Die abenteuerliche Reise des Ritters Rhetorikus in das wundersame Land der Kommunikationswissenschaften

Kathrin Förster

Die abenteuerliche Reise des Ritters Rhetorikus in das wundersame Land der Kommunikationswissenschaften

 

Die Geschichte beginnt mit unserem Helden, Ritter Rhetorikus, der hinauszog, um die Welt zu verbessern. Mit nichts außer einem Schwert, einem Pferd und einem Zaubersack voller rhetorischer Stilmittel ritt er gen Horizont. Sein Auftrag war es, die Kommunikation der Menschen zu verbessern.

Natürlich kann unser Ritter nicht die ganze Welt verändern, also beschließt er sich auf einen kleinen Teil zu konzentrieren. Und zwar auf den Teil, welcher von Königin Kommunikation regiert wird. Kurz gesagt, er begibt sich in das wundersame Land der Kommunikationswissenschaften. Als Ritter Rhetorikus aber ankam, klagten die Bürger über die verschwundene Königin Kommunikation. Ohne sie konnte das Volk eher schlecht als recht kommunizieren und die wissenschaftlichen Vorträge an der Universität wurden schlechter und schlechter. Missverständnisse, Unsicherheit, Langeweile, Unwohlsein und Ärger machten sich breit. Ja sie kommunizierten wahrlich grausam, da ihnen das Herzstück, Königin Kommunikation, fehlte. Als unser Ritter nachfragte, wo denn die Königin sei, antworteten die Bürger, dass sie von Drachen entführt wurde und in der Universität Salzburg gefangen gehalten wird. Der einzige Ausweg, um die Kommunikation im Land der Kommunikationswissenschaften wiederherzustellen, ist die Befreiung der Königin. Und dazu musste unser Ritter tun, was ein Ritter nun mal tut: Drachen erschlagen. Allerdings, so die Bürger, sei dies gar nicht so einfach, da sie jede Schwäche ihres Gegners ausnutzen würden, um ihm seine Kommunikation zu nehmen. Und wie wir alle wissen, ist Kommunikation ein kostbares Gut und das nicht nur im Land der Kommunikationswissenschaften. Deshalb muss Ritter Rhetorikus auf der Hut sein und alles versuchen, um den Drachen Einhalt zu gebieten.

Also macht sich unser Held auf in die Höhle der Drachen: Die Universität Salzburg.

Begleiten wir ihn nun auf dieses Abenteuer und schauen mal, welchen drei Drachen er gegenübertreten muss.

 

Der erste Drache beeinträchtigt die Präsentationen der Studierenden im Land der Kommunikationswissenschaften:

Dieser Drache schleicht sich sehr häufig bei Präsentationen der Studierenden ein. Er kann sich unsichtbar machen und bleibt so zunächst unbemerkt. Aber schon bald wird den Zuhörern/ Zuhörerinnen solcher Präsentationen klar, dass da was nicht ganz stimmt. So setzt sich Ritter Rhetorikus in den Unweiten der Universität Salzburg in verschiedene Präsentationen von Studierenden, um zu sehen, wie und wo er den Drachen erwischen kann:

Im Master Kommunikationswissenschaft wurde ein neuer Kurs eingeführt, die Vorlesung „Theoriediskurse: Repetitorium.“ Ziel dieser Lehrveranstaltung ist es, den Studierenden nochmal einen Überblick zu den diversen Theorien der Kommunikationswissenschaft zu geben, aber auch dieses Wissen zu festigen. Dabei werden pro Sitzung sechs Referate á maximal neun Minuten gehalten. Jeder/ e Studierende hat so die Möglichkeit sich mit einem Thema genauer auseinanderzusetzen und kurz aber präzise die Inhalte den Zuhörern/ Zuhörerinnen zu erklären.  Da es sich bei dieser Vorlesung um rund 60 Studierende pro Kurs handelt, werden die Lücken der Rhetorik schnell deutlich. Viele Vortragende tun sich schwer im Präsentieren. Sicherlich gibt es einige wenige, denen es gelingt, das Publikum trotz trockenen Themas mitzureißen, aber diese Studierenden kann man an der Hand abzählen. Die weniger Mitreißenden treten häufiger in Erscheinung. Besonders auffällig sind die Unsicherheiten beim Präsentieren. Der Stand ist wenig gefestigt, die Stimme meist sehr leise und allgemein wird eine Situation der Unlust und Unbehaglichkeit vermittelt. Das wird gestützt durch zu schnelles oder zu leises Reden. Oft hat man auch das Gefühl, dass die Studierenden nicht richtig vorbereitet sind, da viel abgelesen wird vom Manuskript oder von der Folie. Durch rhetorisches Geschick wäre das allerdings gut zu überspielen.

