„Danke für Eure Aufmerksamkeit!“

Sarah Grabler

„Danke für Eure Aufmerksamkeit!“

 

In diesem Essay wird der wissenschaftliche Vortrag genauer analysiert. Dazu werden anhand der rhetorischen Produktionsstadien die verschiedenen– im Lauf des Semesters gehörten – wissenschaftlichen Vorträge herangezogen. Es handelt sich dabei um Vorträge und Referate aus dem Fachbereich Erziehungswissenschaften, mit dem Titel „Beratung für Masterarbeiten“, in denen die Studierenden ihre Masterarbeitsprojekte vorstellten. Außerdem habe ich einzelne Vorlesungstermine am Fach­bereich der Psychologie und der Theologie besucht.

Inventio (Grundidee)

Die Inventio befasst sich mit der Grundidee des Vortrags, seinen Hauptthesen. Weiter untersucht sie die wichtigsten Argumente und vermerkt besondere Einfälle oder Kunstgriffe. Wichtig ist auch, wie das Thema präsentiert wird.

In all den Vorträgen, die ich dieses Semester gehört habe, zeigte sich, dass die Grundidee oftmals nur am Rande –  mit einem kurzen Vorlesen der Fragestellung – erläutert wurde. In späteren Ab­schnitten der Vorträge werden häufig komplexe Phänomene erklärt. An dieser Stelle wäre es sinnvoll, den Zusammenhang des Phänomens mit der Grundidee nochmals darzustellen, da es gerade bei hoher Komplexität schwierig sein kann, einerseits dem Vortrag zu folgen und andererseits die wichtigen Zusammenhänge eigens gedanklich herzustellen.

Wissenschaftliche Vorträge werden allgemeinhin als bedeutend angesehen. Doch nur selten ist bei der Darstellung komplexer, abstrakter Themen klar, wo die neuesten wissenschaftlichen Erkennt­nisse im Alltag oder auch in der eigenen wissenschaftlichen Arbeit anwendbar sind. Bei der ersten Konfrontation mit einem neuen Thema fällt es vielen ZuhörerInnen – je nach Komplexitäts- und Abstraktionsgrad – oftmals schwer, der Argumentation zu folgen. Es ist ihnen schier unmöglich, sich gleichzeitig neues Wissen anzueignen und Verknüpfungen zu ihrem Alltag bzw. ihrer Berufstätigkeit in ihrer vollen Tragkraft herzustellen, wenn diese von dem/der RednerIn nicht sichtbar gemacht werden. Der/die RednerIn, dem/der das Thema gut vertraut ist, kann folglich mit der Auseinandersetzung mit den Fragen: „Welches Publikum habe ich?“ und „Wie könnte mein Publikum dieses Wissen nutzen?“ die Attraktivität seines/ihres Vortrags und dem vom Publikum zugeschriebenen Wert der Thematik deutlich erhöhen. Zusätzlich werden Störungen und Desinteresse durch eine für das Publikum ansprechendere Gestaltung reduziert.

Der Einstieg in ein Thema kann und darf allerdings auch im wissenschaftlichen Vortrag spannend gestaltet werden und muss nicht zwangsläufig mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ beginnen. Möglichkeiten hierfür sind, den Einstieg mit einem Musikstück, Zitat, einer Anekdote, Bildern, Rätseln, Fragen oder einem Motto zu gestalten. Der Freiheit ist allerdings folgende Grenze gesetzt: der Einstieg muss zum Thema passen. Der beste Einstieg ist kontraproduktiv, wenn er scheinbar zusammenhangslos mit dem eigentlichen Thema ist. Kann kein einfallsreicher, stimmiger Einstieg gefunden werden, empfiehlt sich ein klassischer Einstieg.

