Kategorie-Archiv: Rhetorikgespräche 2009

Vortragende der [sa|tü|r] 2009


Inhalt der Vorträge
(in alphabetischer Reihenfolge)

Übersicht:

Baur, Alexander/Wolf, Simon
Recht aus der Sicht der Oratortheorie – Ein rhetorischer Systematisierungsversuch mit didaktischem Ausblick

Blomeyer, Philipp
Kopf Herz Mut und Kraft

Danninger, Gabriele
Persönlichkeit und Rhetorik – systemisch betrachtet

Fetz, Hanspeter
Petitio Principii

Freinschlag, Andreas
The Caution: Henry Peachams Warnungen an den Rhetor

Gutenberg, Norbert
Ethos und Actio: Zur Rolle der Stimme in der Medienrhethorik

Gutmann-Jungwirth, Ruth
Persönlichkeitsstärkung und Rhetoriktraining

Hoppmann, Michael
Effektivität und Ethik: Ein argumentationstheoretischer Blick auf den ‚Giftschrank der Rhetorik‘

Kirchner, Alexander
Über die psychischen Voraussetzungen für das ‚movere‘ und ‚delectare‘ des Redners.

Kirchner, Baldur
„Über die psychischen Voraussetzungen für das ‚movere‘ und ‚delectare‘ des Redners“ (Eröffnungsvortrag)

Koch, Nadia J.
Die perfekte Rednerin: Ein realistisches Ziel?

Kopp-Oberndorfer, Elfie K.
Kommunikation und Motivation

Kramer, Olaf
Simulierte Präsenz. Was wird aus dem Redner im Cyberspace?

Kunschert, Martin
„Der Stellenwert innerbetrieblicher Kommunikation aus Sicht der Unternehmensleitung“

Leidl, Christoph
Im Spiegel des Gegners. Die Persönlichkeit des Redners in der Invektive

Luppold, Stefanie
Haben Unternehmen Persönlichkeit?
Die Grenzen der Persönlichkeitsmetapher und das Potential eines korporativen Ethos-Konzepts

Mader, Martin/Mag. Brigitte, Hütter
Rhetorik – Schlüsselqualifikation für den Berufseinstieg

Manshausen Udo
Rhetorik und Theologie
die innere Einstellung des Redenden – Wege zu einem Dialog mit Weisheit und Herz

Pabst-Weinschenk, Marita
Die Rede-Pyramide – ein elementares Synopse-Modell

 

 

Polz, Sylvia/Schmalz-Rauchbauer
Die Bedeutung der Stimme für die Rhetorik

Riemer, Peter
Ethos und Actio. Zu antiken Konzepten des authentischen Redevortrags

Rixgens, Jürgen
Ethos, Pathos und Logos im Schnellkochtopf – Wie viel Persönlichkeit bildet Rhetorik an einem Tag? Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis.

Rothkamm, Jan
„Ohne Hybris, ohne Blasphemie, ohne Schwören und ohne Polemik: West-östliche Rhetorik und Persönlichkeitsentwicklung bei Aurelius Augustinus und Johannes Chrysostomus“

Schiemenz-Höfer, Elvira R.
Das Einstellungsinterview – Häufig praktiziert – auch immer professionell?!

Schild, Hans-Jochen
Die Paradoxie des Redeerfolgs nach Apostel Paulus: zur Unwichtigkeit des Redners. (nach Korinther 1,9,19-22)

Schwarze, Cordula
Rhetorischer Erfolg – wodurch? Zum Zusammenhang von Persönlichkeit, Prozess und Produkt beim Argumentieren in Konfliktgesprächen.

Stölzgen, Karsten
Der pädagogische Bezug im Rhetorik-Training

Strötgen, Harald
Im Dialog – Die Rolle des Managements in der Innerbetrieblichen Kommunikation

Taraman, Jasmin
Moderne Disputation als Persönlichkeitsbildung

Tröger, Thilo
Redetraining in den Schlüsselqualifikationen des Jurastudiums und das Vir-Bonus-Ideal

Ulrich, Anne
Haben Unternehmen Persönlichkeit? Die Grenzen der Persönlichkeitsmetapher und das Potential eines korporativen Ethos-Konzepts

Vidal, Francesca
Rhetorik und Empoloyability

Vielberg, Meinolf
Die Rezeption Quintilians in den Institutiones rei scholasticae von Johann Matthias Gesner

Wagner, W. Roland
Persönlichkeitsbildung durch rhetorische Übungen im Deutschunterricht?

Zohner, Dominikus
Ich muss, ich kann, ich will! Denkweisen in der Rhetorik.

Titel und Abstracts der Sa|tü|r 2009

Satür 2009 – Abstracts der Vorträge

(in alphabetischer Reihenfolge der Vortragend

Alexander Baur, Simon Wolf

Recht aus der Sicht der Oratortheorie – Ein rhetorischer Systematisierungsversuch mit didaktischem Ausblick

Unter Rhetorikern ist anerkannt, dass es sich beim Recht um eine besondere Erscheinungsform der Rhetorik handelt. Das Recht hat vor allem seit der Aufklärung und noch mehr seit der Mitte des 20. Jahrhunderts Techniken und Methoden der Absicherung gegen Missbrauch entwickelt und damit den vir bonus systemisch etabliert und institutionalisiert. Dem Vortrag wird es um Erscheinungsformen des vir-bonus-Postulats auf der Mikro- und der Makroebene des Rechts gehen, was nicht nur für das Recht interessant ist, sondern auch theoretische Rückschlüsse auf die Mutterdisziplin des Rechts, die Rhetoriktheorie, zulassen wird. Erkenntnisse für die praktische Rhetorikausbildung und nicht zuletzt für Genderaspekte stehen zumindest mittelbar zu erwarten.

