Archiv der Kategorie: Allgemein

2018 Satuer Vortragende Titel und Themen-03

Aladaĝ, Bariş (Berlin): Musik visualisieren.  Von der Ideenfindung über den kreativen Prozess bis zum fertigen Werk – Plenarvortrag

Baris Aladags Liebe zur Musik begann in den frühen 90ern mit seinem Debüt als Teenager-DJ in Stuttgart. Es folgten seine prägenden Jahre in der lebendigen Musikszene und der Wunsch, die Emotionalität der Musik in Bilder zu übersetzen. Die logische Konsequenz, als Regisseur für Musikvideos zu arbeiten, zog ihn zum Studium an die Kunsthochschule für Medien nach Köln. Nach seinem Abschluss folgen mehrere preisgekrönte Kurzfilme, Dokumentationen, Musikvideos für Alanis Morissette, Jean-Michel Jarre und Clueso, Werbespots für Mercedes, VW, Braun und Audi sowie die beiden Viral-Hits für die Berliner Verkehrsbetriebe „Is Mir Egal“ und „Arie“. Mehr als 20 Kreativpreise, darunter den silbernen Löwen in Cannes, würdigen seine Arbeiten. Eines bleibt die immer wieder verbindende Konstante: Seine Leidenschaft zur Musik. Seine Arbeiten als Songtexter für Joy Denalane, Max Herre und Clueso werden durch zahlreiche Goldene und Platin Schallplatten prämiert.

In seiner Werkschau präsentiert Aladag den Weg, Geschichten auf künstlerische Art zu erzählen. Welche Bilder schaffen die richtige Verbalisierung einer Geschichte, eines Gefühls? Welche Mittel benötigt es, um diese Bilder wiederum zu erzeugen und schlussendlich zu einem Gesamtwerk zusammenzubringen? Das Gespräch gibt einen umfassenden Einblick in die Anfänge einer Vision unter der konstanten Prämisse, diese weiterzuentwickeln und deren Umsetzung zu planen. Aladag veranschaulicht seine persönliche Arbeitsweise und gibt Anreize, Musik und Wörter mit Bildern zu verknüpfen, Visualisierung von Emotionen gelingen zu lassen und sensibles Storytelling in ein wirksames Gesamtwerk zu transformieren. Welche Motivation, Inspiration aber auch Hindernisse und Hürden den kreativen Prozess beeinflussen und auf welche Art und Weise er am besten in Bildern erzählen kann, werden in dem Vortrag aufgezeigt. Dabei verschafft er einen intimen Zugang zu seinen Arbeiten und verrät, wie man eine Oper in die U-Bahn bringt, einen Damenrasierer in einer Badewanne inszeniert, ein visuelles Konzept für Liebeslieder entwickelt, internationale Stars ins perfekte Licht rückt und bei allem die eigene Lust, Ungesehenes zu entwickeln, stetig lebendig erhält.

Blankenheim, Björn (Wuppertal): „Furcht und Schrecken. Zur Erfindung der ›Visuellen Rhetorik‹ im Computerspiel DoomSektionsvortrag

Anfang der 1990er Jahre entwickelte sich der Personal Computer nach dem Standard von IBM zur leistungsstärksten Plattform für Computerspiele, womit auch bis dahin unerreichbare visuelle Ausdrucksmittel zugänglich wurden. Das im Dezember 1993 veröffentlichte Spiel Doom von id-software steht wie kein anderes für diese Zeitenwende im Einsatz grafischer und auditiver Mittel.

Der Vortrag beleuchtet die (Wieder-)Entdeckung jener (audio-)visuellen Techniken, die hier Anwendung fanden, um bei den Spielenden Furcht und Schrecken hervorzurufen und die in vielerlei Hinsicht in der Tradition der frühneuzeitlichen Bildrhetorik stehen. Im Zentrum der visuellen Rhetorik steht damit gerade eben nicht die Persuasion, sondern die Wirkungsintention der Medienschaffenden.

Brassat, Wolfgang (Bamberg): Bildende Kunst und  Konversationsrhetorik“ Plenarvortrag

Kunstwerke, so formuliert es Niklas Luhmann, sind “Programme für zahllose Konversationen” über das Kunstwerk, den Sinn und Zweck der Kunst und über Gott und die Welt. Luhmann versteht Kunst als ein “symbolisch generalisierte Kommunkationsmedium”, dessen Funktion darin besteht, an sich unwahrscheinliche Kommunikation zu ermöglichen. Dabei hebt er die soziologische Bedeutung des kommunikativen Gebrauchs von Kunstwerken hervor: Erst durch das Sprechen über Kunst wird diese soziale Realität und kann Kunst autonom werden, sich das Kunstsystem ausdifferenzieren.

Der Vortrag wirft ein Licht auf das Sprechen über Kunst in der Antike und der Frühneuzeit. Schon in der Antike existierte eine entwickelte Kultur des kommunikativen Gebrauchs von Kunst. Bereits im 5. Jahrhundert v. Chr. gab es Kunstwerke, die offenbar den Zweck hatten, im Rahmen von Symposien das Gespräch über sie und die verschiedenen Künste anzuregen. Später entstanden mit den von Varro, Vitruv u.a. erwähnten pincothecae bereits gesonderte Orte der Kunstpräsentation und damit einhergehend entwickelte sich die ekphrasis zu einer eigenständigen Gattung des kunstvollen Sprechens über Kunstwerke. Der antike Kunstdiskurs lebte spätestens in den Zeiten Petracas wieder auf, in der abermals eine ars conversationis und Kunst des bel parlare entstand, zu deren bevorzugten Themen neben der Liebe die Künste und ihr Wettstreit gehörten. Diese Konversationsrhetorik orientierte sich an dem in der Antike, vornehmlich als rhetorikethischer Maßstab formulierten Wertekanon der urbanitas, der in der Renaissance abermals zu einem Maßstab zivilisationsgeschichtlicher Blüte wurde. Der Vortrag wird einige Quellen zu den historische Formen des kommunikativen Gebrauchs von Kunstwerken, vor allem aber Kunstwerke behandeln, bei denen aufgrund von Kontextmarkierungen, Rezeptionsvorgaben, Formen interner Dialogizität bzw. Interpikturalität und Paradoxien ihre Funktion als Gesprächsanreiz und -programm evident ist.

Brockmann, Lorenz (Tübingen): „Visuelle Rhetorik im Wahlkampf. Praxisbeispiel der Plakatkampagne von Tübingens Oberbürgermeister im Rahmen seines Wahlkampfes 2014“Sektionsvortrag

Anders als etwa in Amerika ist in Deutschland das Wahlplakat das wichtigste Wahlkampf-medium, zumindest was den Ressourceneinsatz von Parteien angeht. Damit sind Plakate ein zentrales Wahlkampfinstrument und ein beliebter Forschungsgegenstand, doch Wahl-kampfexperten sind sich einig: Ein Plakat kann nicht überzeugen. Die Aufgaben, die Wahl-plakaten in kommunikativen Überzeugungsprozessen zukommen, sind Aufmerksamkeit zu erzeugen, Interesse zu wecken und Diskussionen anzuregen, sowie Kernbotschaften der Kampagne zu vermitteln.

Lorenz Brockmann hat innerhalb der „WEITER“-Kampagne für Tübingens Oberbürger-meister Boris Palmer 2014 eine Strategie mit vier Plakatwellen entwickelt, die über typische Kopfplakate hinausgingen: Die erste Plakatserie war ein Bilderrätsel, ließ keine Rückschlüsse auf den Urheber zu und diente der Erregung von Aufmerksamkeit (sog. attentum parare). Die Presse griff bereits diese erste Plakatwelle auf und fragte nach dem Urheber. Die zweite Serie glich gestalterisch der ersten, löste das Rätsel und machte den Urheber sowie dessen Intention kenntlich. Es folgten Themenplakate in reduziertem Design und mit wenigen Farben. Palmers Erfolge und zukünftige Ziele wurden hier mit Fakten gestützt und überzeugten auf logos-Ebene. Eindeutige Piktogramme dienten als Querverweise für je eines der zehn Themen aus Palmers Wahlprogramm. Diese argumentative Serie bildete das Kernstück der Kampagne. Kurz vor der Wahl folgten Sympathieplakate von Palmer auf dem Marktplatz im Herzen Tübingens, die mit ethos und pathos arbeiteten. Trotz unterschiedlicher Designs sorgten wiederkehrende gestalterische Elemente für einen klar erkennbaren roten Faden.

Die Plakatkampagne von Palmer ist außerdem ein Beispiel für eine zielgruppenspezifische Ansprache, denn die Kampagne richtete sich vorwiegend an Fußgänger, Radfahrer und Nutzer des Nahverkehrs, was größere Spielräume der Plakatgestaltung über die üblichen Drei-Wort-Botschaften hinaus möglich machte. Der Erfolg der Plakatkampagne lässt sich nicht nur am Wahlergebnis von knapp 62% im ersten Wahlgang erkennen, sondern auch an der medialen Resonanz, die alleine die Plakate erreichten.

Galonska, Tomma (München): „Das Bildwerk und seine Stimmen. Über die Vision des ›sichtbaren Sprechens‹ in Dante Alighieris ›Commedia‹“Lecture Performance

Eines der bedeutendsten Reliefs der Kulturgeschichte wurde nie gemeißelt, außer in der Imagination. Gemeint ist jenes berühmte Relief des sichtbaren Sprechens, das Dante an den Eingang des Purgatoriums stellte (Göttliche Komödie, 2. Teil, X. Gesang). Drei Szenen sind in Marmorwände gemeißelt und der Betrachter meint die dargestellten Figuren sprechen, gar singen zu hören. Seit nunmehr siebenhundert Jahren hat Dantes Idee dieses visibile parlare die Kunsttheorie und Künstler_Innen weltweit inspiriert. In einmaliger Weise verdichtet sich hier die gegenseitige Bezogenheit von Bild und Wort, wird Dichtung in ein ausdrückliches Verhältnis zur Malerei gesetzt und umgekehrt.

Es ist nicht der Wettstreit der Künste, der hier thematisiert wird. Vielmehr zielen Dantes gemeißelte Figuren, deren Sichtbares sinnlich hörbar wird, auf die Überschreitung genau jener Reduktion, die einem ästhetischen Medium unwiderruflich inhärent ist. Die kategoriale Differenz zwischen Bild und Text scheint aufgehoben. Wohl wissend, dass dies (für die Menschenwelt) Utopie bleiben muss, wird es für Dante einerseits zum Inspirations-punkt und Kern seiner Kunstkonzeption: Ein jeweiliges Medium soll vom Künstler so weit als möglich über sich selbst hinaus geführt (oder gedacht) werden, um vom je anderen Medium durchdrungen werden zu können. Andererseits wird an eine  Suggestion appelliert, in deren Zentrum die Erfahrung des Rezipienten steht: Er ist es, der die mediale Transgression vollzieht, in seiner Imagination verbindet sich, was „dem Auge als Skulpturen, dem Ohr als Rufe, dem inneren Auge als Vision erscheint“. (Gmelin, Herrmann: Die Göttliche Komödie. Kommentar. II. Teil, Stuttgart 1955; S. 173.)

In theoretischen Streifzügen und anhand vorgetragener Textpassagen will die Lecture Performance Dantes vielschichtiges Konzept des sichtbaren Sprechens nachspüren und die Commedia als Zeugnis überwältigender Imaginationskraft erkunden.

Hagen, Judith S. (Jena): „Tränen und Emotionen in der Rhetorik Ciceros“Sektionsvortrag

In der antiken rhetorischen Literatur finden sich sowohl Belege für die die Verwendung visueller Elemente in der Redepraxis als auch Reflexionen über ihren Einsatz. Besonders Mimik und Gestik haben einen entscheidenden Einfluss darauf, wie glaubwürdig ein Redner auf seine Zuhörer wirkt, und somit auch darauf, wie erfolgreich er ist.

Ein besonders intensives Mittel, die eigene Rede gestisch zu untermalen, stellen Tränen dar. Sie transportieren Emotionen nach außen und machen sie für andere sichtbar; um welche Emotionen es sich im jeweils vorliegenden Fall handelt, ist kontextabhängig. Als Bestandteil der rhetorischen Strategie werden Tränen bereits in Ciceros De oratore empfohlen: Setzt der Redner sie an passender Stelle ein, sind sie das geeignetste Mittel, um beim Publikum Mitleid und ebenfalls Tränen hervorzurufen. Die affektische Beeinflussung der Richter und weiterer Zuhörer ist demnach durch den Einsatz irrationaler Argumente besonders stark und vollzieht sich in der Sichtbarmachung der Emotionen des Redners.

In seiner Schrift über den idealen Redner legt Cicero die theoretischen Grundlagen dar, die den künftigen Orator erfolgreich werden lassen sollen, doch lässt er die Teilnehmer dieses Dialogs auch aus deren eigener Redepraxis erzählen, um dem Leser sogleich die konkrete Anwendung der Ratschläge vor Gericht zu erläutern.