Ich denke, es ist nicht sinnvoll, wenn als Negativbeispiele vorhergehende Reden von im Raum anwesenden Personen genommen werden, wie das bei einem Vortrag, bei dem ich anwesend war, der Fall gewesen ist. Damit werden Personen im Publikum blamiert. Dies führt entweder zu einem Schamgefühl bei der betreffenden Person oder zu Wut. Je nachdem, ob die Kritik vom Publikum als positiv oder negativ wahrgenommen wird, kann es so auch leicht passieren, dass sich das Publikum durch solche ein Vorgehen gegen den/die RednerIn wendet.

Dispositio (Struktur, Gliederung)

Die Dispositio umfasst die Gliederung und Struktur einer Rede. Auch beim wissenschaftlichen Vortrag empfiehlt es sich, einen Überblick über die geplanten Inhalte und deren Abfolge zu geben. Die ZuhörerInnen müssen sich dadurch während des Vortrags nicht überlegen, ob ein für sie interessantes Thema als Unterpunkt behandelt wird oder gar nicht vorkommt.
Einerseits können durch einen kurzen Überblick bereits interessante Fragen und Wortmeldungen im Publikum formuliert werden. Andererseits wird dadurch dem Publikum auch die Möglichkeit eines zeitlichen Überblicks gegeben.

Ich empfinde es durchaus als positiv, auftauchende Frage der HörerInnen sofort zu beant­worten, da die HörerInnen nach Beantwortung ihrer Frage wieder mit der vollen Aufmerksamkeit dem Vortrag folgen können, allerdings sollte man darauf achten, dass die Dialog-Fenster im Vortrag auch wirklich nur Fenster bleiben und nicht der gesamte Vortrag in einen großen Dialog ausartet und der Inhalt des Vortrags aus zeitlichen Gründen nicht mehr zu Gänze vorgetragen werden kann. Außerdem besteht die Gefahr, dass bei einer Fülle von Dialog-Fenstern der rote Faden, die Zusammen­hänge, im Vortrag verloren gehen. So erlebte ich das beispielsweise bei der Präsen­tation einer Masterarbeit, bei der nach den ersten beiden PowerPoint-Folien eine Frage von der Betreuungsperson auftauchte. Diese Frage führte zu weiteren und eine Diskussion entstand. Ob die Diskussion fruchtbringend für die Vortragende war, vermag ich nicht zu sagen, doch konnte der Vortrag aufgrund der zeitlichen Be­schränkung nicht zu Ende geführt werden und der Großteil des vorbereiteten Inhalts nicht besprochen werden. So erhielt die Studentin keine Rückmeldung über den Rest ihrer Arbeit und das Publikum keinen Gesamtüberblick.

Ein Vortrag, wissenschaftlich oder nicht, sollte immer die Grundbestandteile von Anfang, Mitte und Schluss besitzen. Bei vielen Vorträgen wurde der Schluss der Präsentation mit der Folie: „Danke für eure Aufmerksamkeit!“ dargestellt und diese kam noch dazu relativ überraschend. Der Schluss ist jedoch genau der Bereich, der gut im Gedächtnis bleibt. Das „Happy End“, sozusagen.
In vielen Präsentationsworkshops wird bereits von der „Danke für eure Aufmerk­samkeit“-Folie abgeraten. Und tatsächlich ist sie überflüssig, wenn ein schöner Schluss gezogen wird. Dies erfolgt im optimalen Fall durch ein Zusammenfassen und Argumentieren, warum das Thema so wichtig ist. Hier ist Platz für Verteidigung und möglicherweise auch für Emotionen, um nochmals für die Sache einzutreten und ihr mit Entschiedenheit Nachdruck zu verleihen.

