Erkenntnisse aus dem Tagebuch

Martina Kocher

Erkenntnisse aus dem Tagebuch

 

Die folgende Abhandlung soll zunächst eine Reflexion über den besuchten Kurs „Der wissenschaftliche Vortrag“ und anschließend einen Einblick in persönliche Erfahrungswerte, welche ich während des Semesters gesammelt habe, geben. Am Ende werde ich in einer Art Zusammenschau ein persönliches Resümee ziehen und beschreiben, welche Eigenschaften einen guten wissenschaftlichen Vortrag ausmachen.

Vergangenes Wintersemester wurde die Lehrveranstaltung „Der wissenschaftliche Vortrag“ als Kurs für die Studienergänzung Rhetorik angeboten. Es erschien mir wichtig, eine Vorbereitung zu erfahren, welche sich näher mit dem Aufbau und dem Halten von Vorträgen wissenschaftlicher Natur auseinandersetzt.  Dies wird am Fachbereich der juridischen Fakultät und im universitären Bereich allgemein als Können in gewisser Weise vorausgesetzt wird und im Allgemeinen existiert kein Leitfaden für derartiges Referieren. Also entschied ich mich, den oben genannten Kurs wöchentlich zu besuchen, um so ein wenig Praxiserfahrung in dieser komplexen Vortragsweise zu erlangen. Die Lehrveranstaltung fand in eher kleinem Rahmen mit zwölf TeilnehmerInnen statt. Es wurden viele hilfreiche Übungen durchgeführt, aus denen ich für das spätere Halten von Vorträgen genereller Art einen wertvollen Nutzen ziehen konnte. Zu Beginn des Semesters fand eine theoretische Einführung statt, welche als „Trockentraining“ angesehen werden konnte. Ziel war es jedoch, dass jeder der im Kurs Anwesenden im Laufe des Semesters einen experimentellen Vortrag hält. Es wurde eine Präsentation gefordert, welche sich vom gewohnten Halten eigener Fachbereich-spezifischer Referate abheben sollte.

Bei der Wahl des Themas und der Gestaltung des Vortrages war der jeweilige Orator vollkommen frei. Wir hatten die Gelegenheit, im Rahmen  des Kurses verschiedene Einblicke in Schwerpunkte anderer Fachbereiche der Universität zu erhalten, wie dies ansonsten nicht möglich ist.

Aus den Bereichen der Kommunikationswissenschaft, Theologie, Psychologie, Philosophie, Politikwissenschaft, Pädagogik, Germanistik etc. wurden Präsentationen auf unterschiedlichste Weise gehalten und jeder Orator machte es sich zum Ziel, aus dieser Performanz sowohl für sich selbst, als auch für das Publikum eine ungewohnte Vortragsform zu wählen und sich somit in einer neuen Methode des Referierens zu versuchen. Daher wurde bei einigen Reden gänzlich auf den Einsatz von Medien verzichtet. Andere wiederum setzten beispielsweise Powerpointpräsentationen, Plakate und Tafelbilder in ungewohnter Form ein.

Ich persönlich entschied mich für ein aus meinem Fachbereich stammendes Thema. Es galt daher, einen juristischen Inhalt der fachfremden Zuhörerschaft in verständlicher Form aufzubereiten. Ferner war es mein Anliegen und somit gleichzeitig mein Experiment des Vortrages, diesen in unüblicher Weise zu gestalten. Bei dem Referat wurden Medien äußerst sparsam und gezielt eingesetzt. Dies soll bedeuten, dass ich von der gewohnten Form der begleitenden projizierten Folienpräsentation gänzlich abgesehen, und lediglich zur Unterstützung des Gesagten zum geeigneten Zeitpunkt Bilder eingeblendet habe.

Ziel des Vortrages meinerseits war, das Publikum auf einer emotionalen Ebene zu erreichen, bei den Ausführungen darauf zu achten, Fachtermini verständlich zu erklären und somit angepasst an die ZuhörerInnen zu agieren.

Am Ende eines jeden Vortrages wurde eine Feedbackrunde abgehalten, bei welcher einerseits die einzelnen Redestadien bewertet wurden. Andererseits war dabei auch die Gelegenheit gegeben, eine Rückmeldung zu erhalten, ob der gewünschte experimentelle Effekt des Vortrages beim Publikum angekommen und somit die eigentliche Aufgabenstellung gelungen ist.