Es stellt sich nun die Frage, inwiefern Ciceros Empfehlungen in De oratore sich in seinen eigenen erhaltenen Reden widerspiegeln. Tränen finden in unterschiedlichen Kon-notationen darin Erwähnung: nicht nur eigene Tränen, sondern auch die Tränen anderer werden erwähnt. Die Untersuchung von Tränen als eines visuellen Phänomens mit Ausnahmecharakter in Zeugnissen rhetorischer Praxis lenkt den Fokus weg von deren verbalen Gehalt beziehungsweise den darin vorgebrachten Sachargumenten und legt ihn auf die Bedeutung nonverbaler Kommunikationsmittel.

Heinen, Ulrich (Wuppertal): „Praktische Übungen zur Visuellen Rhetorik“ – Workshop

Visuelle Rhetorik ist (auch? / vor allem?) eine bildnerische Praxis. Ausgehend von der Analyse einiger Beispiele der historischen und neueren visuellen Rhetorik lädt der Workshop zu eigenen praktischen Übungen und Erkundungen ein. In angeleiteten und eigenständigen Umgestaltungen bildnerischer Vorlagen sowie in der Skizze und der daran anschließenden schrittweisen Überarbeitung eigener Bildvorstellungen werden unterschiedliche Verfahren, Mittel und Kritierien der visuellen Rhetorik angewandt,  erprobt, weiterentwickelt und miteinander hinsichtlich des Erreichten und des Erreichbaren verglichen.
Zeichnerische Fähigkeiten sind nützlich, aber nicht erforderlich.
Falls vorhanden, können die TeilnehmerInnen eigenes Zeichenwerkzeug (Bleistift, Kugelschreiber, Filzstift), Skizzenblock, einfaches Klebeband mitbringen. Weiteres Material (Farbstifte, Kopiervorlagen, Tageszeitungen und Illustrierte zum Experimentieren) wird bereitgestellt.

Hinz, Janina (Tübingen): „Die Wirkungsmacht der inneren Visualisierung“Workshop

Techniken zur inneren Visualisierung finden bereits unter anderem erfolgreich in den darstellenden Künsten und im Leistungssport ihren Einsatz. Formen von Imaginationen können dabei helfen, Stress zu reduzieren, Sicherheit zu erlangen und Selbstbewusstsein aufzubauen sowie die performative Präsenz steigern. Die Wirksamkeit von mentalem Training wurde inzwischen in zahlreichen Studien untersucht und nachgewiesen. Das Visualisierungstechniken auch in der Rhetorik ihren Platz haben war bereits in der Antike bekannt, beispielsweise in der Anwendung von Mnemotechniken oder dem Hervorrufen von inneren Bildern beim Publikum als Affekttechnik.

In diesem Workshop soll gezeigt werden, wie sich Rednerinnen und Redner die innere Visualisierung, sprich durch den Einsatz von Mentaltraining, selbst zu Nutze machen können, um durch das Evozieren von Bildern, ihren Auftritt im inneren Film zu proben und Klarheit über ihre Stärken zu erhalten. Zunächst wird genauer untersucht wie innere Visualisierung in Form von Mentaltraining funktioniert. Anschließend werden verschiedene Visualisierungstechniken vorgestellt, um dann in praktischen Übungen selbst Methoden zur inneren Visualisierung und Imagination auszuprobieren und anwendbar zu machen.

Juel, Henrik & Sine Carlsen (Roskilde): „Politicians and the Rhetorical Power of the TV-Camera”Sektionsvortrag

Analyzing the rhetoric of a political debate on television normally means to analyze what is being said and what happens in front of the camera: the words and performance of the politicians. However, the appearance and reception of the politicians’ efforts is also greatly influenced by the work going on behind the camera and with the camera. Skillfully conducted and in the right context a variety of camera movements, cuts, camera angles, and framing options can enhance or even construct what the audience will experience.

Most often these resources of professional television, film, and video productions pass unnoticed, and these features might be considered to be just technical or aesthetic and thus of minor interest for a rhetorical analysis. But it can be argued that the work behind the camera plays and important role in creating the attention, the mood, the emotional impact, the reception and understanding of a political speech and of a political debate. The camera work might be relevant for logos, ethos and pathos. We shall try to show that political debates and speeches on television and on social media deserve to be analyzed not just in terms of what is going on in front of the camera, but also in terms of how the camera and production set-up is staging and framing, moving, changing, focusing and pointing out to the audience. Camera work and editing can be a strong rhetorical tool – and in the hands of our opponents we might even call it “manipulative”.

Moving images can be moving in so many ways.

Kapplmüller, Herbert (Salzburg/München/Berlin): „Ein Bild erzählt sich im Bild als Bild“Sektionsvortrag

Eines der berühmtesten Beispiele für einen konstruierten zentralperspektivischen Bild-aufbau ist die Geißelung von Piero della Francesca (1455 -1460) in Urbino: Piero setzt die mathematisch exakte Konstruktion der Zentralperspektive nicht als Illusionsmittel von Raumtiefe ein.

Während Autoren wie Panofsky den zentralen Fluchtpunkt als symbolische Form für die Unendlichkeit des Raumes interpretiert haben, gibt der Künstler in seinen bild-kompositorischen Strategien eine andere Lesart vor. Anders als allgemein angenommen setzt Pieros Genie die mathematische Konstruktion nicht im Sinne der Illusionierung von Raumtiefe ein sondern als bildrhetorisches Mittel, um Zeit darzustellen. Der narrative und symbolische Gehalt der zentralperspektivischen Konstruktion ist die gleichzeitige Darstellung vergangener und gegenwärtiger Zeit, die er den Bildhälften zuordnet als ein Geschehen im Hinter- und Vordergrund.

In neuer Lesart, als Graphic Novel, zeichne ich, mit welchen bildrhetorischen Strategien Piero die Zentralperspektive systematisch dekonstruiert und konsequent zerbricht, um das Bild als reines Bild zu zeigen und zu reflektieren.

Knape, Joachim (Tübingen): „Gibt es eine phänomenologische Bildtheorie?“Plenarvortrag

Der Vortrag beleuchtet eine Kritik an den Vorstellungen der Phänomenologen vom Bild und ihre Behauptung, es gebe eine “asemiotische Kommunikation”.

König, Sebastian (Tübingen): „Online-Dating-Apps. Ein erster rhetorik-theoretischer Aufschlag“Sektionsvortrag

Kommunikationsprozesse unserer Alltagswelt waren lange Zeit auf ein Hier-und-Jetzt der Kommunikationspartner beschränkt, der klassische Briefwechsel stellte die Ausnahme dar, später das Telefongespräch. Mit dem Beginn der Digitalisierung wurde diese raum-zeitliche Einschränkung jedoch innerhalb kürzester Zeit aufgelöst. Auch das Feld der Partner-werbung war davon betroffen, so entstanden schon in den frühen 1990ern sogenannte Partnerbörsen, die es Suchenden am Computer ermöglichten, Kontakt miteinander aufzunehmen, in ein Chatgespräch einzutreten und auf ein Treffen hinzuarbeiten.

Während diese Plattformen meist einer ‚Profil-Logik‘ folgten, die die Auswahl von bestimmten Eigenschaften der Mitglieder hervorhob und so die explorative Phase der Werbenden in einen eher analytischen Rahmen setzte, hat sich die virtuelle Partnersuche nunmehr durch das Massen-Phänomen Smartphone und die auf diesem Medium entstandenen Online-Dating-Apps zu einer Inszenierung von Bildlichkeit radikalisiert.

In meinem Beitrag möchte ich drei Aspekte dieses Phänomens hervortreten lassen und mit dem rhetorischen Brennglas betrachten: Zuerst soll das neue Setting, der neue Nutzungskontext dieser Online-Dating-Apps genauer ausgeleuchtet werden, denn dieser ermöglicht die Hinwendung zum Visuellen erst oder fordert sie in manchen Fällen sogar. Anschließend möchte ich auf das unterschiedliche Design verschiedener Online-Dating-Apps eingehen, denn gerade die Designstruktur ist es häufig, die Bedingungen stellt, sodass die Kommunikatoren keine andere Wahl haben, als Bildlichkeit zum stärksten argumentativ-persuasiven Faktor werden zu lassen. Eine erweiterte Frage wird hier sein, ob das Design einer Online-Dating-App ein Potenzial im Sinne einer Dispositivstruktur besitzen kann, bestimmte Arten von Nutzer-Subjekten zu prägen. Beispielsweise: Führt die stets saliente ‚Listen-Logik‘ zu einem vermehrten Streben oder gar zu einer endlosen Suche nach dem perfekten Partner, der perfekten Partnerin? Der dritte und abschließende Aspekt befasst sich mit visuellen Strategien des klassischen Programms „Tinder“, welches das Online-Dating durch seinen ‚Swipe-Mechanismus‘ popularisierte: Es geht hierbei insbe-sondere um die Frage, ob die rasante Nutzungsgeschwindigkeit als zentraler Faktor bei der sozialen Fokussierung auf das Visuelle gesehen werden kann.

Kreuzbauer, Hanna (Salzburg): „Rhetorizität der Fotografie“Sektionsvortrag

Seit Ihrer Entstehung um 1830 ist die Fotografie zu einem der wichtigsten Bildmedien der Moderne – wenn nicht dem wichtigsten Mildmedium – geworden. Dennoch werden die rhetorischen Mechanismen der Fotografie bis heute nicht völlig verstanden, weshalb dieser Vortrag einen Beitrag dazu leisten soll.

Dazu wird zunächst die Fotografie als Bildmedium kurz vorgestellt. Dann wird auf die spezielle rhetorische Stilistik der Fotografie eingegangen: In Anlehnung an Heinrich Plett wird zwischen drei Klassen von rhetorischen Stilmitteln unterschieden, und zwar (1) prä-und para-ikonischen, (2) ikonisch-symbolischen und (3) textuell-narrativen Stilmitteln. Diese Klassen von Stilmitteln werden zunächst mit Bezug auf die Fotografie erklärt. Im Anschluss daran wird anhand bekannter Beispiele der Fotografie erläutert, wie diese Stilistik in der Fotografie umgesetzt wird und wie man damit rhetorische Profile fotografischer Werke gewinnen kann.

Küffer, Simon (Bern): „Geldschein. Zur visuellen Rhetorik des Geldes“Sektionsvortrag

Das als Dissertation angelegte und vom Schweizerischen Nationalfonds SNF finanzierte Forschungsprojekt widmet sich der Frage, inwiefern massenmediale Bilder beziehungs-weise visuelle Gestaltungen konstitutiv zur sozialen Wirklichkeit Geld beitragen. Dies impliziert ein Geldverständnis, das weit über seine medialen Träger wie Münzen und Banknoten hinausgeht: ähnlich wie ein H&M-Plakat reale Geschlechterverhältnisse re-produziert, so verleiht ein UBS-Plakat einer bestimmten historischen Form und Funktion des Geldes Geltung, zum Beispiel auf Ersparnisse Zinsen zu erhalten.

Hierzu wird ein Bildkorpus analysiert, das unterschiedliche Akteure und damit unter-schiedliche ›Gelderzählungen‹ abzubilden imstande ist: Werbung von Finanzinstituten, Titelblätter der Zeitschriften Spiegel und Beobachter, Musik-Covers aus den Charts sowie die alteund neue Banknotenserie der Schweiz. Ein zentrales Anliegen ist es hierbei, die spezifisch visuelle Qualität und die sich aus ihrer Visualität nährende Eignung dieser Bilder zur Reproduktion des Geldes zu erfassen. Zu diesem Zweck wird ein spezifisches Analyseformat der visuellen Rhetorik verwendet (und ausgebaut), das wir in den letzten zehn Jahren an der Hochschule der Künste Bern HKB erarbeitet haben.

Im Sinne einer Regelästhetik werden hierbei visuelle Techniken an intendierte Wirkungen gebunden: man verwendet z.B. einen schwarzen Hintergrund und die Schrift Bodoni, um elegant zu wirken. Diese Techniken werden grob in drei Gruppen unterteilt: neben den erwähnten ›formalen‹ Stilmitteln sind das die ›inhaltlichen‹ visuellen Topoi (eine Art visueller, schnell verständlicher Gemeinplatz: zum Beispiel die Faust) und die ›relationalen‹ visuellen Figuren (zum Beispiel die Wiederholung oder die Metapher).

Polz, Sylvie & Tomma Galonska (München): „›Ich seh viel mehr, mach ich die Augen zu‹. Über die Wirksamkeit innerer Bilder bei der Rede“Workshop

Im Mittelpunkt dieses Workshops stehen das Erleben und Erforschen innerer Bilder und wir fragen, wie diese unseren Sprachausdruck beeinflussen. Die Fähigkeit zur Imagination ist durch die mediale Bilderflut und den unreflektierten Umgang mit Computern bedroht. Nicht nur führt die Dominanz des Auges zu einem Verlust der Einbeziehung aller Sinne, die Dauerstimulation durch Vorstellungen und Bilder aus zweiter und dritter Hand lassen auch die gestaltende und schöpferische Komponente eigener Bildproduktion aus dem Blickfeld geraten. Was hat im Vergleich mit dem Bilderaufgebot moderner Medien das Reservoir subjektiver innerer Bildsprache anzubieten?

