Essay – Hochwasser 2013

Samstag 8.Juni 2013, ca. eine Woche nach dem dramatischen Hochwasser fahre ich nach Hause, damit ich mir einmal selbst ein Bild von dieser Naturkatastrophe machen kann. Meine Familie hat es zum Glück nicht erwischt, weil unser Haus etwas höher auf einem typischen Mühlviertler Hügel gebaut ist, aber die Familie meines Onkels und meine Oma stehn ganz unter Wasser. Kaum vorstellbar, wie sich innerhalb relativ kurzer Zeit enorme Wassermassen plötzlich aus dem Nichts  annähern und schließlich riesige Flächen überfluten können! In solchen Momenten wird einem bewusst, wie hilflos man diesen Mächten der Natur gegenübersteht. Sie lässt sich nicht beherrschen und auf gar keinen Fall von den Menschen bezwingen.

Gleich am Vormittag fahren mein Nachbar und ich zu meiner Oma. Er ist bei der freiwilligen Feuerwehr und war einer der zahlreichen ehrenamtlichen Helfer. Kurz vor dem Altstoffsammelzentrum sagt er zu mir „Gleich zeige ich dir die Anlegestelle der Motorboote, mit denen wir die Menschen und Tiere evakuiert haben.” Das sind Bilder, die könnte ich mir gar nicht ausmalen, hätte ich nicht Fotos davon gesehen. Solche Motorboote haben schließlich einen Tiefgang von ca. 70 bis 80 Zentimeter! Hier ist eine riesengroße, viele Hektar große, ebene Fläche mit zahlreichen Feldern, die unter anderem mit Mais, Raps, Weizen bewirtschaftet werden. So ein Hochwasser bringt jede Menge Schlamm, der an Häusern, Bäumen, Pflanzen und anderen Dingen haften bleibt. Auf den hohen Maispflanzen, die bestimmt schon über einen Meter hoch sind, erkenne ich die Höhe des Wasserstandes an der Höhe des anhaftenden Schlammes.

Wir fahren ein Stück weiter und sehen Feuerwehrmänner in der brütenden Hitze den Verkehr regeln, denn der öffentliche Verkehr wird umgeleitet, bis sich auch die letzten Flüsse in ihr Flussbett zurückgezogen haben. Nur Anrainer dürfen diese Straßen passieren.

Ein Stück weiter sehe ich eine Bekannte, die gerade ihr Haus, Einfahrt und Auto mit Hilfe eines Hochdruckreinigers von dem braunen, klebrigen und sandigen Schlamm befreit. Sie erzählt mir, dass in ihrem Keller noch immer das Wasser stehe, es aber keinen Sinn hat es abzupumpen, weil der Grundwasserspiegel noch immer so hoch sei, dass das Wasser sofort wieder von unten herauf gedrückt werde. Schlichtweg sinnlos, es hilft nur abwarten …

Endlich bei meiner Oma angelangt, sehen wir die fatalen Auswirkungen der Naturkatastrophe. Den Wasserstand erkenne ich sehr gut an der Mauer, fast bis zum Obergeschoss, trotz Hochparterre! Unvorstellbar hoch, das war wirklich eine bedrohliche Wassermasse. Zum Glück konnten sie noch die Traktoren und einen Großteil der zahlreichen Maschinen in Sicherheit bringen und den Schaden zumindest etwas einschränken. Im Wohnbereich konnten ebenfalls die meisten Möbel gerettet werden, aber das schlammhaltige Wasser hat trotzdem markante Spuren hinterlassen. Gemeinsam reinigen wir mit dem Hochdruckreiniger und mit Bürsten die Wände und bilden im Garten einen großen Haufen mit Dingen, die nicht mehr zu gebrauchen sind. Den starken, beißenden Geruch des Wasser-Schlamm-Gemischs, unser treuer Begleiter während der gesamten Aufräumarbeiten, werden wir nicht los, der wird höchstwahrscheinlich erst nach einigen Tagen das Haus verlassen…

Dieses Hochwasser ist für mich ein sehr gutes Beispiel für die gewaltsame Macht der Natur und die überheblichen Gedanken der Menschen, die Natur beeinflussen oder beherrschen zu können.

Ein Student der Universität Salzburg

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