Als semesterbegleitende Aufgabe wurde an die TeilnehmerInnen der Auftrag erteilt, ein rhetorisches Tagebuch zu führen. Es sollten dabei unterschiedliche Vorträge wissenschaftlicher Natur anhand ihrer Vortragsweise analysiert werden. Die jeweiligen positiven und negativen Auffälligkeiten waren festzuhalten und zu bewerten. Mein rhetorisches Tagebuch wird nun im Folgenden auszugsweise sinngemäß wiedergegeben. Zuvor ist jedoch anzumerken, dass die folgenden Beurteilungen auf einer reinen subjektiven Sichtweise beruhen und daher zu berücksichtigen ist, dass es sich hierbei um eine persönliche Meinung und keine allgemein gültige Aussage handelt.

Im vergangenen Wintersemester habe ich Lehrveranstaltungen unterschiedlicher Art absolviert. Einerseits handelte es sich dabei um reine Frontalvorlesungen, andererseits jedoch um Seminare, welche eine eigenständige Leistung in Bezug auf Präsentationen seitens der Studierenden erforderten. Aus diesem Grund habe ich das von mir geführte Tagebuch in verschiedene Kategorien eingeteilt. Die erste Untergliederung bildete der Vortrag von ProfessorInnen, bei welchen ich wiederum zwischen den unterschiedlichen Lehrveranstaltungstypen und Settings differenzierte. Den zweiten Unterpunkt bildeten die Vorträge von StudienkollegInnen. Zum Schluss hielt ich weiters meine eigenen Vorträge im Laufe des Wintersemesters samt Rückmeldung von ProfessorInnen fest und beleuchtete diese kritisch.

Beginnend bei den ProfessorInnen ist zu sagen, dass sich die jeweiligen Vortragsweisen stark voneinander abgrenzten und Gemeinsamkeiten nicht wirklich auszumachen waren.

Einige hielten ihre Vorträge völlig frei, wodurch eine enorme Beziehung zwischen Redner und Publikum aufgebaut wurde, die auch stark konzentrationssteigernd wirkte.

Diejenigen, welche aus einem Skript vortrugen, wurden meinerseits weniger positiv vermerkt, da die Konzentration seitens der Hörerschaft sehr schwer aufrechterhalten werden konnte und auch der Lerneffekt sehr gering war. Das Gesagte blieb nicht lange im Gedächtnis. Auffallend war außerdem, dass der aus einem Manuskript vorlesende Dozent eine äußerst stimmliche Monotonie und eine gewisse Schnelligkeit an den Tag legte, der nur schwer zu folgen war. An dieser Stelle ist ein negatives Beispiel, welches im Tagebuch als „schlimme 3 Stunden“ verzeichnet wurde, anzuführen.

Es handelte sich dabei um eine Vorlesung, welche von einem etwas gesetzteren Dozenten gehalten wurde.

Er gestaltete seinen Vortrag derartig, dass er wortwörtlich den Inhalt seiner Präsentation aus einem Manuskript vorlas. Begleitend dazu wurde der Text an eine Wand projeziert und konnte daher von den ZuhörerInnen mitverfolgt werden. Die Aufmerksamkeit schwand in der ersten halben Stunde enorm und es wurde sehr mühsam, die Konzentration drei Stunden lang aufrecht zu erhalten. Aufgrund seiner Schnelligkeit war es auch kaum möglich, eine Mitschrift zu führen, welche als Lernunterlage für die spätere Klausur taugen konnte.

Dieser Extremfall blieb die Ausnahme im vergangenen Semester.

Ein weiterer negativer Aspekt, welchen ich öfters anmerken musste, bildete beispielsweise die gehäufte Verwendung von Fachtermini. Speziell vor fachfremdem Publikum wirkte sich der Gebrauch von Fachbegriffen auf die Verständlichkeit der Präsentation aus. Dies war vor allem bei Vorträgen aus anderen Disziplinen auffällig, wo gewisse Grundkenntnisse von den ProfessorInnen teilweise vorausgesetzt oder aus deren Sicht als logisch und nicht erklärungsbedürftig erachtet wurden.

Wenig gelungen waren jedoch auch jene Vorträge, bei denen der Eindruck vermittelt wurde, der Dozent halte denselben Vortrag jedes Jahr zur selben Zeit am selben Ort. Damit gemeint ist, dass wenig enthusiastische Redner  generell, aber vor allem auch im wissenschaftlichen Kontext nicht gerade für Begeisterung sorgen und eine gewisse Monotonie in Gestik, Mimik und Stimmlage auszumachen ist. Die grundlegenden rhetorischen Elemente, wie bspw. Pathos, sind meiner Ansicht nach gerade im wissenschaftlichen Bereich wichtig zu beachten.