Ich erlaube mir an diesem Punkt folgende Frage stellen: „Wieso ist es denn eigentlich nötig, für die Aufmerksamkeit zu danken?“. Der Höflichkeit halber und des Respekts vor dem Anderen gegenüber ist es immer nötig. Unbedingt notwendig ist der Dank im Alltag auch, wenn einem jemand einen (Freundschafts-) Dienst erwiesen hat. Doch sollte das Lauschen eines wissenschaftlichen Vortrages kein Dienst sein, den man für jemand anderen tut, den man sozusagen über sich ergehen lässt, bei dem der/die Vortragende danken muss, dass das Publikum es so lange mit ihm/ihr ausgehalten hat. Ein wissenschaftlicher Vortrag sollte für die Zuhörenden einen Mehrwert haben und die Mehrzahl sollte aus dem neu erlangten Wissen profitieren, egal wie trocken die Thematik ist. Der/die Vortragende sollte dem Thema Leben einhauchen und seine Sinnhaftigkeit herausstreichen, gelingt ihm/ihr dies, so muss er/sie sich beim Publikum womöglich des Respekts halber bedanken, aber nicht dafür, dass er/sie es in Anspruch genommen hat. Ist es ein gewinnbringender Vortrag für die Mehrheit der Zuhörenden, so sind sie froh, dass ihnen der/die Vortragende diesen Mehrwert zugebracht hat. An dieser Stelle befinden wir uns thematisch wieder beim Produktionsstadium Inventio.

Elocutio (Wortwahl, Verständlichkeit)

Da es sich bei einem wissenschaftlichen Vortrag im Vergleich zumeist um ein eher gehobenes Ambiente mit gewissen Ansprüchen handelt, sollten unbedingt Schimpfwörter vermieden werden. Zwar verwenden sie viele Personen in ihrer alltäglich Sprache, ohne ihnen große Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, dennoch findet das Be­streben, den wissenschaftlichen Vortrag für alle verständlich zu machen, ein Ende, wenn der Vortrag auf eine Alltagssprache herunter gebrochen werden soll, die auch Schimpfwörter beinhaltet. Der wissenschaftliche Vortrag hat einen gewissen Anspruch auf Niveau, das auch dann gehalten werden kann, wenn zu Gunsten der Verständlichkeit die Sprache vereinfacht wird. An dieser Stelle ist es von Bedeutung, eine Balance zwischen den beiden Polen „Fachjargon“ und „Alltagssprache“ zu finden. Diese Balance stellt die „Verständlichkeit“ dar. Wissen­schaftliche Begriffe sollen erklärt werden, damit alle unter den Zuhörenden folgen können. Dennoch ist es auch nicht sinnvoll, jeden Begriff auf Dauer durch ein Er­klärung oder Definition zu ersetzen. Es ist zeitsparender, beispielsweise von einer Depression zu sprechen, als jedes Mal die genaue Definition dieses Begriffs aufzuzählen und schlussendlich auch für die Studierenden leichter zu lernen. Denn wenn jeder Begriff durch seine Erklärung ersetzt werden soll, würde es vermutlich bei vielen Studierenden in Auswendiggelerntem enden, was keines Falls der Sinn eines „Verstehenden und anwendbarem Lernen“ sein kann.
Zusammenfassend: Der Inhalt soll auf alle Fälle verständlich sein und zwar für alle Zuhörenden und gleichzeitig inhaltlich nicht leiden. Studierende sind nicht besser ausgebildet, wenn in Vorträgen Modelle oder Phänomene nicht mehr erwähnt werden, nur aus der Befürchtung, sie könnten nicht auf Anhieb verständlich sein. Die Herausforderung heißt, das Niveau zu halten und gleichzeitig das Wissen vielen zugänglich zu machen.

Nochmals ausgeholt: Wichtig für einen wissenschaftlichen Vortrag ist, dass für die  Wortwahl nicht der genus humile gewählt wird. Zwar lassen sich wissenschaftliche Phänomene genauso gut in diesem Stil beschreiben, allerdings hat sich eine Kommilitonin zur besseren Verständlichkeit dieses Stils bedient und dies auch im Vorhinein kundgetan. Die Reaktionen vom Publikum waren auch durchaus positiv, allerdings wurde der fachlich korrekte Vortrag als inhaltlich unwissenschaftlich kritisiert. Meine These dazu ist, dass an dieser Stelle nicht der Inhalt un­wissenschaftlich war, sondern durch die Wortwahl, die Verwendung des genus humile, der Eindruck der Unwissenschaftlichkeit entstanden ist. Aus dieser These entsteht die Frage: Benötigen RednerInnen im wissenschaftlichen Vortrag den genus grande um als wissenschaftliche ExpertInnen (als „extrem intelligente Menschen“) vom Publikum anerkannt zu werden? Womöglich wäre der genus mixtum die richtige Wahl. Der genus grande könnte die Verständlichkeit zu sehr beeinträchtigen, vor allem, wenn das Publikum keine WissenschaftlerInnen sind und fachfremd.