Des Weiteren ist das sogenannte „Setting“ eher schlecht als recht. Der Vortragsort ist ein großer Hörsaal mit guter Akustik, allerdings hört man auch jedes Geflüster und Geraschel, was den Vortrag eines/einer leisen, unsicheren Redners/ in erheblich stören kann. Hinzu kommt, dass kleine Menschen regelrecht hinter dem wuchtigen Holzpult auf der Bühne verschwinden. Das Pult, der Tisch, der PC und das Mikro verdecken den/ die Vortragenden/Vortragende und bauen eine richtige Mauer zwischen ihm/ ihr und dem Publikum auf. Zudem verschwindet der/ die Studierende vor dem Ausmaß der riesigen Präsentationsleinwand. Apropos Präsentation: Es scheint, viele Menschen haben das Präsentieren durch die zunehmende Verwendung von Technik verlernt. Die Folien sind meist lieblos und ohne großen Aufwand in schwarz weiß abgebildet. Das mag vielleicht auch nicht vom Wesentlichen ablenken, aber oftmals sind die Folien zugemüllt und gespickt mit Fakten, ganzen Sätzen und allerlei anderen Dingen. Viele nehmen deshalb kein Skript mehr her, da sowieso alles auf der Folie steht, aber der/ die Zuhörer/ in wird durch die Fülle der Folie regelrecht erschlagen. Die Aufmerksamkeit wird zu sehr auf die Folie gelenkt, man ist überfordert und hört kaum noch zu. Der/ die Redner/ in schneidet sich ins eigne Fleisch. Folien werden so überladen, weil man unter anderem Angst hat, etwas zu vergessen. Aber gerade das ist der Fehler. Die Zuschauer wissen ja nicht, was man vortragen möchte und somit wissen sie auch nicht bescheid, wenn man etwas vergessen haben sollte. Natürlich muss nicht gleich jeder/ e ohne Präsentation vortragen, aber ein berühmter Satz sagt, weniger ist mehr und das sollte in diesem Fall auch eingehalten werden. Es bringt mehr Spannung in den Vortrag, macht es interessanter für die Zuschauer und bringt den/ die Vortragende/ n selbst in die Rolle des/ der Wissensvermittlers/ in, also einer Person, der man Aufmerksamkeit schenken sollte, um Wissen und Informationen generieren zu können.

Unser Ritter Rhetorikus erkennt diese Probleme, welche der erste Drache verursacht. Deshalb packt er die Gelegenheit beim Schopfe und setzt seinen Zaubersack ein. Er schenkt den Studierenden rhetorische Mittel, um den Ängsten, Unsicherheiten und schlechten Präsentationen von wissenschaftlichen Vorträgen entgegenzuwirken. Vor allem gibt er ihnen Tipps für die richtige Atmungstechnik, mit der sich Nervosität und  schnelles und/ oder leises Reden regulieren lassen. Auch der richtige Stand und Selbstvertrauen durch Üben verhelfen den Studierenden dazu, präsenter zu sein. Er gibt auch Anleitungen für Präsentationen, wie z.B. diese mal ganz wegzulassen, sich auf das Wichtigste zu beschränken und den Vortrag damit spannender und abwechslungsreicher durch z.B. den Einsatz verschiedener Medien, zu gestalten.

