Archiv der Kategorie: Rund ums Reisen

Hier finden Sie studentische Beiträge zum Thema “Reisen”.

La vie est belle… auch abseits des französischen Mainstreams?

Reisen, das bedeutet für mich weniger bestimmte Sehenswürdigkeiten abzuklappern, nur um dann meiner Familie, meinen Freunden und Bekannten eine Masse an Fotografien zu zeigen, zu denen man oft kaum einen Bezug hat. Für mich machen das Flair, der Moment und somit auch das Einatmen der Lebensweise des Landes die ideale Art des Reisens aus. Am schönsten ist es dazu noch, wenn ich Menschen kennen lerne und somit in die reale Welt der dortigen Umgebung eintauchen kann und dabei nicht in einer touristisch verkitschten Atmosphäre verharre.

Meine letzte Reise ging nach Frankreich – ein europäisches Land, das ich besonders gerne besuche. Da ich schon einmal ein paar Tage in Frankreich verbracht habe, aber noch nie abseits von Paris, beschloss ich, die Normandie mit zwei Freundinnen zu erkunden.

Donnerstag, 17:30 Uhr – Flughafen München

Der eigentliche Anlass, sich in den Flieger von München nach Paris zu setzen und von dort aus weiter mit dem Zug in die Normandie zu reisen, war die eine Freundin. Sie war dort in einem kleinen idyllischen Ort gerade als Lehrassistentin für französische Gymnasien tätig, um den Schülern spielerisch die deutsche Kultur näher zu bringen.

Donnerstag – 22:00 Uhr – Paris, Montmartre

Als wir am Abend in Paris gelandet waren, haben wir uns sofort in das Nachtleben begeben: Unser Hostel lag mitten im Zentrum des nächtlichen Trubels von Paris – natürlich in Montmartre, dem wunderschönen Künstlerviertel der Stadt. In einer kleinen gemütlichen Bar namens „La fourmi“ – auf Deutsch „Die Ameise“ – knüpften wir auch schon erste Bekanntschaften. Obwohl Ivo und Jules direkt in Paris wohnten und arbeiteten, stammte der eine aus Korsika und der andere aus den Bergen Frankreichs. Ich glaube aus den Vogesen, wo die Quelle des teuren Mineralwassers Evian liegt.

Die Nacht war lang und voller philosophischer Gespräche – der Alkohol trug auch ein kleines bisschen zur Stimmung bei. Als wir um fünf Uhr mit der ersten und erstaunlich überfüllten Metro wieder in unser Hostel zurückkehrten, fiel es uns schwer keinen Radau zu machen; schließlich wollten wir die, uns eigentlich ganz unbekannte, Zimmergenossin nicht aufwecken. Nachdem sie sich zuerst geregt hatte, schien sie sich dann doch nicht von unserer beschwingten Laune aus dem Schlaf reißen zu lassen: Gott sei Dank!

Freitag – 10:00 Uhr – Paris, Montmartre

Kaum hatte ich die Augen geschlossen, läutete schon wieder unser Wecker, und wir hatten nur noch eine Stunde Zeit bis zum Auschecken. Ich hätte am liebsten einfach nur weitergeschlafen, da ich solch starke Kopfschmerzen von der kurzen Nacht hatte und mir auf den Beinen noch etwas schwindlig war. Noch entkräftet entschlossen meine Freundin und ich uns, die Treppe zur Rezeption hinunter zu stapfen, um eine weitere Nacht zu buchen, nur um noch etwas länger zu schlafen. Das Glück lag jedoch nicht auf unserer Seite – alle Zimmer waren ausgebucht. Natürlich, es war ja Freitag. Ich hätte laut losschreien und fluchen können, jedoch war ich einfach zu müde für einen solchen Wutausbruch. Außerdem hätte dies auch recht unreif gewirkt. Sichtlich enttäuscht gingen wir in unser Zimmer zurück, packten und verließen das Hostel.

Zuerst beschlossen wir, uns mit einem kräftigen Pizzaessen zu stärken und noch eine kleine Weile in Montmartre zu schlendern – bevor wir uns nach L’Aigle, dem kleinen Örtchen 142 km westlich von Paris, aufmachten. In den schmalen Gassen kamen wir an hübschen kleinen Restaurants und Straßencafés vorbei und stöberten in einem bunten und vollgestopften Second Hand Shop. Ich fand dort ein schickes, schwarz-rot gemustertes Kleid aus Satin, welches mir wie angegossen stand. Mit diesem Erfolgserlebnis fühlte ich mich mit Paris noch mehr verbunden als bei meiner ersten Reise in diese Stadt.

Von den vielen Eindrücken noch benommen, hatten wir keine bessere Idee als unglaubliche zwei Stunden in einem heruntergekommenen und schmutzigen Fast-Food-Restaurant namens „Quick“ zu verbringen. Sinnvoll war das Herumlungern in dieser versifften Bude nicht gerade, wie wir dann einsehen mussten. Also kehrten wir wieder in unser Hostel zurück, buchten noch eine Nacht für den Sonntag und schlenderten zum Bahnhof, um endlich in die Normandie zu reisen.