Philipp Blomeyer

Kopf Herz Mut und Kraft

Unternehmenskultur im Wandel: die gezielte Umgestaltung der Unternehmenskultur am Beispiel der TeamBank AG: von der direktiven zur normativen Führung. Die TeamBank AG war ehedem von einer direktiven Führung geprägt, in der der Einzelne nicht gefordert war, Verantwortung anzunehmen und zu übernehmen. In einem mehrjährigen Prozess wird den Führungskräften und Mitarbeitern nahegebracht, Verantwortung anzunehmen, selbständig Initiative auch über den Bereich der Funktionsbeschreibung zu entwickeln und ganzheitlich Verantwortung für das Unternehmen zu übernehmen. Dies wird erreicht u.a. mit den Mitteln (1) „Beitrag sichtbar machen“, d.h. dem Herausstellen von herausragenden Leistungen für die Unternehmensziele, (2) eine gezielte Weiterbildung um das Wissen der Führungsinstrumente (Seminarreihe „Konsequent Führen“), (3) der Instrumente Nachwuchssicherung und Job Rotation, d.h. gezielte Verbreiterung des eigenen Horizonts durch Job Enrichment und Job Rotation, sowie (4) über die easyCredit Akademie, in der den Mitarbeitern und Führungskräften das Podium geboten wird, ihre Erfahrungen und Kenntnisse mit Kollegen zu teilen. Gemein ist allen Mitteln, dass der Mitarbeiter bzw. die Führungskraft gezwungen ist, die „Komfortzone“ zu verlassen, um sich und die Gemeinschaft im Unternehmen weiter zu bringen: Rhetorik und Persönlichkeit entwickeln bedeutet Bühnen bieten. Dieser Prozess polarisiert. Kann man jede Führungskraft erreichen? Wie geht man mit denjenigen um, die sich dem Prozess nicht stellen? Welche Konsequenzen werden von wem gezogen?

Gabriele Danninger

Persönlichkeit und Rhetorik – systemisch betrachtet

In der Systemischen Rhetorik werden Erkenntnisse der systemischen Psychologie mit der klassischen Kunst der Rhetorik verbunden. So gilt es als vordergründigstes Ziel, herauszufinden, wie die eigene Person im interaktiven Raum erlebt wird und welche rhetorischen Mittel der Persönlichkeit entsprechen. Spezielle Ressourcen, sowie geschlechtsspezifisches rhetorisches Handeln finden dabei Berücksichtigung. Als Leitidee dieses Beitrages soll die Frage untersucht werden, in welcher Weise sich die Stärkung individueller Potentiale nach den bedeutenden systemtherapeutischen Grundsätzen von Steve de Shazer auf die Rhetorik auswirkt.

Ulrich Falk

Trug und Heimtücke: Beobachtungen zu einer Gerichtsrede von Cicero

„Das Meisterwerk der römischen Rhetoriktheorie“ – unter dieser Überschrift behandelt Joachim Knape den klassischen Text De oratore von Marcus Tullius Cicero (Knape 2000). Im rechtshistorischen Überblick begegnet Cicero (106-43 v.Chr.) als Staatsmann und „bedeutendster Gerichtsredner sowie politischer Schriftsteller der Römer überhaupt“, der zwar „kein professioneller Jurist“, gleichwohl aber ein Kenner des geltenden Rechts und Vermittler griechischen Rechtsdenkens gewesen sei (Behrends 2001).

Der junge Cicero hielt im Jahr 81 v.Chr. seine erste Gerichtsrede, die heute noch erhalten ist (Pro P. Quinctio oratio). Diese Quelle ist für die dogmenhistorische Rekonstruktion des römischen Zivilprozessrechts von großem Interesse. Aus diesem Blickwinkel hat ihr der Rechtshistoriker Johannes Platschek vor wenigen Jahren eine detailgenaue Dissertation gewidmet, die von Rezensenten gelobt, aber auch hinterfragt wurde: Nur verschwommen gerät die rhetorische Dimension der Rede ins Blickfeld der Untersuchung (treffend Kroppenberg 2008; vgl. auch Metzger 2007). Der Referent wird bei den diesjährigen Rhetorikgesprächen in Salzburg versuchen, beide Perspektiven zur Deckung zu bringen.

Wenn der Referent recht sieht, dann gelangt man zu folgendem Befund: Ciceros Rede für Quinctius ist ein charakteristisches Produkt der Anwaltsrhetorik, getrieben von der Not, einen fast aussichtslosen Prozess um jeden Preis gewinnen zu müssen, weil die wirtschaftliche und soziale Existenz des eigenen Klienten auf dem Spiel steht. Die juristische Pointe dieser schwierigen Anwaltsarbeit zählt aus heutiger Sicht zum Kernbestand der Dogmatik des Zivilrechts – die exceptio doli generalis (allgemeine Arglisteinrede). Am Anfang dieser Tradition steht Ciceros erste Gerichtsrede, ein unscheinbares, aber folgenreiches Meisterwerk der römischen Rhetorikpraxis.

