Hochwasser- Vom Glück und Unglück

Die schöne Weingegend, das schöne Graz und das vorzügliche Essen beim Heurigen. Sonne, Bienen, blühende Blumen und das Gefühl von Sommer.

In Gedanken war ich bei unserem Familienurlaub in der Steiermark, als wir noch im Auto auf der Heimreise waren. Während ich diesem tollen Urlaub nachsann, hörte man im Radio erste Unwetter- und Hochwassermeldungen.

Hochwasser? Meine Gedanken von den sonnigen Tagen waren wie weggeblasen. Während wir in der Steiermark Sonne pur genossen, hatte es zuhause, in Salzburg und Tirol und, wie das Radio uns mitteilte, auch in weiteren anderen Bundesländern, ständig geregnet, so dass einige Teile Österreichs der Überflutung nahe waren.

Hektisches Telefonieren und Straßenkartenlesen. Kommen wir auf dem geplanten Weg nach Salzburg? Kommen meine Mama und meine Schwester dann von Salzburg aus nach Hause? Zunächst waren einige Straßen noch befahrbar. Doch schon bald mussten wir unsere Route ändern. Dass wir nach Salzburg kommen, das war sicher, aber die Hoffnung, dass meine Mama in den Pinzgau und meine Schwester nach Tirol kommt, sank mit jeder neuen Radiomeldung. Zunächst dachten wir, dass sie es noch knapp schaffen könnten. Doch irgendwann war die Hoffnung geschwunden, denn laut Radio wurde der Pinzgau zum Katastrophengebiet erklärt und auch von Salzburg fort war nichts meher möglich.

Wir alle saßen nun in Salzburg fest.

Mein Freund erwartete eigentlich nur mich an diesem Sonntag in Salzburg zurück. Doch stattdessen kamen alle drei Großbötzl-Damen. Damit hätte er wohl nicht gerechnet, keiner von uns.

Zu Hause angekommen hörten wir noch weiter Radio und betrachteten die Berichterstattungen im Fernsehen: Überschwemmungen auf der Zug- und Autostrecke von Salzburg nach Innsbruck. Bilder von überfluteten Autobahnen. Ein Murenabgang in Taxenbach, der Pinzgau war vom Rest des Landes abgeschnitten. Kein Heraus- und kein Hineinkommen. Nichts. Nun saßen wir da, in unserer Wohnung …

Ehrlich gesagt, mir war es ganz recht, dass meine Familie nicht mehr heim konnte. Ich hatte den Urlaub so sehr mit ihnen genossen, und so war ich auf eine Weise auch erleichtert, dass sie noch nicht abreisen konnten. Zwar war der Grund ein trauriger, beängstigender, ein Hochwasser, doch trotzdem war ich froh, sie um mich zu haben.

Die zwei hingegen sahen dies nicht so gelassen. Hochwasser. Was ist daheim los, und vor allem wann kann ich wieder heim? Geht es allen gut? Diese und andere Gedanken geisterten wohl Mama und Schwester durch den Kopf.

Eine Nacht später dachten wir, dass sich die Lage sicher gebessert hätte. Doch nichts hatte sich getan. Viel Wasser und viel Schlamm, überall. An ein Heimfahren war auch am nächsten Tag nicht zu denken. Ein Tag mehr, an dem sie wieder nicht in die Arbeit konnten. Aber da waren sie wohl auch nicht die einzigen.

Den ganzen Tag über hatten wir die Hoffnung, dass sich die Lage vielleicht gegen Abend ändern würde: Wieder hörten wir Radiomeldungen und Berichterstattungen im Fernsehen. Immer das Hoffen, dass doch irgendwann die Straßen befahrbar werden, dass doch irgendwann Entwarnung kommt. Doch am Abend dann die Gewissheit: eine weitere Nacht in Salzburg.

Am nächsten Tag dann wurde die Hoffnung schon wieder etwas größer. Die Lage schien sich zu beruhigen. Meine Schwester hatte schließlich eine Mitfahrgelegenheit nach Innsbruck gefunden, mit einer Gruppe, die versuchten wollte, auf irgendeinem beliebigen Weg dorthin zu kommen, denn schließlich waren alle großen Straßen noch immer gesperrt. Schon nach zwei Stunden dann erreichte uns ihr Anruf, dass sie nun endlich in Innsbruck angekommen sei. Gott sei Dank. Wir waren alle froh.

Und auch am Abend konnte meine Mama die Heimreise antreten. Schade eigentlich. Aber sie war froh, endlich wieder zu Hause zu sein, was ich ihr nicht verübeln kann. Und auch mein Freund genoss es nun, endlich wieder mich für sich allein zu haben. Denn eine Großbötzl-Dame ist wohl auch genug.

Madita Großbötzl

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