Nach anstrengenden 2 Stunden in einem überfüllten Zug von Paris nach L’Aigle kehrten wir schließlich im riesigen und zugleich auch verlassen wirkenden Appartement unserer Freundin ein. Sie wohnte dort ganz allein, obwohl es für noch zwei weitere Lehrer gedacht gewesen wäre. Sie empfing uns mit einer schlechten Nachricht, die uns zunächst frösteln ließ, nämlich dass die Heizung an diesem Herbstwochenende nicht funktioniere. Es gelang uns aber, indem wir uns in flauschige Decken wickelten und Unmengen an heißem Tee tranken, der Kälte zu trotzen. Nach einer französischen „Brotzeit“ – frisches Baguette, Frischkäse aus Ziegenmilch und buntgemischter Blattsalat – sahen wir uns noch französisches Reality-TV an, bis uns die Müdigkeit übermannte.

Samstag – 11:00 Uhr – Étretat und L‘Aigle

Am nächsten Tag besichtigen wir das raue Meer in Étretat. Während der langen Autofahrt dorthin machten wir einen kurzen Halt in Lisieux, der zweitgrößten Pilgerstadt in Frankreich. Die beeindruckende, im neobyzantinischen Stil gehaltene Basilika stimmte uns friedlich und hinterließ große Bewunderung für diese Architektur.

Als wir den Strand erreichten, war ich fasziniert von der Kraft des gewaltigen Atlantik. Obwohl das Wetter alles andere als warm und heiter war – immerhin war es Mitte November – ließ ich mich von den großen, tosenden Wellen und dem kiesigen Strand in eine andere Welt tragen. Das schwappende Geräusch der ankommenden dunkelblauen Wellen beruhigte mich auf Anhieb. Ich fand ebenso Gefallen an den glatten, runden Steinen, welche es in den verschiedensten Grau- und Brauntönen gab. Sie fühlten sich in der Hand sehr schmeichelhaft an, aber wollte man auf ihnen den Strand entlangwandern, sank man mit den Füßen in dieses steinerne Meer regelrecht ein. Als Andenken nahm ich eine Hand voll von diesen so unberechenbaren und zugleich wunderschönen Kostbarkeiten mit.

Am Abend begaben wir uns wiederum ins französische Nachtleben – diesmal jedoch in einem kleinen knapp 8.000 Einwohner umfassenden Seelenort namens L’Aigle, was übersetzt „der Adler“ bedeutet. Als wir die einzige wirkliche abendliche Bar der Kleinstadt besuchten, kannten wir noch niemanden. Nach kurzer Zeit jedoch begannen uns die Einheimischen einer nach dem anderen anzusprechen: Einer zeigte uns verblüffende Zaubertricks, ein weiterer machte uns, kaum hatte er unsere Sprache gehört, sogleich mit seiner Freundin bekannt, die ganz zufällig aus Salzburg stammte wie wir. Mit dieser witzigen Truppe gingen wir schließlich, als die Bar um Mitternacht schließen wollte, in den einzigen Club im Ort – ins „Le Moulin“ – die Mühle.

Sonntag – 12:00 Uhr – L’Aigle

Nach einer heiteren, wenn auch ungewöhnlichen Nacht in dieser kleinen Stadt verbrachten wir den nächsten Tag damit, die Ortschaft mit den historischen Gedenkstätten aus dem zweiten Weltkrieg und den kleinen geschwungenen Gassen noch ein wenig zu erkunden. Am Abend kehrten wir wieder nach Paris in unser Hostel zurück und verbrachten den letzten Abend wiederum in der Bar „La Fourmi“. An diesem Sonntag war kaum etwas los. Als wir uns gerade wieder auf den Weg machen wollten, winkte uns ein bärtiger Mann zu. Wir winkten zurück, und drei Männer kamen an unseren Tisch. Diesmal waren es kanadische Künstler aus Montréal, die mit ihrer Indie-Band namens „Canailles“– auf Deutsch „Schurken“ – auf Europa-Tournee waren. Ich unterhielt mich mit dem Bärtigen, obwohl er recht schwer zu verstehen war, denn sein Französisch hatte für meinen Geschmack einen zu starken amerikanischen Einschlag. Als wir um ein Uhr die Bar verlassen mussten, kehrten wir in unser Hostel zurück, wo auch die Bandmitglieder nächtigten. Im Aufenthaltsraum zeigten sie uns noch viele verblüffende Kartenzaubertricks, die wir einfach nicht entschlüsseln konnten.

Montag – 10:00 Uhr – Paris, Montmartre und München

Die letzte Nacht war wiederum kurz. Meine Freundin, die Lehrassistentin, musste nach L’Aigle zurückkehren. Und meine andere Freundin und ich konnten auch nicht mehr lange in Paris bleiben. Bei einem selbst zusammengestellten Mittagessen aus dem Supermarkt – erfrischender Couscoussalat, frisches Baguette und in Öl marinierte Oliven mit Schafskäse –  ließen wir unter dem monströsen Eiffelturm unseren aktiven Kurztrip gemütlich ausklingen. Gegen 22:00 Uhr kamen wir dann im verschneiten und eisigen München an. Beim Anblick der dicken Schneeflocken wünschte ich mich wieder in die Normandie zurück. Doch ich freute mich schon riesig darauf, meinen Liebsten wiederzusehen, weswegen ich übers Heimkommen doch sehr glücklich war.

Auch wenn diese Reise kurz und auch sehr anstrengend war, war sie authentisch wie keine zuvor. Dass man in so kurzer Zeit so viele Menschen aus den unterschiedlichsten Gegenden wirklich kennenlernen kann, habe ich nie wieder erlebt. Dies macht mir die Reise unvergesslich. Von diesen Erlebnissen werde ich immer wieder Neues erzählen können.

