Produktionsstadien

inventio

Das griechische Wort heuresis, lateinisch inventio oder deutsch Auffindung/Erfindung findet seinen Ursprung in der Antike und stand für das Finden von Stoffen in allen Teilen der Rede, als erstes der fünf Produktionsstadien der Rede. Heute wird der Begriff mit dem Eruieren evidenter Argumentationen gleichgesetzt. Diese Auffindung wahrer oder zumindest schlüssiger und wahrscheinlicher Beweisführungen bildet den ersten Teil der Aufgabenbereiche eines Redners. Es besteht eine enge Verbindung zum iudicium, da durch geeignete Suchformeln eine Vielzahl plausibler Argumente gefunden werden kann, aus der es gilt die inhaltlich signifikanten zu ermitteln. Ein System dieser Suchformeln, auch topoi oder loci genannt,  findet sich zum ersten Mal bei Aristoteles in seiner Topik und Rhetorik. Es wurde später von den Römern übernommen und weiterentwickelt. Eine weitere mögliche Strategie stellt die Statuslehre des Hermagoras von Temnos dar. Hier können durch die Imagination und Klassifikation gewisser Streitfälle vor Gericht denkbare Begründungen ausgemacht werden. Kombiniert man die beiden Methoden, so werden für jeden Staus mittels Loci die adäquaten Argumente gefunden.

In der modernen Tradition der akademischen Debatte wird ein entsprechendes Verfahren angewandt und durch verschiedene Versionen der spontanen oder strukturierten Ideenfindung in der Gruppe ergänzt.

Die Bedeutsamkeit dieses Produktionsstadiums lässt sich auch dadurch bestimmen, als dass es in allen Teilen der Rede und allen Redegattungen Bedeutsamkeit erfährt, um ein harmonisches Ganzes zu erhalten. Die inventio ist hierbei vor allem im argumentativen Teil der Gerichtsrede von höchster Signifikanz. Verschiedene Anforderungen an den Redner sind jedoch in allen Redegattungen gegeben: eine umfassende Sachkenntnis, sowie Phantasie, Einbildungskraft, die Fertigkeit von seiner Argumentationsweise Abstand zu nehmen und sie auf Logik und Überzeugung hin zu überprüfen, wie auch die Fähigkeit zur Angemessenheit, gelten als Voraussetzungen.

Als Lehre von der Stofffindung gebrauchte man den Terminus in der Antike nicht nur in Verbindung mit dem sophistischen Technikkonzept, sondern, wie in den platonischen Dialogen beschrieben, auch im Zusammenhang mit allen anderen Künsten. Darunter fielen unter anderem die Musik, die Malerei, die Architektur und die Kochkunst. Auch im Mittelalter erstreckt sich der Gebrauch des iudiciums über mehrere Disziplinen, wobei neben dem Fortbestand der ciceronianischen Rhetorik, vor allem die Briefschreibkunst, die Predigttheorie und die Dichtungstheorie zu nennen sind. In der Moderne hingegen rücken in diesem Zusammenhang Kreativitätstechniken in den Vordergrund, um individuelles oder kooperatives Gruppenarbeiten zu fördern.[i]

Verweise

übrige Produktionsstadien

Statuslehre

Argumentatio

Gerichtsrede

Vera Eßl

[i] A. Kemmann: Inventio. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Hg. Gert Ueding. Darmstadt 1998 (Band 4 Hu-K), S. 561-568.

Quellen

  1. Uebig, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Darmstadt 1998.

 

dispositio

Der Terminus táxis, dispositio oder Gliederung bezeichnet das zweite Produktionsstadium, in dem es um die sinnvolle Anordnung der Redeteile geht. Es müssen also die Ergebnisse der inventio in eine plausible Reihenfolge gebracht werden, um aus den bis dato noch zusammenhangslosen Argumenten die Form einer logisch aufgebauten Rede zu geben.  Somit handelt es sich hierbei in erster Linie um das Ordnen und Zusammensetzen der Inhalte sowie der Worte, die notwendige Ergänzung des ersten Arbeitsganges.