Das gefiel dem Drachen natürlich überhaupt nicht und so offenbarte er sich Ritter Rhetorikus. Daraufhin zog er sein Schwert und erschlug den ersten Drachen. Somit konnten die Studierenden ab sofort die rhetorischen Mittel des Ritters anwenden und ihre Präsentationen verbesserten sich schlagartig. Seht nun:

Die Studierenden waren froh darüber, dass der Drache nun verschwunden war. Zu Ehren des Ritters, der sie gerettet hatte, gründeten sie Rhetorikkurse und Debattierclubs, um ihre Fähigkeiten aus dem Zaubersack nie mehr zu verlieren. Denn sie wussten, wie wichtig Rhetorik für ihre Zukunft war.

In diesen Kursen zeigt sich, welche Wirkung Rhetorik haben kann. Die Rhetorikkurse bieten die Möglichkeit, das Auftreten, Selbstbewusstsein und Präsentieren zu verbessern. Darum sollte jeder/ e Studierende/ r dieses Angebot wahrnehmen. Stärken und Schwächen werden dort analysiert und in der Gruppe gemeinsam evaluiert und optimiert. Keiner/ e braucht Angst zu haben oder sich zu schämen, da viele auf dem gleichen Level beginnen und eine angenehme Atmosphäre herrscht. Besonders die kurzen Vorträge einer „Chrie“ vereinen die im Kurs gelernten Tipps. Sehr interessant ist das Präsentieren ohne Medien bzw. ohne PowerPoint- Präsentation. Dadurch wird die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf den/ die Sprecher/ in gelenkt. Stimme, Auftritt und Inhalt stehen im Zentrum und zeigen einen mittlerweile ungewohnten Vortrag, da heutzutage fast ausschließlich mit PowerPoint präsentiert wird. Aber gerade diese „altmodische“ Art des Präsentierens mit nichts als der Stimme und dem Auftritt selbst scheint in Zeiten der Technisierung und des Informationsüberschusses wieder neue Aufmerksamkeit zu erzeugen. Und dort setzen die Rhetorikkurse an. Sie konzentrieren sich auf das Wesentliche, lehren den Studierenden zu Argumentieren, zu Debattieren, zu Präsentieren. Nicht nur der Aufbau eines Vortrages wird erklärt, sondern auch angewendet. Und im Debattierclub lassen sich die neu gelernten rhetorischen Mittel gleich ausprobieren.

Durch Übung und Feedback zeigt sich eine deutliche Verbesserung der Teilnehmer/ innen der Rhetorikkurse. Sicherlich hat jeder/ e seine/ ihre eigenen Charakter beim Präsentieren, aber durch Rhetorik können Feinschliffe vorgenommen werden, die einem selbst meist gar nicht so auffallen. Und dies führt wiederum zu einer erheblichen Verbesserung des Vortrages.

Aus diesen Gründen sollte vor allem im Studium der Kommunikationswissenschaft Rhetorik als verpflichtendes Fach eingeführt werden. Es verschafft den Studierenden einen erheblichen Mehrwert, nicht nur im Studium und bei wissenschaftlichen Vorträgen selbst, sondern auch im späteren Arbeitsleben, bei Vorstellungsgesprächen, Pitches, etc. Die Liste lässt sich unendlich weiterführen. Rhetorik kann das Leben bereichern, es verschafft Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein durch einen sicheren Auftritt und eine klare Sprache. Darauf sollte im Studium auch mehr geachtet werden. Denn oft zählen solche „Soft Skills“ weniger, dabei sind sie aber elementar. Aber Studierende können sich selbst Abhilfe schaffen und die Kurse in Rhetorik wahrnehmen. Viele gute Vorträge werden dort gezeigt und spannende experimentelle Präsentationen, wie z.B. ohne technische Medien, ohne Manuskript oder ganz ohne Vorbereitung, bieten Freiraum, sich selbst einmal austesten zu können und die passende Vortragsart für sich zu finden. Wo anders bietet sich wohl kaum so eine Gelegenheit, ohne dass es sich gleich auf die Note auswirken könnte. Aber in den Rhetorikkursen ist, wie man so schön sagt, alles erlaubt. Und gerade das macht es so besonders.