Stefanie Spitzendobler

 

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Verona – eine Stadt für Verliebte, Genießer und Geschichtsinteressierte?

Verona – eine Stadt für Verliebte, Genießer und Geschichtsinteressierte?„Romeo und Julia“ oder einfach ein Balkon für Touristen?

Obwohl die Stadt nur wenige Stunden von der Heimat entfernt ist, hat man schon bei der Ankunft das Gefühl, ganz woanders zu sein. Der italienische Charme der Stadt ist auch beim Bahnhof schon präsent. Ein paar Straßen weiter, und die typischen kleinen italienischen und romantischen Gassen häufen sich, und nichts lässt einen daran denken, dass man vor 4 Stunden noch in Innsbruck war. Auf dem Weg in die Stadt, zur Arena, geht man auf kleinen, kopfsteingepflasterten Gehwegen, vorbei an kleinen einzelnen Boutiquen, Cafes und Restaurants. Gemütlich. Der große Platz vor der Arena ist zwar mit Menschen gefüllt, aber nicht überfüllt. Italienisch – das einzige Wort, welches diesen Anblick beschreiben kann. Italienisch: Kaffeetassen klappern, der Geruch von Pizza, überall Menschen mit den leckersten Eistüten in der Hand, im Hintergrund italienische Wortfetzen, Leichtigkeit. Geht man weiter, einer Einkaufsstraße entlang, kommt man immer mehr ins Innere der Stadt. Die Gassen werden noch kleiner und noch italienischer und noch romantischer. Weitere viele kleine Cafes. Man kommt an zahlreichen historisch interessanten Bauten vorbei- von einer wunderschönen Brücke, über Gräber von den damaligen Herrschern, bis hin zu einem italienischen Garten, wo auch schon Goethe  so manche Inspiration bekam. Beeindruckende Architektur. Und schließlich DER  Balkon. Der Balkon von Julia. Enttäuschend. Der ganze Innenhof von Touristen vollgestopft, und alles, was man sieht, ist ein Balkon. Was erwartet man auch von einem Balkon, der nur für Shakespears Drama lebt und dafür gebaut wurde? Es ist ein Balkon, wie es jeder sein kann. Aus hellem Stein und Mustern. Darunter eine Julia-Figur, deren Brust man berühren soll, um Glück in der Liebe zu bekommen. Sehr touristisch. Nicht der Balkon macht Verona eine Stadt für Verliebte, sondern das italienische Lebensgefühl, die italienischen, romantischen Gassen und die vielen kleinen Cafes.

Im Großen und Ganzen ist Verona wirklich all das, was es sein soll: eine Stadt für Verliebte, Genießer und für Geschichtsinteressierte. Wer glaubt, Julias Balkon macht aus Verona eine Besonderheit, der irrt. Das Lebensgefühl und der italienische Charme sind es.

Madita Großbötzl

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Ein Hund geht auf Reisen

In diesem Winter nahmen mich meine Hundeeltern auf eine Wochenendreise nach Prag mit. Mein Name ist Merlin Holberg, ich bin ein Golden Retriever und etwas mehr als zwei Jahre alt. Ich bin schon recht viel herumgekommen: Nach Deutschland, Italien und Frankreich, in Prag aber war ich noch nie zuvor gewesen.

Die Anreise war recht unkompliziert. Ich musste nicht all zu lange in meinem Reiseabteil im Kofferraum verbringen, dazwischen gab es eine sehr angenehme Pause an einem Rastplatz, der direkt an ein Feld voller Wohlgerüche angrenzte. Ich war sehr damit beschäftigt, die Duftspuren zu verfolgen.

Im Hotel wurden wir sehr freundlich aufgenommen, und die Rezeptionistin war ganz begeistert von mir. Ich bekam viele Streicheleinheiten und Komplimente. Die Einrichtung war sehr geschmackvoll und passte in ihrer Farbzusammenstellung mit ihren Braun- und Orangetönen ausgezeichnet zu meinem Fell.

Bald nach unserer Ankunft durfte ich einen kleinen Erleichterungsspaziergang zu einer Burg in der Nähe machen. „Hradschin“ heißt sie wohl. Da gab es endlich genug grüne Flächen für mich, und ich konnte mich ordentlich austoben. Dann wurde ich aber wieder angeleint und musste brav bei Fuß durch die Stadt spazieren. Es gefiel mir aber gut, was ich zu sehen bekam, und die vielen ungewohnten Gerüche beschäftigten mich sehr. Als äußerst angenehm empfand ich auch die Temperatur, mir war gar nicht heiß in meinem Pelz, und so bedauerte ich es eigentlich, dass wir schon bald in ein Cafe´ einkehrten. Dort musste ich wieder unter dem Tisch liegen mit dem Geruch von Prager Schinken in der Nase, ohne auch nur ein Stückchen abzubekommen.