Dennoch findet man dispositio bei manchen Autoren der Antike an dritter Stelle angeführt, da, wie oben bereits erwähnt, auch eine Verbindung zur elocutio, eine Rubrik, die sowohl die Stilqualitäten als auch die Stilarten behandelt, besteht. Zu finden ist diese Einteilung beispielsweise bei Aristoteles.

Die strikt aufeinanderfolgende Gliederung hinsichtlich der Inhalte ist vor allem in der römischen Rhetorik zu finden und setzt sich aus dem Proömium (Einleitung), der narratio (Sachvortrag), der probatio (Beweis) und der peroratio (Schluss) zusammen. Aristoteles hingegen plädiert für die Möglichkeit, Einleitung (prooimion) wie auch Schluss (epilogos) nicht zwingend einbauen zu müssen, solange die anderen Redeteile alle nötigen Informationen beinhalten. Auch existiert eine zweite Art der Anordnung, bei der der Redner die Abfolge entgegen den Regeln und gemäß der herrschenden Umstände anordnen kann, um eine höhere Wirksamkeit zu erzielen. Im Mittelalter wurde die antike Ausarbeitung des dispositio-Begriffes größtenteils übernommen. Spätere Auseinandersetzungen münden schließlich in der modernen Textlinguistik, die eine Sprachbetrachtung der gesamten Textebene durchführt. Es sind also nicht mehr nur Einheiten innerhalb des Satzes, sondern innerhalb des gesamten Textes interessant.[i]

Ein weiterer maßgeblicher Faktor ist der Bezug zum iudicium, als Erweiterung der bloßen Ordnung. Die Argumente sollen demnach nicht nur logisch aufeinanderfolgen, sondern die einzelnen Inhalte sollen geschickt miteinander verknüpft werden, um am Ende eine harmonische Gesamtkomposition zu ergeben. Nach eigenem Empfinden des Rhetors ist auch die Rücksichtnahme auf das angemessene Maß von Schicklichkeit oder Notwendigkeit für ein gelungenes Endergebnis wichtig, das sogenannte aptum. Erreichbar ist die Angemessenheit durch den richtigen Einsatz von pathos und ethos, denn „erst der Sachverhalt und die ihm angepasste Ausdrucksweise wirken überzeugend“, [ii]ansonsten kann sich der Redner schnell der Lächerlichkeit preisgeben.

Obwohl in allen Redeteilen von großer Relevanz, ist die dispositio doch vor allem in der argumentatio, noch mehr aber in der narratio entscheidend. Nach antiker Ansicht hatte sie zwei Teilbereiche: Einerseits die Anordnung der Redeteile und andererseits die Gliederung der beinhalteten Fakten.

Verweise

übrige Produktionsstadien

vier Redeteile

iudicium

aptum

ethos, pathos, logos

Vera Eßl

[i] A. Sieber: Dispositio. In: Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Hg. Gert Ueding. Darmstadt 1994 (Band 2 Bie-Eul), S. 561-568.

[ii] Aristoteles: Rhetorik Buch 3 zur Lexis. Hg. v. Krapinger. Reclams Universalbibliothek. 3.7.4.

Quellen

  1. Ueding, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, Darmstadt 1994.

Aristoteles, Rhetorik, Stuttgart 2007.

elocutio

Der Begriff der elocutio leitet sich von den alt-griechischen Worten lexis und phrasis ab und steht für Redestil oder rednerischen Ausdruck.

Zurückgehend auf die Antike bezeichnet die elocutio einerseits die Formulierungstheorie sowie andererseits die praktische Formulierungskunst eines Redners oder Autors. Im Hinblick auf die Verfassung eines Textes vermittelt die elocutio allgemeine Regeln des Sprachgebrauchs in funktioneller sowie struktureller Form.