Hanspeter Fetz

Petitio Principii

Was ist eine Petitio Principii (im Deutschen auch als „Zirkelschluß“ oder als „Vorwegnahme des Beweisgrundes“ bezeichnet)? Logiker, Rhetoriker und Argumentationstheoretiker geben verschiedenste, sich teilweise widersprechende Antworten. Einige bestreiten, daß Instanzen von Petitio Principii Fehlschlüsse seien.

Andere halten den Terminus des Zirkelschlusses für undefinierbar. Wiederum andere geben verschiedenste Definitionen. Im Vortrag werden verschiedene populäre syntaktische, semantische und dialektische Analysen von Petitio Principi als inadäquat zurückgewiesen und diesen eine präzise epistemische Definition entgegengestellt.

 Andreas Freinschlag

The Caution: Henry Peachams Warnungen an den Rhetor

Peachams Handbuch The Garden of Eloquence (1577, überarbeitet 1593) hat in der englischen Rhetorik einen besonderen Stellenwert. Zum einen führte Peacham darin viele Begriffe als erster in die englischsprachige Rhetorik ein. Zum anderen sind darin (anders als in englischen Werken seiner Zeit) detaillierte Ratschläge und Warnungen für die Verwendung rhetorischer Mittel und Strategien formuliert. Die explizit so benannte Rubrik „The Caution“ verbindet intrinsische und extrinsische, technische und ethische Dimensionen rhetorischer Kommunikation.

Ziel des Beitrags ist die Skizzierung einer kleinen Topik, die sich aus Peachams Warnungen destillieren lässt. Einige Lemmata werden genauer behandelt, z.B. „Sarcasm“, „Irony“ und „Proclesis“.

Stefan Gössler

Barack Obama – rhetorisches Phänomen oder kunstvoller Handwerker?

Was macht Barack Obama so begeisternd? Was ist die Grundlage seiner Kunst? Was die Basis seines Charismas? Der Vortragende hat in seinem Buch die Rhetorik Barack Obamas auf Ähnlichkeiten mit jener von Schröder, Merkel, Lafontaine, Lincoln und Churchill untersucht. Neben einigen bemerkenswerten Parallelen haben sich auch klare Unterschiede herausgezeichnet.

Norbert Gutenberg

Ethos und Actio: Zur Rolle der Stimme in der Medienrhethorik

Wenn die ‚Stimme’ eines Menschen schon in der Normalkommunikation entscheidend dafür ist, wie er als Person wahrgenommen wird, um wie viel mehr in audiovisuellen oder nur auditiven Medien! Ob ein Politiker oder eine Moderatorin seriös, souverän, sympathisch, überzeugend – man denke sich die gegenteiligen Adjektive – wirkt, hängt in einem nicht genau zu quantifizierenden, aber doch sehr starken Maß von ihrer ‚Stimme’ ab.

Aber was verstehen wir unter ‚Stimme’? Welche Beschreibungskategorien gibt es, welche Kriterien zur Bewertung? Welche ‚Stimmen’ sind telegen oder radiogeeignet, wie werden sie ausgesucht und nach welchen Kriterien? Ist ‚Stimmbildung’ eine Option rhetorischer Bildung für die Medien, d. h. wie formbar ist eine Stimme, in welchem Sinne ist Stimmbildung Persönlichkeitsbildung?

Ruth Gutmann-Jungwirth

Persönlichkeitsstärkung und Rhetoriktraining

„Man wächst mit der Aufgabe“ heißt es oft. Auch die Auseinandersetzung mit und das Training von Rhetorik ist auch ein Anspruch an die persönlichen Ressourcen. Ein Rhetorikseminar wird deshalb besucht, um sich in der Rhetorik und der Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Welche Möglichkeiten ein Rhetoriktrainer dafür hat, soll der Schwerpunkt dieses Beitrages sein. Es werden Werkzeuge und Übungen vorgestellt, mit denen die Teilnehmer sowohl in ihrer Rhetorik als auch in ihrer Persönlichkeit gefordert werden.

Mein Vortrag ist ein Bericht aus meiner Praxis ohne wissenschaftliche Abhandlung. Ich freue mich auf die anschließende Diskussion.

Michael Hoppmann

Effektivität und Ethik: Ein argumentationstheoretischer Blick auf den ‚Giftschrank der Rhetorik‘

In der unüberschaubaren Flut von rhetorischen Ratgebern und Lehrbüchern gibt es kaum eine Schrift, die darauf verzichtet, einen separaten Abschnitt zum Thema ‚Fehlschlüsse‘, ‚dreckige Tricks‘ oder ‚rhetorischer Giftschrank‘ anzubieten. Die betreffenden Kapitel warnen dann entweder vor unmoralischen Tricks des Gegners, die man erkennen und selbst vermeiden müsse oder bieten selbst – gewissermaßen im Flüsterton – entsprechende Anweisungen für den werdenden Schurken. Einig sind sie sich jedoch fast immer darin, dass das Problem dieser Techniken ihre moralische Fragwürdigkeit ist.

Eva Jonas

Psychologie des Überzeugens

Interaktionen zwischen dem Sender einer Nachricht und dem Empfänger können psychologisch durch Merkmale des Senders, des Empfängers, der Nachricht und des Kontextes beschrieben werden. Diese haben Einfluss darauf, in welcher Form und in welchem Ausmaß eine Nachricht verarbeitet wird und ob sie überzeugt oder nicht.

