Kategorie-Archiv: 2011

Stilbruch – rhetorisch

Thomas Zinsmaier

Stilbruch – rhetorisch

I. Ein erfolgreiches ästhetisches Prinzip

Seit den Unabhängigkeitserklärungen von Literatur und Kunst hat der Stilbruch aufgehört, grundsätzlich als ein Verstoß oder Fehler zu gelten. Für die Gattungen, die von der Komik leben, wie Satire und Parodie, ist das Spiel mit stilistischen Kontrasten ohnehin seit jeher konstitutiv. Konnten die Künstler und Schriftsteller der klassischen Moderne mit dem bewussten Verzicht auf formästhetische Einheit, mit Montagen und Collagen noch provozieren und verunsichern und sich dabei als Avantgarde verstehen [1], so hat sich der Stilbruch in den letzten Jahrzehnten als populäres Kompositionsprinzip etabliert, das längst nicht mehr als ästhetische Revolte, sondern allenfalls als interessant und unterhaltsam empfunden wird. In der Mode spricht man von einem „gekonnten“ oder „tollen Stilbruch“[2], für Cafés, Kneipen, Tattoo-Studios und Rockbands ist ‘Stilbruch’ ein beliebter Name geworden, Kulturzeitschriften [3] und -magazine führen ihn im Titel. Die Produzenten des Kulturmagazins ‘Stilbruch’ von Radio Berlin-Brandenburg stellen sich vor als „stilvoll gebrochene Menschen. Störrische Alt-68er, energische 89er. Macher mit Falten und Flausen. Nix passt zusammen. Warum auch? Stilbruch allerorten und Kultur ist dasjenige, was Sie daraus machen.“[4]

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Sprechen Sie limbisch?

Vortrag – Rhetorikgespräche 2011

Ruth Gutmann-Jungwirth

Sprechen Sie limbisch?

In meinem Beruf als Kommunikationstrainerin ist es natürlich von besonderer Wichtigkeit möglichst immer am neuesten Stand der Dinge/ State of the Art zu sein – zu Recht erwarten dies auch  meine Seminarteilnehmer.

Kommunikationstrainings sind ein interdisziplinäres Thema und  ich bin dabei u. a. angewiesen auf die Ergebnisse und Erkenntnisse der Wissenschaft, die ich möglichst nutzbringend weitergebe.

Gleichzeitig ist diese Art von Weiterbildung extrem motivierend für mich und meine Arbeit.

Ist doch der Kommunikationstrainer in vielen Kompetenzen gefordert: persönlich, kommunikativ, intuitiv, die fachlich und methodisch. Allen diesen Kompetenzen liefert die neurobiologische Forschung  Hinweise.

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Humor in der Rhetorik

Alexander Baur, Nikola Wiegeler

Humor in der Rhetorik

I.

Witze sind nicht einfach. Neben erkenntnisreich auch witzig in der Wissenschaft über den Witz zu schreiben, ist ebenfalls nicht einfach. Das sah auch schon Cicero so, der Caesar seine Überlegungen zum Lachen und zur Bedeutung des Lachens in der und für die Rhetorik mit folgenden Worten einleiten ließ: Ich bin „der Meinung, daß ein Mann mit einigem Humor jedwedes Thema witziger behandeln kann als ausgerechnet das des Witzes. […] ich fand zwar viele Proben des Witzes und Humors der Griechen […], doch die, die eine Theorie und ein System davon zu geben suchten, zeigten sich so fade, daß man bei ihnen nur gerade über ihre Abgeschmacktheit lachen kann. Deshalb bin ich für mein Teil jedenfalls der Meinung, daß man in dieser Frage keine solche theoretische Anweisung geben kann“. [1] Weiterlesen

Captatio benevolentiae – Berühren mit dem Wort

Baldur Kirchner

Captatio benevolentiae – Berühren mit dem Wort

SATÜR 2011, Eröffnungsvortrag am 29.04.2011 in Salzburg

Vorbemerkung

In den Einzelgesprächen, die wir vor Seminarbeginn mit jedem Teilnehmer führen, werden vielerlei Anliegen erkennbar. Für den einen bedeutet der Seminarbesuch, grundsätzlich einen inneren Abgleich zwischen Selbstbild und Fremdbild zu erleben. Einem anderen Teilnehmer erscheint die Erfahrung des Exponiertseins als wichtig, um als künftig Führender souveräner vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auftreten und die Interaktionen intensiver gestalten zu können. Wieder andere Seminarbesucher beklagen ihre Redeangst, die sie daran hindere, sich häufiger an öffentlichen Diskursen zu beteiligen. Auf eine Erwartung an das Seminargeschehen aber treffen wir besonders oft: Es ist der Wunsch vieler – namentlich jüngerer Führungskräfte – überzeugend oder überzeugender zu wirken, weil sie in ihrer eigenen Selbstbewertung erhebliche Defizite verspürten oder ihnen auch gesagt worden sei, sie müssten in dieser Hinsicht „noch an ihrer Persönlichkeit arbeiten“, so habe ich beinahe wörtlich zitiert. Weiterlesen