Aus dem AUCTOR AD HERENNIUM wie auch aus den späteren Schriften Ciceros geht die elocutio als „Anwendung der geeigneten Wörter und Sätze auf die gefundenen Gedanken“ hervor. Dieses Zitat lässt ebenso auf die antike Einordnung der elocutio schließen. Darin geht die antike Auffassung von getrennt ablaufenden Produktionsstadien hervor, wie sie auch in den officia oratoris bereits unterschieden werden. Unter Voraussetzung des entsprechenden Inhalts res und der sprachlichen Form verba, folgen der kognitive Produktionsprozess der inventio, der Gliederungsprozess der dispositio sowie der Verbalisierungs-/Vertextungvorgang elocutio.

Quintilian beschrieb die Aufgabe der elocutio mit den Worten „alles was man in Gedanken erfasst hat zum Vorschein bringen und den Hörern übermitteln.“

Bezugnehmend auf Quintilians Werke unterscheidet R. Volkmann die verschiedenen Ebenen der elocutio: In Quintilians VIII und IX Buch die virtutes elocutionis und den ornatus (Sentenzen, tropen, Figuren und die Komposition), im X Buch die copia verborum (Nachahmung- verschiedene Stilübungen), im XI Buch das aptum (das richtige Sprechen). Als Abschluss fügt Volkmann die, von Quintilian nicht in die materia artis aufgenommenen, Stilarten hinzu („zweckmäßige Anwendung des von dem Schmuck und der Komposition der Rede gesagten“).

Von Gorgias über Aristoteles zu seinem Schüler Theophrast durchlebte die elocutio eine breite Entwicklung und wurde in ihren Elementen wie folgt in Theophrast Monographie über die lexis zusammengefasst.

  1. Allgemeine Regeln des Sprachgebrauchs
  • Prizipien rechten Sprachgebrauchs (virtutes elocutionis, latinitas, perspicuitas, aptum, ornatus-Postulat, amplificatio-Postulat, Wortwahl/electio verborum)
  • Verstöße gegen die Prizipien (vitia)
  1. Sprachliche Strukturen (Redeschmuck, ornatus)
  • Amplifications- bzw. Minutionsmuster
  • Barbarismen und Soloecismen (eigtl. vitia, aber als rhetorische Mittel erlaubt)
  • Tropen und Figuren
  • compositio-Phänomene
  1. Stilartenlehre
  • spezifisch strukturierte Formulierungsmodelle
  • Erörterung allg. fragen des Sprachgebrauchs

 

Mit der mediaeval fragmentation fand die Rhetorik ihren Übergang ins Mittelalter. So werden neben der compositio eines Satzes, der metaphorischen Rede und der Figurenlehre, meist an der Praxis orientierte Spezialwerke verfasst. Ulrich von Bamberg verfasst beispielsweise ein solches Exzerptwerk mit dem Titel Libellus Graecia nobilium um 1127.

Ars poetriae, ars versificatoria, Poetria nova uva. zeigen, wie in elukuctioneller Hinsicht die Gebiete der amplificatio/dilatatio, ornatus und der Stilartenlehre behandelt wurden.

Mit der Wiederentdeckung des Quintilan durchlebte die Renaissance eine Rückbesinnung auf die fünf officia oratoris und ein zahlreiches Nachahmen in Literatur mit der Frage ob man denn Cicero Werke nachzuahmen habe oder nicht. Neben der elegantia unterschied Erasmus von Rotterdam in seinem Werk das Copia Lehrbuch die beiden Stile des knappen und des wortreichen Redestils. Die elegantia weiterverfolgend unterscheidet EvR die Tautologie und Monotonie  sowie damit verbundenen Gleichklang im Sprachgebrauch des Redners zu vermeiden.

Die Reformation des Schulwesens, welches noch in lateinischer Sprache abgehalten wurde, unterstütze in weiterer Folge die Verbreitung der elocutio. J. C. Adelung schrieb in drei Büchern über den deutschen Stil und etablierte die Stilistik als eigenständige Disziplin. Dabei wurden ein Teil der elocutio in 10 Stilnormen, wie die Verwendung der hochdeutschen Sprache bis zum Wohlklang einer Rede, ausformuliert.[1]
Dominic Maier

[1] Gert Ueeding, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, 1022-1082, Darmstadt.

memoria

Der Begriff der memoria leitet sich vom alt-griechischen Wort mneme ab und steht für das Gedächtnis.