Neben dieser deskriptiven Kennzeichnung haben Menschen aber auch Wünsche und Bedürfnisse in Interaktionen. Die Wahrnehmung von Gerechtigkeit ist hier sehr wichtig. Interaktionen werden dann problematisch, wenn Personen das Gefühl haben, dass ihre Freiheit eingeschränkt wird, z.B. aufgrund von Manipulationsversuchen. Die Folge ist Reaktanz, d.h. Widerstand um die bedrohte Freiheit wiederherzustellen.
Der Vortrag schließt mit der Vorstellung eines integratives Modell, welches formuliert, wann Menschen sich in Interaktionen öffnen und wann sie sich verschließen.

Baldur Kirchner

Eröffnungsvortrag: „Über die psychischen Voraussetzungen für das ‚movere‘ und ‚delectare‘ des Redners“

Im rhetorischen Geschehen öffnet sich zuerst der Redner, um schließlich ein Offensein der Zuhörer für das gesprochene Wort zu bewirken. Zu einer wirklich lebendigen Begegnung zwischen dem Sprechenden und seinem Auditorium wird der rhetorische Auftritt aber erst, wenn der Redner die die emotionale Seite seiner Persönlichkeit spürbar werden lässt. Wer etwas bewegen (movere) möchte, möge in sich selbst Bewegendes erleben und zulassen – wer erfreuen (delektare) will, möge erkennbar Lebensfreude verbreiten. Es ist daher notwendig, eine psychische Entwicklung absolviert zu haben, in der die emotionalen Fundamente des Redners zu einer glaubwürdigen Ausstrahlung herangebildet wurden. Diese seelische Entwicklung will der Vortrag genauer beleuchten.

Joachim Knape

Ethos und Image als rhetorische Kategorien

Der Vortrag versucht, den theoretischen Kern der aristotelischen Ethoskategorie, die wir heute mit dem Begriff Image zusammenbringen, herauszuarbeiten.

 Nadia J. Koch

Die perfekte Rednerin: Ein realistisches Ziel?

Im Anschluß an eine Lehrveranstaltung mit Rhetorik-Studentinnen der Universität Salzburg soll gezeigt werden, welche Bedeutung der rhetorische Auftritt für die Persönlichkeitsbildung der modernen Frauen hat. Ausgehend von dem historisch gewachsenen Bildthesaurus weiblicher Archetypen und von einer Bestandsaufnahme weiblicher Rhetorikmodelle im männlich definierten Theorieumfeld gilt es, die Hindernisse zu definieren, denen sich Frauen beim öffentlichen Auftritt ausgesetzt sehen. Dabei haben die praktischen Übungen mit den Rhetorik-Studentinnen ergeben, daß für die Bereitschaft des Publikums, sich von einer Frau überzeugen zu lassen, die körperliche Präsenz eine besondere Rolle spielt.

 Elfie K. Kopp-Oberndorfer

Kommunikation und Motivation

Die Art und Weise der KOMMUNIKATION in einem Betrieb beeinflusst den wichtigen Bereich der MOTIVATION aller Mitarbeiter. Das Verständnis dieses Zusammenhangs ist Voraussetzung für eine gelingende Personalentwicklung.

Olaf Kramer

Simulierte Präsenz. Was wird aus dem Redner im Cyberspace?

Die antike Rhetorik ist als eine Theorie situativer Kommunikation angelegt. In der Redesituation ist die Person des Redners, seine Persönlichkeit, ein entscheidendes Mittel, um die Zuhörer zu beeinflussen. Im Vortrag soll demgegenüber die Frage geklärt werden, welche Rolle der Persönlichkeit im Internet überhaupt noch zukommen kann? Es soll geklärt werden, wie sich im Medium Internet so etwas wie ethos-Wirkung entfalten kann, welche Konsequenzen es hat, wenn Persönlichkeit zu einem virtuellen Konstrukt wird, das sich nicht zwangsläufig an der Realität bewähren muss.

Günther Kreuzbauer

Rationalität und Recht: Ein Vergleich juristischer und anderer „Rationalitätstechnologien“

Neben Ethos und Pathos ist der Logos bekanntermaßen eine der drei klassischen Wirkformen der Rhetorik. Versteht man „Logos“ in einer weiten Interpretation als das Überzeugen durch gute Gründe, spricht das die menschliche Ratio an und hat demnach mit Rationalität zu tun. Im Rahmen der abendländischen Wissenschafts- und Philosophiegeschichte wurden mehrere „Technologien“ zur Erzeugung von Rationalität entwickelt, wobei hier vor allem auf die aus der Euklidischen Geometrie, der Dialektik und der Topik hervorgegangenen „klassischen Rationalitäts¬technologien“ zu verweisen ist, welche hier formal-konstruktive (Euklidische Geometrie), diskursiv-teleologische (Dialektik) und informell-konstruktive (Topik) „Rationalitätstechnologie“ genannt werden sollen. Da auch die Jurisprudenz für sich in Anspruch nimmt, rational zu sein, stellt sich die Frage wo die spezifisch „juristische Rationalitäts¬technologie“ in diesem Spannungsfeld zu verorten ist. Das soll hier geklärt werden.