Bei dem Stimm-­ und Sprechtraining von Kristin Linklater werden Tricks aus dem Bereich der Imagination genutzt, um bewusst und zielgerichtet innere Bilder entstehen zu lassen. Faszinierend ist, dass der Einsatz von Imaginationen zu einer idealen Körperspannung führt und damit der Stimme eine organische Schubkraft und Präsenz gibt. Auch das Visualisieren der eigenen Körpersprache ist ein beliebtes und wirksames Mittel der Theaterarbeit, um auf den Körper einzuwirken und so die Bewegungsmuster zu erweitern.

Aristoteles führt die etymologische Bedeutung des Wortes phantasia auf das Licht beziehungsweise den Lichtschein zurück. Das Training des Vorstellungsvermögens kann die rhetorische Überzeugungsarbeit erhellen. Eine Intensivierung der persuasiven Möglichkeiten stellt sich ein, Versprachlichung wird als integrales schöpferisches Handeln erlebbar. Einfache, grundlegende Basisübungen, flankiert durch aktuelle Forschungen aus der Neurobiologie ermöglichen einen neuen Blick auf die Relevanz der Imaginationen. Ergänzend werden wir die positive Wirkung bildhafter Sprache in der Rede beleuchten.

Rex, Bernd F. (Stuttgart): „FlipChart, goodbye?“Workshop

Wer in einem Workshop oder einer Besprechung die Vorteile der Visualisierung nutzen möchte, der greift normalerweise auf FlipChart, Moderationswand, Whiteboard oder auch auf die gute, alte Tafel zurück. In Zeiten, in denen fast jeder ein Tablet (wie z.B. iPad oder ähnliches) oder ein Smartphone nutzt, stellt sich die Frage, ob die herkömmlichen Hilfsmittel der Visualisierung noch zeitgemäß sind. Kann man im Jahr 2018 nicht mit moderneren Mitteln besser visualisieren?

In diesem Workshop soll anhand konkreter Beispiele der Frage nachgegangen werden: „Wie und wofür können Tablet und Smartphone als Hilfsmittel im Visualisierungsprozess genutzt werden?” Dabei sollen auch die notwendigen technischen Voraussetzungen besprochen werden.

Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen sind in diesem Workshop alle Teilnehmenden herzlich eingeladen, ihr eigenes Tablet und Smartphone mitzubringen!

Rohloff, Clara (Tübingen): „Inszenierungsmaschine Instagram. Wenn Bilder Politik machen: Visuelle Topoi in Politikerprofilen von Instagram“Sektionsvortrag

Popstars, Sportblogger oder Fashion-Influencer… Die Liste derer, die Instagram erfolgreich nutzen, um eigenen visuellen Content zu verbreiten, ist endlos. Das #selfie oder das Posten des eigenen #healthyfood gehört zum guten Ton auf Instagram – all das ist Teil der Medienroutine des 21. Jahrhunderts. Aber kann Instagram auch für politische Zwecke genutzt werden? Ist Instagram eine Plattform für politisch-strategische Kommunikation und wenn ja, wie funktioniert diese? Spätestens seit Obama im Jahr 2008 einen Coup aufgrund seiner Social Media-Wahlkampfkommunikation landete, wissen wir: Soziale Medien sind nicht nur eine Spielerei, sie haben politisches Potential!

In diesem Vortrag werde ich Einblick in meine Bachelorarbeit geben, in der untersucht wurde, inwiefern durch die Etablierung von visuellen Topoi auf Instagram politische Ziele erreicht werden können. Dazu habe ich eine Topos-Analyse von insgesamt 600 Photos der Politiker Barack Obama, Angela Merkel und Recep Tayyip Erdoğan durchgeführt. Die grundlegende Fragestellung dabei war: Welche politischen Ziele der jeweilig Regierenden können durch die Nutzung der App Instagram verfolgt werden und auf welche visuellen Topoi wird bei der Durchsetzung zurückgegriffen? Die implizite These hierbei ist, dass Instagram für Politiker beziehungsweise politische Institutionen durch die Verwendung von visuellen Topoi die Möglichkeit bietet, politische Intentionen, wie etwa das Erreichen der jungen Wählergruppe, die Legitimierung der Herrschaft oder den bloßen Imageaufbau, durchzusetzen.

In diesem Kurzvortrag sollen theoretische Aspekte zu Charakteristika und Beschaffenheit der App Instagram gegeben werden und die Rolle von visuellen Topoi bei der Argu-mentation erläutert werden. Anschließend sollen Methodik und Vorgehen der Unter-suchung vorgestellt werden, sowie die Analyseergebnisse präsentiert und einige besondere Fälle hervorgehoben werden. Zum Abschluss des Vortrags kann ein Fazit darüber gezogen werden, inwiefern Topoi-Etablierung auf Instagram überhaupt möglich ist und in welchem Maße sie wirksam sein kann. Außerdem kann ein Ausblick gewagt werden, welche Rolle Instagram in Zukunft im Bereich der visuellen Rhetorik spielen kann und inwiefern sich hier weitere Forschungsfelder erschließen lassen.

Scheuermann, Arne (Bern): „›Design ist unsichtbar‹. Designrhetorik vs. Visuelle Rhetorik“Sektionsvortrag

Bei der Beforschung des Gegenstandsbereichs ‘Design’ lassen sich unterschiedliche Blickwinkel einnehmen; bewährt hat sich hierbei im aktuellen Diskurs die Trias von designen (Produktionsprozess), Designer (Akteure) und Design (Ergebnis: vom Artefakt bis zum Service). Sie ist meines Erachtens in besonderem Masse dazu geeignet, auch rhetorische Positionen zu verwenden, da in ihr Produktionsperspektive und die Rezep-tionsperspektive aufeinander bezogen werden können.

Dies wirft jedoch die Frage auf, inwiefern und auf welche Art spezifisch die ‘visuelle Rhetorik’ als Konzept, Praxis oder geschichtlich gegründete Perspektive beschreibungs-kompetent für Design ist: Wie soll eine ‘visuelle Rhetorik’ mit jenen Bereichen im Design verfahren, die beispielsweise produktionsästhetischer Natur sind, sich aber nicht visuell zeigen; oder mit Artefakten, die an medienspezifische Rhetorizitäten gebunden sind, die nicht visuell sind; oder mit Design, das ganz und gar dezidiert nicht-visuell ist?

Zum Aufwerfen dieser Fragen möchte ich eine bestehende und bereits publizierte Fallstudie (zur Designrhetorik bei Lego Star Wars) in den weiteren Rahmen designtheoretischer Überlegungen von Lucius Burckhardt stellen, mit dessen radikaler Position “Design ist unsichtbar” die ‘visuelle Rhetorik’ auf den Prüfstein gestellt werden kann. Dabei soll auch ausgelotet werden, wie die nicht-visuellen Eigenschaften von Design gleichwohl rhetorisch gefasst und für den Diskurs der visuellen Rhetorik fruchtbar gemacht werden können.

Scheuermann, Arne & Pierre Smolarski (Bern): „Chancen und Risiken der visuellen Rhetorik. Eine Auslotung“Impulsgespräch

In den vergangenen Jahren wurde im Bereich der visuellen Rhetorik, insbesondere aber im Feld der Gestaltung, eine Reihe von Theorievorschlägen gemacht, die neuartige Fragen aufwerfen: Ist visuelles Gestalten per se eine rhetorische techne oder nur in Teilbereichen wie der elocutio? Kann man hier von bestehenden Übertragungsmodi (wie in der Musik) lernen? Welche Rolle spielt die spezifische Wirkungsintentionalität von Medien? Welche Rolle spielt die Historizität des Phänomens? Braucht es in der Gestaltung auch immer einen empirischen orator oder kann auch das gestaltete Artefakt in Zeiten Algorithmus-gesteuerter Kommunikation selbst zum orator werden? Ziel des vorgeschlagenen Zweier-Gesprächs ist es, diese Fragen aufzuwerfen und zu beleuchten – ohne den Anspruch zu erheben, bereits ausformulierte Antworten bereitzustellen.

Im Kern geht es dabei um die Übertragbarkeit antiker und frühneuzeitlicher Konzepte auf (post)modere Zustände: Wo genau ist die Rhetorik beschreibungskompetent für Phänomene ausserhalb des gesprochenen Wortes? Und was sind die Grenzen dieser Konzeption?

Pierre Smolarski und Arne Scheuermann gehen diesen Fragen in einem 20-minütigen Gespräch nach, das die bestehenden Positionen aus Rhetorik- und Designtheorie streitbar mit eigenen Forschungsergebnissen verbindet.

Schuhmacher, Frank (Tübingen): „Ins rechte Bild rücken. Der Mythos als bildgebendes Verfahren bei Benito Mussolini“Sektionsvortrag

Mit dem Einsatz von Metaphern und material gefüllten Topoi konstruierte der italienische Faschist Benito Mussolini eine suggestive Bilderwelt. In meinem Vortrag möchte ich am Beispiel des Imperio-Mythos dieses Verfahren aufzeigen und untersuchen, inwiefern er an schon bestehende Überzeugungen anschloss und diese für die Mobilisierung der Massen benutzte.

Der Mythos als bildgebendes Verfahren ist ein alternatives Erklärungsmodell zum noch immer in der Faschismus- und Propaganda-Forschung vorkommenden Opfernarrativ durch Affektüberwältigung. Für den Mythos grundlegend ist dabei eine bekannte Prämisse aus der Rezeptionsästhetik: ein vages, umrisshaftes Bild ist so ergänzungsbedürftig, dass das Publikum es mit seiner Vorstellungskraft füllen kann und muss.

In einem weiteren Schritt sollen die historischen Wurzeln des verwendeten Mythos sowie die Umformung, die er durch die Faschisten erfahren hat, aufgezeigt werden, um dann als ein Element von vielen in den Reden und Ansprachen des „Duce“ wiederaufzutauchen.

Smolarski, Pierre (Bern/Bielefeld): „Ars bene vivendi. Visuelle Rhetorik des Wohnens”Sektionsvortrag

Die Auseinandersetzung mit der visuellen Rhetorik des Wohnens ist Teil einer größeren Erarbeitung einer Theorie der Alltagsästhetik und deren rhetorischer Indienstnahme. Wohnen in seinem umfassenden, existentiellen Sinn ist bei Heidegger die Weise, wie die Sterblichen auf Erden sind. Es ist der Sinn des Bauens, nicht etwa bloß dessen Ergebnis, und meint im Kern ein Pflegen und Hegen, ein Bleiben und Verweilen und letztlich ein Zufrieden-Sein und Schonen.

Schon ein kurzer Blick in die architekturtheoretischen Debatten – insbesondere zu Beginn des 20. Jahrhunderts – zeigt, dass Wohnen nicht einfach eine ‚Privatsache‘ ist, sondern umfassend als Sinn des Bauens, nicht nur in einem architektonischen, sondern auch in einem gesellschaftlichen Sinn verstanden wird. Es geht um die Erziehung eines ‚neuen Menschen‘, um die Anerziehung eines Sinns für Sachlichkeit und Zweck, ja überhaupt um die Proklamation eines ‚guten und richtigen Lebens‘, das sich nicht bloß im Wohnen zeigen, sondern von da aus – aus dem Alltag des Einzelnen heraus – gesellschaftlich verwirklichen soll. Wohnen ist, so die These des Vortrags, ein hochgradig normativ-didaktisches Konzept, das die alltägliche Reproduktion des Einzelnen wie der gesellschaftlichen Objektivationen (Agnes Heller) unterstützt. Wohnen stabilisiert das gesellschaftliche Bild einer vermeintlich natürlichen Ordnung (vgl. Heideggers ‚Schonung des Geviert‘).

Die zentralen Fragen meines Vortrags werden sein: Was zeigen wir, wenn wir über das Wohnen reden? Wie werden die normativen Ansprüche des Wohnens visuell umgesetzt und wie lässt sich die Inszenierung rhetorisch fassen? Hierzu sollen visuell-rhetorische Inszenierungen in Zeitschriften und Katalogen (IKEA, Schöner Wohnen, etcetera) ebenso Berücksichtigung finden wie TV-Berichte (beispielsweise über das ‚Wohnen auf der Straße‘) und Fragen der Ordnung und Anordnung in Verkaufsräumen (etwa Küchenstudios). Getragen von einer rhetorischen Theorie des Place-Makings (Norberg-Schulz, Tuan, Cresswell) soll gefragt werden, inwiefern die ‚Herstellung des Wohnens‘ ein rhetorischer Akt ist, letztlich also – im Sinne Heideggers – inwiefern Rhetorik ein Bauen ist.

Stöckl, Hartmut (Salzburg): „Bildende Kunst in der Printwerbung. Text-Kunstwerk-Bezüge aus der Sicht einer multimodalen Rhetorik“Sektionsvortrag

Kunst hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Einzug in die Werbepraxis gehalten. Be­kannt ist zum Beispiel die englische Seifenanzeige für Pears aus dem Jahre 1888, die das da­mals populäre Gemälde von John E. Millais A Child’s World adaptiert. Seitdem spiegelt die Wer­bung Kunst­richtungen und -stile, indem sie deren Werke zitiert oder imitiert. In den 1960er  Jahren wird die Werbung auch zum Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. Das sich intensivie­rende inter­mediale Miteinander der beiden sozialen Praktiken Kunst und Werbung lässt sich prinzipi­ell wahlweise als Symbiose, parasitäres Verhältnis oder wechselseitige ästheti­sche Vorbildfunktion beschreiben.