Weiter zu beachten ist, wird eine überdurchschnittliche Menge an Substantiven verwendet, wirkt der Vortrag weniger melodisch und vielmals etwas holprig. Ein Beispiel dafür ist: „Das Gehen von Gmunden nach Altmünster wird von vielen KurteilnehmerInnen als Anstrengung empfunden.“ Werden in der Aussage mehr Verben formuliert benützt, könne sie folgend lauten: „Von Gmunden nach Altmünster zu gehen ist für viele KurteilnehmerInnen anstrengend.“ Diese bevorzugte Ver­wendung von Wörtern in Verbform, erleichtert den Sprachfluss und es fällt dadurch den ZuhörerInnen leichter, aufmerksam zu bleiben.

Außerdem kann die Verständlichkeit auch erschwert werden, wenn das Verb am Ende eines langen Schachtelsatzes steht. Generell sollten allerdings lange Schach­telsätze im mündlichen Vortrag eher gemieden werden.

Memoria (Medien)

Ein ideales Lernmaterial stellen Handouts dar, auf denen nur die wichtigsten Informationen stehen und noch Platz für Notizen zu Details lassen. Dadurch wird die Aufmerksamkeit erhöht, da Details gedanklich erfasst und notiert werden müssen. Es wird eher mitgedacht und es werden eher Fragen gestellt. Die Zuhörenden sind dadurch nicht überfordert mit permanentem Mitschreiben, wie dies der Fall sein kann, wenn keine Zusammenfassung des Vortrags ausgegeben wird.
Andererseits sind sie auch nicht in Versuchung geleitet, sich in dem Wissen, dass der ganze Vortrag nachlesbar ist, sprichwörtlich zurückzulehnen und dem Vortrag weniger Aufmerksamkeit zu widmen. Natürlich ist diese Art der Materialaufbereitung nur sinnvoll, wenn die im Vortrag gegebenen Informationen von den ZuhörerInnen auch in irgendeine Form benötigt bzw. geschätzt werden.

Das Benützen von (mehreren, unterschiedlichen) Medien kann sinnvoll sein, wenn sie die beschriebenen Ausführungen näher Erklären. Dies ist beispielsweise der Fall bei der Darstellung eines komplexen Prozesses oder Modells. Hier wäre es nicht sinnvoll, nur auf ein mündliches Vortragen zurückzugreifen. Dasselbe gilt, wenn Wegstrecken besprochen werden. Bei einem Vortrag über die Wanderung des jüdischen Volkes ist gewiss die Verwendung einer Karte unabdinglich. Wenn zusätzlich noch interaktive Elemente einfließen sollen, ist es ebenfalls sinnvoll, dies medial darzustellen. Dies war beispielsweise in einem Referat der Fall, in dem die ZuhörerInnen ihre Meinung durch Aufkleben eines Punktes auf einer Skala veranschaulichen sollen, um aufzuzeigen, dass die gängige Alltagsmeinung mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht übereinstimmt. Diese Darstellungsweise durch ein Flipchart ist sehr anschaulich und kann auch als PDF versandt werden.

Gerade bei abstrakten Themen sind oftmals Bilder nicht nur eine Hilfe Erklärungen zu verstehen, sondern das Erscheinen eines neuen Bildes kann auch hin und wieder von einem Tagtraum wieder zurück zum Vortrag führen, wenn die Zuhörenden inhaltlich nicht mehr folgen konnte.