An einem großen Fluss entlang gingen wir später zurück. Schnee liebe ich, ich kann mich wälzen und abkühlen und säubern und fühle mich pudelwohl – soweit das für einen Golden Retriever möglich ist! Es dauerte nicht lange, bis ich einen anderen Hund entdeckte, den ich gern begrüßen wollte. Obwohl er am anderen Ende des Parks umherschnupperte, konnte ich nicht anders, als sofort zu ihm hinzurennen. Wie zu erwarten ließ ich meine Hundeeltern mit lautem Geschrei zurück, schließlich wollten sie ja, dass ich sofort zu ihnen zurückkehren sollte. – Aber war ich heute nicht schon brav genug gewesen? Jetzt stand mir wirklich eine Runde Spielen zu! „Kennst Du die Parks oberhalb der Stadt?“ Ich mußte verneinen, da waren wir noch nicht gewesen. Viel zu schnell wurde ich wieder eingefangen, aber immerhin hatte ich kurz das Vergnügen gehabt. Ich glaube meine Eltern wären gerne in dieses Museum am Kampapark gegangen, aber da ich nicht willkommen war (dieses Schild kenne ich inzwischen selbst), sind sie draußen bei mir geblieben. Wir spazierten ins Hotel zurück, ich bekam meinen Napf Futter und eine kleine Verdauungspause. Anscheinend hatten aber auch meine Hundeeltern Hunger, und wir brachen bald wieder auf.

Der Weg war mir inzwischen schon bekannt, es ging den Berg hinunter zu dem gossen Fluss. Leider durfte ich nicht wie erhofft in den Park abbiegen. Stattdessen steuerten wir ein Restaurant an und bekamen einen Tisch in einem Riesenraum mit vielen Kerzen, in dem wir ganz alleine waren. Wahrscheinlich war  es mir zu verdanken, dass wir so exklusiv platziert wurden. Ich konnte mich vor den Schmeicheleien der Kellnerin, die auch nach Kollege roch, kaum retten, sie fand mich ganz großartig. Was da so aufgetragen wurde, roch köstlich, aber ich bekam nur die übliche Schlüssel Wasser, die mich ohne Einlage noch nie interessiert hat.

Am nächsten Tag ging es vom Hotel in eine ganz andere Richtung, bergauf bis zu der großen Burg. Allen außer mir schien kalt zu sein. Meine Hundeeltern benahmen sich merkwürdig: Immer wieder verschwand einer von ihnen in einem Gebäude, während der andere bei mir in der angenehmen Kälte stehenblieb. Warum durften wir nicht einfach zusammenbleiben? Für mich war das nicht so schlimm, weil genug Leute da waren, die mich bewundern, fotografieren und streicheln wollten. Ich verstand sie nicht immer, aber das war nicht so wichtig, denn sie waren alle recht freundlich. Nur hin und wieder kam eine kleine Gruppe von Männern in eigenartigem Schritt und komischer Kostümierung, die streng dreinschauten, sodass ich mich dann lieber in der Nähe meiner Hundeeltern versteckte. Viele Bekanntschaften habe ich nicht geschlossen, nur ein paar sehr kleine Artgenossen waren hin und wieder zu sehen. „Wir werden in den Taschen mit hineingenommen!“ Na ja, das kam für mich wohl nicht in Frage! Es ist Jahre her, dass ich im Korb durch Verona getragen wurde.

Nach geraumer Zeit hatten meine Hundeeltern wohl genug gesehen, und wir verließen den Burgberg. Es ging wieder durch kleine Gassen und Straßen, bis wir zu einem schummrig beleuchteten kleinen Restaurant gelangten, wo es allerdings nicht so ganz nach meinem Geschmack roch. Die Pause tat allerdings auch mir gut, und ich genoss die Ruhe und die angenehme Atmosphäre. Danach kreuzten wir den Fluss – die Brücke war aber weit oberhalb des  Wassers gelegen, sodass an Schwimmen nicht zu denken war. Auf der anderen Seite herrschte reges Treiben, viele Menschen, wenig Hunde, hell erleuchtete Geschäfte im Abendschein. Sehr oft entdeckte ich bunte Puppen an Fäden in den Fenstern, die wahrscheinlich auch für mich sehr nett zum Spielen gewesen wären. Es fiel mir auch auf, dass es besonders oft ganz viel Licht und Gefunkel in den Läden gab und die Leute da drinnen die Köpfe nach oben streckten. Nachdem man mich reichlich lange an der Leine hier- und dorthin gezerrt hatte, war ich ganz froh, als wir endlich in unser Hotel zurückkehrten, damit ich mich satt essen konnte.

Von den Diskussionen nach der Reise ist mir in Erinnerung geblieben, dass wir bald wiederkommen werden. Anscheinend hat es den Hundeeltern dort gut gefallen. Auch ich habe nichts dagegen, die erwähnten Parks näher zu entdecken. Bevor wir die Stadt verließen, schnappte ich ein noch etwas auf: „Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen (Kafka).“

Christina Hofer-Dückelmann

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Kurztrip New York

Ich blicke auf mein Handy, und jedes Mal werden wieder Gedanken und Emotionen geweckt. Auf dem Hintergrundbild strahlen die zahlreichen Reklametafeln und die riesigen Menschenmassen, die den Times Square, egal zu welcher Tageszeit, beleben. Wenn ich so zurückdenke, bin ich sehr froh, letztes Jahr die Amerikareise mit meinem Bruder und Vater noch um ein paar Tage verlängert zu haben, um ein bisschen am Big Apple der Ostküste Amerikas zu knabbern.

Leider hatte ich nur etwas mehr als drei Tage zur Verfügung, um das niemals schlafende New York zu erkunden. Ich musste also eine Auswahl treffen, was mir nicht leicht fiel. Als Unterkunft wählte ich ein eher kleines, günstiges Hotel an der Upper West Side, das Zimmer war winzig und das Bad am Gang, aber das machte ja nichts, schließlich wollte ich dort nur schlafen, worauf ich mich bei der Ankunft auch schon gewissermaßen freute.