Der zweite Drache sitzt in den Vorlesungen und beeinträchtigt die Vorträge der Dozierenden im Land der Kommunikationswissenschaften:

Nachdem unser Ritter Rhetorikus den ersten Drachen erschlagen hatte, erzählten ihm die Bürger, dass der zweite Drache sich ebenfalls in den Vorlesungshöhlen verstecken würde. Also machte sich der Ritter erneut auf die Suche nach dem nächsten Drachen, um Königin Kommunikation endlich befreien zu können. Dieser Drache kann sich aber nicht nur unsichtbar machen, sondern auch die Gedanken der Dozierenden manipulieren, was schlechte Vorträge zur Folge hat. Deshalb beschließt Ritter Rhetorikus, sich in weitere Vorlesungen zu setzen, um den Drachen ausfindig zu machen:

Wie schon beschrieben wurde, wird oftmals relativ wenig Wert auf das rhetorische Können der Studierenden beim Vortrag gelegt. Es werden keine Kurse dazu angeboten, außer im Rahmen der Rhetorikabteilung, aber im Studienplan der Kommunikationswissenschaften sind diese Kurse nicht verpflichtend.

Die Vorlesungen der Kommunikationswissenschaft sind daher rhetorisch meist auch nicht so überzeugend. Beispielsweise in der Vorlesung „interpersonelle Kommunikation“ sollte man meinen, dass Kommunikation im Mittelpunkt steht. Allerdings war der/ die Vortragende nicht sehr überzeugend. Man muss dazu sagen, dass es seine/ ihre erste Vorlesung war, trotzdem hätte man die Stunden besser gestalten können. Die Vorträge fanden wiederum in einem großen Hörsaal statt mit guter Akustik, allerdings waren Störgeräusche, wie Flüstern, Rascheln, etc., auch nicht zu überhören. Und wie schon bei den Präsentationen der Studierenden, geht der/ die Vortragende/ r abermals durch die Größe der Leinwand unter. Verdeckt vom Pult und erschlagen von der Präsentation ist es schwierig, sein Publikum zu erreichen. In solch großen Sälen ist aber vor allem die Stimme das A und O eines/ r jeden Vortragenden. Mit der Stimme lässt sich viel Aufmerksamkeit gewinnen und wichtige Informationen lassen sich gezielt unterstreichen. Doch leider war das in dieser Vorlesung nicht der Fall. Eine leise, kraftlose Stimme hatte zur Folge, dass Konzentration und Aufmerksamkeit des Publikums zurückgingen. Der Vortrag gestaltete sich dadurch recht langweilig und es wurde regelrecht anstrengend zuzuhören. Hier zeigt sich wieder die Kraft, welche Rhetorik bewirken kann, wenn sie richtig angewendet wird.

Die Gestaltung der Folien war ebenfalls fragwürdig. Das gelbe Design des Hintergrundes erschwerte den Blick auf die Fakten. Der Raum wurde etwas abgedunkelt, um die Präsentation besser zu sehen, aber das dunkle Gelb der Folien hätte besser nicht eingesetzt werden sollen. Insgesamt hatte man das Gefühl, dass der/ die Vortragende/r nur sehr ungern die Rolle des/ der Dozent/ in inne hatte. Ein schwaches Auftreten und ein trockener Vortrag haben leider den ansonsten sehr spannenden Inhalt der Lehrveranstaltung nicht unterstützt. Das Publikum wurde nicht emotional berührt, Pathos, „delectare“ und „movere“ kamen hier nicht zum Vorschein. Deutlich ist auch geworden, wie sehr Ethos, also die innere Haltung des/ der Redners/ in während der Rede, den Vortrag beeinflussen kann. Hier war der/ die Redner/ in nervös und nicht sehr selbstbewusst, wodurch das Thema sehr langweilig und trocken kommuniziert wurde. In diesem Fall hätte durch die Optimierung des Ethos der Vortrag vielleicht ein bisschen mehr Spritz bekommen.