Von den negativen Auffälligkeiten nun hin zu den positiven Aspekten, welche mir im vergangenen Wintersemester aufgefallen sind:

Vortragenden, welche zu Beginn einer jeden Einheit eine Übersicht über die zu erzielenden Lehrinhalte mitgeteilt hatten, konnte ich gedanklich einfacher folgen. ProfessorInnen, bei denen sich eine nachvollziehbare Strukturierung des Vortrages erkennen ließ, schafften es gleichzeitig, die Konzentration im Raum aufrecht zu erhalten und gezielt ihre Inhalte zu vermitteln, welche ich mir so schneller und besser einprägen konnte.

Generell zum Setting der Lehrveranstaltungen ist festzuhalten, dass ich die Arbeit in kleineren Gruppen als äußerst zielführend empfunden habe, da die Möglichkeit bestand, auch über aufgestellte Theorien während des Vortrages zu diskutieren und bestimmte Behauptungen in Frage zu stellen.

Außerdem war die Erarbeitung wissenschaftlicher Problemstellungen mit der Interaktion Studierender  für das Verständnis komplizierter Themengebiete sehr wertvoll. Lehrveranstaltungen, bei welchen Mitarbeit von den ZuhörerInnen gefordert wurde, fanden mit einer positiven Bewertung Eingang in das von mir geführte rhetorische Tagebuch.

Zu den verwendeten Medien ist anzumerken, dass ich einen gezielten Einsatz bspw. von PowerPoint Präsentationen zur Unterstützung und Zusammenfassung des Gesagten als sehr positiv empfunden habe, da dies einerseits Auswirkungen auf das allgemeine Verständnis der Inhalte hatte und andererseits für ein wenig Abwechslung während des Vortrages sorgte.

Die von mir besuchten Lehrveranstaltungen im vergangenen Wintersemester wurden Großteiles von UniversitätsprofessorInnen gehalten.

Es war jedoch auch ein Kurs darunter, den es hier besonders zu erwähnen gilt. Es handelte sich dabei um eine Lehrveranstaltung am Fachbereich der rechtswissenschaftlichen Fakultät, die von einem Dozenten gestaltet wurde, der hauptberuflich nicht im universitären Bereich tätig ist, sondern seinen Schwerpunkt in der praktischen juristischen Arbeit hat.

Sein Actio war faszinierend. Der oben beschriebene Referent sprach völlig frei und ohne jede Unterlage zu den Studierenden. Die relativ komplexe Materie, welche es zu behandeln galt, wurde von ihm mit einer Leichtigkeit und Einfachheit vermittelt, die erstaunlich war. Aufgeworfene Problembereiche wurden mit Beispielen aus der Praxis, welche er selbst erlebt hatte, verdeutlicht und so sehr einprägsam festgehalten. Desweiteren setzte er Medien gekonnt ein. Während seines Vortrages kreierte der Dozent ein Tafelbild, welches am Ende jeder Einheit noch einmal die absolvierten Stoffbereiche aufzeigte und zur Wiederholung eingesetzt wurde.

Diese Form des Vortrages verlor durch die teilweise eingestreuten skurrilen Geschichten und durch die Lockerheit des Vortragenden keineswegs an Wissenschaftlichkeit. Im Nachhinein ist sogar das Gegenteil zu behaupten, denn der Lerneffekt seitens der Studierenden war in diesem Kurs enorm.

Die eben geschilderte Vortragsreihe habe ich daher unter all den besuchten Lehrveranstaltungen als gelungenste eingeordnet.

In einigen Seminaren wurden auch Beiträge wissenschaftlicher Art von den TeilnehmerInnen gefordert. Dies lässt mich nun zum zweiten Teil meiner getätigten Aufzeichnungen kommen.

Die Beiträge der Studierenden waren im Gegensatz zu jenen der ProfessorInnen ziemlich einheitlich und wiesen viele Gemeinsamkeiten auf.

Vorgetragen wurde fast ausschließlich von einem vorbereiteten Manuskript. Der Bezug zum Publikum litt meistens stark durch diese Art des Referierens.

