Schlagwort-Archiv: Quintilian

Wissenschaft als soziales Phänomen

 

Julia Siebert

Wissenschaft als soziales Phänomen

– eine rhetorische Analyse

 

Abstract

Die traditionelle Auffassung einer rein rationalen Wissenschaft offenbart immer wieder große Defizite und gerät schnell in Erklärungsnot, wenn zum Beispiel ein Nobelpreis für etwas vergeben wird, das über Jahre hinweg als irrationaler Unsinn abgetan wurde. Quasikristalle? Es gibt sie also doch.

Ereignisse wie diese stärken im Gegenzug der von Thomas S. Kuhn vertretenen wissenschaftstheoretischen Position den Rücken. Dieser betrachtet die Erkenntnisse und Entwicklungen in der Wissenschaft als ein Produkt der Gruppenstrukturen innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft und präsentiert damit eine Theorie, die der Tatsache Rechnung trägt, dass jede Art von Wissenschaft immer von Menschen betrieben wird. Menschen, die nicht wie Maschinen funktionieren, sondern an vielschichtige psychische Faktoren gebunden sind. Statt logischer Beweise und rationaler Argumente stehen hier Dynamiken innerhalb der Gruppe, persönliches Interesse und strategisch taktierende Wissenschaftler mit festen Überzeugungen im Mittelpunkt. Kuhn entwirft ein sozial fundiertes Bild der Wissenschaftsentwicklung, das eine erstaunliche Nähe zur Rhetorik und ihren Prinzipien offenbart. Tatsächlich scheint die Rhetorik seine Theorie nicht nur zu untermauern und zu bestätigen, sondern sogar ein wissenschaftliches Fundament für diese relativistische Position zu liefern.

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Natura

Natura, auf Griechisch φύσις; phýsis lässt sich als „natürliche Anlage“ ins Deutsche übersetzen. Durch sie erlangt ein Mensch die Fähigkeit das Reden zu gestalten. Des Weiteren ist die natura die individuell ausgeprägte Basis für das kunstvolle Reden, das durch die lehrbare Redekunst (docrina, ars) und Übung (exercitatio, usus) erworben wird.[1]
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Was ist eine rhetorische Figur – und was macht eine rhetorische Figur wichtig?

Die Figura bezeichnet ihrer lateinischen Wortherkunft nach ein ,plastisches Gebilde‘. Entwickelt hat sich der rhetorische Fachterminus figura in enger Beziehung zum griechischen Schema (,äußere Gestalt‘) – ein Begriff, der in der griechischen Antike bereits ganz verschiedene (sprachliche, mathematische, astronomische) Verwendungszusammenhänge aufzuweisen hatte. So kommt es, dass sich in der Bezeichnung ,rhetorische Figur‘, die sich im Verlauf des letzten vorchristlichen Jahrhundert zu dem bis heute gängigen terminus technicus der Rhetorik etablierte,  Bedeutungsfacetten wie äußere Erscheinung, Form (forma), Licht (lumen) Ausschmückung (exornatio), Bewegung oder auch Verwandlung ineinander vermischt finden. Weiterlesen