Der Vortrag befasst sich ausschließlich mit der Verwendung und Imitation bekannter Werke und Stile der Bildenden Kunst in neueren Printwerbekampagnen. Er stellt die grundsätzliche Frage, welchen kommunikativen Nutzen die Werbetreibenden aus der Zitation, Manipulation und Imitation von bildkünstlerischen Motiven und Stilen  ziehen und wie diese Effekte rheto­risch erzielt werden kön­nen. Dabei wird die These vertreten und illustriert, dass künstlerische Bil­der nicht allein wegen ihrer konnotativen Mehrwerte Verwendung finden, sondern vor allem im Dienste einer oft indirekten und inferenzreichen multimodalen Argumentation stehen, die ausge­wählte Bildzeichen mit minimalen sprachlichen Aussagen koppelt.

Eben jene Text-Kunstwerk-Bezüge und ihre rhetorisch-argumentative Konstitution stehen im Zent­rum des Vortrags. Sie sollen auf der Grundlage eines kleinen Korpus von Automobil-Anzei­gen in drei Aspekten untersucht werden. Erstens ist zu fragen, welche visuellen Propositionen Kunst­werke und deren Imitationen haben und wie diese in Produkt- und Markendis­kurse eingebun­den werden können. Zweitens gilt es zu untersuchen, welche Typen von Argumenten mit­tels Bildkunst konstruiert werden und wie diese durch Sprache, Bilder und rhetori­sche Mus­ter zustande kommen. Drittens muss geklärt werden, welche kontext-erweiternden Funktionen sprachli­che Kommentare für die Kunstwerke haben und welche logisch-semantischen Bezüge sich dadurch vorzugsweise ergeben.

Der Vortrag zeigt einen Mangel an Kontextualisierung der visuellen Propositionen, Spannung zwi­schen sprachlichen und bildlichen Aussagen sowie wenig explizite multimodale Kohäsion als typische Merkmale von Text-Kunstwerk-Bezügen in der Werbung.

Stumpfögger, Lisa (Salzburg/München/Berlin): „Gibt es so etwas wie einen Bildakt?“Sektionsvortrag

Den Begriff des Bildaktes hat Horst Bredekamp der Sprechakttheorie Paul Austins in Adaption für sein Metier der Bildwissenschaften entlehnt. Bredekamp stützt seine Theorie mit einem Ritt durch die Natur-, Kunst-, Kultur- und Menschheitsgeschichte. Fast scheint es, als habe es nie etwas anderes gegeben und gäbe es auch heute nichts anderes als fortwährend neu entstehende Bildakte. Sei es die Bildnerin Natur oder der Mensch und seine Artefakte: alle Formen der Natur, Gegenstände, das Körperschema, Gesten, Tänze, gemalte Bilder, Plastiken, Fotos, Videoarbeiten, der Mnemosyne-Atlas Aby Warburgs alles sind Beispiele für Bildakte und damit Bild. In diesem Rundumschlag geht ein sinnvoller Begriff des Bildes verloren und taucht der Begriff der Wahrnehmung nicht auf. Nach Bredekamp ist der Kern des Bildaktes eine dem Bild eigene energeia welche diesem ein vom Betrachter unabhängiges und eigenes Lebensrecht zuerkennt. Bredekamp schwebt vor, dass dem Rezipienten beziehungsweise dem Ich des Betrachters eine neue, be-scheidenere Rolle im Geschehen des Betrachtens zuwachsen kann.  Indem dieses sich im Bildakt nicht als Herr und Schöpfer und souveräner Interpret des Kunstwerkes erfährt, vielmehr – unter Berufung auf Adorno – dessen Eigenmacht, Eigengesetzlichkeit und Eigenlogik Gehorsam oder Folge leistet, kann es sich aus seiner egomanischen Selbstbefangenheit befreien. Auch der Wissenschaftler kann sich aus der Befangenheit in Einzeldisziplinen befreien. Dieser so alte wie schöne Gedanke ist im 20. Jahrhundert von namhaften Psychoanalytikern und in der Phänomenologie aufgegriffen und entfaltet worden, worauf Bredekamp nicht Bezug  nimmt.

Damit seine Anstrengung nicht verpufft oder als überholte Rezeptionstheorie missverstanden wird, will der Vortrag die Zielsetzung und den Wert der Bildakttheorie in ihrer antinarzisstischen Intention aufgreifen. Dazu muss der Begriff des Bildes eingegrenzt werden. Das rezipierende oder betrachtende Ich wird erweitert im Begriff des Leibes. Anstelle des Bildaktes rückt der Akt der Wahrnehmung wie ihn Maurice Merleau-Ponty entfaltet hat. Hier ist der Körper nicht Bild sondern Leib welcher nach Sigmund Freud dem in der Körperoberfläche verorteten Ich diejenige Fremdheit gegenüber der Welt beschert, auf die Bredekamp zielt und auf die es ankommt, will der heutige Mensch dem Gefängnis seines narzisstischen Verhältnisses zur Welt mit Hilfe der Kunst entwachsen. Visuelle Rhetorik wäre hier verstanden als bewusst gelebte Beziehung zu Bild, Raum und Welt.

Susanka, Thomas (Tübingen): „Eine Rhetorik des Anschaulichen“Sektionsvortrag

Die Theorie der visuellen Rhetorik sieht sich vor zahlreichen Herausforderungen: Auf der einen Seite gilt es, deduktiv die Anwendbarkeit der Kategorien der Rhetorik im Bereich der visuellen Kommunikation zu überprüfen, anderseits heißt es, in induktivem Verfahren eine dem Visuellen eigene Rhetorik zu identifizieren, so Sonja Foss (2004). Jedoch bleibt das Feld der visuellen Kommunikation dabei häufig noch unbestimmt und wird sodann als identisch mit Bildlichkeit gedacht.

Das Reich der visuellen Kommunikation ist aber weitaus umfangreicher und komplexer, umfasst auch Typografie, den Einsatz von Farben, das Layout – und vor allem eine Vielzahl von sehr unterschiedlich funktionierenden und bedeutenden Visualisierungsformen (von denen Bilder nur eine Variante sind). Wie lässt sich angesichts dieser Pluralität überhaupt von einer einheitlichen Theorie der visuellen Rhetorik sprechen? In dem Vortrag möchte ich dieses Spannungsfeld am Beispiel des rhetorischen Konzepts der evidentia und den beiden angeschlossenen Techniken der enérgeia und enárgeia untersuchen und – auf induktiven Wege – nach einem allgemeinen Merkmal einer visuellen Rhetorik suchen.

Wacker, Gabriela (Tübingen):  Graphic novels im Deutschunterricht zum Dekodieren der Bilder verhelfen

 Der moderne Comic ist mittlerweile als ‚Neunte Kunst‘ profiliert und beschäftigt zunehmend auch die Deutschdidaktik. Unter die Gattung ‚Comic‘ lässt sich die ‚Graphic Novel‘ (deutsch graphische Novelle oder Bildroman) subsumieren, deren Begriff 1978 von Will Eisner geprägt wurde. Darunter versteht man nach Wolfgang Hallet eine fiktionale romanartige Langerzählung, die sich der Darstellungsweise des Comics bedient. Neben einer Graphic Novel zu Kafkas „Verwandlung“ (von Eric Corbeyran (Szenario) und Richard Horne (Zeichnungen) von 2010), die Text und Bilder neuartig kombiniert, soll eine Graphic Novel thematisiert werden, die lediglich aus Bildsequenzen besteht – wie etwa Shaun Tans „Ein neues Land“ – und somit eine besondere Herausforderung für die Lektüre darstellt. Wie diese ‚stumme‘ Graphic Novel, eine berühmte Bildgeschichte über Migration und die Reise eines Familienvaters in ein neues Land – u.a. im Deutschunterricht, aber auch darüber hinaus – ‚gelesen‘ respektive gedeutet und welche rhetorischen Bildnarrative klassifiziert werden können, soll im Mittelpunkt der Betrachtung stehen. Zahlreich verwendete dokumentarische Bildvorlagen, die für den Migranten wie für den Rezipienten fremden Symbole und anfangs unverständlichen Zeichen des neuen Landes, die Empathie ermöglichen, der funktionale Einsatz des ‚Rinnsteins‘ mit Farbtonwechseln zur Markierung unterschiedlicher Erzählebenen, die durch den fehlenden Text aufgeworfenen zahlreichen ‚Leerstellen‘ zwischen den Panels und Bildsequenzen u.a. laden zur – auch handlungs- und produktionsorientierten – Analyse und Kommentierung der Bildsemantik mit dem Ziel einer Vertiefung der interkulturellen und medienrhetorischen Kompetenzen ein.

 

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Für die Plenarvorträge haben wir bereits folgende Redner gewinnen können:

  • Baris Aladag, Regisseur und einer der gefragtesten Videokünstler, Berlin wird über die rhetorische Kunst des videoclips sprechen
  • Wolfgang Brassat, Professor für Kunstgeschichte der Universität Bamberg, wird über den kunsthistorischen Zugang zur visuellen Rhetorik sprechen
  • Joachim Knape, Professor für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen, wird über das Verhältnis von Semiotik und Hermeneutik des Bildes sprechen

Und worüber wollen Sie sprechen? Bitte schicken Sie uns Ihre Bewerbung bis zum 1. März!

 

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2018 Satuer Visuelle Rhetorik-01

SaTüR 2018 in Salzburg:
Visuelle Rhetorik

Von 1. bis 2. Juni 2018 finden in Salzburg die 10. Salzburg-Tübinger Rhetorikgespräche (SaTüR) statt.

  • Beginn: Freitag, 1. Juni ca. 14 Uhr
  • Ende: Samstag, 2. Juni mittags
  • Veranstaltungsort: Universität Salzburg, FB Altertumswissenschaften/Alte Residenz
  • Tagungsbeitrag 30 Euro (Studierende 15 Euro)

Wie in Tübingen bei den letzten SaTüR 2017 beschlossen, wollen wir über visuelle Rhetorik sprechen. Ähnlich wie bei den SaTüR 2016 sollen Veranstaltungen unterschiedlichen Formates möglich sein: Vorträge, auch ganze Panels, Workshops und anderes, je nach Ihren Vorschlägen.

Das Thema selbst gehört zu den zentralen Aufgaben der Rhetorik: wie kann neben dem und ohne den sprachlichen Code der analoge, also bildliche Code für die Überzeugung und affektische Beeinflussung genutzt werden?

Beiträge zu diesem Thema können also entweder

— Beispiele visueller Rhetorik und neue bildrhetorische Forschungen vorstellen;
— theoretische Grundlagen in der Rhetorik untersuchen;
— danach fragen, ob es so etwas wie einen Bildakt gibt;
— oder auch bildliche Mittel wie die Metapher in Rede und Dichtung analysieren.

Auch das innere Bild kann untersucht werden: etwa

— welche Rolle es beim Einstudieren einer Rede oder bei der Stimmarbeit spielt;
— und wie es auf die eigene Persönlichkeitsentwicklung Einfluss nimmt.

Titel und kurze Inhaltsbeschreibung (maximal 300 Wörter) bitte bis zum 1.März 2018 an

rhetorik@sbg.ac.at

 

Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge und auf Sie selbst im Juni 2018

 

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Lichtbild oder Kreide: Performanz des Denkens im wissenschaftlichen Vortrag

Nadia J. Koch

Lichtbild oder Kreide: Performanz des Denkens im wissenschaftlichen Vortrag

 

Vorgetragen am 2. Juni 2017 bei den Salzburg-Tübinger Rhetorikgesprächen an der Universität Tübingen, die dem Thema ›Reden schreiben, Reden halten‹ gewidmet waren.

Innerhalb der Sektion ›Rede in der Wissenschaft‹ möchte ich mich

  1. mit der Frage beschäftigen, wie eine der häufigsten Handlungen von uns Wissenschaftlern, nämlich das Halten von Vorträgen, im rhetorischen System zu verorten ist;
  2. werde ich die merkwürdige Ausgangslage skizzieren, dass die florierende wissenschaftliche Ratgeberliteratur uns zwar beim Schreiben von Haus- und Qualifikationsarbeiten zur Seite steht, aber schweigt, wenn es darum geht, rhetorische Standards in diesem Feld zu etablieren. Schließlich wird
  3. im letzten Teil das rhetorische Ereignis der Präsentation im Mittelpunkt stehen, sei es mit Powerpoint, Prezi oder vergleichbaren Programmen. Denn seit dem kritischen Beitrag von Joachim Knape auf der DFG-Tagung Powerpoint-Präsentationen – Neue Formen der gesellschaftlichen Kommunikation von Wissen,[1] sehen sich manche Präsentationsexperten in der Offensive; in einer typischen Paragonediskussion versuchen sie den Rhetorikern nun in Blogs und Buchratgebern die Überlegenheit ihrer Kunst zu demonstrieren.