Allerdings sollten Bilder immer nur unterstützend verwendet werden. Beispielsweise wurden bei einem Vortrag auf dem Fachbereich Psychologie auf jeder PowerPoint-Folie mehrere Bilder abgebildet. Diese stellten keine Darstellung des in Stichworten beschriebenen Phänomens dar, sondern passten mehr oder weniger thematisch irgendwie dazu. Abgebildet waren Smileys und Menschen bei der Arbeit oder Freizeitaktivitäten. Was auf einer Folie vielleicht mit einem Bild noch nett oder auflockernd sein kann, ist auf 150 Folien mit drei Bildern pro Folie und Stichworten ablenkend vom eigentlichen Thema und wirkt überfüllt. Dieses Vorgehen erweist keinen Mehrwert für den Wissenszuwachs.

Die Frage, ob und wie viele Medien verwendet werden, ist immer vom Thema und seiner Komplexität abhängig. Beispielsweise hatte ich die Gelegenheit, in der Rhetorik-Lehrveranstaltung „Der wissenschaftliche Vortrag“ in einem Referat einer Geschichte einer Germanistikstudentin zu lauschen. Beim Erzählen dieser spannenden Geschichte, brauchte es, meiner Meinung nach, als einziges Medium – wenn man so sagen möchte – die begeisterte Stimme der Vortragenden. Jegliches Bild oder ein Festhalten in Stichworten wäre in diesem Fall unnötig, ja sogar störend gewesen.

Das Weglassen von Medien bzw. von Nachschlagematerial ist allerdings bei einem wissenschaftlichen Vortrag, bei dem die Studierenden anschließend eine Prüfung absolvieren müssen, nicht zwangsläufig sinnvoll. Denn im Zusammenhang mit der Prüfung kommt eine weitere Komponente hinzu: Lehrende müssen sich überlegen, was sie gerne Prüfen möchten: „Wie gut haben die Studierenden den Inhalt verstanden und können das erlangte Wissen wiedergeben oder – je nach Fach – auch anwenden?“ oder möchten die Lehrenden prüfen: „Wie gut können die Studierenden mitschreiben? Wie gut können sie bereits in dem Moment, in dem Sie die Information hören, entscheiden, ob sie bei der Prüfung wichtig sein wird? Und können sie Stichwörter so notieren, dass sie anschließend aus ihren Notizen die Zusammenhänge wieder herstellen können?“
Besteht der gesamte Vortrag aus dem reinen Vorlesen komplexer Zusammenhänge in einem schnellen Tempo, ist zweifellos damit zu rechnen, dass mit diesem Vor­gehen ein kleinerer oder größerer Prozentsatz der Note – je nach Studierenden – seine/ihre Fähigkeit ausmacht, gut mitzuschreiben. Um das ein Stück weit zu vermeiden, müssen die Studierenden die Möglichkeit haben, nachzuschlagen, wenn etwas nicht notiert werden konnte.

Actio (Gestik, Mimik, Stimmlage, Sprechtempo)

Ich finde, ein selbstsicheres Auftreten mit einem nicht zu schnellen und auch nicht all zu langsamen Sprechtempo, sowie einer festen Stimme lässt andere Patzer – beispielsweise bei den Medien – etwas in den Hintergrund rutschen. Wichtig ist auch, dass der/die Vortragende vermittelt, dass er/sie für das Thema brennt und somit andere mit seiner/ihrer Begeisterung anstecken kann. Vortragende, die ihr eigenes Thema für langweilig halten, werden es auch nicht gut vermitteln können.

Ein unsicheres Auftreten kann auch bei Personen, die sich inhaltlich gut auskennen, dazu führen, dass sich die Zuhörer dazu verleitet fühlen, das vorgetragene Konzept übermäßig zu kritisieren. Das kann auch daran liegen, dass am Ende des Satzes oft kein Punkt gemacht wird und die Stimmlage nach unten geht (Aussage!), sondern die Stimmlage nach oben gezogen wird, wie das bei einer Frage der Fall ist. Es wirkt dann, als sei sich die Person in ihrer Aussage nicht sicher, tatsächlich ist es aber oft der Fall, dass sich die Person sehr wohl in ihrer Aussage sicher ist, allerdings nicht in ihrem Auftreten und in ihrer Wirkung auf andere. Die Folge kann eine übermäßige inhaltliche Kritik, ein kritischeres Nachfragen sowie eine schlechtere Beurteilung sein, da die Person keine inhaltliche Kompetenz ausstrahlt. Eine Person mit unsicherem Auftreten wirkt oft hilfesuchend.