Seit der Antike bleibt die memoria in ihrer eigentlichen Bedeutung unverändert. Ausgehend von den unterschiedlichen wissenschaftlichen Bereichen, wie beispielsweise der Medizin, der Psychologie, Soziologie oder Theologie, kommt der memoria eine eigene differenzierte Rolle zu.  Neben der interdisziplinären Bedeutung der memoria, stellt sie das vierte Produktionsstadium nach dem AUCTOR AD HERENNIUM dar. Die memoria steht als kulturelles Gedächtnis die Basis für ein individuelles und in weiterer Folge auch kollektives Identitätsbewusstsein. Pythagoras und Empedokles verbinden die memoria mit der Seele eines Menschen und messen der Erinnerung die Gabe zu Wahrheit teilhaftig werden zu lassen.

Im Mittelalter galt die memoria als das Instrument des in das Gedächtnis Einprägens, die antike ars memorativa weiterverfolgend. Wie schon in der Antike („Nun wollen wir zum Schatzhaus aller gefundenen Gedanken und zum Hüter aller Teile der Redekunst übergehen“- Rhetorica ad Herennium) kam der memoria die Aufgabe des Aufbewahrungsortes aller Gedächtnisinhalte zu. Memoria naturalis beschreibt die Qualifikationen eines perfekten Fürsten, welcher mit dem Umfang seiner individuellen memoria das kollektive Gedächtnis vereinen sollte.  Heroengeschichten von antiken Persönlichkeiten wie M.J. Caesar bis Kardinal du Perron,  Jacobus Mazonius oder Johannes Paopp sollten diese Lehrmeinung belegen. Neben der Kunst des Merkens wird auch die Kunst des Vergessens ars oblivionalis thematisiert. Th. Garzoni beschäftigt sich in Piaza Universale, auf die Schriften des Themistokles berufend, mit dem Gedächtnis und der Möglichkeit des Vergessens. Neben der ars memorativa wird im Mittelalter auch die Verschriftlichung einer Rede thematisiert und an den Säulen der memoria verborum und memoria rerum definiert.

Mit der Verbreitung des Buchdrucks erfuhr die memoria in Form mnemonischer Traktate eine weitreichende Verbreitung. Gegenstandsunabhängige Konzepte beriefen sich abermals auf die antike ars memorativa. (Johann Romberchs- Congestorium Artificiose Memorie) Die Verbindung von locus und imago, welche eine Merkstütze darstellten, wurden auch über die Aufklärung hinaus weiterhin in praktischen Anleitungen der ars memorativa gelehrt.

Neben der massiven Kritik am kollektiven Gedächtnis und der Entfremdung der subjektiven Wahrnehmung von einem Kollektivgedächtnis im 19. Jhdt. kommt der memoria ab dem 20. Jhdt. eine untergeordnete Rolle zu.  Die kulturwissenschaftliche Memoriaforschung mit der Frage nach Kontextualisierung von kollektiven Gedächtnis und Indentitätenbildung wie auch eine fortwährende Speichermöglichkeit von verschriftlichtem Wissen  stehen heute im Vordergrund.[1]

Dominic Maier

[1] Gert Ueeding, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, 1037-1078, Bd. 5, Darmstadt.

actio

Der Begriff der actio leitet sich vom alt-griechischen hypokrisis ab und trägt zu Deutsch die Bedeutung einer rednerischen Aktion.