Aufgrund der Tatsache, dass das Halten von Vorträgen in der studentischen Laufbahn eher eine Seltenheit darstellt, vor allem am juristischen Fachbereich, war meist eine große Unsicherheit bei der Präsentation zu erkennen, welche im Gegensatz dazu bei den ProfessorInnen nicht auszumachen war. Dies kann einerseits an der mangelnden Erfahrung liegen und andererseits an der oft äußerst schwierigen Thematik, die es zu präsentieren galt.

Auffällig war, dass bei den Medien die PowerPoint Präsentation nahezu jedes Mal Verwendung fand. Nahezu jeder Orator hatte begleitend zu seinem gesprochenen Wort eine Präsentation durchgängig im Hintergrund mitlaufen. Die Reaktionen waren unterschiedlich.

Teils habe ich eine negative Kritik in meinen Aufzeichnungen vermerkt, da die Präsentationen stark vom eigentlichen Vortrag durch zu viele technische Einzelheiten und Tricks ablenkten. Auch wurden vereinzelt zu viele Informationen mit der Projektion vermittelt, die in nur kurzer Zeit gedanklich nicht aufnehmbar waren. Besonders kritisch waren meinem Erachten nach Präsentationen, welche genau denselben Wortlaut verwendeten, wie der Studierende als Redner selbst. Konnte man in der Rolle des Zuhörers konkret mitlesen, was auch verbal vorgetragen wurde und wurde zu Beginn eine Unterlage ausgeteilt mit wiederum derselben Wortfolge, machte dies einen äußerst schlechten und unvorbereiteten Eindruck auf mich.

Die Wissenschaftlichkeit vieler Beiträge von Studierenden ging durch fehlende Quellenangaben und Bezüge zu bereits existierenden wissenschaftlichen Theorien verloren. Dies wurde auch mehrmals von ProfessorInnen negativ kritisiert.

Positive Aspekte ließen sich natürlich auch bei den jeweiligen Vorträgen der Studierenden festhalten.

Einige wenige hielten ihre Vorträge völlig frei und ohne jede Unterlage. Als gedankliche Stütze wurde meist eine PowerPoint Präsentation mit darauf enthaltenen Stichworten verwendet. Da der Kontakt zur Zuhörerschaft aufgebaut werden konnte, wurde dies sowohl von den ProfessorInnen, als auch in den anschließenden Rückmeldungen positiv kritisiert.

Außerdem wurden meist Fachtermini, welche völlig unklar waren, einfach erklärt und daher auch deren Bedeutung verständlich vermittelt.

Generell kann gesagt werden, dass die Beiträge von KollegInnen nicht zu komplex aufgebaut und daher oft leichter verständlich waren, als jene der ProfessorInnen. Eine klare Struktur war bei nahezu allen auszumachen.

Formell wurde der Vortrag vor allem in einer gehobenen Sprache, welche von den meisten ProfessorInnen vorausgesetzt wurde, gehalten. Auch die vorgeschriebene Redezeit wurde von den meisten genau berücksichtigt, was auf eine gute Vorbereitung des Vortrages hindeutete.

Bevor ich nun die meiner Ansicht nach erforderlichen Kriterien eines guten wissenschaftlichen Vortrages behandle, möchte ich noch kurz meine eigenen wissenschaftlichen Vorträge im vergangenen Wintersemester reflektieren und sowohl negative als auch positive Aspekte aufgreifen:

Bis jetzt war meine eigene Vortragstätigkeit an meinem Fachbereich eher gering, da dies im Studienplan erst im letzten Abschnitt des Studiums der Rechtswissenschaften vorgesehen ist.

Im letzten Semester absolvierte ich jedoch einige Seminare und Kurse, bei welchen ein Beitrag seitens der Studierenden gefordert wurde.

Meist wurden formelle Kriterien, welche zu erfüllen waren vorgegeben. Dagegen konnte inhaltlich das jeweilige Thema frei gewählt werden.

Auch ich hielt mich anfangs an das eher klassische studentische Schema: PowerPoint Präsentation, ausformuliertes Skript und wenig freie Rede.

Außer der elektronischen Präsentation, welche oft gefordert wurde, entfernte ich mich schrittweise von dieser Art des Vortragens. Anstoß dazu gab mir das überaus positive Feedback nach meinem experimentellen Vortrag im Rahmen des Kurses der Studienergänzung Rhetorik.

Da ich diesen völlig ohne Manuskript hielt und dadurch die Unsicherheit vor dem Vergessen des Inhaltes ein wenig verlor, setzte ich diese neue Methode bei den Vorträgen an meinem Fachbereich mit Erfolg fort.