1. Das Wissen als Wirtschaftswert

In seiner Werkserie ›Wirtschaftswerte‹ aus den 1970er- und 80er Jahren führte Joseph Beuys vor Augen, was der Mensch zum Leben benötigt. Im Ensemble von Streichhölzern, Salz, Zwieback, Schneidbrett – Grundgütern, die in den Sälen verschiedener europäischer Museen ausgestellt wurden – fand sich auch eine Schiefertafel mit der Kreideaufschrift »Joseph Beuys/ 1 Wirtschaftswert«.[2] Mittlerweile ist sie als eigenständiges Kunstwerk versteigert worden.[3] Künstlerbiographisch könnte man die Tafel als Zeugnis von Beuys‘ Gewohnheit verstehen, sich bei Vorträgen Notizen zu machen, was auch seine Weggefährten bestätigt haben.[4] Bildrhetorisch betrachtet geht es im Ensemble mit den Überlebensgütern freilich um ein grundsätzliches Statement, um die Tafel als Medium zum Speichern und Verbreiten von Wissen. Sie ist die Memoria, ohne die die existentiellen Tätigkeiten wie Feuermachen, Essen und Trinken im rein Biologischen verharren. Denn ohne Einbindung in das gemeinschaftlich bewahrte und immer wieder wachzurufende Wissen entbehren die Überlebenshandlungen jeglichen Sinnes. Zugleich ist die Tafel eine Aufforderung zum Dialog: »Wer nicht denken will fliegt raus« – notierte Joseph Beuys, als er einem Documenta-Vortrag zuhörte.[5] Nur, wenn das auf der Tafel Gezeigte auch fortgedacht wird, bleibt es in der Welt und hält sie am Leben.

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2005 Satuer 2. Salzburger Rhetorikgespraeche-03

Einen Zeitplan der Rhetorikgespräche finden Sie hier.


Inhalt der Vorträge
(in alphabetischer Reihenfolge)
Übersicht:

Astleitner, Hermann
Unterricht in Argumentation

Barsfeld, Dariush
Rhetorik im Beschwerdemanagement

Bergthaler, Wolgang – Galler, Roland – Strohmaier, Robert
SPEAKY – ein Tool zur Verbesserung ihres Vortrags

Dorn, Georg
Argumentehierarchien in Wissenschaft und Alltag

Ebert, Axel
Wirtschaft im Wort/Wording

Gratzl, Norbert
Rationale Argumente in der Ethik

Hiebl, Ewald
Geschichte(n) im Radio

Hieke, Alexander
Rationale Argumentation in der Metaphysik

Hoppmann, Michael
Debatte als rhetorische Übungsform – Geschichte und Gegenwart

Kamitz, Reinhard
Überlegungen zu einer Paradoxie des rationalen Glaubens

Kemmann, Ansgar
Debattieren an der Schule – Am Beispiel des Bundeswettbewerbes Jugend debattiert

 Kienpointner, Manfred
Rhetorik im 21. Jhdt. Probleme, Positionen und Perspektiven

Kleinknecht, Reinhard
Zum Verhältnis zwischen  deduktiver Ableitung und deduktiver Begründung

Kolmer, Lothar
Der Krieg mit Worten: Eristik

Kreuzbauer, Günther
Didaktik der Argumentation am Beispiel der Rechtswissenschaften

Leitgeb, Hannes
Argument und Beweis

Losek, Friedrich
Die Verankerung v. Rhetorik in den neuen Lehrplänen d. österr. Gymnasien

Löffler, Winfried
Spielt die rhetorische Qualität von Argumenten eine Rolle bei der logischen Analyse?
 

 

 

Mayer, Heike
Zu viele Mauern, zu wenig Brücken. Rhetorik in Theorie und Praxis

Milovic, Helga
Die Lehrerausbildung für das Fach Kommunikation u. Präsentation an humanberuflichen und technisch- gewerblichen Lehranstalten

Müller, Ulrich  
Geschichte der Rhetorik: Poetische Texte des Mittelalters – ein Workshop

Müller, Werner
Ich will Eis: Ein Supermarktkassen-schlangenszenario als Einführung in die Rhetorik

Pfeifer, Niki
Syllogistik modern

Plasser, Silvia – Mittendorfer, Franz
Kommunikation und Präsentation am BG Gmunden

Raml, Walter
Rhetorische Anforderungen in der Wirtschaftskommunikation

Rex, Bernd
Debatte als Übungsform im professionellen Rhetoriktraining

Rixgens, Jürgen
Ideal und Wirklichkeit- oder warum es so wenige mitreißende Präsentationen gibt

Ross, Alexander
Vortragstitel

Till, Dietmar
Rhetorik als Schlüsselkomptetenz: Empirische Befunde – praktische Umsetzung

Trotha, Thilo von
Redekultur im Wandel – Veränderungen in Deutschland

Tröger, Thilo
Debattierclubs und rhetorisches Training an Hochschulen am Beispiel der Universität Greifswald

Weixlbaumer, Claudia
Critical Thinking – Argumentationsunterricht am Beispiel der USA

Wöller, Roland
Sprache und Politik

Zieher, Anita
Theater funktioniert! Was RednerInnen vom Theater lernen  können

 

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2006 Satuer Rhetorik ein Genuss-03

Einen Zeitplan der Rhetorikgespräche finden Sie hier.


Inhalt der Vorträge
(in alphabetischer Reihenfolge)
Übersicht:

Anglberger, Albert
„Non-Kognitivismus und Normenlo­gik: ein Dilemma?“

Astleitner, Hermann
„Kann man mit Web-Vorlesungen Argumentieren lernen?“

Barsfeld, Darius
„Interne Unternehmenskommuni­kation – Brachland mit viel Poten­tial“

Bartsch, Tim – C.
„Sportliche Debatte im rhetorischen Training“

Dorninger, Maria
„Wasser und Wein. Rhetorisches in den Carmina Burana“

Dusini, Arno
„DOC. Zu den Nebenwirkungen rhetorischer Genussmittel“

Ebneth, Rudolf
„Erfolgsfaktor interne Kommunika­tion“

Fetz, Hanspeter
Vom Nutzen und Nachteil der Logik für das rationale Argumentieren.Bemerkungen zu Christoph Lumers Argumentationstheorie“

Ganthaler, Heinrich
„Argumentation in der Ethik“

Gmeiner-Jahn, Dorothea
„Wilde Poesie: Weinbeschreibun­gen“

Gratzl, Norbert
„Moralische Dilemmata

Grothe, Klaus-Jürgen
“Mündliche Kommunikationskom­petenz im Studium – Halten von Seminarreferaten“

Hausner, Renate
„Rhetorik des Genusses der Rheto­rik im deutschsprachigen Mittel­alter“

Hiebl, Ewald
„Zwei Jahre RhetOn – Eine Bilanz“

Hölzl,, Bernhard
„Wie argumentiert die Werbung“

Hoppmann, Michael
„Moderne Disputation als Schule der Argumentation“

Huttergger, Simon
Evolution von Normen“

Immerschitt, Wolfgang
„Unterschiede in der Rhetorik von Unternehmen und Politikern“

Kalivoder, Gregor
„Typologie der Topik“ Zur Glie­derung des Begriffsfeldes und Vor­bereitung eines Lexikonartikels“

Kamitz, Reinhard
„Wie ist der Begriff der logischen Folgerung für normative Sätze definierbar?“

Kassel, Susanne
“Framing im Wahlkampf“

Kischner, Alexander
„Bullshit-Bingo in der Chefetage – Modeworte und der Verlust an Glaubwürdigkeit”

Kleinknecht, Reinhard
„Logische Aspekte des Sollens“

Kolmer, Lothar
„Rhetorik des Genusses“. Ansätze zu einer neuen Gastrosophie“

Kreuzbauer, Günther
„Argumentation in Recht und Ethik“

Kurz, Franz
„Die wirkungsvolle Rede – Eine Rede mit Händen und Füßen“

Lohmer, Christian
„Rhetorik des Verzichts im mittel­alterlichen Mönchtum“

 

Losek, Friedrich
„Rhetorik im Salzburger Bildungs­kanon des 10. Jahrhunderts?“

Löffler, Winfried
„Gibt es induktive Argumente?“

Lumer, Christoph
„Überreden ist gut, überzeugen ist besser! Argumentativer Ethos in der Rhetorik“

Morino, Barbara
„Werbung für Lebensmittel- Propa­ganda oder Abschreckung?“

Müller, Ernst
„Praxisbericht : Rhetorik und Prä­sentation an der HTL für Nach­richtentechnik und Informatik Kla­genfurt“

Müller, Ulrich
„Rhetorik des Schlemmens: Der Mönch von Salzburg und Oswald von Wolkenstein“

Müller, Werner
„Zum Beispiel den Vorlesewettbe­werb moderieren. Eine authenti­sche rhetorische Spielsituation“

Neumaier, Otto
„Zum Begründen moralischer Ver­antwortung…“

Petersmann, Gerhard
„Das große Fressen im Satyrikon – ein soziokultureller Querschnitt“

Pfeifer, Niki
„Argumentation mit unsicherem Wissen“

Rex, Bernd
„Die Moderne Deklamation als praktische Übungsform“

Rixgens, Jürgen
„Ideal und Wirklichkeit – oder warum es so wenige mitreißende Präsentationen gibt“

Romahn, Boris
“Über das Verhältnis von Rhetorik und Medien“

Sawicki, Diethard
„Können wir aus der Genussrhetorik des 18. Jahrhunderts für heute lernen?“

Schallaböck, Michael
„Kann man Kommunikation lernen?“

Schmidt, Siegried
„Die Speisung des Grals und Lämmerschlings Hochzeitsmahl – Varianten der Rhetorik des Genusses in mittelhochdeutscher Literatur“

Schneeberger, Christian
“Die Leiden der jungen Wörter- Rhetorik in der Schule, ein Erfah­rungsbericht”

Siegel, Achim
„Polarisieren oder integrieren? Die Wirksamkeit rhetorischer Strategien in Fensehduellen“

Steininger, Christian
“Bundesdeutsche Debatten zur Rundfunkfinanzierung“

Tröger, Thilo
“Mündliche Kommunikationskom­petenz im Studium – Praktische Argumentation in der Juristenaus­bildung“

Vergeest, Markus
„Agon und Dialog im rhetorischen Training“

Weixlbaumer, Claudia
„Critical Thinking“

Wielander, Elias
„Rhetorische Methoden im asiati­schen Weltbild“

Wolf, Simon
„Formen der Argumentation bei Platon und Aristoteles“

Wöller, Roland
„Wahlkampfrhetorik“

 

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Von der Absenz des genus deliberativum im Parlament

 Karlheinz Töchterle

Von der Absenz des genus deliberativum im Parlament

 

In der Theorie gilt von der Antike bis heute die politische Rede, speziell innerhalb nicht autoritärer Verfassungen, als der genuine Ort argumentativer Auseinandersetzung. Für die Antike mag vorerst der schlichte etymologische Beleg genügen, dass die Lateiner das griechische génos politikón (γένος πολιτικόν) mit genus deliberativum übersetzten, weil man hier eben Argumente gegeneinander abzuwägen (lat. deliberare) pflegt. Für die Moderne verweise ich auf das Standardwerk von Fairclough/Fairclough 2012, wo diese Redegattung innerhalb der politischen Auseinandersetzung ebenfalls als „geradezu prototypisches … Genre“ [1] angesehen wird.

Die politische Praxis, wie ich sie in meinen Funktionen als österreichischer Bundesminister für Wissenschaft und Forschung (von April 2011 bis Dezember 2013) sowie als Abgeordneter zum österreichischen Nationalrat im Anschluss daran erlebte und erlebe, zeigt ein völlig anderes Bild. Das deliberative Genus spielt darin, wenn überhaupt, nur in einer völlig erstarrten und  sinnentleerten Form eine Rolle. Desillusionierte mögen das immer schon gewusst haben, für mich ist diese Erkenntnis in ihrer Drastik neu und schmerzlich. Deswegen habe ich die Einladung, meine diesbezüglichen Erfahrungen vor dem Hintergrund meiner Kenntnisse zur antiken rhetorischen Theorie und Praxis einem Fachpublikum vorzutragen, gerne angenommen und bedanke mich bei meinen Tübinger Kollegen ganz herzlich, dass ich das an ihrem so renommierten Institut und vor einem so hochrangigen Publikum wie dem der International Society for the History of Rhetoric tun darf. Von der Absenz des genus deliberativum im Parlament weiterlesen

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2011 Satuer Rhetorik und Stilistik-02

satuer_gross_SA229

Rhetorik und Stilistik

Die kommenden SATÜR wollen sich dem Thema „Rhetorik und Stilistik“
widmen. Es ist eine bekannte Tatsache, dass man einerseits angewandte
Rhetorik gerne mit der gelungenen, wo nicht geschliffenen Formulierung
assoziiert, andererseits aber „bloße Rhetorik“ als eine Methode versteht,
mangelnden Inhalt durch eine gefällige Form zu kaschieren. Mit barocker Rhetorik gar ist eine überbordende Form gemeint, die durch Schwulst gewichtigen Inhalt vortäuscht.
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Vorträge Satür 2011

satuer_gross_SA229

Einen Zeitplan der beiden sa|tü|r-Tage finden Sie hier

Inhalt der Vorträge
(in alphabetischer Reihenfolge)
Übersicht
Baur, Alexander
Alles nur ein Witz!
Überlegungen zum Zusammenhang von Humor, Stil
und Rhetorik


Gianvittorio, Laura
Erzählen als rhetorisches Handeln

Gutmann-Jungwirth, Ruth
„Speaklimbic!“ Verändern Erkenntisse der
Hirnforschung die Arbeit des Rhetoriktrainers?