Der Vortrag beginnt nach der Klärung der Grundbegriffe: „Rationalität“, „Rationalitäts-technologie“ etc. mit Darstellung der erwähnten drei „klassischen Rationalitätstechnologien“. Da¬nach geht es um die Verortung der gegenwärtigen kontinentaleuropäischen, juristi¬schen – d. h. insbesondere der forensischen – Rationalitätstechnologie in diesem Spannungs¬feld, wobei hier insbesondere auch auf die diskursiven, mentalen und neuronalen Grundlagen einzugehen sein wird.

Martin Kunschert

Der Stellenwert innerbetrieblicher Kommunikation aus Sicht der Unternehmensleitung

Ausgehend von der Unternehmensstrategie sind die Ziele an jeden Mitarbeiter zu kommunizieren. Es werden im Unternehmen mehrere Kanäle der Kommunikation genutzt. In Zeiten von E-Mails, Blogs, Unternehmens-Wikipedias etc. ist und bleibt die persönliche Kommunikation das wichtigste Mittel der Kommunikation. Dabei sind einige Prämissen zu beachten, beispielsweise: Je nach Zielgruppe im Unternehmen muss eine entsprechende zielgruppenspezifische Sprache gesprochen werden, um sicherzustellen, dass die Ziele verstanden werden; die Kommunikation muss nicht nur mit Inhalten gefüllt sein, sondern auch Emotionen transportieren; die Kommunikation muss auf ethischen Werten beruhen.

Christoph Leidl

Im Spiegel des Gegners. Die Persönlichkeit des Redners in der Invektive

Das Auftreten eines Redners in der Politik und vor Gericht involviert häufig die Auseinandersetzung mit einem Gegner. Wer die Verletzung von ethischen Normen durch den Gegner anprangern will, setzt zugleich seine eigene rhetorische Persona einem besonders kritischen Blick aus: Der Verteidiger genießt von vornherein einen Sympathievorsprung gegenüber dem Angreifer. Um als Angreifer das eigene Ethos überzeugend darstellen zu können, ist eine Analyse nicht nur der Persönlichkeit(sdefekte) des Gegners, sondern auch des eigenen Charakters und Verhaltens unerläßlich. Die Invektive affirmiert einen sozialen Wertekanon ex negativo. Dieser Zusammenhang von Fremd- und Eigenwahrnehmung soll am Beispiel einiger Reden Ciceros vorgeführt werden.

Stefanie Luppold/Anne Ulrich

Haben Unternehmen Persönlichkeit?
Die Grenzen der Persönlichkeitsmetapher und das Potential eines korporativen Ethos-Konzepts

Persönlichkeit überzeugt. Dies gilt nicht nur für reale Personen. Auch kollektive Akteure brauchen einen zielgruppenadäquaten „Charakter“, um erfolgreich persuasiv wirken zu können. Im Kern aller Bemühungen um corporate identity steht daher der Versuch, abstrakte soziale Gebilde über eine strukturelle Metapher als Personen zu konzipieren und diese kollektiven Oratoren mit einem passenden Ethos auszustatten. Doch unter welchen Bedingungen lässt sich die Metapher der Persönlichkeit auf Institutionen übertragen? Wo liegen Ihre Grenzen? Ausgehend von diesen Fragen möchte der Beitrag ein korporatives Ethos-Konzept entwickeln, das die Persönlichkeitsmetapher integriert, aber auch dessen nicht an diese Metapher gebundenen Mehrwert herausarbeitet.

Martin Mader/Brigitte Hütter

Rhetorik – Schlüsselqualifikation für den Berufseinstieg

Das neu gegründete Career Center der Universität unterstützt Studierende und AbsolventInnen im Übergang vom Studium in den Beruf und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu deren Berufsfähigkeit. Enge Kontakte mit den AkteurInnen am regionalen und überregionalen Arbeitsmarkt sind dazu wesentlich. Die Vernetzung bestehenden Ressourcen innerhalb und außerhalb der Universität garantiert mittelfristig ein integriertes Dienstleistungsangebot. Zudem werden Studierende fortlaufend auf die Themenfelder Beruf, Berufsbilder, Arbeitsmarkt und Beschäftigungsfähigkeit sensibilisiert. Der Bereich „Rhetorik“ stellt in diesem Zusammenhang eine Schlüsselqualifikation dar, die AbsolventInnen für einen erfolgreichen Berufseinstieg benötigen.

Udo Manshausen

Rhetorik und Theologie: Die innere Einstellung des Redenden – Wege zu einem Dialog mit Weisheit und Herz

Im Kontext des theologischen Blickwinkels stehen die Lauterkeit und die Glaubwürdigkeit des Redenden im Mittelpunkt. Die maßgebende Orientierung beschreibt der Wüstenvater Abbas Poimen (+450): „Lehre deinen Mund sagen, was dein Herz hat.“ Wie können wir jedoch einen mitmenschlichen Habitus des Herzens erlangen? Ein solcher Weg führt über die Selbsterkenntnis und das Mitgefühl. Es werden Eckpfeiler für ein persönliches Weisheitstraining vorgestellt. Damit die Gleichwertigkeit der Dialogpartner im herzlichen Horizont bleibt, ist es ratsam, ethische Regeln der Redekunst zugrunde zu legen. In diesem Sinne werden die rhetorischen Prinzipien des Bischofs Basilius von Caesarea (+379) nahe gelegt: „Überall, auch wenn man tadeln muss, ist die Rauheit fernzuhalten.“

Marita Pabst-Weinschenk

Die Rede-Pyramide – ein elementares Synopse-Modell

Sollen Rhetorik-Seminare für die Teilnehmer nicht nur Sammelsurien zusammenhangloser Tipps und Verhaltensrezepte darstellen, sondern wirklich der Persönlichkeitsbildung dienen, braucht man wissenschaftliche Theorie im Hintergrund und daraus abgeleitete praktikable Synopse-Modelle. Ein elementares und zugleich umfassendes Kriterien-Modell für rhetorische Persönlichkeitsbildung ist die Redepyramide nach Pabst-Weinschenk, die in diesem Vortrag vorgestellt wird.