Die nachfolgenden Präsentationen habe ich lediglich mit Stichwortkarten gehalten und die Rückmeldungen waren durchwegs positiv.

Außerdem reduzierte ich im Laufe des Semesters die begleitenden projizierten Folien auf ein Minimum und legte den Fokus auf den eigentlichen Vortrag selbst.

Mit der Zeit wurde ich auch während des Vortragens flexibler und beantwortete zwischendurch gestellte Fragen, die mich zu Beginn immer aus dem Konzept gebracht hatten.

Einige negative Aspekte, die es weiter zu verbessern gilt, wurden bei den Aufzeichnungen über meine eigenen Vorträge in meinem rhetorischen Tagebuch festgehalten.

Bspw. sollte das Sprechtempo, welches aufgrund der inneren Unruhe bedeutend zu schnell war, auf einen gut verständlichen Rhythmus eingependelt werden.        Außerdem muss eine ruhige und klare Stimmlage auch schon zu Beginn des Vortrages vorherrschen und nicht erst nach einigen Sprechminuten zum Vorschein kommen.

Weiters sollte ich zukünftig darauf Acht geben, bei einer vorgegeben, kurzen Sprechzeit diese auch einzuhalten und nicht zu überziehen.

Das attentum parare, also das Erzeugen von Spannung vor dem eigentlichen Redebeginn, ist auch noch ausbaufähig und sollte längere Zeit dauern.

Zusammenfassend will ich festhalten, dass durch den experimentellen Vortrag und den Kurs „Der wissenschaftliche Vortrag“ sich meine Vortragsweise im Allgemeinen stark verbessert hat und als eine gute Vorbereitung für spätere Referate angesehen werden kann.

Abschließend soll nun eine Zusammenschau erfolgen, anhand derer Kriterien angeführt werden, welche aus persönlicher Sicht als Elemente eines guten wissenschaftlichen Vortrages zu werten sind.

Die officia oratoris, also die Zielsetzungen der Rede im Allgemeinen, können mit den Begriffen docere, delectare und movere umschrieben werden.

Die Bildung, also das docere, soll bei einem Vortrag wissenschaftlicher Natur im Vordergrund stehen.

Es muss aber auch bedacht werden, dass bei der Vermittlung von Wissen, ferner die beiden anderen Zielsetzungen vom Redner zu beachten sind, will er einen erfolgreichen Vortrag vor seinem Publikum halten.

Die in der Rhetorik allgemein gültigen Charakteristika, welche einen guten Redner ausmachen, sind auch in der Wissenschaft zu berücksichtigen.

Konkret ist damit gemeint, dass die Flexibilität des Orators an erster Stelle steht. Er muss sich auf die jeweils vorherrschende Situation anpassen und Rücksicht auf sein Publikum nehmen.

Dies ist vor allem bei einem Vortrag wissenschaftlicher Art von enormer Bedeutung. Der Orator muss sich beim Verfassen seiner Rede vollkommen bewusst sein, welcher Hörerschaft er gegenüber steht. Bei der Formulierung ist darauf achtzugeben, ob vor einem fachfremden Publikum gesprochen wird. Fachbegriffe sind in einem solchen Fall einfach und nachvollziehbar zu erklären. Hingegen kann sich eine derartig ausufernde Erläuterung vor einem Publikum, das derselben fachlichen Disziplin angehört wie der Redner selbst, zu Lasten der vermittelten Kompetenz auswirken.

Daher ist auf der sprachlichen Ebene zu beachten, dass der Redner sein Publikum weder unterfordert noch überfordert.

Es ist bei der Erarbeitung einer jeden Rede genau auf deren Struktur zu achten. Dies bildet einen weiteren Aspekt, der zur späteren Verständlichkeit der Rede beiträgt.

Das Publikum muss in der Lage sein, dem Redner gedanklich folgen zu können. Dies kann einerseits durch einen klaren Aufbau erreicht werden. Besser und verständlicher wird die Struktur eines Vortrages hingegen, wenn zu Beginn eine Art Agenda der Hörerschaft mitgeteilt wird, die als imaginäre Stütze dienen soll. Diese kann während des Vortrages immer wieder aufgegriffen werden, um das Publikum an den weiteren Schritten teilhaben zu lassen.

Ferner muss sich der Redner mit der Thematik seines Vortrages in der Phase der Vorbereitung ausreichend auseinandersetzen, um später in der Lage zu sein, Fragen beantworten und so wiederum Flexibilität und Kompetenz ausstrahlen zu können.

