mit Luftmatratze und PC-Ecke. Es ging drunter und drüber, aber noch machte es nichts aus, ihm zu helfen. Nach der fünften Waschmaschine Klamotten, die bei uns gewaschen hatte, war unser kleiner Lebensraum völlig unzugänglich. Nach kurzer Zeit stellte ich mit Erschrecken fest, wie wenig er seine Umwelt wahrnehmen kann, sehen kann, wie es uns dabei geht, so belagert zu werden. Zu echten Unterhaltungen kam es nicht, stattdessen hielt er nur endlos lange Monologe über seine eigene Herrlichkeit. Mich wundert es, wie ein Mensch so wenig Interesse am anderen zeigen und dabei so wenig Empathie aufbringen kann. Allmählich machte mich seine Anwesenheit immer wütender. Ich zweifelte an mir: Gibt es solche Menschen, die so wenig Feingefühl aufbringen, oder sind sie sich ihrer Bosheit vielleicht bewusst? Bin ich empfindlich? Nein, es kann nicht sein, dass jemand in meiner Wohnung bis drei Uhr morgens Computer spielt und sich dabei lautstark per Headset über künftige Spielzüge mit seinen Zocker-kollegen berät, ohne zu bemerken, dass mich das stören könnte. Ich stehe eigentlich schon für meine Bedürfnisse ein, doch in diesem Härtefall war ich sprachlos und fühlte mich wie gelähmt. Ich ging ihm großräumig aus dem Weg, mein Freund rettete so manche Situation. Nach über zwei Wochen zog Daniel endlich aus unserem Wohnzimmer aus, da die Gutachter seine eigene Wohnung wieder für beziehbar hielten. Ich hätte nie gedacht, dass er so lange da bleiben würde. Er hat ein ungutes Gefühl hinterlassen: Eine Unzufriedenheit mit seiner Person, mit seiner Invasion in unseren Lebensraum und eine Unzufriedenheit mit mir selbst, wie ich mit der Situation umgegangen bin. Es gibt nämlich auch ein zwischenmenschliches Gleichgewicht, eine Balance von Geben und Nehmen. Dabei hat mich seine erstaunliche Rücksichtslosigkeit tatsächlich aus der bahn werfen können.

Jetzt im Rückblick und mit dem nötigen Abstand frage ich mich, wie ich wieder mit einer solchen Situation umgehen würde. Heute kommt mir sogar lächerlich vor, in dieser misslichen Lage gewesen zu sein. Es ist verwunderlich, in welchen Situationen und Verstrickungen man sich plötzlich befinden kann. Mittlerweile kann ich sogar über die beiden Wochen im Juni und ihr Chaos lachen… und vor allem erst mal wieder durchatmen.

Eine Teilnehmerin

Salzburg – Sonne statt Schnürlregen

“Salzburg, na klar, kennt doch jeder – Festung, Fluss, Getreidegasse und natürlich der omnipräsente Mozart. Was – studieren kannst du da? Ach, dann ja bestimmt Musik, oder?“

So in etwa reagiert die Mehrheit der Menschen, mit denen ich über meine Wahlheimat Salzburg spreche. Sie haben die Stadt meist nur aus den Augen eines Touristen gesehen, eingereiht in eine nicht enden wollende multikulturelle, meist fernöstliche Menschenschlange, im Marsch durch die ewig gleichen Bahnen der Stadt; an den stets überfüllten Sehenswürdigkeiten vorbei, bei denen man sogar froh sein muss, wenn man deren wahre Schönheit überhaupt wahrnehmen kann – die heißeste Tipp hierfür: Sei ein durchschnittlich großgewachsener Europäer mit klarem Größenvorteil gegenüber den zahlenmäßig deutlich überlegenen Asiaten, ferner bedarf es dazu noch ein wenig Sonne statt Schnürlregen.

Aus der Sicht eines Vogels muss dieses Gewusel einer Ameisenstraße zum Verwechseln ähnlich sehen – lauter brave, sich vorarbeitende Arbeiter, die ihrer Königin hinterherlaufen – einer Königin, die sich in diesem besonderen Falle als ein musikalisches Wunderkind entpuppt. Dieser Superstar, diese unheimliche Berühmtheit hat der Stadt bereits vor langer Zeit zu einem Synonym verholfen – Salzburg als die weltberühmte Mozartstadt.