Helbig, Bert
Überzeugen in 60 Sekunden – Stilmittel aus der
Radiokommunikation im rhetorischen Alltag


Kirchner, Baldur
Captatio benevolentiae – Berühren mit dem Wort

Kirchner, Roderich
Cicero und der Irrsinn seiner Gegner

Knape, Joachim
Stil als Botschaft im Brief

Koch, Nadia
Stil in der Rede, Stil im Kunstwerk. Zu den
Wechselwirkungen zwischen rhetorischer und
künstlerischer Formensprache


König, Jan
»Der Stil überzeugt!« Die Überzeugungskraft
persönlichen Stils am Beispiel der Rede Helmut Kohls vor der Ruine der Dresdner Frauenkirche im Jahr 1989 und der Rede des Marquis von Posa in Schillers Don Carlos.

Kramer, Olaf
Eine Frage des Stils? Erfolgsbedingungen politischer
Rede in der Mediendemokratie

Müller-Höcker, Katrin
Die Wirkungsmacht vokaler Sprechstile

Schild, Hans-Jochen
Sprache in Verhandlungen:
Stil und Logos als Funktion von Verhandlungsstrategien


Schönherr, Felix
„Produktdesign“ – Werberhetorische Funktionen der
Warenästhetik


Schulze, Jan Hennig
Stilfiguren als Interaktion rhetorischer Tugenden

Stölzgen, Karsten
Der vir bonus als Selfmademann. Die
Trainingsmethode von Dale Carnegie


Ulrich, Anne
Augenkitzel im Fernsehen. Was die Ästhetik der
Nachrichten über den ‘Charakter’ der
Benachrichtigungsinstanz verrät


Wendenburg, Ulrike
Karl-Theodor zu Guttenbergs rhetorische
Schadensbegrenzung


Wieser, Andreas
Narration als identitätsstiftende rhetorische Strategie

Zinsmaier, Thomas
Stilbruch – rhetorisch

Zohner, Dominikus
Rhetorik in der Gerichtsverhandlung
– vom sachlichen Stil zum emotionalen Ausdruck
Navigation
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Vorträge Satür 2011 – Seite 4

Schulze, Jan Hennig
Stilfiguren als Interaktion rhetorischer
Tugenden
Als übergeordnete Tugend fordert das aptum-Prinzip, die Stiltugenden wie perspicuitas, brevitas, latinitas in möglichst hohem Maße zu erfüllen. Diese Stilforderungen stehen jedoch in Konflikt zueinander. So erfüllen Kürzungsfiguren zwar das Gebot der
brevitas, kommen jedoch gleichzeitig dem Gebot der perspicuitas nicht in vollem Maße nach. Wiederholungsfiguren dagegen können die perspicuitas erhöhen, verstoßen aber gegen die Forderung nach brevitas. Grundlage für die
Bestimmung der optimalen Stilfigur im konkreten Einzelfall ist eine Hierarchie der Stilforderungen. Diese Hierarchie variiert je nach historischem und gesellschaftlichem Kontext sowie den formalen Rahmenbedingungen und den verfügbaren
Kommunikationsmedien. Die Rekonstruktion der Hierarchie und ihre heuristische Funktion wird an einzelnen Beispielen vorgeführt.
Stölzgen, Karsten
Der vir bonus als Selfmademann. Die
Trainingsmethode von Dale Carnegie
Dale Carnegie (1888-1955) ist einer der Pioniere des modernen Trainingswesens. Der von ihm entwickelte Dale-Carnegie-Course wird bis heute in unveränderter Grundkonzeption in über 75 Ländern erfolgreich angeboten. Die zugrunde liegende Methodik ist auf
den ersten Blick unrhetorisch: Carnegie setzt nicht vor allem auf technische Anweisung, sondern auf Veränderung der inneren Haltung. Mit Empfehlungen wie „Versuchen Sie aufrichtig die Dinge aus der Sicht des anderen zu sehen.“ oder „Sprechen Sie vor allem
von Dingen, die die anderen interessieren.“ werden die Teilnehmer ermuntert, Haltungen einzunehmen, die rhetorischen Erfolg in Rede und Gespräch wahrscheinlicher machen. In diesem Vortrag werden die Vorteile und Grenzen des Ansatzes diskutiert.
Ulrich, Anne
Augenkitzel im Fernsehen. Was die Ästhetik
der Nachrichten über den ‘Charakter’ der
Benachrichtigungsinstanz verrät
Das Fernsehen setzt gerne auf stilistische Effekte, um den Zuschauern so gefällig die Augen zu ‚kitzeln‘, dass sie fasziniert am Ball bleiben und ihre Aufmerksamkeit ganz auf das Programm richten. Besonders in den
1990er Jahren schwebten und glänzten Logos und Key Visuals auf der televisuell endlos bespielbaren Bildschirmfläche nur so um die Wette. Was aber erscheint für ein seriöses Format wie die Fernsehnachrichten als stilistisch angemessen? Worin
liegen die rhetorischen Potentiale der Nachrichten- Ästhetik? Der Beitrag befasst sich mit den Formen und
Funktionsmöglichkeiten des aktuellen News Designs. Dabei stellt sich heraus, dass die stilistische Oberfläche besonders wichtig für die Charakterisierung der Benachrichtigungsinstanz ist und damit weniger der Information als vielmehr der Imagekonstruktion
dient.

Wendenburg, Ulrike

Karl-Theodor zu Guttenbergs rhetorische
Schadensbegrenzung

Der ehemalige deutsche Minister für Verteidigung Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz
Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg ist über seine plagiierte summa cum laude Dissertation
gestolpert. Auf Druck der Medien und der Öffentlichkeit nimmt er zu den „Plagiatsvorwürfen“ Stellung. Zwei
Wochen lang, bis in die letzten Worte seiner
Rücktrittsrede am 1. März 2011, inszeniert sich der christlich-konservative Shootingstar als Politiker tadelloser Sittlichkeit, der zwar Fehler in seiner Dissertation einräumt, sich jedoch keiner absichtlichen Täuschung bewusst ist.
Wieser, Andreas
Narration als identitätsstiftende rhetorische
Strategie
Seit den 1990er Jahren werden in Unternehmen, mittlerweile aber auch in der Politik und in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, Erzählungen
strategisch eingesetzt. Gegenwärtig wird diese
Methode überall dort verwendet, wo es um
Kommunikations- und Veränderungsprozesse geht. Wie aber müssen solche Erzählungen beschaffen sein, damit sie wirksam werden können? Im Beitrag soll das Storytelling aus einer rhetorischen Perspektive beleuchtet werden. Die narrative Methode
bedarf, so die These, einer rhetorischen Strategie, um aus Unternehmen, Produkten und Personen eine einmalige und unverwechselbare Persönlichkeit zu
machen, die Zielgruppen effizient und langfristig zu binden vermag.
Zinsmaier, Thomas
Stilbruch – rhetorisch
Seit der Emanzipation der Ästhetik von der Rhetorik ist der Stilbruch in den autonomen Künsten zum Stilprinzip avanciert. Wie aber steht es heute um den Stilbruch in der heteronomen, seit je lizenzarmen
Redekunst? Nach einem kurzen Überblick über
Konzepte und Präzepte des Stilbruchs in der
klassischen Rhetorik wendet sich der Vortrag der Frage zu, ob dieses vitium elocutionis unter
Umständen auch eine persuasive virtus sein kann, und wenn ja, welches ihre Gelingensbedingungen sind.
Zohner, Dominikus
Rhetorik in der Gerichtsverhandlung
– vom sachlichen Stil zum emotionalen
Ausdruck
Wer an einer Gerichtsverhandlung teilnimmt, kann unterschiedliche Formen des sprachlichen Stils
erleben: Auf der einen Seite regelt die Prozessordnung einen strengen Ablauf des Verfahrens und stellt den sachlichen Vortrag in den Vordergrund. Auf der anderen Seite wollen die Parteien und ihre Anwälte Recht haben oder zumindest Recht bekommen: eine
spannungsgeladene Redesituation mit emotionalen Wortgefechten.
Navigation

 

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Vorträge Satür 2011 – Seite 3

 

König, Jan
»Der Stil überzeugt!« Die Überzeugungskraft
persönlichen Stils am Beispiel der Rede
Helmut Kohls vor der Ruine der Dresdner
Frauenkirche im Jahr 1989 und der Rede des
Marquis von Posa in Schillers Don Carlos.
Stilistische Linguistik stellt sich in der Rhetorik vor allem immer dann als lohnenswertes Forschungsgebiet dar, wenn ein persönlicher Stil einen Kommunikationsakt beeinflusst und zur Überzeugung des Rezipienten entscheidend beiträgt. Die Ergebnisse, die hierzu aus Fallstudien gewonnen werden können, geben wertvolle Hinweise auf Ästhetik
und Verwendung von persönlichem Redestil in
Zusammenhang mit konkreten Redesituationen. Die analysierten Reden ermöglichen somit einen Rückschluss auf Formen, Beschaffenheit und Einfluss
von Stil als ein Überzeugung ermöglichendes oder Überzeugung maximierendes Wirkungselement von Rede.
Ein Problem persönlichen Stils ist die Gradwanderung zwischen Authentizität, Ehrlichkeit und emphatischer
Individualität auf der einen und unfreiwilliger Komik, Schwulst oder gar dilettantischer Peinlichkeit auf der anderen Seite, die natürlich auch durch die Darstellung
durch die Medien beeinflusst werden kann. Als ein wichtiges Indiz zur angemessenen Bewertung kann hier die unmittelbare Reaktion des Publikums gelten,
die die Überzeugungskraft einer Rede und eines bestimmten Stils reflektiert und kommentiert. In den beiden vorgestellten Reden, jener Helmut Kohls vor Ruine der Dresdner Frauenkirche aus dem Jahr
1989 und jener des Marquis von Posa aus Schillers Don Carlos, lassen sich persönliche Stilarten der Redner sehr genau bestimmen, die einzelnen Elemente destillieren und der Stil als überzeugendes Element der Reden beobachten. Die beiden Reden
können zudem aufzeigen, dass der persönliche Stil durchaus Risiken zur Fehlwirkung birgt, aber in Kombination mit einem bestimmten aptum das Erreichen eines bestimmten telos durchaus überhaupt erst möglich machen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen lassen sich darüber hinaus typische Bestandteile persönlichen Stils definieren, die als
grundsätzliche Elemente einer wirksamen Rede zu betrachten sind und exemplarische Strategien für konkrete Kommunikationsanlässe bieten. Die präsentierten Ergebnisse sind ein Ausschnitt aus meiner Dissertation »Wie Reden gelingen oder misslingen können. Strategien politischer Eloquenz in Literatur und Alltag.«
Die Dissertation entstand am Fachbereich für
Deutsche Sprachwissenschaft an der Universität Bern (Schweiz) und wurde von Herrn Prof. Dr. Dr. Dr. h.c.
Ernest W. B. Hess- Lüttich betreut. Sie wird derzeit für die Publikation vorbereitet und wurde im September
2010 mit magna cum laude ausgezeichnet.
Olaf, Kramer
Eine Frage des Stils? Erfolgsbedingungen
politischer Rede in der Mediendemokratie
Die massenmediale Beobachtung von Politik hat die Rezeptionsbedingungen politischer Rede radikal verändert, in der Folge haben Politiker, Redenschreier, Kommunikationsberater den Stil politischer Reden angepasst. Zitierfähige sound bites sind an die Stelle differenzierter Argumentation und komplex strukturierter Reden getreten. Auf der Handlungsebene zählen eingängige symbolische Gesten, die brauchbares Material für die Medien liefern. Selbst die
Wahl der Themen und Botschaften folgt inzwischen oft
weniger politischen Anforderungen als rein
strategischen Überlegungen. Was aber zeichnet
symbolische Gesten und sound bites aus, die politisch erfolgreich sind? Wird der Stil des Redners wichtiger als der politische Gehalt seiner Handlungen? Solche
und ähnliche Fragen sollen im Vortrag an Hand von Beispielen erörtert werden.
 