Nicht empfehlenswert ist eine hohe Grundhaltung der Hände. Optimal ist ein rechter Winkel zwischen Oberarm und Unterarm. Wenn die Grundhaltung der Hände in Brusthöhe ist, wirkt das, als würde der/die Redende sich schützen wollen und mindert somit die kompetente Ausstrahlung.

Gerade beim Vorstellen der Fortschritte der Masterarbeitsverfassung in der Lehrveranstaltung „Beratung für Masterarbeiten“, sind viele Studierende sehr nervös. Es ist nicht nur viel Arbeit mit der Masterarbeit verbunden ist, sondern oftmals durchleben die Studenten auch eine harte Zeit, da schlussendlich ihr Abschluss – sowie ihre Benotung – weitreichende Konsequenzen für die berufliche, aber auch private Zukunft mit sich bringt. Und gerade bei diesen Präsentationen sind demnach viele „Nervositätspatzer“ passiert. Oftmals wurde beispielsweise ein Stift in den Händen gewürgt. Oder der Stand war nicht sicher, sondern gerade Damen ließen die Hüfte einknicken. Dies kann zwar optisch schön wirken, mindert allerdings ebenfalls den Eindruck eines kompetenten Auftretens.

Der/die RednerIn muss selbstverständlich nicht während des ganzen Vortrags still stehen. Es ist je nach Räumlichkeit auch möglich, sich im Raum zu bewegen und kann auch natürlicher und auflockernd wirken. Allerdings ist dabei darauf zu achten, wie sich bewegt wird. Erlebt habe ich einen Redner, der keinerlei Medien benutzte und somit auch mehr vom Publikum beobachtet wurde, als dies beispielsweise beim Einsatz von PowerPoint der Fall ist, wo immer wieder auch den Folien Auf­merksamkeit geschenkt wird. Dieser Redner ging während seines Vortrags permanent immer zwei Schritte zurück, machte sich etwas krumm, ging zwei Schritte gekrümmt nach vor, richtete sich vorne angekommen wieder auf und ging wieder seine zwei Schritte zurück, wo das Spiel von neuen begann. Bei gut der Hälfte des Vortrags merkte ich, wie ich mich auf den Vortrag nicht mehr konzentrieren konnte und nur noch diese Bewegung beobachtete, die mich einerseits etwas nervös machte, andererseits fühlte ich mich auch etwas genervt und dachte nur daran, wann er denn endlich damit aufhören würde und ob es gut wäre, ihm zu sagen, dass diese immer wiederkehrende Bewegung störend ist.