Diese Menschen, die leider nicht die Möglichkeit hatten, die vielgesichtige Stadt besser kennenzulernen, sind nicht selten erstaunt, wenn ich ihnen dann mein ganz persönliches Salzburger Leben schildere:

Vor mittlerweile fast fünf Jahre, war mein Motiv hierher zu kommen nicht Mozart, nicht Sound of Music oder irgendeine einzigartige Sehenswürdigkeit – nein, es war das studieren zu dürfen, was ich wollte – die Psychologie – und das in einer für mich nicht zu übertreffenden landschaftlichen Umgebung. Das Beste war für mich damals, dass ich dafür gerade mal zwei Zugstunden von Zuhause fahren musste!

Ich stehe frühmorgens auf, genieße ein hektisches Frühstück mit dem süchtig machenden Duft frisch gemahlener Kaffeebohnen in meiner Nase. Schwinge mich auf mein Fortbewegungsmittel Nummer eins, auf mein Fahrrad, und rase auf den Salzach-Fahrrad-Highway Richtung Downtown, den ich mit unzähligen anderen Drahtesel-Begeisterten teile. Das sind Menschen, die verstanden haben, wie man sich in dieser Stadt am schnellsten fortbewegt – vorausgesetzt, ihnen bedeutet der Zeitfaktor etwas. Die vielen anderen Salzburger Bürger hingegen stürzen sich augenscheinlich lieber in die Blechlawine rechts neben mir, die mit einem rekordverdächtigen Schneckentempo immer nur in eine Richtung rollt und dabei maximal Fußgängergeschwindigkeit erreicht. Ich frage mich jeden Tag aufs Neue – wie mächtig ist die Macht der Bequemlichkeit?

Ich düse weiter flussaufwärts in Richtung naturwissenschaftliche Fakultät im Süden Salzburgs und genieße die Freiheit eines Fahrradfahrers – die kleinen Wettrennen mit den vielen anderen Zuspätkommenden, den frischen Duft eines warmen Sommerregens, das Spiel der Schatten in einer Allee, das herrliche, unverwechselbare Knistern beim Durchbrechen einer unberührten Schneedecke und ganz besonders die Sicht auf die vertraute Bergwelt. Das sind Gefühle, dich ich liebe.

Nach knapp vier Kilometern habe ich meine Fakultät erreicht, wunderschön gelegen mit einem 360-Grad-Blick auf alles, was Salzburg zu bieten hat. Jedes Mal fällt es mir schwer, dieses warme Bild zurückzulassen und mich in die kontrastreichen kalten Räume eines x-beliebigen Hörsaals zu begeben. Meine Stimmung verbessert sich jedoch schlagartig, sobald ich von einer neuen spannenden psychologischen Theorie höre, die mich sofort fesselt. Ich bin dankbar für diesen vielseitigen theoretischen Input und tausche mich anschließend mit Freunden und Bekannten darüber aus. Nach Stunden andauernder Theorie kommt aber dann schließlich der Punkt, an dem mein Kopf raucht und streikt und nichts mehr aufnehmen kann. Ich merke, wie ich diese Passivität nicht mehr aushalte und wie mein Körper Aktivität einfordert. Zappelig und ungeduldig kann ich nur noch an das Eine denken: an diese fantastische paradiesische Natur direkt vor der Haustür, die nach mir ruft. Wenn es mein Zeitplan zulässt, erklimme ich direkt nach der Uni einen der vielen Salzburger Hausberge – entweder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Skiern, mal allein, mal zu zweit oder in einer Gruppe. Es ist ein unbeschreibliches, erhabenes und vor allem beglückendes Gefühl, auf einem Gipfel zu stehen nach vollbrachter Anstrengung. Ich kann den Raum in zwei Dimensionen wahrnehmen – vertikal sowie horizontal. Dort ganz oben und unter einem diese kleine weltbekannte Großstadt – jedes bekannte Fleckchen so scharf erkennbar, alle alltäglichen Orte und Wege so perfekt auf ein Blickfeld zusammengeschrumpft. Alles erscheint mir so nah und doch so fern. Durch diese körperliche Anstrengung in der Natur können mein Gehirn und ich perfekt abschalten, entspannen und neue Kräfte für den morgigen Tag sammeln. Ich bin mir sicher – ohne diese sportlichen Möglichkeiten, die mir die Salzburger Umgebung bietet, wäre ich ein nur halb so zufriedener Student.

Abends freue ich mich dann je nach Jahreszeit auf ein kühles Radler oder einen warmen Glühwein an einem vertrauten gemütlichen Ort in der Altstadt.