Am ersten Tag startete ich gleich zeitig in der Früh in Richtung Haltestelle der berühmten silberfarbigen New Yorker Subway an der 103rd Street, Ecke Broadway. Besonders charakteristisch für New York sind die zahlreichen duftenden Snack Shops, welche sich wahrscheinlich an jeder zweiten Ecke befinden. Da konnte ich nicht widerstehen und kaufte mir ein paar frisch gebackene Bagels gefüllt mit Ham and Eggs, sozusagen ein typisch amerikanisches Breakfast. Nach einer halbstündigen Fahrt befand ich mich ganz im Süden Manhattans, im Battery Park, um sogleich die Freiheitsstatue vom Ufer aus zu bestaunen. Wahnsinn, dachte ich, genau wie in den zahlreichen Filmen, die hier gedreht wurden, echt beeindruckend. Aus Zeitgründen aber beschloss ich, es bei einem Blick und Foto aus der Ferne zu belassen. Um möglichst viel zu sehen und die Atmosphäre wahrzunehmen, hatte ich mir vorgenommen, mich zu Fuß entlang des Broadways in Richtung Norden vorzuarbeiten. Die schachbrettartige Anordnung der New Yorker Straßen erleichtert die Orientierung immens. Man findet sich eigentlich sofort zurecht, gar nicht vergleichbar mit den Städten in Österreich. Beim Spazieren durch den Financial District bestaunte ich unter anderem die berühmte New York Stock Exchange, die Federal Hall und Büros zahlreicher Finanzunternehmen und Anwaltskanzleien. Alle wichtigen Gebäude werden hier von der Polizei bewacht. Es heißt ja, man glaubt es kaum, dass eigentlich fast jeder Schritt der Passanten auf den Straßen durch Videokameras überwacht wird. Aufgrund der vergangenen Vorfälle und der relativ hohen Terrorgefahr eigentlich verständlich, oder doch übertrieben – ich war unschlüssig.

Weiter lief ich mit kleinen Abstechern durch China Town und Little Italy. Faszinierend, dachte ich mir: wüsste ich nicht, dass ich in New York bin, glaubte ich mich tatsächlich in China oder Italien. Da ich auch noch ein paar Geschenke für die Freunde zu Hause besorgen wollte, machte ich mich auch gleich auf die Suche, aber ich fand eine solche Vielfalt an Geschäften, dass ich mich kaum für eines entscheiden konnte. Gegen Abend brannten meine Füße schon sehr, aber als ich die riesige Menschenmasse am leuchtenden Times Square erblickte, vergaß ich Schmerzen und Müdigkeit. Mir wurde klar, daß an Schlaf noch lange nicht zu denken war. Ungefähr in diesem Augenblick entstand auch das Foto, das ich später als Hintergrundbild für mein Handy auswählen sollte. Ich konnte meinen Augen kaum glauben, als ich plötzlich einen eigenen M&M Shop entdeckte: dort musste ich hineingehen. Drinnen angelangt entdeckte ich M&M Accessoires auf zwei Stockwerken, M&Ms nach Farben in meterhohen Säulen sortiert. Und, als wäre das noch nicht genug, setzte auch noch laute Musik ein, zu der die Mitarbeiter und Besucher wie wild zu tanzen begannen. Mit einem Mal befand ich mich in einer Disco, echt crazy.

Die Erinnerung an die frisch gebackenen Bagel des vorigen Tages führte mich wieder zum ersten Bagel-Geschäft zurück. Diesmal reichte die Schlange an der Kassa fast bis nach draußen. Als ich endlich die warmen Bagels ergattert hatte, machte ich mich auf den Weg in den Central Park, um dort mein Frühstück zu genießen. Hier kann man sich entspannen, den Leuten beim Joggen zusehen, und überall hüpfen kleine braune Eichkätzchen umher, die einem fast aus der Hand fressen.

Die Riesenmetropole aus der Vogelperspektive zu betrachten gehört zum Pflichtprogramm eines jeden New York-Reisenden. Am liebsten hätte ich ja einen Hubschrauberrundflug gemacht, aber das ließ mein Budget leider nicht zu, also suchte ich nach einer Alternative. Um auf das höchste Gebäude New Yorks, dem 381 Meter hohen Empire State Building zu gelangen, hätte ich mich einen halben Tag in die Schlange stellen müssen. Deshalb fiel meine wahl auf das etwas nördlicher liegende Rockefeller Center. In weniger als einer Minute gelangte ich nach einer aufregenden Liftfahrt mit Lichtspielen und Musik in 260 Meter Höhe, ungefähr auf Augenhöhe mit den anderen Hochhäusern in Midtown Manhatten. Auf drei verschiedenen Aussichtsplattformen konnte ich einen malerischen Ausblick über die einzelnen Boroughs genießen. In Richtung Süden, unmittelbar geradeaus, blickte ich auf das Empire State Building und das restliche Downtown New York. Dann drehte ich mich gegen den Uhrzeigersinn und konnte weitere beeindruckende Wolkenkratzer bestaunen, den Donald Trump Tower, das Chrysler Building, den Bank of Amerika Tower, das Woolworth Building. Im Norden befindet sich schließlich der Central Park als die grüne Lunge der Stadt, in der ich ja gerade zuvor meine frischgebackenen Bagels mit Ham and Eggs genossen hatte.