Wenn man sich an den verschiedenen Stadien einer Rede orientiert, hat sich der Redner auch mit der memoria, also mit der Form seiner gedanklichen Stützen für den Vortrag, ausreichend im Vorhinein auseinaderzusetzen.

Bei einer frei gehaltenen Rede ist, wie schon erwähnt, die Beziehung zum Publikum sehr stark ausgeprägt. Handelt es sich jedoch um ein sehr komplexes Thema oder um einen lang dauerenden Vortrag, wird eine komplett freie Performanz nicht mehr möglich sein. Von der Verwendung eines Manuskriptes sollte jedoch nach Möglichkeit abgesehen werden, da dies meist negative Auswirkungen auf die Aufnahmefähigkeit und Konzentration der Hörerschaft hat und schnell in einer monotonen Vortragsweise endet.

Passend zu diesem Aspekt ist der Einsatz von Medien zu erörtern.

Auch dabei ist wiederum in erster Linie die Anpassung an Raum und Hörerschaft zu beachten.

Teilweise wird die Ausarbeitung einer elektronischen Präsentation gefordert. Ist dies der Fall, muss jedoch darauf geachtet werden, diese nicht mit technischen Raffinessen auszustatten, um eine Ablenkung vom eigentlichen Vortrag zu vermeiden. Außerdem sollte berücksichtigt werden, dass das Gesagte und der projizierte Text im Hintergrund nicht denselben Wortlaut aufweisen. Stichworte in nachvollziehbarer Weise, welche in Ergänzung der individuellen Mitschrift als spätere Lernunterlage verwendet werden können, bilden gerade im universitären Bereich die ideale Begleitung zu einem gehaltenen Vortrag.

Um weg von den Formalitäten und Ausführungen zum Setting wieder auf den Redner selbst zurückzukommen, ist ferner anzumerken, dass eine gewisse Begeisterung für das Thema sowohl in Gestik, Mimik, als auch in der Stimmfarbe erkennbar sein sollte. Einem enthusiastischen Orator gelingt es, der Hörerschaft Wissen und komplexe Zusammenhänge besser zu vermitteln.

Wie eingangs bereits erwähnt, spielt neben der Weitergabe von Bildung beim wissenschaftlichen Vortrag auch das delectare und das movere, also die Unterhaltung und die emotionale Bewegung des Publikums, eine maßgebliche Rolle. Dabei sollte man jedoch beachten, dass Wissenschaftler keine Unterhaltungskünstler sind und auch nicht sein sollen. Eine Ausreizung dieser beiden Aspekte führt auch zum Verlust der Wissenschaftlichkeit und in bestimmter Weise auch zum Verlust der ausgestrahlten Kompetenz des Vortragenden. Gänzlich darauf zu verzichten, sein Publikum emotional anzusprechen, unter der Voraussetzung, dass dies von der Thematik her möglich ist, darf der Orator jedoch nicht.

Für den wissenschaftlichen Vortrag gilt daher, dass die Vermittlung von Wissen absolut im Vordergrund zu stehen hat und keine Inszenierung des Redners darstellen soll. Die Kunst liegt jedoch darin, die wissenschaftlichen Inhalte so zu präsentieren, dass eine Begeisterung beim Publikum erreicht wird. Es kann daher gesagt werden, dass sich die Redeziele docere, delectare und movere in einer gewissen Balance zueinander verhalten sollten.

Dies kann beispielsweise dadurch erreicht werden, indem die ZuhörerInnen aktiv in die Erarbeitung bestimmter Inhalte einbezogen werden.

Einen guten wissenschaftlichen Vortrag zeichnet also aus, dass selbiger für die Hörerschaft zu jedem Zeitpunkt verständlich ist. Dabei ist jedoch zu beachten, dass weder eine Über- noch eine Unterforderung des Publikums entsteht. Der Redner sollte in gewisser Weise Authentizität, Flexibilität, Kompetenz und Begeisterung für den zu vermittelnden Inhalt ausstrahlen.

Ferner zeichnet einen guten wissenschaftlichen Vortrag aus, dass der Orator den adäquaten Einsatz der jeweiligen Medien beherrscht und vor allem sein Publikum an seinen Gedanken, Theorien und wissenschaftlichen Meinungen aktiv teilhaben lässt.

Martina Kocher

 

Print Friendly, PDF & Email