Seit fünf Jahren schaut so mein perfekter studentischer Alltag aus, und ich bin damit so zufrieden wie am ersten Tag. Ich bin glücklich hier studieren zu können – für mich ist Salzburg mehr Sonne als Schnürlregen!

Jan-Christof Bochnik

Studentenheime – günstig und gut?

Wenn man in Salzburg studiert, muss man sich wohl oder übel auch mit der Frage auseinandersetzen: Wo wohne ich? Man ist Student und hat nicht viel Geld: Das sind schon mal keine guten Voraussetzungen, um in Salzburg etwas zum Wohnen zu finden. Eine Option wäre ein Studentenheim.

Doch was kann man von einem Studentenheim in Salzburg erwarten? Ein Raum zum Kennenlernen, gemütliches Beisammensitzen, neue Freunde und billiges Wohnen? Sind Studentenheime noch das, was sie einmal waren?

Was waren Studentenheime bzw. was glaubt man, dass sie waren? In meiner Vorstellung waren Studentenheime seit jeher ein Treffpunkt, um neue Leute kennen zu lernen, gemeinsam zu essen und gemeinsam das Leben genießen. Eltern einer Freundin, die in dem gleichen Studentenheim wohnten, in dem ich jetzt lebe, erzählten es mir so. Damals war es für sie einfach DER Raum, um etwas zu unternehmen.

Doch als ich in dieses Heim kam, war davon nicht viel übrig. Mein erster Eindruck war: Leere Gänge, keine Studenten. Das Stiegenhaus sah kalt und grau aus, ich konnte wohl ahnen, warum sich hier keiner aufhielt. Es wirkte nicht sehr einladend. Deshalb waren auch all die Studenten, die ich eigentlich vor ihren Zimmern erwartete, drinnen, nämlich in ihren winzigen Zimmern, aus denen sie nur herauskamen, um sich etwas zu kochen. Doch ich finde, dass es noch schlimmer war, im Zimmer zu sitzen als in den leeren Gängen und Gemeinschaftsbereichen. Denn das Zimmer war, egal ob Doppel-oder Einzelzimmer, sehr beengt: Wenig Stauraum, wenig Platz und immer staubig, egal ob man jeden Tag staubwischte oder nicht. Mir war es draußen im Gemeinschaftsbereich etwas lieber, denn da kam ich mir weniger eingezwängt vor.

Je länger ich in dem Heim wohnte, desto mehr merkte ich, dass die Vorstellung, die ich mir gemacht hatte, sich so gar nicht bewahrheitete. Meine und ich Zimmerkollegin saßen zwar weder beim Essen noch beim Kaffeetrinken in unserem Zimmern. Doch dabei sahen wir kaum Mitbewohner; drei, vier Leute in anderen Stockwerken vielleicht.

Eine Heimbar, die alle zwei Wochen stattfand, war zumindest ein Treffpunkt in diesem Studentenheim, zu dem einige hinfanden. Doch auch diese Gelegenheit wurde von längst nicht allen Studenten des Hauses wahr genommen, obwohl alles zu günstigen Studentenpreisen angeboten wurde, nicht zuletzt auch Tischfußball und sogar Billard.

Natürlich muss das nicht so sein, in anderen Studentenheimen gibt es mit Sicherheit noch so etwas wie ein Gemeinschaftsleben, doch ob es entsteht, das kann vorher niemand genau sagen. Es hängt immer von den Studenten ab, die dort wohnen.

Es kann auch innerhalb der Häuser Unterschiede geben, wie es ein Beispiel eines anderen Heims zeigt. Im 3. Stock war die Gemeinschaftsküche leer, jeden Tag. Keine Leute, die gemeinsam saßen oder kochten. Nichts. Schaute man einen Stock höher, sah die Sache schon ganz anders aus. Eine wirkliche Gemeinschaftsküche. Gemeinsames Essen, gemeinsames Beisammensitzen und sogar Küchenpartys.

Man muss wohl ein Glück bei der Wahl seines Studentenheimes haben. In manchen ist es tatsächlich noch so, wie man es aus alten Geschichten gehört hat, in anderen findet man leere Gänge und bekommt keine anderen Studenten zu Gesicht.

Studentenheime bieten sich oft an, um günstig zu wohnen; manchmal geschieht dort auch genau das, was man erwartet, aber nur selten das, was man sich erhofft hat.

Madita Großbötzl