Müller-Höcker, Katrin
Die Wirkungsmacht vokaler Sprechstile
Unter Bezugnahme auf neurobiologische und
wahrnehmungspsychologische Grundlagen soll die rhetorische Wirkungsmacht vokaler Sprechstile veranschaulicht werden.
1. Wie lassen sich vokale Sprechstile erfassen,
wie entstehen sie und wie lassen sie sich
verändern?
2. Welche Wirkung erzielen verschiedene
sprechstildefinierende prosodische Parameter
beim Hörer?
3. Existieren vokale rhetorische Figuren?
Diesen Fragen soll in einem interdisziplinären Streifzugnachgegangen werden, in dem Theorie und Praxis der vokalen Rhetorik ineinander greifen.
Schild, Hans-Jochen
Sprache in Verhandlungen:
Stil und Logos als Funktion von
Verhandlungsstrategien
Die dyadische Verhandlungsstruktur unterscheidet sich von der Situation von Reden vor Gericht oder in Gremien und prägt Sprache und Stil. Verhandlungsaufbau, Dramaturgie und strategische Optionen in Form von Zielvorstellungen sind relevant. Der Entscheidungsfindung dienen pragmatische und
materiel- und machtgestützte vertrauensbildende gegenseitige Andeutungen, Hinweise, Moves oder sonstige Angebote, die in Form von „trial and error“
gemeinsam erkundet, erstritten und erarbeitet werden. Subjektive Glaubwürdigkeit verdrängt normative Geltungsansprüche als Entscheidungsgrund. Stillschweigende Verabredungen vermeiden störende
Diskussion. Rhetorik dient weniger der Entscheidung als ihrem Verkauf. Die Irrelevanz der sprachlichen Funktion als Entscheidungsmedium gleicht der
Ästhetisierung von Botschaft in den visuellen Medien.
Schönherr, Felix
„Produktdesign“ – Werberhetorische
Funktionen der Warenästhetik
Produktdesign ist im wettbewerbsgeprägten Werben um Kunden moderner Marktwirtschaften unerlässlich. Da in sämtlichen Produktsparten durch automatisierte
Herstellung, gesetzliche Regulierung und
betriebswirtschaftliche Konkurrenz qualitativ und funktional vergleichbare Waren von verschiedenen Herstellern auf den Markt gebracht werden, vollzieht sich eine Abkehr der Kaufentscheidung vom Funktionalen zum Ästhetischen. Kaufentscheidungen
werden, dem Zwang einen bestimmten Anbieter
wählen zu müssen entledigt, zu Geschmacksfragen und somit zur Frage erfolgreicher Produktwerbung.
Aus rhetoriktheoretischer Perspektive ergibt sich damit die Aufgabe, festzustellen, welche Funktion Produktdesign – die ästhetisch-stilistische Verarbeitung von Waren – im erfolgsorientierten Kommunikationsprozess zwischen Unternehmen und Kunden einnimmt. Auf Oratorebene ergibt sich zum
einen die Funktion, dem Unternehmen durch einen einheitlichen Produktstil eine individuelle Corporate Identity zuzuweisen, zum anderen das Produkt durch ästhetische Codierung auf bestimmte Konsumentengruppen zuzuschneiden. Auf Text-und Medialebene ist zwischen intrinsischer und extrinsischer Funktion zu unterscheiden. Die intrinsische Funktion betrifft die Herstellung des Produkts
selbst, also die Verknüpfung von funktionalen Eigenschaften und der ästhetisch-stilistischen Struktur des Produktdesigns. Hier hebt die Texturierung bestimmte Eigenschaften des Produkts hervor. Ebenso kann der ästhetische Eigenwert des Produkts als zusätzliches Verkaufsargument inszeniert werden. Die extrinsische Funktion betrifft die Einbettung des Produktdesigns in Werbekampagnen. Die stilistisch erkennbare Zusammengehörigkeit von Produktreihen verleiht Kampagnen auch unter veränderten Produkteigenschaften Kohärenz. Ferner können Einzelprodukte hierdurch mit der individuellen Corporate Identity des
Anbieters verknüpft und vom Adressaten der Reklame von Produkten anderer Hersteller zweifelsfrei unterschieden werden. Auf Persuasionsebene kann Produktdesign, dem
Elaborationswahrscheinlichkeitsmodell (Petty/Cacioppo) folgend, die Funktion
eines peripheren Signals einnehmen. Dieses beeinflusst die Bereitschaft zu
einer möglichen Kaufentscheidung dahingehend, dass das kognitive Prozessieren von Kaufvorteilen und -nachteilen durch Herstellung eines Affekts angeregt, verstärkt und reaktualisiert werden kann.
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Vorträge Satür 2011 – Seite 2

Baur, Alexander
Alles nur ein Witz!
Überlegungen zum Zusammenhang von
Humor, Stil und Rhetorik
Schon in der antiken Rhetorikliteratur bei Cicero und Quintilian begegnet Lachen und Witz als rhetorisches Instrument. Neben Hinweisen darauf, wann Humor als rhetorische Strategie Sinn haben kann, findet man hier
auch schon erste Ansätze einer Klassifikation von „Humorstilen“, an deren Spitze bei Quintilian der „Witz des vir bonus“ steht, die urbanitas. Der Vortrag nimmt die antike Theorie zum Ausgangspunkt, gleicht sie sorgsam mit modernen Forschungsergebnissen ab und versucht, folgende Fragen zu beantworten: Wann kann Humor als Teil rhetorischen interpersonalen Agierens sinnvoll sein?
Wann ist Humor keinesfalls als Persuasionsinstrument zu verwenden? Welche „sozialen Schutzräume“ gibt es
für Humor und welche „sozialen Schutzräume“ schafft Humor? Wie steht es um Humor als Kunst- und Kritikform? Welche Erscheinungsformen von Humor
(„Humorstile“ der Rede) gibt es überhaupt bzw.
inwiefern ist Humor „stilvoll“? Welche Konsequenzen folgen aus der „humoristischen Argumentation“ für das Ethos des Redners?
Die vorzustellende Thematik gibt einen Einblick in die gemeinsame Lehrveranstaltung der Vortragenden am Seminar für Allgemeine Rhetorik, Eberhard Karls Universität Tübingen im SoSe 2011 (Proseminar:
„Kleiner Scherz…“ – Humor als rhetorische Strategie).
Gianvittorio, Laura
Erzählen als rhetorisches Handeln
Die rhetorische Auswirkung des Erzählens wird schon von den Rhetorik-Theoretikern der griechisch klassischen Zeit erkannt, und dihegesis bzw. narratio ist ein häufig vorkommender Bestandteil von überzeugenden Reden. Erstaunlicherweise werden jedoch heute pragmatisch orientierte Untersuchungen
der Erzählung weder in den speech act theories noch in der post-strukturalistischen Erzähltheorie systematisch geführt. Doch auch das Erzählen ist ein Sprachspiel, das mit den unterschiedlichsten illocutionary points verknüpft werden kann: etwa belehren, einschüchtern, prahlen, und eben auch
überzeugen. Wie die Erzählung Vorstellungen,
Meinungen und Handlungen der Rezipienten zu
beeinflussen vermag, möchte ich in meinem Beitrag zu zeigen versuchen.
Gutmann-Jungwirth, Ruth
„Speaklimbic!“ Verändern Erkenntisse
der Hirnforschung die Arbeit des
Rhetoriktrainers?
Abhängig von Auftrag und dem damit verbundenen Ziel vermittelt der Rhetoriktrainer die entsprechenden Vorübungen und Techniken. Mediative Rhetorik,
Kampfrhetorik, Überzeugungsrede, usw. verlangen verschiedene Methoden. Inwieweit hier die Erkenntnisse der Hirnforschung eine Rolle spielen, soll Inhalt meines Beitrages sein. Erfahrungen und Fallbeispiele.

Helbig, Bert
Überzeugen in 60 Sekunden – Stilmittel aus der
Radiokommunikation im rhetorischen Alltag
In seinem Vortrag »Überzeugen in 60 Sekunden« stellt Helbig stilisitische Mittel der Radiokommunikation einfach und verständlich vor und überträgt deren Wirkungsweisen in den rhetorischen Alltag der Zuhörer. Stilmittel der Markenkommunikation vermischen sich in
einem pragmatischen Ansatz mit den »Klassikern des rhetorischen Handwerkszeug«. Im Vordergrund steht der klare Nutzwert und die Ermutigung der Teilnehmer intensive und starke stilisitische Mittel selbst anzuwenden.
Zu diesem speziellen Thema referierte Helbig u.a. im Rahmen des Studiums Generale der Universität Stuttgart und für Dokotaranden der Graduate School of Excellence advanced Manufacturing Engineering.
Kirchner, Baldur
Captatio benevolentiae – Berühren mit dem
Wort
Die meisten rhetorischen Stilfiguren sind aus einem vorwiegend emotionalen Anliegen des Redners heraus entstanden. Sie lassen spürbar erkennen, mit welcher Intention und Intensität der Sprechende seinen Inhalt vermitteln will. Stets jedoch ist es sein unverrückbares
Ziel, den Zuhörerkreis geistig oder emotional zu
erreichen.
Unter den rhetorischen Stilfiguren nun nimmt die „captatio benevolentiae“ eine besondere Rangordnung

ein.
Dies deshalb, weil sie zum einen in den letzten Jahrzehnten eine funktionale und damit eine Bedeutungserweiterung erfahren hat, nämlich: Ihr Auftrag, das Wohlwollen des Publikums zu gewinnen,
ist nicht mehr nur auf die Einleitung, auf das
Prooemium, begrenzt, sondern er erstreckt sich auf die generelle Bindungsabsicht gegenüber dem Zuhörerkreis. Zum anderen wird die Verwendung der captatio
benevolentiae von einem skeptischen und intellektuell autonomen Publikum eher kritisch betrachtet, weil dem Redner zunächst eine manipulativ-persuasive Absicht
unterstellt wird. Umso mehr wird es daher die Aufgabe des Redners sein, das sprachliche Profil seiner Darbietung so zu gestalten, dass sein Wunsch nach Nähe als echt erkannt und ihm auch deshalb geglaubt wird.
In Platons Dialog „Phaidros“ lesen wir, dass die
Redekunst eine Seelenführung (psychagogia) sei. Mit dieser Bewertung wird dem Redner nicht nur die sittliche Verpflichtung auferlegt, das Publikum in moralisch verantwortungsvoller Weise anzusprechen,
so dass seine Rede nicht zu einer Ver-Führung werde! Diese sittliche Haltung des Redners beantworten die Zuhörer wiederum dadurch, dass sie ihm gern und freiwillig die überzeugend wirkende Authentizität
bestätigen. Hierbei spielt das Berührtwerden mit dem Wort die entscheidende Rolle. Seine empathisch gewählte Sprache und seine persönlichen Identifikationsangebote werden dem Sprechenden den Zugang zum Publikum öffnen, von dem er sich schließlich Zuwendung und Zustimmung erhofft. Damit
wird die captatio benevolentiae über ihren methodisch stilfigürlichen Status hinausgehoben und zu einem emotionalen Begegnungsraum erweitert, in dem sich
die Intention des Redners mit den Erwartungen des Publikums zu einer menschlich gelungenen Synthese vereinigt.


Kirchner, Roderich
Cicero und der Irrsinn seiner Gegner
Die Reden des M. Tullius Cicero gelten mit Recht als Höhepunkt der römischen Beredsamkeit. Wie vereinbart sich damit die Beobachtung, dass Cicero seine Gegner (unter ihnen Catilina, Clodius und Antonius) gerne mit dem Attribut verrückt (furiosusu.ä.) versieht und sich einer Strategie bedient, die nach heutigen Maßstäben zumindest die Regeln des
politischen Anstands verletzt? Das Referat skizziert an einigen Beispielen Ciceros Vorgehen und fragt nach dessen Rechtfertigung.
Knape, Joachim
Stil als Botschaft im Brief (Mozart, Einstein,
Bernhard)
In dem Vortrag geht es um die Frage, wie Stil als
Kommunikationsfaktor in berümhten Briefen wirksam wird. Als Beispiele werden Briefe des Komponisten Wolfang Amadeus Mozart, des Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein und des österreichischen Dichters Thomas Bernhard gewählt.“
Koch, Nadia
Stil in der Rede, Stil im Kunstwerk.Zu den
Wechselwirkungen zwischen rhetorischer und
künstlerischer Formensprache
In der Stilkritik der klassischen Rhetorik spielen
Vergleiche mit künstlerischen Phänomenen eine große Rolle; läßt sich doch mit Verweisen auf allgemein bekannte, klassische Kunstwerke die komplexe Eigenheit eines vergangenen Orators auf anschauliche, leicht eingängige Weise veranschaulichen. Dieser Beitrag wird die Gegenprobe vornehmen: So
soll an Statuen des 1. Jhs. v. Chr. gezeigt werden, wie die zeitgenössischen stilkritischen Fragestellungen ihrerseits wieder neue Stile generieren, die uns heute zunächst ästhetisch fremd scheinen. Tatsächlich verbirgt sich hinter den meist als ‘eklektisch’ abgetanen
Werken aber eine im damaligen Kunstbetrieb höchst erfolgreiche Formensprache, die eher als eine ästhetische Aktualisierung klassischer Formenideale zu werten ist denn als bewusst eklektisches Verfahren.
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Rhetorik in der Schule!

