Studentenheime – günstig und gut?

Wenn man in Salzburg studiert, muss man sich wohl oder übel auch mit der Frage auseinandersetzen: Wo wohne ich? Man ist Student und hat nicht viel Geld: Das sind schon mal keine guten Voraussetzungen, um in Salzburg etwas zum Wohnen zu finden. Eine Option wäre ein Studentenheim.

Doch was kann man von einem Studentenheim in Salzburg erwarten? Ein Raum zum Kennenlernen, gemütliches Beisammensitzen, neue Freunde und billiges Wohnen? Sind Studentenheime noch das, was sie einmal waren?

Was waren Studentenheime bzw. was glaubt man, dass sie waren? In meiner Vorstellung waren Studentenheime seit jeher ein Treffpunkt, um neue Leute kennen zu lernen, gemeinsam zu essen und gemeinsam das Leben genießen. Eltern einer Freundin, die in dem gleichen Studentenheim wohnten, in dem ich jetzt lebe, erzählten es mir so. Damals war es für sie einfach DER Raum, um etwas zu unternehmen.

Doch als ich in dieses Heim kam, war davon nicht viel übrig. Mein erster Eindruck war: Leere Gänge, keine Studenten. Das Stiegenhaus sah kalt und grau aus, ich konnte wohl ahnen, warum sich hier keiner aufhielt. Es wirkte nicht sehr einladend. Deshalb waren auch all die Studenten, die ich eigentlich vor ihren Zimmern erwartete, drinnen, nämlich in ihren winzigen Zimmern, aus denen sie nur herauskamen, um sich etwas zu kochen. Doch ich finde, dass es noch schlimmer war, im Zimmer zu sitzen als in den leeren Gängen und Gemeinschaftsbereichen. Denn das Zimmer war, egal ob Doppel-oder Einzelzimmer, sehr beengt: Wenig Stauraum, wenig Platz und immer staubig, egal ob man jeden Tag staubwischte oder nicht. Mir war es draußen im Gemeinschaftsbereich etwas lieber, denn da kam ich mir weniger eingezwängt vor.

Je länger ich in dem Heim wohnte, desto mehr merkte ich, dass die Vorstellung, die ich mir gemacht hatte, sich so gar nicht bewahrheitete. Meine und ich Zimmerkollegin saßen zwar weder beim Essen noch beim Kaffeetrinken in unserem Zimmern. Doch dabei sahen wir kaum Mitbewohner; drei, vier Leute in anderen Stockwerken vielleicht.

Eine Heimbar, die alle zwei Wochen stattfand, war zumindest ein Treffpunkt in diesem Studentenheim, zu dem einige hinfanden. Doch auch diese Gelegenheit wurde von längst nicht allen Studenten des Hauses wahr genommen, obwohl alles zu günstigen Studentenpreisen angeboten wurde, nicht zuletzt auch Tischfußball und sogar Billard.

Natürlich muss das nicht so sein, in anderen Studentenheimen gibt es mit Sicherheit noch so etwas wie ein Gemeinschaftsleben, doch ob es entsteht, das kann vorher niemand genau sagen. Es hängt immer von den Studenten ab, die dort wohnen.

Es kann auch innerhalb der Häuser Unterschiede geben, wie es ein Beispiel eines anderen Heims zeigt. Im 3. Stock war die Gemeinschaftsküche leer, jeden Tag. Keine Leute, die gemeinsam saßen oder kochten. Nichts. Schaute man einen Stock höher, sah die Sache schon ganz anders aus. Eine wirkliche Gemeinschaftsküche. Gemeinsames Essen, gemeinsames Beisammensitzen und sogar Küchenpartys.

Man muss wohl ein Glück bei der Wahl seines Studentenheimes haben. In manchen ist es tatsächlich noch so, wie man es aus alten Geschichten gehört hat, in anderen findet man leere Gänge und bekommt keine anderen Studenten zu Gesicht.

Studentenheime bieten sich oft an, um günstig zu wohnen; manchmal geschieht dort auch genau das, was man erwartet, aber nur selten das, was man sich erhofft hat.

Madita Großbötzl

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