Sylvia Polz/Barbara Schmalz-Rauchbauer

Die Bedeutung der Stimme für die Rhetorik

Rhetorischer Erfolg misst sich nicht nur an den vorgetragenen Argumenten oder ihrer sprachlichen Formulierung, sondern auch an der Art und Weise wie ein Redner durch sein einmaliges individuelles „Timbre“ wirkt. Die Stimme ist eine organische Funktion, die tiefer als die Sprache, da diese kulturell erworben ist, mit der Gesamtpersönlichkeit des Menschen verbunden ist. Die phylo- und ontogenetisch ältere Ebene der Stimmproduktion ist gegenüber dem intellektuellen Neuerwerb der Sprache weniger leicht messbar und deshalb ein schwieriges Untersuchungsobjekt. Sie vermag auch das Schwankende, sich erst Vorbereitende auszudrücken und die Verbindung rein intellektueller Werte mit Gefühlswerten darzustellen. In der Antike schon wurde die rhetorische Schulung der Stimmbildung und Körperbeherrschung nicht von den Rhetoriklehrern, sondern von Schauspielern übernommen. Während der Schauspieler die Wirklichkeit nur nachahmt, präsentiert der Redner diese Wirklichkeit in seiner Rede selbst.

Spielt ein Schauspieler seine Rolle, hat der Redner durch seine Person, durch sein Ethos zu überzeugen. Aber verbirgt sich nicht auch in dieser Möglichkeit als Person sichtbar zu werden eine dem Menschen innewohnende Angst? Das angeborene immanente Potential der Stimme erfährt im Laufe des Lebens eine Konditionierung, eine kulturelle Prägung, die ein Gewohnheitssprechen konstituiert. Selbst wenn der Ton „gut sitzt“, drückt er nicht mehr aus als eben dies: eine gut trainierte Stimme, die eine trainierte Person andeuten kann. In letzter Konsequenz kann aber nicht das Vertrauen des Kommunikationspartners gewonnen werden. Beinhaltet Arbeit an der Stimme auch Arbeit an der Person, bleibt die lebendige Wirkungs-Einheit zwischen Person und Stimme berücksichtigt. Die Person wird sichtbar, subtile Gedanken-Nuancen können unmittelbar und mit aller Evidenz ausgedrückt werden. Unsere einzigartige Fähigkeit, Laute zu

Wortsymbolen oder unsere flüchtige Wahrnehmung zu fest umrissenen Begriffen weiter zu entwickeln, sollte nicht auf diese zu größter Reife entwickelte beziehungsweise entwicklungsfähige Stimme verzichten.

Claus Rieder

Persönlichkeitsbildung aus Kundensicht

Das Referat untersucht die Persönlichkeitsbildung anhand von Fallbeispielen in einschlägigen Rhetoriktrainings. „Persönlichkeit“ als wissenschaftliches Paradigma wird interdisziplinär herausgearbeitet. Von Interesse ist besonders auch inwieweit „Persönlichkeit“ als juristische Kategorie definiert wird.

Jürgen Rixgens

Ethos, Pathos und Logos im Schnellkochtopf – Wie viel Persönlichkeit bildet Rhetorik an einem Tag?
Ein Erfahrungsbericht aus der Praxis.

Als Rhetoriktrainer steht man häufig vor der Aufgabe, Unternehmen zu helfen, die Veränderungen vorantreiben wollen: „Machen Sie die Leute schnell rhetorisch fit, damit sie die neue Strategie klar und emotional überzeugend ihren Mitarbeitern verkaufen! Die Zeit pro Seminar beträgt 1 Tag mit acht Teilnehmern.“ Geht so etwas? Die aristotelische Idee von Ethos als wichtigstem Überzeugungsmittel und Quintilians Ideal des tugendhaften Redners bilden einen scheinbar ungeeigneten didaktischen Ansatz und Persönlichkeit lässt sich mit dem Tagespensum vermutlich auch nicht bilden – oder doch? Der Vortrag stellt Möglichkeiten vor, die sich in der Praxis von Großunternehmen bewährt haben – allerdings nicht ohne auf Ethos, Pathos und Logos zu verzichten.

Jan Rothkamm

„Ohne Hybris, ohne Blasphemie, ohne Schwören und ohne Polemik“: West-östliche Rhetorik und Persönlichkeitsentwicklung bei Aurelius Augustinus und Johannes Chrysostomus

In der Spätantike durchläuft Rhetorik mit den Versuchen der Kirchenväter, Redekunst und Glauben miteinander in Einklang zu bringen, eine Phase des Wandels. An die Stelle einer erlernbaren, für bestimmte Situa-

tionen gedachten Technik tritt das Ideal einer göttlich inspirierten Eloquenz, die sich an den Menschen in allen Lebensbereichen wendet. Im Vortrag soll untersucht werden, wie es zwei prominenten Vertretern der lateinischen und griechischen Patristik gelungen ist, die Wende zu einer auf ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung angelegten Disziplin zu realisieren. Dabei soll auch die potentielle Ausdifferenzierung in ein orientalisches und ein okzidentales Modell von Rhetorik zur Sprache kommen.