Ein weiteres Beispiel für den mangelnden Einsatz an rhetorischen Mitteln bei Dozierenden ist die Vorlesung BWL. Dabei sollte ich erwähnen, dass solche Veranstaltungen grundsätzlich sehr überlaufen sind. Der Hörsaal war mehr als voll, Studierende nahmen sogar Platz auf den Treppen. Und ein mehr als voller Hörsaal führt zu vielen Störgeräuschen seitens der Zuhörerschaft. Technisch war der Raum gut ausgestattet, sodass der/ die Vortragende optimal zu hören war. Allerdings gestaltete sich die Vorlesung wenig ausdrucksstark, da der Inhalt der Folien mehr oder weniger auswendig und Wort für Wort näher gebracht wurde. Dadurch war der Vortrag an sich sehr trocken und die Lehrveranstaltung sehr langweilig. Die Emotionen des Publikums wurden nicht angesprochen, es ging rein um das Lernen, um Logos und nicht um Pathos. „Docere“ stand hier ganz klar im Mittelpunkt der Präsentationen. Das mag zwar für einen wissenschaftlichen Vortrag an der Universität durchaus genügen, dennoch sollte man stets versuchen, die Zuhörerschaft auch zu unterhalten und mitzureißen, also das Pathos bzw. „movere“ und „delectare“ anzusprechen. Und eben diese Verbindung zwischen Redner/ in und Publikum verliert sich mittlerweile immer mehr und mehr.

Dies wurde auch unserem Ritter Rhetorikus bewusst und er machte sich auf, den Drachen zu finden und zu besiegen. Da der Drache Kräfte besaß, um sich unsichtbar zu machen und die Dozierenden zu beeinflussen, musste sich Ritter Rhetorikus etwas Besonderes ausdenken. Also griff er zum Zaubersack und schenkte den Vortragenden Wissen über die Rhetorik, sowie rhetorische Mittel. Das Wissen und die Mittel brachten die Dozierenden dazu, dass sich ihr Ethos, Pathos und Logos verbesserte. Die drei rhetorischen Situation „docere“, „delectare“ und „movere“ wurden fortan gleichermaßen beachtet und in die Reden eingebaut. Dies gefiel dem Drachen natürlich überhaupt nicht und so zeigte er sich Ritter Rhetorikus. Nach einem langen und feurigen Kampf schaffte es unser Ritter, auch den zweiten Drachen zu erschlagen und somit konnten die Dozierenden der Universität Salzburg ihre wissenschaftlichen Vorträge von nun an mit rhetorischem Können bereichern.

Diese Errungenschaft zeigte sich unter anderem in der folgenden Vorlesung:

Eine sehr interessante und beispielhafte Vorlesung ist die VO Mode und Kulturwissenschaft. Diese Ringvorlesung zeichnet sich durch die wechselnden Dozierenden und die Vielfalt an interessanten Themen aus. Jeder/ e Dozent/ in versucht auf seine/ ihre eigene Art und Weise eine Verbindung (Pathos) zu den Zuschauern/ innen aufzubauen. Dies geschieht meistens bereits in der Einleitung des Vortrages. Mit viel Witz und Charme holen die Vortragenden ihr Publikum ab, auch wenn die Themen meist zunächst uninteressant oder trocken erscheinen. Medien werden nur wenig eingesetzt. Die Powerpoint-Präsentation unterstützt den Vortrag lediglich mit Bildern. Im Zentrum steht der/ die Dozent/ in (Ethos). Obwohl der Hörsaal recht groß ist und stets gut gefüllt, taucht man von allen Plätzen in den Vortrag ein. Ab und zu will die Technik nicht so ganz, da das Mikrofon öfters Störgeräusche von sich gibt. Aber gekonnt bauen die meisten Vortragenden dies in ihre Präsentation ein, indem sie amüsante Kommentare von sich geben. Aus rhetorischer Sicht haben viele Dozenten/ innen ein Manuskript, das sie mehr oder weniger vorlesen. Dennoch kann man dem Vortrag gut folgen, denn die Stimmen sind klar und ruhig. Und was noch sehr auffällt: Die Präsentierenden sind von ihrem Thema völlig überzeugt. Sie „brennen“ richtig dafür, man merkt, dass mit der Thematik ein gewisses Maß an Leidenschaft einhergeht. Diese Passion braucht es, um selbst aus den trockensten und langweiligsten Themen einen spannenden Vortrag zu gestalten. Durch die innere Haltung des Redners kann der/ die Zuschauer/ in mitgerissen werden (Pathos). Durch die eigene Leidenschaft und Überzeugungskraft, mit dem der/ die Redner/ in sein/ ihr Thema präsentiert, wird das Publikum angesteckt, baut sofort eine Sympathie zum Redner/ zur Rednerin auf und eine Verbindung zum Vortrag. Die Vorlesung wirkt damit insgesamt interessanter, abwechslungsreicher und unterhaltsamer. Durch den Verzicht auf überladene Folien kann man den Vortragenden viel besser folgen und sich mehr auf die wichtigen Informationen konzentrieren. Zusammengefasst kann man sagen, dass hier rhetorische Vorbilder für Studierende zu finden sind und jede/ r einmal die Ringvorlesung besuchen sollte.