Wir sagen ja immer, rhetorische Kenntnisse  sollte bereits in der Schule erworbe werden – und so war es ja auch in den Zeiten, als Rhetorik zur (nicht nur universitären) Bildung selbstverständlich dazu gehörte. Quintilian etwa beginnt mit der rhetorischen Bildung bereits in der Vorschule und berücksichtigt sogar die Wahl der Amme.

Tatsächlich gehört zur Allgemeinen Hochschulreife auch die Fähigkeit, einen sachlich erarbeiteten Gegenstand einem interessierten, aber auch kritischen Publikum vorzustellen und zu diskutieren. Für die österreichische Matura ist dies ebenso zu leisten wie für Abitur in einigen deutschen Bundesländern (z.B. in Hessen, Bayern, Baden-Württemberg). An eine Präsentation schließt sich ein Prüfungsgespräch an, in dem der/ie SchülerIn eingehender befragt werden kann.

Sowohl für das Kolloquium als auch für die mündliche Prüfung ist rhetorische Kompetenz ein unbestreitbarer Vorteil, wenn es darum gehen soll, das eigene Wissen verständlich vorzutragen und auf Fragen angemessen und schlagfertig zu antworten.

Seit einigen Jahren suchen daher Schulen den Kontakt zu uns universitären Rhetorikern und wünschen sich professionelle Hilfe durch Impulsveranstaltungen, die zur Vertiefung oder Abwechslung des eigenen Unterrichts beitragen sollen. Wir waren daher in mehreren Schulen im Salzburger Umland, wo wir durchweg positive Erfahrungen machen konnten, nämlich im

Karlsgymnasium Bad Reichenhall

Ursulinen

Akademisches Gymnasium Salzburg

Bundes Gymnasium Zaunergasse

Nach einem kurzen Vortrag zur rhetorischen Theorie, der die Vorkenntnisse in Erinnerung rufen und Verbindungen zur aktuellen  Rhetorikwerkstatt herstellen soll, machen wir kleinere rhetorische Übungen zum freien Sprechen und enden mit einer Debatte zu einem vereinbarten Thema.

Wir haben uns daher entschlossen, im Kursprogramm auch einen Kurs zur rhetorische Lehre anzubieten, und so konnten bereits  am 9. Juni 2016 in der Zaunergasse Lehramts- und RhetorikstudentInnen selbst eine Rhetorikveranstaltung planen und durchführen:

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Aber auch in der KinderUni der Universität Salzburg waren wir im letzten Jahr beiteiligt und sind es heuer wieder.

 

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Bazon Brock, Unterwegs unter anderem zur Unendlichkeit
Bazon Brock, Unterwegs unter anderem zur Unendlichkeit (Photo © Th. Schirren)

 

ὁ βάζων ὀγδοήκοντα ἔτη γεγονὼς εἰς ἄπειρον ἀφανίζεται

– Bazon zum 80. Ein rhetorischer Gruß!
von Thomas Schirren

Reden ist nicht gleich reden. Das ist eine rhetorische Binsenweisheit und doch verdient der Jubilar, der in Berlin ein regelrechtes Phrontisterion unterhält und dieses verdolmetscht benennt, nämlich Denkerei, dass man dieser Einsicht gedenkt, gerade wenn die jetzt gerade unter Jubel und Reden aufgerichtete 8 bereits die Perspektive auf die liegende freigeben, also beherzt die Approximation ans Unendliche angegangen werden soll:

Bazon gegen unendlich – eine Lebensinventur

Die Wenigsten wissen ja, was βάξις beutet, das sich vom Verbum βάζειν ableitet. Die baxis ist die ‘Verkündigung’, etwa was die Pythia von sich gibt; das Verbum nur in hoher und höchster Dichtersprache geläufig. Ein attischer Rhetor ist dessen nicht fähig. Er spricht, aber er ‘verkündet’ nicht, er lässt auch nicht ‘verlauten’. Empedokles liebt das Wort, auch Sophokles, der entstehenden Rhetorik mit frommem Sinn ferner stehend.

Was Bazon uns zu sagen hat, formuliert er gerne mit großer Präzision und er wird um so präziser, je weiter die baxis über den üblichen Gesichtskreis der Menschen hinausweist.

Wie rhetorisch ist das eigentlich?, so fragt sich vielleicht mancher und manche. Zukünftiges hat die Beratungsrede im Blick, die Festrede die Gegenwart. In der Gegenwart die Zukunft bereits als Vergangenheit zu antizipieren (das gerichtliche Redegenus hat diese im Blick und fragt nach den Berechtigungen, nach Schuld und Sühne), das ist Sache des bazon, wenn er sich über das mutwillige Gelärme des geistigen Gezwerges hinwegsetzen muss, das natürlich immer zur Sache gehört – aber dem die Sache nicht gehören darf. Klar, alle dürfen mitreden, aber dann gäbe es nur ein großes Rauschen und Wogen. Diese Klangkulisse verlangt nach dem Heldentenor, der dem Ganzen erst eine Struktur und Artikulation geben kann.

Wer ihn einmal bei Auftritten erlebt hat, kennt auch die Sorge der Veranstalter,  der bazon möchte die Parrhesie übertreiben, die Zügel schießen lassen, inhaltlich und umfänglich. Was für Sorgen! Man frage einmal Sokrates “… Eine kurze Frage nur, Sokrates: Sage mir, was ist Redefreiheit? – Da fragst Du mich gerade keine Kleinigkeit, sondern geradezu etwas von den großen und größten Dingen. Denn ist es nicht so, dass man groß über Großes reden soll, wie Gorgias sagt, und klein über Kleines? – Ja, gewiss, wie sollte es anders sein! – Sind die Athener nicht sehr geübt darin, auch lange Reden zu hören, im Theater oder in der Volksversammlung sitzend, weil sie wissen, dass die großen Dinge auch nur von den gewaltigen Redners angemessen bewältigt werden? Und so vergessen sie alles um sich herum, selbst Weib und Kind, und als ob sie ihre Ohren vermietet hätten, lauschen sie den Reden der gewaltigen Redner wohl über einen ganzen Tag, wenn es nötig ist. Dann aber stehen sie erfrischt auf, als ob sie göttliche Töne gehört hätten, die den Sinn nicht vernebeln, sondern im Gegenteil reinigen und zur Aufnahme des Höheren bereit machen. Also wenn du wissen willst, was Parrhesia ist, dann frage zunächst diese …”

Und wenn schon normaler Logos solche Aufmerksamkeit verdient, wie erst die βάξις τοῦ βάζοντος?

 

 

 

 

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Wissenschaft als soziales Phänomen

 

Julia Siebert

Wissenschaft als soziales Phänomen

– eine rhetorische Analyse

 

Abstract

Die traditionelle Auffassung einer rein rationalen Wissenschaft offenbart immer wieder große Defizite und gerät schnell in Erklärungsnot, wenn zum Beispiel ein Nobelpreis für etwas vergeben wird, das über Jahre hinweg als irrationaler Unsinn abgetan wurde. Quasikristalle? Es gibt sie also doch.

Ereignisse wie diese stärken im Gegenzug der von Thomas S. Kuhn vertretenen wissenschaftstheoretischen Position den Rücken. Dieser betrachtet die Erkenntnisse und Entwicklungen in der Wissenschaft als ein Produkt der Gruppenstrukturen innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und präsentiert damit eine Theorie, die der Tatsache Rechnung trägt, dass jede Art von Wissenschaft immer von Menschen betrieben wird. Menschen, die nicht wie Maschinen funktionieren, sondern an vielschichtige psychische Faktoren gebunden sind. Statt logischer Beweise und rationaler Argumente stehen hier Dynamiken innerhalb der Gruppe, persönliches Interesse und strategisch taktierende Wissenschaftler mit festen Überzeugungen im Mittelpunkt. Kuhn entwirft ein sozial fundiertes Bild der Wissenschaftsentwicklung, das eine erstaunliche Nähe zur Rhetorik und ihren Prinzipien offenbart. Tatsächlich scheint die Rhetorik seine Theorie nicht nur zu untermauern und zu bestätigen, sondern sogar ein wissenschaftliches Fundament für diese relativistische Position zu liefern.

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Aufgaben des Redners: docere, delectare, movere

Um die Absicht seiner Rede, die Meinung der Zuhörer entsprechend zu verändern, in eigenem Sinn zu beeinflussen und eine gewünschte Erkenntnis hervorzurufen, erfolgreich zum Ziel zu führen, hat der Redner 3 Hauptaufgaben zu erfüllen. Hierbei stehen ihm drei Vorgehensweisen zur Verfügung (officia oratoris). Aufgaben des Redners: docere, delectare, movere weiterlesen

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Natura

Natura, auf Griechisch φύσις; phýsis lässt sich als „natürliche Anlage“ ins Deutsche übersetzen. Durch sie erlangt ein Mensch die Fähigkeit das Reden zu gestalten. Des Weiteren ist die natura die individuell ausgeprägte Basis für das kunstvolle Reden, das durch die lehrbare Redekunst (docrina, ars) und Übung (exercitatio, usus) erworben wird.[1]
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Produktionsstadien

inventio

Das griechische Wort heuresis, lateinisch inventio oder deutsch Auffindung/Erfindung findet seinen Ursprung in der Antike und stand für das Finden von Stoffen in allen Teilen der Rede, als erstes der fünf Produktionsstadien der Rede. Heute wird der Begriff mit dem Eruieren evidenter Argumentationen gleichgesetzt. Diese Auffindung wahrer oder zumindest schlüssiger und wahrscheinlicher Beweisführungen bildet den ersten Teil der Aufgabenbereiche eines Redners. Es besteht eine enge Verbindung zum iudicium, da durch geeignete Suchformeln eine Vielzahl plausibler Argumente gefunden werden kann, aus der es gilt die inhaltlich signifikanten zu ermitteln. Ein System dieser Suchformeln, auch topoi oder loci genannt,  findet sich zum ersten Mal bei Aristoteles in seiner Topik und Rhetorik. Es wurde später von den Römern übernommen und weiterentwickelt. Eine weitere mögliche Strategie stellt die Statuslehre des Hermagoras von Temnos dar. Hier können durch die Imagination und Klassifikation gewisser Streitfälle vor Gericht denkbare Begründungen ausgemacht werden. Kombiniert man die beiden Methoden, so werden für jeden Staus mittels Loci die adäquaten Argumente gefunden.
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Redegattungen (genera orationis)

Die Unterscheidung in Redegattungen ist durch Aristoteles festgelegt worden; sie findet sich allerdings bereits in älteren Überlegungen zur Rhetorik (z.B. bei Anaximenes von Lampsakos). Aristoteles hält in seiner Rhetorik[1] den Zuhörer für das entscheidende Kriterium für die Bestimmung der Redegattung: man kann eine Rede hören, um sie wegen eines gegenwärtigen Anlasses zu genießen (Lobrede) oder um eine Entscheidung zu fällen. Im letzteren Fall kann es sich um eine Versammlung (Volksversammlung, Parlament) handeln, die eine Entscheidung über eine zukünftige Regelung zu treffen hat, oder um ein Gericht, das über ein vergangenes Geschehen zu urteilen hat.[2]
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Redeteile

prooemium

Der Begriff des prooemium leitet sich vom alt-griechischen Wort prooimion ab und stellt ursprünglich den Beginn nicht dramatischer antiker Dichtung dar. In der antiken Rhetorik wird das prooemium als Einleitung einer Rede bezeichnet. Der sophistischen Schulrhetorik folgend, liegt das Ziel hierbei bei der Vorbereitung der Hörer im Darlegen eines Anliegens, dem Bitten um Aufmerksamkeit und, wenn möglich, auch dem Erhaschen von Sympathie in der Zuhörerschaft.
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Niveau der Textgestaltung

Demetrios

Im Gegensatz zu der in der Antike üblichen Dreistillehre kreierte ein gewisser, bis heute nicht identifizierter Demetrios im ersten Jahrhundert vor Christus ein System mit vier Charakteren: einem großartigen/erhabenen (charakter megaloprepes), einen schlichten/einfachen (charakter ischnos), einen eleganten/glatten (charakter glaphyros) und einen gewaltigen (charakter deinos).
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Walk of Modern Art 2014

Anthony Cragg – „Caldera“

G.J.

Wir haben unseren Walk of Modern Art durch die Salzburger Innenstadt beim 7. Kunstwerk des Projektes der Salzburg Foundation begonnen. Die 5 Meter hohe Bronze-Skulptur „Caldera“ des englischen Bildhauers Anthony Cragg wurde 2008 inmitten des kleinen Parks auf dem Makartplatz aufgestellt. Das Werk ist von innen begehbar und stellt einerseits eine Landschaft mit Vor- und Rücksprüngen dar, die sich ineinander wie tektonische Platten verschieben. Andererseits sieht man menschliche Gesichtszüge und erkennt mehrere Profile. Je nach Standort und Blickrichtung bietet sich dem Betrachter ein anderes Bild, man muss nur ein paar Meter zu Seite wechseln und schon hat man eine völlig andere Dimension vor sich. Genau diese zweiteilige Interpretationsmöglichkeit fasziniert mich. Walk of Modern Art 2014 weiterlesen

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