 Elvira R. Schiemenz-Höfer

Das Einstellungsinterview – Häufig praktiziert – auch immer professionell?!

Der Erfolg von Unternehmen hängt von seinen Mitarbeiter(n)/-innen ab. Die besten Konzepte führen nicht zum Ziel, wenn für deren Umsetzung die „richtige Persönlichkeit“ fehlt. Entscheidend bei der Rekrutierung von qualifiziertem und motiviertem Personal ist immer noch das Interview. In Auswahlgesprächen wird täglich mit Mio. von € an Wertschöpfungspotenzial jongliert, obwohl ein Einstellungsfehltritt in immenser Höhe zu Buche schlägt. In 1er Stunde werden Entscheidungen getroffen, die 6-stellige Investitionen betreffen. Führungskräfte bekennen offen, dass sie kaum Gebrauch von vorbereiteten, strukturierten Interviews machen und auf ihre Erfahrung und ihr Bauchgefühl vertrauen. Erfahren Sie, warum eine gute Interviewtechnik unerlässlich ist!

Hans-Jochen Schild

Die Paradoxie des Redeerfolgs nach Apostel Paulus: zur Unwichtigkeit des Redners. (nach Korinther 1,9,19-22)

Die in der klassischen Rhetorik zentrale und entscheidende Rolle des Redners wird systematisch im Dienst der gelingenden Persuasion demontiert. Nur im bewußten Selbstverzicht, in Demut, in Absehen von gegebenem eigenen Macht-und Verhandlungspotential, in Selbsterniedrigung und im Verzicht auf die Sichtweise eines Überlegenen und mit den Augen der anderen zu sehen, die gewonnen werden sollen, gelingt der Redeerfolg. „Ich bin allen alles geworden, damit ich auf diese Weise einige rette.“ Das Paradoxe liegt dabei

darin, dass auf alles verzichtet worden ist, was der jeweils anderen Eigenheit des zu gewinnenden Publikums fremd erscheint, und um so durch bewusste Selbstentfremdung Fremde zu gewinnen.

Cordula Schwarze

Rhetorischer Erfolg – wodurch? Zum Zusammenhang von Persönlichkeit, Prozess und Produkt beim Argumentieren in Konfliktgesprächen.

Anhand authentischer Konfliktgespräche wird mittels gesprächsanalytischer Methoden bei der Analyse der Argumente und ihrer zugrunde liegenden Topoi das Zusammenwirken aller rednerischen Überzeugungsmittel aufgezeigt. Unter Berücksichtigung von Prozessualität und Interaktivität des Argumentierens als einer regelgeleiteten Gesprächspraktik wird dargestellt, wie Argumentieren im Gespräch anhand verschiedener Faktoren situativ, lokal gebunden und prozessual konstituiert, aber doch individuell ausgeformt hergestellt wird. Es wird deutlich, dass die drei rednerischen Überzeugungsmittel miteinander verflochten zur Anwendung kommen und in ihrer interaktiv sensiblen und virtuosen Anwendung als Ausdruck der Persönlichkeit angesehen werden können.

Karsten Stölzgen

Der pädagogische Bezug im Rhetorik-Training

Persönlichkeitsbildung geschieht nicht im luftleeren Raum, sondern in Begegnung mit anderen. Im Rhetorik-Training ist die Art der Beziehung zwischen Lehrendem und Lernendem in vielfacher Hinsicht Gelingensbedingung, wird allerdings in der klassischen Rhetorik selbst kaum beachtet. Hermann Nohl, einer der großen Vertreter der geisteswissenschaftlichen Pädagogik, sieht in seiner Theorie vom pädagogischen Bezug das „leidenschaftliche Verhältnis“ von Lehrendem und Zögling als die Grundlage der Erziehung. In diesem Vortrag soll die Beziehung zwischen Trainer und Teilnehmer und dessen Beitrag zum Gelingen des Trainings auf der Grundlage der Ideen Nohls erkundet werden.

Harald Strötgen

Im Dialog – Die Rolle des Managements in der Innerbetrieblichen Kommunikation

Der Erfolg von Veränderungsprozessen aber auch die ständige Weiterentwicklung der Unternehmensziele hängt maßgeblich von einer funktionierenden internen Kommunikation ab. Die Stadtsparkasse München hat einige Stellhebel entwickelt, um den innerbetrieblichen Informationsfluss zu gewährleisten.

Jasmin Taraman

Moderne Disputation als Persönlichkeitsbildung

Die Disputation als Übungsformat taucht erstmals in der aristotelischen Topik auf. Dort führt Aristoteles neben der ‚Übung‘ auch ‚die Begegnung mit der Masse‘ als Zweck der Disputation an. In jüngster Zeit wurde die Disputation im akademischen Rahmen als rhetorische Trainingsform wiederbelebt und modernen Anforderungen an ein Übungsformat angepasst. In diesem Vortrag werde ich den Fokus auf die Kompetenzen legen, die die Teilnehmer beim disputieren schulen können. Durch den dialektischen
Charakter der Disputation werden neben analytischen und argumentativen Fähigkeiten ebenso allgemeine Gesprächskompetenzen trainiert, die einen großen Teil zur Persönlichkeitsbildung beitragen können.