Zwei Vorträge von Studierenden lehrten mich, wie bedeutend Stimmbildung ist. Beim wissenschaftlichen Vortrag, egal wie wichtig und essentiell das Thema für die jeweilige Fachrichtung ist, ist die Stimme dennoch unverzichtbar, wenn beispielsweise die Dringlichkeit des Themas, die Begeisterung dafür oder seine Wichtigkeit überzeugend an das Publikum weitergeben werden soll. Dabei ist auf die Stimmmelodie zu achten, die Höhe bzw. Tiefe, die Lautstärke, sowie vor allem die Variation dieser Komponenten, je vorgetragenem Inhalt. Klingt die Stimme monoton, wird auch der interessanteste wissenschaftliche Vortrag mit den brisantesten Informationen langweilig. Gerade bei wissenschaftlichen Vor­trägen habe ich in den Jahren, die ich bereits an der Universität verbracht habe, den Eindruck erlangt, dass von einzelnen Personen noch zu wenig Wert darauf gelegt wird, die zweifellos interessanten und wichtigen Themen der Forschung auch so spannend wiederzugeben, wie sie in Wirklichkeit sind. Dazu braucht es natürlich eine stimmliche Variation sowie eine Begeisterung des/der RednerIn für das Thema, die auch nach außen getragen wird. Oftmals brennen WissenschaftlerInnen so sehr für ihre Themen, dass sie eine Unzahl an kostenlosen Überstunden auf sich nehmen oder in verschiedenen Bereichen sogar unentgeltlich arbeiten. Und niemals würde ich einer solchen Person absprechen, dass sie nicht mit Leidenschaft an den Beruf herangeht und wahrhafte Begeisterung und Einsatzbereitschaft zeigt. Nun ist es leider nicht immer so, dass man den Leuten ihre Begeisterung während eines Vortrages auch ansieht. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind wichtig für unsere Gesellschaft und jeder/jede WissenschaftlerIn darf auch stolz auf seine/ihre Forschungen sein. Also wieso nicht das auch nach außen zeigen und mit der eigenen Begeisterung das Publikum anstecken? Denn nur ein überzeugtes Publikum kann die Forschungserkenntnisse auch wertschätzen. Es braucht demnach sowohl beim Vortrag allgemein, als auch beim wissenschaftlichen Vortrag dargebotene Überzeugungskraft und diese Überzeugung kann nur schwer ausschließlich über den Inhalt erfolgen, da der Mensch ein Wesen ist, das bewusst und unbewusst auch auf die Verpackung dieses Inhalts achtet. Folglich sollte gerade beim wissenschaftlichen Vortrag, der oft sehr tragende Themen beinhaltet, die uns auch im täglichen Leben betreffen, keineswegs an Möglichkeiten der optimalen Darstellung und der Über­zeugungskraft gespart werden.

Zusammenfassung

Was unterscheidet nun den wissenschaftlichen Vortrag von anderen Vortragsarten? Für mich unterscheidet ihn vor allem, dass er immer in einem einigermaßen gehobenen Rahmen bleiben muss. Idealer Weise im genus mixtum. Dieser ist bereits verständlich, vermittelt aber dennoch ein Gefühl von Kompetenz. Eine Balance zwischen den beiden Polen „Fachjargon“ und „Alltagssprache“ muss gefunden werden.
Beim wissenschaftlichen Vortrag geht es, im Gegensatz zum allgemeinen Vortrag, inhaltlich um Forschung. Weiter unterscheidet sich der wissenschaftliche Vortrag auch dahingehend, dass es bei ihm noch wichtiger ist, als bei einem allgemeinen Informationsvortrag, darzustellen, was der/die Zuhörende mit den erhaltenen Informationen machen kann und wie sie im Zusammenhang mit anderen Themen stehen. Denn gerade beim wissenschaftlichen Vortrag werden oftmals so derartig komplexe und abstrakte Inhalte dargestellt, dass die Zuhörenden mit der Aufnahme dieser Informationen vollkommen ausgelastet sind und sich schwer tun, das erlangte Wissen mit ihrer Alltagswelt oder andern wissenschaftlichen Themen selbstständig zu verknüpfen. Deshalb sollte gerade beim wissenschaftlichen Vortrag ein erhöhtes Augenmerk auf die Einbettung des Wissens gelegt werden.

Nicht unterscheidet sich der wissenschaftliche Vortrag vom Vortrag allgemein dahingehend, dass egal wie interessiert das Publikum ist, er immer auch einen gewissen „Unterhaltungswert“ bieten muss. Das spannendste und wichtigste Thema kann das Publikum nicht begeistern, wenn es schlecht vorgetragen wird und hier stellt der wissenschaftliche Vortrag keine Ausnahme dar. Gerade weil der wissenschaftliche Vortrag zumeist sehr wichtige Inhalte vorbringt, sollte ebenso wie bei anderen wichtigen Vorträgen ein vermehrtes Augenmerk auf die Präsentation gelegt werden.

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