Mit diesem Rundblick ging mein Kurztrip leider auch schon wieder zu Ende. Den einzigartigen Flair dieser Stadt kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen. Ich kann nur soviel sagen, daß ich keine Minute bereue, die ich dort verbracht habe und daß ich das nächste Mal, wenn ich dorthin reise – und das werde ich sicher tun – viel mehr Zeit werde einplanen müssen.

Andreas Reisinger

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Familienurlaub

Alle Jahre wieder, gegen Ende des Winters, geht sie los – die familiäre Urlaubsplanung. Ein Marathon an Suche, Planung und Organisation. Drei (nun ja, eher zweieinhalb) junge Menschen auf der Suche nach drei Wochen Erholung, Spaß und Aktion. Also ab an den Strand? Unter der Sonne Tunesiens brutzeln? Im Club in Marmaris abfeiern? Nicht mit uns – Gott sei Dank gehören wir unisono zur Kategorie der Aktiventspanner. Unbekannte Länder, sofern sie mit dem Auto erreichbar sind (ferne Flugreisen wurden auf später verschoben) und Möglichkeiten für Abenteuer versprechen – das ist unser Ziel.

Eigentlich beginnt der Urlaub ja schon im Februar, wenn sich der Inhalt der Keksdose langsam dem Ende zuneigt und auch unser kleinstes Mitglied nicht mehr jeden Tag im Schnee verbringen muss. Denn solch gemeinsame Planung des immer näher rückenden Sommerurlaubes kann das Herz im dunklen Kämmerlein erwärmen. Bei der letzten Tasse (Kinder-)Punsch wird der Globus hervorgekramt, und dann wird fieberhaft überlegt, wo a) unbekannte und b) familientaugliche, mit dem Auto erreichbare Destinationen entdeckt werden wollen. Aspekte wie Sicherheit, Wetterbedingungen im Hochsommer, Kulturunterschiede und Sehenswürdigkeiten werden dann noch bis ins kleinste Detail erforscht. Es folgen wunderbare stundenlange Bibliotheksaufenthalte – die Schönheit unserer Welt lässt sich in einem fünf kilo schweren Bildband einfach besser vermitteln als über Bilder auf facebook. Und dann der wohl unangenehmste Teil: Die Internetrecherche. Da werden Unterkünfte gegoogelt, auf tripadvisor auf ihre Bewertung hin geprüft und auf booking.com reserviert. Da werden Distanzen auf den Meter genau berechnet: Von Himmelreich nach Mailand, von Nizza zu den Pyrenäen, von Berlin nach Stockholm. Eine gewisse Affinität zur Kostenrechnung  ist bei der Erstellung des Finanzplanes immer wieder hilfreich. Auf der Suche nach Geheimtipps werden auch noch die zahlreichen Internetforen durchforstet, wo uns schließlich Mr. Geo oder Fräulein Spagnia ihre Eindrücke und Erlebnisse schildern. Omas Reiseführersammlung tut ihr übriges. Bis auf die Bildqualität hat sich ja ohnehin wenig verändert, und man ist immer wieder freudig überrascht, dass der schiefe Turm von Pisa heutzutage doch noch um einiges schiefer ist und die Cinque Terre auch um einiges farbintensiver von ihren Felsen leuchten als im Reiseführer anno 1965 abgebildet.

Auch wenn es bedeutend einfacher anmuten mag, sich im Juli ins Reisebüro zu setzen und sich den Familienurlaub in kurzer Zeit durchplanen zu lassen, so verkürzt die gemeinsame Vorfreude die riesige Spanne zwischen Null und 35 Grad doch bedeutend!

Magdalena Fazal-Ahmad

 

 

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Ghana als persönliche Horizonterweiterung

Zu diesem Zeitpunkt war viel los in meinem Leben – ich war noch ein frisch gebackener Abiturient, hatte bereits mein erstes Studium nach wenigen Wochen und völliger Unzufriedenheit abgebrochen und wusste nicht, was passiert jetzt mit mir, was ist dein nächster Plan? Ich war davon überzeugt, dass mir eine Reise weiterhelfen würde, Hauptsache weit weg von Zuhause, um endlich wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Ich glaubte, dass mir besonders ein Land mit einer anderen Kultur und Lebensweise in dieser Hinsicht sehr weiterhelfen könnte.

Daher beschloss ich ein Stückchen Afrika kennenzulernen und begab mich für 4 Monate auf eine Reise in das westafrikanische Ghana. Viele Vorstellungen hatte ich, aber als ich dort ankam, war alles anders.