Nun hat unser Ritter schon zwei Drachen an der Universität besiegt und somit die wissenschaftlichen Vorträge maßgeblich beeinflusst. Aber um wirklich gutes Kommunizieren wieder in das Land der Kommunikationswissenschaften zu bringen, muss er sich noch dem dritten und letzten Drachen stellen. Dieser Drache hält die Königin Kommunikation gefangen. Aber es kommt noch schlimmer. Er verhindert, dass Rhetorik, welche die wissenschaftlichen Vorträge an der Universität optimieren würde, überhaupt an der Universität eingeführt wird. Er kann sich ebenfalls unsichtbar machen und hat sich bereits in zahlreiche administrative und organisatorische Maßnahmen hineingefressen, sodass es fast unmöglich erscheint, dass Rhetorik zur Rettung der Kommunikation als festes Fach im Studienplan eingeführt wird. Ritter Rhetorikus war klar, dass er ohne die Hilfe der Studierenden den Drachen nicht alleine besiegen kann. Da er den Studierenden und Dozierenden mit Hilfe des Zaubersackes die „ars bene dicendi“, also die „Kunst gut zu sprechen“, näher gebracht hat, verlangten diese nach mehr. Ihnen wurde bewusst, wie wichtig Rhetorik ist, nicht nur an der Universität, sondern auch im Alltag. Deshalb kämpften sie gemeinsam gegen den letzten der drei Drachen an, um Königin Kommunikation zu befreien. Um diesen Drachen besiegen zu können, musste den Bewohnern des Landes der Kommunikationswissenschaften bewusst werden, welche Aspekte einen guten wissenschaftlichen Vortrag ausmachen. So können sie sich gegen die manipulative Macht des Drachen wehren. Also trugen sie folgendes zusammen um gegen den Drachen argumentieren zu können:

Ein guter wissenschaftlicher Vortrag zeichnet sich dadurch aus, dass viele Aspekte der Rhetorik  mit einfließen. Will man einen guten Vortrag halten, so sollte man zunächst die richtige Struktur finden. Mittels den fünf Produktionsstadien (officia oratoris) lässt sich eine Rede kreieren. Struktur verleihen anschließend die Redeteile. Abgesehen vom Aufbau und Ablauf einer Rede sollten vor allem die Wirkungen eines Vortrages in Augenschein genommen werden. Bei einem guten wissenschaftlichen Vortrag ist es von großer Bedeutung, alle drei Wirkungsweisen anzusprechen. „Docere“, „Delectare“ und „Movere“ sollten gleichermaßen behandelt werden. Immer wichtiger geworden ist jedoch „Movere“, also das Bewegen, das Mitreißen des Publikums und das Berühren der Emotionen. Ebenfalls „Delectare“ erfreut sich zunehmender Relevanz. Denn der Redner/ die Rednerin sollte nicht nur versuchen, mit seinem/ ihrem wissenschaftlichen Vortrag zu lehren und belehren („docere“), sondern auch zu unterhalten. Dadurch baut sich Sympathie im Publikum auf und die Aufmerksamkeit liegt voll und ganz beim/ bei der Redner/ in, wodurch sich die Zuschauer auch leichter an das Vorgetragene erinnern können, da es nicht nur langweilig und trocken heruntergesagt wird. Damit der/ die Redner/ in das Publikum unterhalten kann, muss er/ sie sich bewusst sein, welche Stellung Rhetorik für ihn/ sie hat. Rhetorik sollte nicht nur als Technik angesehen werden, um Reden vortragen zu können, sondern auch als Kunst. Und zwar als „ars bene dicendi“, also als Kunst, gut zu sprechen. Der/ Die Vortragende sollte selbst ein wenig Philosoph sein, um sich voll und ganz auf den Vortrag einlassen zu können. Pathos, Ethos und Logos spielen dabei eine wichtige Rolle. Sicherlich muss ein wissenschaftlicher Vortrag logisch stimmig sein, es braucht aber auch einen roten Faden, sowie die Verbindung zum Publikum. Emotionen müssen durch den Vortrag geweckt werden, damit dieser auch im Gedächtnis der Zuhörerschaft verankert bleibt. Aber alle Mittel helfen nichts, wenn der/ die Redner/ in nicht selbst von sich überzeugt ist. Er/ sie muss sich gut überlegen, wie er/ sie während des Vortrages auftreten will. Ein guter Stand, eine kräftige, klare Stimme, Vorbereitung, Übung, Selbstbewusstsein und Spaß an der Sache und am Thema können Nervosität und Schwächen überspielen. Mit etwas Witz und Charme lässt sich eine erste Brücke zum Publikum bauen und kann zum Wohlbefinden des/der Redners/ in beitragen. Das wirkt sich wiederum positiv auf den Gesamtvortrag aus. Ebenso sollte man beim Vortrag auf die Atemtechnik achten, dadurch kann Ruhe und Entspanntheit in den Vortrag miteingebracht werden, was sich ebenfalls positiv auf die Atmosphäre auswirkt. Apropos Atmosphäre, nicht zu vergessen sei das Setting. Es spielt eine entscheidende Rolle beim Vortrag und sollte dem Redner/ der Rednerin bewusst sein. Ein großer Raum hat eine andere Akustik wie ein kleiner. Ebenso ist die Technik unterschiedlich. Falls diese mal nicht so will, sollte man sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und einfach weiter machen. Auch die Beschaffenheit des Raumes ist relevant, in großen Räumen mit riesigen Leinwänden neigt der/ die Redner/ in dazu, schnell unterzugehen und die Aufmerksamkeit des Publikums zu verlieren. Deshalb sollte man versuchen, weniger Medien einzusetzen und auf die Kraft seines Auftrittes zu setzen. Weniger ist oft mehr. Beachtet man diese Aspekte und setzt sie in die Tat um, kann durchaus ein guter wissenschaftlicher Vortrag entstehen. Wichtig ist es, sich und seinen Fähigkeiten zu vertrauen und ab und zu mal einen Rhetorikkurs zu besuchen oder im Debattierclub mitzumachen. Es bringt wirklich was.

Der Drache wurde durch diese Argumentation so geschwächt, dass Ritter Rhetorikus diesen Zeitpunkt nutzte und den letzten Drachen erschlug. Somit konnte er die Königin Kommunikation aus dem Verlies befreien, und die dunkle Zeit der schlechten wissenschaftlichen Vorträge war nun vorbei. Auf Wunsch der Bürger/ innen / der Studierenden ihres Königreiches setzte sie unverzüglich ein Gesetz in Kraft, das Rhetorik als Pflichtfach in den Studienplan der Kommunikationswissenschaften aufnahm. Damit konnten fortan die wissenschaftlichen Vorträge verbessert und die Kommunikation zwischen Studierenden und Dozierenden optimiert werden.

Aufgrund seiner Taten wurde Ritter Rhetorikus geehrt und für seinen Mut und seine Tapferkeit ausgezeichnet. Königin Kommunikation und der Ritter heirateten kurz darauf und lebten glücklich und zufrieden bis an ihr Lebensende.

 

 

 

 

 

 

Kathrin Förster, B.A.

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