Thilo Tröger

Redetraining in den Schlüsselqualifikationen des Jurastudiums und das Vir-Bonus-Ideal

Durch den Bologna-Prozess und durch die Reform der Juristenausbildung im Deutschen Richtergesetz sind die juristischen Fakultäten der Hochschulen verpflichtet, General Studies oder Schlüsselqualifikationen in den Lehrplan (wieder) einzuführen, um dem Studium Praxis- und Anwaltsbezüge zu geben. Dem liegt die Erkenntnis zu Grunde, dass fachliche juristische Fähigkeiten nicht allein den beruflichen Erfolg garantieren, sondern mindestens ebenso kommunikative und soziale Kompetenzen des Richters oder Anwalts, die wesentlicher Teil seiner „Persönlichkeit“ bilden. Welche Persönlichkeitsmerkmale sind für einen Juristen wünschenswert, ob und wie lassen sich diese im Unterricht trainieren, reflektieren und gute Ansätze verstärken?

Francesca Vidal

Rhetorik und Empoloyability

Im Beitrag soll exemplarisch an den Anforderungen der Arbeitswelt, der sog. Employability, gezeigt werden, warum es gerade heute des rhetorisch Gebildeten bedarf und warum Rhetorik als umfassendes Bildungsprogramm zu neuer Geltung gebracht werden muss. Unter der Voraussetzung, dass es ein berechtigtes gesellschaftliches Interesse gibt, die Bedeutung demokratischer Werte wie Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung für eine humane Arbeitswelt immer wieder herauszustellen, soll an der Kategorie Subjektivität gezeigt werden, dass die für den gesellschaftlichen Wandel als notwendig herausgestellte Subjektivierung für den Einzelnen nur dann zu nutzen ist, wenn er auch der Arbeitswelt als ein rhetorisch Gebildeter begegnen kann.

Meinolf Vielberg

Die Rezeption Quintilians in den Institutiones rei scholasticae von Johann Matthias Gesner

Johann Matthias Gesner war der erste Professor der Eloquenz an der Universität Göttingen. Er gründete dort das Philologische Seminar. Der Unterricht im Philologischen Seminar beruhte auf seinen in der Seminarordnung von 1738 genannten Institutiones rei scholasticae. In der im Auftrag des Theologen J. Fr. Buddeus an der Universität Jena verfassten Lehrschrift greift Gesner auf verschiedene Autoren aus Barock und Frühaufklärung wie J. L. Vives, W. Ratichius, J. A. Comenius, J. Locke, E. Weigel und Chr. Thomasius zurück. Seine Hauptquelle ist Quintilian.

Es wird gezeigt, wie die antike Rhetorik für die Entwicklung des Philologischen Seminars fruchtbar gemacht wurde und damit die Entwicklung der Universität von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart bestimmte. Im einzelnen wird behandelt, wie J. M. Gesner in den Institutiones rei scholasticae Quintilians rhetorische Lehrschrift nach Anlage, Adressatenorientierung, rhetorischer Präsentation des Lehrstoffs, Forderung einer universalen Bildung des Studenten, Wahl der Metaphorik, Argumenten und Argumentformen umfassend, wenngleich nicht unkritisch rezipiert. Damit wird ein bislang unerforschtes Kapitel der Wirkungsgeschichte Quintilians und der antiken Rhetorik beschrieben.

Roland W. Wagner

Persönlichkeitsbildung durch rhetorische Übungen im Deutschunterricht?

In den Bildungsplänen aller Schularten finden sich zahlreiche Forderungen und Hinweise zur Persönlichkeitsbildung. „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden” steht z. B. in der Bayerischen Verfassung. Vor allem der Deutschunterricht bietet viele Möglichkeiten, die Persönlichkeiten der Schülerinnen und Schüler zu beeinflussen. Der Beitrag soll einen Überblick verschaffen, welche rhetorischen bzw. sprechpädagogischen Methoden hierzu eingesetzt werden könnten, welche Probleme auftreten und welche Risiken beachtet werden müssen.

Daniela Werndl

Personalentwicklungsprogramme an Universitäten – zur Weiterbildungskultur an einer Bildungseinrichtung
  • Personalentwicklungsprogramm an der Universität Salzburg- Implementierung und Umsetzung
  • Rhetorikangebote als zentraler Baustein
  • Weiterentwicklung in den Curricula
  • Vernetzung, Kooperation und Synergie – die Zauberwörter im Universitätsalltag
  • Ausblick

 

Dominikus Zohner

Ich muss, ich kann, ich will! Denkweisen in der Rhetorik.

Was wir denken, hat Einfluss darauf, wie wir reden und handeln. Der Mensch denkt am Tag nach allgemeinen Schätzungen 30 – 50 tausend Gedanken. Wer als Redner regelmäßig über sich und seine Rede Negatives denkt, der steht sich damit selbst im Weg und bremst seine Persönlichkeitsentwicklung. Wer sich immer wieder mit Gedanken beschäftigt wie „Ich  m u s s  besser werden!“, versetzt seinen Körper so in Spannung, dass er als Redner seinen Redefluss hemmt und den Kontakt zum Publikum verlieren kann. Henry Ford sagte einmal: „Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht: Du wirst auf jeden Fall recht behalten.“ Dominikus Zohner erläutert in seinem Vortrag die Zusammenhänge zwischen dem Denken, dem Fühlen und dem Reden.

 

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