Ich verließ aufgeregt die geschützten Räume des Flughafens und betrat zum ersten Mal afrikanischen Boden. Zwei Dinge erschlugen mich zugleich – eine scheinbar nicht zu durchdringende Hitzewand und die Blicke unzähliger Ghanaer. Eine leichte Überforderung spürte ich, als mich plötzlich jeder ansprach und irgendetwas von mir wollte – wohin gehst du? Woher kommst du? Kann ich dir helfen? Gib mir doch dein Gepäck. Ich war sehr erleichtert, als ich merkte, dass sich eine Person aus diesem Pulk von Menschen als mein Praktikumsbetreuer entpuppte, schon wenige Minuten später saßen wir in dem scheinbar nächsten geschützten Raum eines ghanaischen Minibusses – eines „TroTro“. Allerdings musste ich schnell feststellen, dass in diesem für maximal 8 Personen ausgelegten Fahrzeug gefühlte 20 Personen saßen und standen. Nie zuvor spürte ich derart viel Körperkontakt, mir fehlte fast die Luft, auch weil ich mit meinem Gepäck nicht gespart hatte. Das erste Abenteuer sollte nicht lange auf sich warten lassen – wir fuhren durch die Straßen einer Millionenstadt – Accra. Meine erste Unsicherheit und Überforderung vom Flughafen legte sich sehr schnell, als ich aus dem Fenster sah. Bezaubert von so viel Leben auf den Straßen um 6 Uhr morgens. Überall Menschen auf nicht enden wollenden Märkten, scheinbar alle am Arbeiten, so viele zufriedene Gesichter, diese ganzen Fahrradfahrer und Mopeds mit waghalsigen Aufbauten. Dazu kam in der ganzen glücklichen Hektik dieses ganze Grün – überall blühende Bäume und Palmen, soweit das Auge reicht. Die Luft, die durch das Fenster drang, fühlte sich angenehm an und roch nach nasser Erde. Plötzlich musste ich erschrocken feststellen, dass mich mein Betreuer fragte, ob mit mir alles in Ordnung sei. Anscheinend sprach er schon eine Weile, ohne dass ich irgendeine Reaktion gezeigt hatte. Er begann mir alles zu erzählen, was mich in Ghana erwarten würde, wie mein Alltag aussehen wird.

Nach einer Stunde waghalsiger Fahrt erreichte ich mein neues Zuhause – ein Haus mit Wellblechdach in einer hübschen ruhigen Seitenstraße. Ich stieg aus, und wieder waren alle Blicke auf mich gerichtet – ich kam mir langsam vor, als leuchtete ich wie ein Glühwürmchen. Kinder rannten auf mich zu und rubbelten an meinen Armen herum – ich verstand nicht, was das zu bedeuten hatte. Alle Leute um mich herum fingen an zu lachen, mir war das sehr unangenehm und ich wurde verlegen. Als mir mein zukünftiger Nachbar erklärte, dass die Kinder meine weiße Haut nur abrubbeln wollen, da sie nicht glauben können, dass ein Mensch eine andere als schwarze Hautfarbe hat, war ich sehr erleichtert und freute mich über diese besondere Begrüßung der Kinder. Die nächste Zeit merkte ich, dass ich mich an diese Prominenz erst gewöhnen musste. Jeder war an mir interessiert, wollte mit mir reden – ein sehr ungewohntes Gefühl, das ich aus Deutschland nicht kannte.

Das Leben ging los in Ghana, und die Erlebnisse der folgenden Monate in einem Kindergarten und Waisenhaus bleiben für mich bis heute unvergesslich und prägend.

Ich bin derart vielen Menschen begegnet, die bitterarm waren, aber trotzdem sehr offen, freundlich und zufrieden. Bei uns in Europa habe ich oft den Eindruck, dass die Menschen sehr unglücklich und traurig wirken, obwohl sie sich doch an sich alles leisten können.

Ich wollte dieses seltsame Phänomen des Ungleichgewichts verstehen und überhaupt die Gemeinsamkeiten und Unterschiede im menschlichen Verhalten. Dies war sehr ausschlaggebend für meine Studienwahl Psychologie, mit der ich bis heute zufrieden bin. Meine Reise war für mich ein voller Erfolg und hat meinen persönlichen Horizont sehr erweitern können. Nach mittlerweile 5 Jahren kann ich sagen, dass die Gefühle, die ich mit dieser Zeit und diesem Land verbinde, nicht an Intensität verloren haben.

Christof Bochnoik

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Reisen – ein Abenteuer

Besonders spannend finde ich Orte, an denen ich mich so unterscheide von allen anderen Menschen, die mich umgeben. Natürlich fand ich die Natur und Umgebung immer wunderschön… sogar überwältigend, ob es die Reis-Terrassen in China, die wilden Küstengebiete in Mozambique oder die Tempel in Kambodscha waren. Aber sind es nicht gerade die Menschen, die dort leben, die die Reise interessant machen? Ich versuche mir vorzustellen, wie es ist immer am Meer zu leben, wie es ist, nicht seine Meinung in seinem eigenen Land äußern zu dürfen. Wie ist es, so abgeschieden von der Außenwelt zu leben? … Schon allein finde ich es interessant, wann die Menschen gewöhnlich essen und was… viele Fragen drängen sich mir auf – aber nie werde ich alle beantworten können. Sich in Menschen, vor allem mir so kulturell fremde Menschen, hineinzuversetzen, ist abenteuerlich – das große Abenteuer beim Reisen. In gewisser Weise bin auch ich damit konfrontiert, wer ich selbst bin; wo ich an eigene Grenzen stoße, die für andere Menschen noch nicht einmal das geringste Problem darstellen.