Neben der inventio, der dispositio, der elocutio und der memoria stellt die actio den letzten der fünf Redeteile (rhetorices partes ) dar. Sie beschäftigt sich mit dem Vortrag der vier vorangegangenen Produktionsstadien einer Rede. Ein deutsches Synonym für die actio ist  die rednerische Praxis, die zum einen die stimmliche Wirkung (figura vocis) und zum anderen die Haltung und Bewegungen des Körpers (motus corporis) umfassen. Cicero beschrieb die actio als charakteristischen Ausdruck in Miene, Tonfall und Gebärde. Der Redner, im Gegensatz zu einem Schauspieler, welcher in einem Schauspiel durch Gesten und Gebärden die Realität mimisch abbildet, erfüllt die Aufgabe die Realität selbst in seiner Rede zur Geltung zu bringen. Per Theorie der actio hat der Redner jede Gemütsregung seiner Mimik, Gestik und Stimmlage anzupassen um dem Zuhörer glaubwürdig und in angemessener Form seine Inhalte darlegen zu können.

Bereits Aristoteles misst der actio, als Darstellungskunst eine bedeutende Rolle zu. Tonfall, Rhythmus und Lautstärke seinen hierbei die Affekte die dem Dichter Preise und siegreiche Wettkämpfe sowie dem Politiker rednerischen Erfolg bescheren würden. Im Laufe der Antike kamen der actio unterschiedlichste Betrachtungsweisen zu.  Homer empfahl den Rednern während ihres Vortrages mit einem Stab zu gestikulieren während Plutarch die leidenschaftslose Vortragsart des Perikles lobt und damit Weisheit und Kompetenz verbindet. In den letzten Dekaden des 5. Jhdt tritt die perikleische Mäßigung in den Hintergrund und weicht der leidenschaftlichen Rede. Kleon, der Vertreter der demokratischen Partei wird beispielsweise in antiken Quellen als unverschämter Schreihals bezeichnet, dessen tobendes Geschrei in seinen Reden mit dem Unheil eines rauschenden Gießbaches oder auch dem Quicken eines angebrannten Schweines verglichen wird. Qunintilian misst, ebenso wie Cicero, der actio die bedeutendste Rolle in den Stadien einer Rede zu. „Einzig der Vortrag gibt bei der Rede den Ausschlag.“

Neben Augustinus der im Mittelalter in der Predigt den Schwerpunkt in der Gedankenfindung und Bibelexegese sieht, hatten Paulus von Manosata oder Gregor von Nazianz durch deren leidenschaftliche Reden und Gottesdienste hohen Bekanntheitsgrad erworben. Alkuin greift in seinem Werk dialogus de rhetorica et virtutibus auf Ciceros de oratore zurück und schriebt beschreibt Vorbereitungstechniken wie etwa die Kontrolle der Stimme und des Atems sowie die Bewegung von Körper und Zunge. Unter dem Aspekt der Angemessenheit sollen auch hierbei Regeln zu einer klaren Aussprache und richtigen Betonung erlernt werden.

Mit dem aufkommenden Humanismus erfolgte ein Verschmelzen von Schauspiel und Redner. Der Akteur müsse auch Redner sein, wie es das Schauspiel der Humanismusschulen damaliger Tage belegt. Was sich am meisten beim Vortrag schickt, muss man durch Nachahmung auf dem Forum lernen, Ph. Melanchthon.

G.H. Vossius untermalt in seinem Werk commentarium rhetoricorum, sive oratoriarum institutionum libri sex 1606, die neben den einzelnen Teilen der Rede, die Sonderstellung der actio und memoria unter dem Begriff pronuntiatio.

  1. Geissler, der rhetorischen Tradition folgend, beschriebt das Zusammenwirken von innerer und äußerer Beredsamkeit, trennt zwischen dem Schauspiel und der Rede und misst der actio eine unterstützende Bedeutung im Sinne aller fünf Teile einer Rede zu. Im Hinblick auf eine Revolutionsrhetorik wären Redner wie Lenin, Luxenburg oder Liebknecht keinesfalls so erfolgreich gewesen, wenn sie nicht die Vortragskunst der actio verinnerlicht hätten.[1]

Dominic Maier

[1]Gert Ueeding, Historisches Wörterbuch der Rhetorik, 43-74, Bd. 1, Darmstadt.