Bericht aus der Schule

Soll die Zentralmatura abgeschafft werden?

Ein Bericht aus der Schule der Salzburger Rhetorikstudentin  Verena Proksch zu einem Rhetorikprojekt im BG Zaunergasse, Salzburg

Im Rahmen der Lehrveranstaltung Rhetorikausbildung heute (Sommersemester 2016 Leitung M.A. Bernd Rex) nahm ich die Gelegenheit wahr, einen eigenen Rhetorik-Workshop für das BG Zaunergasse zu planen. Dabei sollten mir ein Block von vier Einheiten und eine Gruppe von zwölf Schülerinnen und Schüler zur Verfügung stehen. Da die Schülerinnen und Schüler im Vorfeld bereits den Wunsch geäußert hatten, Argumentationsübungen durchführen zu wollen, entwarf ich schon im Seminar einen Plan, der zu einem geringen Teil Theorie und zu einem großen Teil Praxisübungen vorsah.

Grundsätzlich ist es mir stets ein Anliegen, den Schülerinnen und Schülern klar zu vermitteln, was wir warum machen und ihnen auch die Wichtigkeit sowie Sinnhaftigkeit der Übungen begreiflich zu machen. Der erste Teil des Blocks startete mit einer Argumentationsstaffel, in welcher die Gruppe in eine pro- sowie eine contra-Fraktion aufgeteilt wurde, damit diese abwechselnd Argumente zu einem Thema austauschten. Meine Gruppe ließ sich bereitwillig darauf ein und konnte tatsächlich solange Argumente vorbringen, bis ich schließlich abbrechen musste. Das lag sicherlich auch an der Themenwahl, welche die Schülerinnen und Schüler getroffen hatten: Soll die Zentralmatura abgeschafft werden? Anschließend folgte ein kurzer Theorieteil, in welchem ich auf grob eine Redestruktur erläuterte, nach welcher sich die Schülerinnen und Schüler im Zuge der Debatte richten konnten. Im zweiten Teil des Blocks wurde eine Debatte zum Thema Sollen Drogen legalisiert werden? abgehalten, wobei ich die Regeln der Debatte modifiziert hatte. So gab es vier statt drei Fraktionsredner und auf die unterschiedlichen Funktionen der unterschiedlichen Positionen (Eröffnung, Schluss etc.) verzichtete ich vollständig. Zusätzlich sollten sich die Schülerinnen und Schüler in Teams wechselseitig Feedback geben, welches ich gegebenenfalls noch ergänzte. Die Feedbackrunde fand zum Abschluss statt und funktionierte wirklich gut. Eine Schülerin wollte auch mir Feedback geben, welches zu meiner Freude sehr positiv ausfiel. Deshalb gehe ich davon aus, dass die Schülerinnen und Schüler Spaß an diesem Workshop hatten und ihre praktischen Fähigkeiten sowie ihr theoretisches Wissen vertiefen konnten. Wenn man dann als angehende Lehrerin auch noch zu hören bekommt, dass man seine Sache sehr gut gemacht und schöne Haare hat, freut man sich umso mehr 😉 An dieser Stelle möchte ich betonen, wie engagiert und sympathisch die Gruppe war und dass die Zusammenarbeit mit ihnen wirklich toll funktionierte.

Da ich schon am Ende meines Lehramtsstudiums stehe und bereits Erfahrungen in der Schule sammeln konnte, war das Planen von Inhalt und Zeitstruktur nichts Neues. Allerdings verlagerte sich der Fokus extrem auf den sehr ausgedehnten Praxisteil und auf die Aktivität der Schülerinnen und Schüler. Ich hatte im Seminar selbst die Möglichkeit, den Workshop zu testen, was mir sehr weitergeholfen hat. Man hat aus Lehrerperspektive doch stets die Theorie im Blickfeld, welche in diesem Workshop letztendlich auf ein Minimum reduziert wurde.

Für Lehramtsstudierende ist dieses Angebot sehr zu empfehlen – insbesondere für Lehramtsstudierende, welche das Rhetorikzertifikat anstreben, da man die Chance erhält, genau das, was man später in der Schule umsetzen möchte, schon jetzt in einem geschützten Rahmen verwirklichen zu können. Auch alle anderen Rhetorikstudierenden können von diesem Angebot nur profitieren, da man nicht nur seine eigenen rhetorischen Fähigkeiten vor einer großen Gruppe unter Beweis stellen muss, sondern auch gefordert ist, diese zu vermitteln und zudem die Fähigkeiten anderer zu analysieren sowie Verbesserungsvorschläge zu machen. Vorteile hat der Workshop allerdings nicht nur für uns Rhetorikstudierende, sondern auch für die Schule, welche diesen Workshop in Anspruch nimmt. Die Lehrkräfte erhalten einen Einblick darin, wie eine praxis- und schülerorientierte Rhetorikstunde aussehen könnte, welche immer wieder in den Unterricht integriert werden kann, und die Schülerinnen und Schüler können ihre rhetorischen Fähigkeiten, welche schließlich in allen Lebensbereichen von Nutzen sind, ganz praktisch üben – und als Nebeneffekt wird der Unterrichtsalltag aufgelockert.

Für mich war der Workshop ein Erfolgserlebnis!