Das fiel mir besonders auf, als ich von Johannesburg (Südafrika) nach Maputo reiste. Die Hauptstadt von Mozambique ist nicht eine Hauptstadt, wie ich sie mir vorgestellt hatte. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, ich müsse schnellstmöglich weg von Johannesburg, aber das einzige Mittel sich fortzubewegen sind die Chappas. Das sind die afrikanischen Kleinbusse, die eigentlich für ungefähr 9 Personen ausgelegt sind und in jedem afrikanischen Land anders heißen. Ich saß nun in einem besonders klapprigen Chappa mit fehlender Schiebetür auf dem Weg nach XaiXai und dachte mir in Stillen: Es wird immer wahrscheinlicher, dass ich die Tour nicht überlebe. Das legte sich aber nach einer Weile, obwohl ich merkte, dass der Bus wohl noch lang nicht die Grenze seiner Kapazität erreicht hatte: In jedem Dorf stiegen mehr Leute ein und aus. Tendenziell mehr ein als aus. Nach mehreren Stunden hatte es gefühlte 40 Grad, und der Bus war besetzt mit etwa 23 Passagieren, zwei Hühnern, einem Baby und entsprechend viel Gepäck. Natürlich war das nur eine Schätzung, da ich nicht unbedingt einen freien Blick nach vorne hatte. Am Ende der Fahrt waren es zwischen 30-35 Mitfahrer und mindestens zwei Menschen auf meinem Schoß. Das brachte mich nur leicht an meine Grenzen, aber was wirklich dramatisch war, war die Luft, die wir atmeten. Es roch so furchtbar nach vielem, das ich aus meinem europäischen Leben gar nicht kenne… nach lebenden Hühnern, nach toten Fischen, nach Rauch und Abgasen, und vor allem extrem säuerlich nach menschlichem Schweiß. Diese zehnstündige Fahrt empfand ich als unfassbar belastend, aber interessant ist doch, dass man sich an wahrscheinlich alles gewöhnen kann. Viele machen das jeden Tag und pendeln von Dorf zu Dorf. Ich frage mich warum? Welche Berufe üben sie aus… wo wohnen sie? Wenn ich so über diese gewaltigen Unterschiede nachdenke, bekomme ich Gänsehaut. Das war eine anstrengende Reise, aber für mich sehr wertvoll, um mich immer wieder zu vergewissern, dass es außer meiner Welt noch eine andere Welt gibt.

Ich hatte mir das Land eigentlich zivilisierter vorgestellt mit Häusern und richtigen Straßen, aber das war nur seltene Ausnahme. Man sah dem Land den Bürgerkrieg an, der noch keine 20 Jahre vorbei war. In den Feldern liegen vereinzelt noch immer Landminen, und fast die Hälfte der Bevölkerung ist jünger als 16 Jahre. Ich fragte mich oft warum, aber merkte schnell, dass ich vielleicht dieser harten Realität nicht gewachsen bin. Was haben die Leute hier schon ertragen müssen? Es gab keine Bettler, es schien kaum Kriminalität zu geben, und ich fühlte mich so sicher wie schon lang nicht mehr. Wenn ich an die Zeit in Südafrika zurückdenke, kommt mir das Land bezüglich seiner Kriminalität und seinen sozialen Abgründen abartig vor. Was macht den Unterschied?

Ich hatte den Eindruck, die Menschen in Mozambique sind sehr ehrliche Menschen. Ich fühlte mich gut aufgehoben… es passierte nichts, und jeder schien seiner Aufgabe nachzugehen. Niemand lag am Straßenrand, allein und hilflos oder betrunken. – Sie sind aber auch ehrlich in dem Sinne, dass sie mich wie Luft behandelten, nicht Hallo sagten oder je lächeln würden. Sie erschienen verbittert, diese jungen Menschen, die so früh Verantwortung übernehmen (müssen), und als hätten sie ihr Schicksal angenommen. Was sie wohl über mich dachten? Warum ist es auf den Straßen so un-afrikanisch ruhig? Warum sah ich kaum jemanden lachen, tanzen oder sich aufregen? Wo sind die Emotionen? Ist das eine besondere Mentalität, oder kann es sein, dass ein Volk noch so flächendeckend traumatisiert ist?  So schien es mir fast. Doch als ich abends von meiner beschaulichen Hütte über den Strand zum Markt lief, sah ich, wie die Jungs (wie am Vorabend) wieder im Sand Fußball spielten, bis es dunkel wurde. Ein komischer Gedanke, aber es kam mir so vor als wäre die Welt schon wieder in Ordnung.

Nach so vielen großen Fragen und fremden Situationen, hatte ich das dringende Bedürfnis danach, Ruhe zu finden, um meine Gedanken zu sammeln. Mir gelingt das immer besonders gut, wenn ich von Natur umgeben bin. Also ging ich zu einem Tauchclub, der auch am Strand lag. Ein plötzlicher Schlag westlicher Vertrautheit: Bücher, ein Computer… Fotos hingen an der Wand. Ich wunderte mich, dass Mozambique‘s Hütten und dieses europäisch eingerichtete Haus auf so dichtem Raum stehen und sich scheinbar überhaupt niemand an den Gegensätzen stört.

Der Tauchgang war fantastisch, diese andere Welt ist ebenso unbeschreiblich wie die Welt der Menschen in Mozambique. Allerdings vergleiche ich nicht, und ich frage mich auch nicht, wie dieser Fisch oder Wal den Bürgerkrieg erlebt hat. Ich bewundere sie nur wegen ihrer Schönheit. Bei den Menschen ist es nicht nur die Schönheit, es ist ihre Persönlichkeit, ihre Kultur und ihre Geschichte, von der ich hören möchte und die das Reisen für mich zu einem Abenteuer machen.

Caroline Lenz

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